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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Wulfheart, Daniel T. Ritter
Daniel T. Ritter

Wulfheart


Aufbruch in eine neue Welt

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Eine Geschichte beginnt…


Am Anfang stand ein Ereignis, welches alle nur noch „den Vorfall“ nennen. Was genau bei diesem Vorfall passierte, ist noch weitgehend unklar. Tatsache ist, dass dieses Ereignis den Untergang der Alten eingeleitet hat. Fast die gesamte Kultur und Technik der Alten wurde bei diesem Ereignis weitgehend zerstört. Dem Vorfall folgten Jahrzehnte des Chaos. Es gab keine Regierung geschweige denn Gesetze mehr. Horden von Plünderern und Mördern überschwemmten das Land. Es herrschten Angst, Chaos und Hunger.


Inmitten dieser Zeit wurde unser erster König Burger zur Erde gesandt, um uns alle vor dem Chaos zu retten. Mit seiner rot glühenden Kutsche „Aurora“ landete er auf der Erde. Auf dem Haupt trug er die von den Alten geschaffene "Goldene Krone" der Speisen. König Burger erhellte uns mit seinem weißen „Magischen Licht“.  Von seinem Heiligtum aus speiste er uns mit seinen von Göttern erschaffenen Speisen und brachte unserem Volk Wohlstand und Frieden. Dies ist zu mindestens die Version der Priester des Burgers, die König Burger den Ersten als göttlichen Propheten verehren. Tatsache ist, dass König Burger das Königreich Trümmertal und die großartige Stadt Lichtsturm gründete. Neben dem Königreich Trümmertal haben sich noch zwei andere große Reiche gebildet, Hohenbergen im Süden und das seltsame Reich der Tunnelmenschen im Norden, welches erst vor ca. hundert Jahren wie aus dem Nichts erschienen ist. Neben diesen Großreichen gibt es noch einige kleinere Königreiche und Fürstentümer. Immer wieder kommt es zwischen den Königreichen Trümmertal und Hohenbergen sowie den Fürstentümern zu Kriegen. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Meist aber geht es um seltene Ressourcen oder einfach allein um Macht. Momentan herrscht Frieden zwischen den Reichen, doch ein weiterer Krieg bahnt sich bereits am Horizont an. Vieles, welches ich zuvor nie für möglich hielt, habe ich den letzten Jahren meiner Reisen erlebt. Mein Name ist Alfric Wulfheart und dies hier ist meine Geschichte.


Alles begann im Jahre 467 nach Burger dem Ersten, der heutigen gültigen Zeitrechnung, in der Stadt Eisenbergen. Eisenbergen ist eine kleine Minenstadt, bekannt für seine „Berge der Alten“, die einst prächtige Gebäude der Alten waren. Eisenbergen liegt mitten in den „Wäldern der Ruinen“ im Königreich Trümmertal. In Eisenbergen leben meist einfache Leute, die sich weitgehend vom Bergbau und der Landwirtschaft ernähren. Darüber hinaus leben dort auch noch einige Schatzsucher und Kaufleute, die Metalle und Objekte weiter verkaufen und ein paar adlige Gutshofbesitzer. Eisenbergen ist in zwei Stadtteile aufgeteilt. In der Unterstadt wohnen die einfachen Bauern und Bergarbeiter sowie die meisten Schatzsucher. In der Oberstadt, die von einer imposanten Mauer befestigt ist, leben die Kaufleute und Handwerker sowie Schatzsucher, welche mehr Glück bei ihrer Suche hatten. Selten kommen auch mal ein paar Gelehrte in die kleine Stadt, um sich nach Zauberdinger umzusehen, aber meist meiden diese den gemeinen Pöbel. Genauer gesagt begann die Geschichte in einem kleinen schäbigen Eisen- und Trödelladen. Dieser Laden hat sich auf den Verkauf und Ankauf von hartem Eisen, Metallen, Werkzeug, Plastik und Zauberdinger spezialisiert. Gleichzeitig ist es auch ein Pfandleihhaus, welches nicht dafür bekannt ist faire Preise zu bezahlen. Geleitet wird dieser Laden von einem kleinen dicken und vor allem gierigen Zwerg, den hier alle nur Stainless nennen. Eines Tages brachte ein alter halb blinder Bergmann namens Gord neben seinem normalen Tagwerk ein seltsam anmutendes Objekt in den Laden von Stainless. Er hatte es in seiner Mine beim Schürfen von hartem Eisen gefunden. Nun versuchte er es Stainless zu verkaufen. In einem kurzen Moment der Unachtsamkeit ließ der alte Bergmann das Objekt fallen. Dabei passierte etwas Sonderbares mit eben diesem Objekt.


Aber seht selbst:


„Personal Quantum KI System RQOS 1.0128


Startup…. Datenwiederherstellungsphase gestartet… Daten werden wiederhergestellt… Defekte  Sektoren entdeckt… versuche Wiederherstellung der kristallinen  Struktur.


Wiederherstellung bei 28%....    


Batteriezustand kritisch …. Notabschaltung initialisiert.“                                                                                                                                


„Ein wunderliches Zauberding, was ihr da entdeckt habt. Für was das wohl war? Sieht fast aus wie ein Spiegel, nur ist das Ding schwarz. Diese Ziffern!  Das sind die Schriften der Alten  nur scheinen diese sich zu bewegen… Woher hast dies Zauberding nochmal?“


Mit Stolz erzählte der Alte seine Geschichte „Hab es gestern im neuen Stollen im Berge der Alten gefunden. Es war in einer eisernen Truhe.  War dort „hartes Eisen“ schürfen.“ „Was willst du für das Zauberding?“, fragte Stainless den alten Mann. „Mhm, scheint dir wohl was wert zu sein? Wenn es so ist, dann fünfzig Goldmetall?“ Das von harter Arbeit geschundene Gesicht des Alten strahlte dabei. „Was!? Du warst wohl zu lange im Berge alter Mann! Für diesen kaputten schwarzen Spiegel?  Siehe das Ding ist zu nichts zu gebrauchen und es ist ein sehr kleiner schwarzer Spiegel mit Kratzern drauf! Ich gebe dir zwei Goldmetall und neunzig Silbermetall  dafür!“                                                       


„Vielleicht hast du recht. Will aber mindestens vier Goldmetall dafür. Brauch das für meine Balgen und mein Weib.“                                                     „Hand drauf!  Machen wir es so. Ich gebe dir vier Goldmetall für dein Zauberding. Das macht dann zusammen mit dem harten Eisen fünf Goldmetall, sechzehn Silbermetall und dreiundsiebzig Kupfermetall. Bis Morgen, Bergmann und Gesundheit für dich und deine Balgen… Grüß mir auch dein garstig Weib. Auf dass sie dir endlich mal was Essbares koche!“


„Wünsch dir auch Gesundheit, Eisenhändler Stainless!“ 


(Sich beim Begrüßen und Verabschieden „Gesundheit“ zu wünschen ist ein Brauch, warum und wie er entstanden ist, weiß keiner.)


Der alte Bergmann verließ den Laden und freute sich über das unerwartete Zubrot. Stainless hingegen konnte sein Grinsen kaum verbergen und freute sich über das seltsame Zauberding. Denn er wusste ganz genau, dass er es an die Gelehrten, einem Sammler oder einem Adligen für mindestens das zwanzigfache von dem was der alte Bergmann erhalten hatte, verschachern konnte. Die Gelehrten verstehen sich selbst als Elite und versuchen die Geschichte der Alten zu erforschen und zu deuten. Wie gesagt sie versuchen es. Neben wenigen Adligen und den Priestern des Burgers sind die Gelehrten die Einzigen die in der Lage sind die Schriften der Alten zu lesen und zu deuten. Bisher haben die Gelehrten aber nur einen Bruchteil der Technik der Alten studiert beziehungsweise verstanden. So haben die Gelehrten beispielsweise Pumpen entwickelt, mit denen man mit Hilfe der Kraft des Windes Wasser aus der Erde pumpen kann. Dies führte zu einer erheblichen Verbesserung der Landwirtschaft. Auch war es nun viel einfacher Wasser aus Minenschächten oder Ruinen zu pumpen.  Die meisten Erfindungen aber behalten die Adligen und Gelehrten für sich. Sie wollen so den niederen Pöbel kleinhalten. Ein normaler Tag in Eisenbergen sieht in etwa folgendermaßen aus: Früh morgens wandern die Bergarbeiter von ihren dreckigen Behausungen der Unterstadt zu den Minen, die sich im Laufe der Jahrhunderte tief in die „Berge der Alten“ gefressen haben.  Dort graben sie dann nach dem sogenannten „Harten Eisen“. Hartes Eisen ist, wie es der Name schon erkennen lässt, härter als das gewöhnliche Eisen, welches aus Erzen gewonnen wird. Es ist eine Hinterlassenschaft der Alten. Meist wird es für Werkzeuge oder Waffen verwendet. Hartes Eisen unterliegt drastischen Kursschwankungen, da es in Friedenszeiten deutlich weniger benötigt wird als in Zeiten des Krieges.


Neben dem harten Eisen suchen die Bergarbeiter auch nach dem sogenannten „leichten Eisen“, das vorwiegend im Hausbau verwendet wird, sowie anderen Metallen wie Gold oder Kupfer, aus dem man unsere Währung herstellt. Auch nach dem sogenannten Plastik, das sich leicht einschmelzen lässt und aus dem viele edle Dinge wie Tafelgeschirr, Becher und Schilder der Alten bestehen, schürfen die Bergarbeiter. Das Leben eines Bergarbeiters ist hart und gefährlich. Immer wieder kommt es zu Einstürzen und Verschüttungen. Dafür kann ein Bergarbeiter weit mehr verdienen als jeder einfache Bauer. Schatzsucher haben sich meist nur auf das Aufspüren von wertvollen Metallen, Objekten und Zauberdinger spezialisiert.  Als Zauberdinger werden  generell Objekte bezeichnet die scheinbar durch Zauberei funktionieren oder deren  Funktion nicht bekannt ist.  Sie suchen die Minen und sogar den Wald der Ruinen nach diesen Dingen auf der Hoffnung nach schnellen Reichtum ab.


Manchen hat dies auch einen erheblichen Reichtum eingebracht. Andere wiederum haben bis jetzt nur Armut gefunden, wenn nicht sogar den Tod. Insbesondere diejenigen, die ihr Glück im „Wald der Ruinen“ suchen, kommen oft am Abend nicht wieder.


In der Oberstadt beginnt der Tag ein wenig später als in der Unterstadt. Gegen Mittag aber haben alle Händler und Handwerker ihre Läden geöffnet. Genauer gesagt fast alle. Immer Stunden später öffnet der versiffte, dreckige Laden von Stainless. Warum, fragen Sie sich? Stainless ist einfach faul, darum. Zudem hat Stainless wenig Konkurrenz. Er verkauft oder vermietet einfach die besten Werkzeuge und Messer der ganzen Stadt; zu enorm hohen Preisen versteht sich. So manch armen Schatzsucher trieb Stainless damit in den Ruin. Viele Gerüchte über Stainless besagen, dass er einst ein bekannter Schatzsucher war und so viele seiner seltenen Waren erhalten hatte. Aber das sind wohl nur Gerüchte. Wahr ist aber, dass Stainless sich im ganzen Königreich einen gewissen Ruf aufgebaut hatte. (Aber zweifellos eher einen schlechten.) Wie eine Spinne wartete er auch an diesem Tage geduldig auf seinen nächsten Kunden, den er dann genüsslich „aussaugen“ konnte. Dieser Tag war allerdings kein gewöhnlicher Tag. Hoher Besuch hatte sich angekündigt. Ein Gelehrter sollte in die Stadt kommen.  Aus diesem Anlass wurde jeder „niedrige“ Pöbel aus der Oberstadt verbannt. Außer den Adligen, Händlern und Handwerkern, die extra aus ihren Läden zum Marktplatz geströmt waren, um dort ihre besten Waren und Zauberdinger anzubieten, befand sich nun niemand mehr in der Oberstadt. Und dann war  so weit. Die großen Tore der Oberstadt, die komplett aus hartem Eisen gefertigt sind, öffneten sich. Zuerst ritten die „Blitzkrieger“, die Leibgarde des Gelehrten ein.  (Die Blitzkrieger nennt man so, da man nur einen Blitz aus ihren  seltsam geformten Schwertern sieht, bevor man das Bewusstsein verliert und dann dem Großen Burger, einer Art Gottheit, persönlich entgegen tritt.)


Kurz darauf rollte der Gelehrte in einer Art Metallkutsche in die Oberstadt ein. Sie wurde anscheinend durch Geisterwesen gezogen, denn kein Reittier war davor gespannt, nur Dampf stieg aus dieser Kutsche auf. Ohne große Umwege zu nehmen, zog der Konvoi in Richtung Marktplatz. Dort angekommen  drängten die Menschen wie eine Horde Lemminge in Richtung der seltsamen Kutsche. Alle wollten den Gelehrten sehen! Die Gelehrten stellen für die meisten Menschen mächtige Zauberer dar und sie sind selten zu sehen. Und dann war es soweit! Ein kleines unscheinbares Männchen von geringem Wuchs stieg aus der seltsamen Eisenkutsche. Sofort bahnten sich die Blitzkrieger eine Gasse. Einer von ihnen ein etwa zwei Meter großer Mann in glänzender goldener Rüstung brüllte einige Worte in  Richtung des staunenden Volkes.


 ,,Machet Platz für Dunyen, den großen Gelehrten des Königs Balduin IV.!“


Die Adligen begannen in diesem Augenblick wie kleine besessene Affen ein wildes Applaudieren. Den Händler hingegen interessierte das wenig, stattdessen priesen sie nun alle ihre Waren an, als sei gerade Wochenmarkt. „Seihet still Pöbel! Der Gelehrte Dunyen ergreife nun das Wort!“ 


„Gesundheit Volk! Gesundheit Volk! Wir sind heute in dies dreckige Stadt gesandt worden, um nach Zauberdingern zu suchen. Wer Zauberdinger anzubieten hat, so zeige diese uns! Gehet zurück zu euren Ständen, Pöbel und lasset uns durch!“


Begleitet von seinen treuen Leibwächtern und einer fetten Truhe voller Goldmetall, zog der Gelehrte von Stand zu Stand und ließ sich die sonderbarsten Relikte zeigen, die man sich so vorstellen kann. Unter diesen Relikten waren unter anderem ein Lenkrad, ein Dosenöffner, ein Autoreifen, eine Gasflasche, ein Plastikbecher, ein altes Schild mit der Aufschrift „Rasen betreten verboten!“ und eine seltsame Plastikpuppe, die aussah wie eine Kartoffel. Doch fast keines dieser Dinge außer dem Schild und dieser „Kartoffelpuppe“, welche gleich zu Studien mitgenommen wurde, erweckten das Interesse des Gelehrten. Der Gelehrte wollte wohl damit das Götter- und Götzenwesen der Alten erforschen.


„Wir haben den weiten und gefährlichen Weg von der Hauptstadt auf uns genommen um Zauberdinger zu suchen und alles, was ihr mir zeiget, ist nichts als Müll! Zeiget uns echte Zauberdinger!“


Nun endlich zog der Tross in Richtung des Standes von dem gierigen Händler Stainless. Dieser versuchte Dunyen zu seinem Stand zu locken. „Werter Herr! Gesundheit, werter Herr! Sehet meine Waren! Ihr werdet erstaunt sein, werter Herr!“                                                                                                   


„Ach, Gesundheit Eisenhändler Stainless! Hab euch so lange nicht gesehen!  Sind wahrlich schöne Messer, dir ihr da habt. Sind das etwa Messer der Alten? „Ja, mein Herr“, antwortete ihm Stainless „Dies Messer wurden von den Alten geschmiedet. Sie sind schärfer, robuster und leichter, als alles was ihr je gesehen habt! Sie wurden aus einem Material Namens Titanium gefertigt.“


„Fürwahr, das sind wirklich besondere Messer, die ihr da habt. Die würde ich gern erwerben.“ Stainless grinste nur und holte das Zauberding, welches er noch am Abend zuvor dem alten Bergarbeiter „abgenommen“ hatte aus seiner riesigen Truhe,  und zeigte es dem Gelehrten Dunyen.                                  


„Mein Herr sehet euch auch dies Zauberding an. Habs gestern erst erstanden.“ 


„Was soll dies sein?! Dies ist nur ein kleiner schwarzer und verkratzter Spiegel! Dies Ding ist kein Zauberding! Wenn dies ein Scherz gewesen sei, so war dies kein guter, Eisenhändler Stainless!


„Wartet Herr! Wenn man das Ding da an der Seite reindrückt, erscheint die Schrift der Alten!“ Stainless drückte den seltsamen Knopf an, der Seite des schwarzen Spiegels und der seltsame Text erschien abermals. Der Anblick, den der Gelehrte da sah, haute ihn fast aus seinen edlen vergoldeten Schuhen. Auch die sechs Leibwächter an seiner Seite hätten ihm nicht helfen können. Mit wispernder Stimme stammelte nun der Gelehrte einige Sätze vor sich hin. Er war so von Sinnen, dass er all seine Arroganz vergaß.


„Bewegte Schrift der Alten… Niemals hätte ich geahnt dies jemals zu sehen…Ich habe einige Legenden in Liedern der Alten davon gehört, hätte aber nie geglaubt, dass diese Märchen wahr sind. Ich muss dies unbedingt studieren! Leider scheint es defekt zu sein.“ „Was wollt ihr haben für euer Ding?“, fragte Dunyen den kleinen Händler. Stainless entgegnete den Gelehrten mit einem breiten Grinsen.


„Oh, mein Herr! Es scheint euch zu gefallen, mein Herr! Für einen „kleinen“ Preis von nur 180 Goldmetall wäre ich schweren Herzens bereit, mich davon zu trennen.“ Dunyen erschrak zutiefst, als er diesen Preis hörte. „180 Goldmetall?!  Dies Preis vermag uns nicht sehr zu gefallen! Es sind nur 200 Goldmetall in dies Truhe!“ Dunyen beging mit dieser Aussage einen dramatischen Fehler und Stainless fiel dem Gelehrten sofort ins Wort. „Wenn das so sei, will ich 200 Goldmetall dafür, mein Herr! Entrüstet entgegnete ihm Dunyen.


„Was?! Das können wir mit des Königs Geld nicht machen! Dieser Preis ist eine Beleidigung, eine Gotteslästerung, nein es ist Verrat an unserem König Balduin dem IV.! „Gut, mein Herr! Ich werd euch noch eines meiner Messer dreingeben, suchet euch eines aus… Wenn ihrs aber nicht zahlen wollt, so zieht weiter zum nächsten Stand, aber ohne Zauberding!“ Dunyen musste dieses Zauberding unbedingt in seinen Besitz bringen. Ein solcher Fund wie dieses Zauberding würde ihm hohes Ansehen bei den anderen Gelehrten einbringen. So hatte Dunyen wohl keine andere Wahl, als auf Stainless unverschämtes Angebot einzugehen. „Nein, nein! Wir werden es zahlen, euer Zauberding, Halsabschneider Stainless!“


Hastig übergab der Gelehrte den gesamten Inhalt seiner Truhe Stainless und schnappte sich das Zauberding und ein großes Messer, welches auf dem Tisch lag. Danach verließ Dunyen eilig den Stand, ohne sich zu verabschieden. (Das ist hier sehr unhöflich). Eilig wollte er das Zauberding untersuchen. Stainless lachte über sein breites bärtiges Gesicht. Es war aber eher ein diabolisches Lachen. Noch nie hatte er jemanden so viel für ein Zauberding abgeknöpft. Er rief den Gelehrten noch einige Worte hinterher, die eher wie sein Lachen klangen. „Gesundheit, werter Herr!“ „Lebet wohl!“ „Lebet Wohl!“ Das Lachen war noch weit über den gesamten Marktplatz zu hören, aber der Gelehrte hatte nur noch Augen für sein Zauberding und befahl seiner Garde die sofortige Abreise.


„Männer! Wir haben keinen Grund mehr hier in dieser dreckigen Stadt zu sein! Auf in die Hauptstadt! Auf zur Großen Akademie! Ich will dies sofort untersuchen!“


Fluchtartig stieg der Gelehrte in seine eigenartige Kutsche. Dieses Mal wurden allerdings Pferde davor gespannt. Die Kolonne setzte sich sofort in Bewegung und zog durch das imposante Tor der Oberstadt. So schnell die Pferde die Kutsche ziehen konnten, verließen sie Eisenbergen. Zurück blieben einige mies gelaunte Händler, die ihre Waren nicht veräußern konnten und ein sehr, sehr glücklicher Stainless. Der Weg, den der Gelehrte nun vor sich hatte, war ein langer und gefährlicher, denn zwischen der Hauptstadt und Eisenbergen liegt der „Wald der Ruinen“. Dieser Wald erstreckt sich über ein sehr weites Gebiet und war wohl einst eine prächtige Stadt der Alten. Heute hat sich die Natur diese Stadt zurückerobert. Einige Türme und Gebäude stehen noch. Diese alten Gebäude verfallen nun und sind kaum noch im dichten Wald zu erkennen. Große Rudel von „Höllenviechern“ durchstreifen diese Wälder und zerfleischen alles und jeden, der ihnen zu nahe kommt. Sie sind die Nachfahren von Haustieren, welche die Alten damals Hunde nannten. (Überliefert von Plakaten und Schildern der Alten.) Neben diesen Höllenviechern haben sich auch Banditen, Mörder und andere Gestalten in den Wäldern und Ruinen niedergelassen. Tagsüber ist die Reise durch den Wald der Ruinen gefährlich, aber Nachts gleicht es eher einem Selbstmord, durch den Wald zu reisen. Und es dämmerte bereits. Inmitten des Waldes steht ein riesiges Gebäude der Alten. Es wird von allen nur die „Große Saufhalle“ genannt. Eine Saufhalle ist ein Ort, an dem Reisende aus den verschiedensten Königreichen rasten und übernachten können. Ebenso kann man sich dort mit Bier, dem Getränk der Alten, die Welt ein wenig schöner trinken und „Lustweiber“ ansehen, die in fast jeder Saufhalle zu finden sind. Das Zeichen der Saufhalle ist schon von Weitem zu erkennen, denn auf den großen Türmen, die sich an der Seite des Gebäudes den Himmel emporstrecken, befindet sich ein prächtiges Kreuz. Alle Saufhallen der Alten tragen dieses Zeichen. Nach Untersuchungen verschiedener Bilder und Schriften gab es einen Kult um ein oder mehrere alkoholische Getränke. In den meisten Abbildungen, die an vielen Tunnelwänden hängen, wird das sogenannte Weißbier dargestellt. Am meisten bekannt ist hierfür die Abbildung eines fröhlichen dicken alten Mannes, der eine einfache Kutte mit dem Zeichen der Saufhallen trägt und ein großes Trinkgefäß in seiner rechten Hand hält. Augenscheinlich ist dieser Mann ziemlich betrunken. In manchen Darstellungen sind auch mehrere Kuttenträger und deren Saufhallen zu sehen. Neuere Studien haben allerdings gezeigt, dass in den Saufhallen eher Wein und Brot verteilt wurde, denn es gab dafür extra einen kleinen goldenen Schrein. Ich persönlich vertrete aber die sehr umstrittene These, dass die Alten diese Gebäude nutzten, um dem Herrn der Speisen und des Weines „Jesu“ anzubeten. Diese Ansicht widerspricht dem heute gültigen Glauben des Burgers und würde von den Priestern als Ketzerei verfolgt werden.


Banditenbraut Leya


Kommen wir aber zurück zu meiner Geschichte…             


Wie gesagt es dämmerte bereits und der Gelehrte Dunyen beschloss eben in dieser großen Saufhalle Schutz zu suchen. Dieses Ansinnen blieb leider nicht unbemerkt. Eine örtliche, aber durchaus bekannte Banditengruppe namens „Die Schwarzen Wölfe“ beobachtete den Konvoi des Gelehrten schon bereits seit geraumer Zeit. Ein Gelehrter bietet ein sehr lohnendes Ziel, denn es war bekannt, dass sie stets große Goldmetallmengen bei sich trugen. Lange hatten die Banditen überlegt den Konvoi einfach anzugreifen. Dies schien ihnen aber aufgrund der Blitzkrieger zu gefährlich. Nun ersonnen sie den Plan, den Gelehrten durch eine List in der Saufhalle auszurauben. Einfach eine Saufhalle überfallen konnten sie nicht, denn die Sicherheitsvorkehrungen dort sind sehr streng. Wie viele alte Männer haben die meisten Gelehrten eine Schwäche für junge Frauen. Leya, das schöne aber auch durchtriebene Weib des Banditenanführers Gromhald, sollte sich als „Lustweib“ verkleiden, um so in die Gemächer des Gelehrten zu gelangen. Auf beide war in dieser Zeit ein hohes Kopfgeld ausgesetzt.


Auf Gromhald, der auch als „Herr der Höllenviecher“ im ganzen Königreich bekannt war, waren es unglaublich hohe 900 Goldmetall und auf Leya, die auch „Wölfin des Blutes“ benannt wurde, waren es immerhin 170 Goldmetall.


Gromhald war ein Hüne von seiner Gestalt. Er war ein bärtiger, alter aber immer noch kräftiger und gefürchteter Mann. Am Anfang seiner Banditenkarriere war Gromhald nur ein einfacher Bergbauer, der einen kleinen Hof besaß. Gromhald verstand es gut wilde Höllenviecher für den Kampf und zum Schutz seiner Herde abzurichten. Sein Leben wäre normal und ruhig weiterverlaufen. Doch eines Tages erschienen die Vasallen seines Königs. Es herrschte Krieg! Auf Anordnung des Königs wurde alles was sich Gromhald jahrelang aufgebaut hatte enteignet. Seine Vorräte, seine Herde und sein Land. Zu guter Letzt wurde dessen Frau durch die Henker des Königs ermordet.


Voller Wut verschlug es Gromhald in die Wälder der Ruinen. Er war nun ohne Besitz, nur seine Kleidung und die beiden treuen Höllenviecher blieben ihm. Gromhald plagten in dieser Zeit Wut, Hunger und Kälte. So befahl er seinen Viechern Reisende anzugreifen. Diese wurden dann von den Höllenviechern zerfleischt und aufgefressen. Gromhald sammelte anschließend nur noch die Habseligkeiten der Unglücklichen ein und ging seines Weges. Nach einiger Zeit mehrten sich Gerüchte über einen Mann, der mit Höllenviechern durch die Walde zog. Dies machte eine Banditengruppe auf Gromhald aufmerksam. Gromhald schloss sich dieser Gruppe an. Und bereits ein Jahr nach seinem Beitritt wurde Gromhald Banditenanführer. Der vorherige Bandenanführer war „verschwunden“, vermutlich in den Mägen seiner Höllenviecher.


Leya, die „Wölfin des Blutes“, kam als sechzehn jähriges Mädchen zu den Schwarzen Wölfen. Schnell baute sie sich einen zweifelhaften Ruf innerhalb dieser Bande auf. Als sie zwanzig wurde ehelichte sie Gromhald. An ihrem Hochzeitstag raubten sie angeblich gemeinsam eine Adlige aus, verfütterten sie an ihre Höllenviecher, steckten sich die wertvollen Ringe, die sie der reichen Adligen abnahmen, an ihre Finger und gaben sich selbst das Ja-Wort.


In der großen Saufhalle machten es indes die Männer der Leibgarde und Dunyen der Gelehrte richtig gemütlich. Wie immer herrschte auch an jenem Abend in der großen Saufhalle ein reges Treiben. Viele Reisende aus allen möglichen Reichen, aber auch einige zwielichtige Gestalten füllten die riesige Halle. Die meisten von ihnen soffen ein Bier nach dem anderen oder vergnügten sich mit den dortigen Lustweibern. Auch die Leibgarde bildete hier keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil! Sie tranken wohl an diesem Abend am meisten. Der Gelehrte konnte dem ganzen Trubel wenig abgewinnen und zog sich schnell in seine Gemächer im oberen Turm zurück, um dort seine Funde, insbesondere den schwarzen Spiegel, zu untersuchen. Auf dem Bett breitete er alle seine Objekte aus. Vor seiner Tür ließ er zwei seiner Wachen postieren. Diese waren verständlicherweise nicht besonders begeistert allein vor der Tür wache zu halten, während ihre Kameraden sich mit lustigsten Saufspielen unterhielten. Leya, das schöne Banditenweib musste nur warten, bis die meisten Männer der Leibwache „ausgeschaltet“ waren und ging dann in den Turm um den Gelehrten zu besuchen. Gekleidet war sie in der typischen Tracht der Lustweiber, welche nur aus einem sehr knappen Kleid bestand. Unter diesem trug sie zum Schutz aber noch einen leichten Brustpanzer aus hartem Eisen sowie einen kleinen kurzen Dolch. An der Tür des Gelehrten angekommen, standen ihr nur noch zwei miesgelaunte Wachen im Weg.


„Halt Weib!“, schrie ihr einer der Wachen entgegen, „Wer seit ihr?!“ „Was wollet ihr im Zimmer des großen Gelehrten?“ „Ist dies nicht gar offensichtlich?“ entgegnete ihnen  Leya sofort und hob gleichzeitig das kurze Kleid über ihre schönen wohlgeformten Schenkel. „Der Gelehrte hat mich in sein Zimmer geladen…“               


Den Wachen erschien dies wohl nicht ungewöhnlich und öffneten bereitwillig die Tür. „Großer Gelehrter, ein bezaubernd geformtes Weib will euch sehen… Darf dieses eintreten?“ Der Gelehrte konnte sich nicht erinnern, ein Weib auf sein Zimmer bestellt zu haben. Doch beim Anblick der schönen Leya flog jede Form von „Vorsicht“ davon. Etwas „Ablenkung“ kam ihm nach der anstrengenden Reise sehr gelegen.


„Lasset das Weib hinein, Wachen. Nehmet euch für den Abend frei, wir wollen uns nun mit diesem holden Weibe unterhalten…“ Dies erfreute die Wachen und ließen die schöne Leya eintreten. Leyas Plan war voll aufgegangen, sie war nun ganz allein mit dem Gelehrten.


„Großer Gelehrter, wie wäre es mit einer Audienz im Bette?“ „Gewiss, wertes Weib!“, stammelte der Gelehrte, „Wir können doch einem so schönen Weibe keine Audienz zurückweisen.“ Gemeinsam begaben sich beide ins Bette. Das Bett des Gelehrten war noch voll seiner Objekte, die er in Eisenbergen erworben hatte. Grob schob er sie nun ein wenig zur Seite.. Der Anblick von Leyas schönen Schenkel und dem „Land“ dazwischen ließen ihn all diese Dinge vergessen. Doch etwas an dem Weibe erschien ihm nun gar sonderbar. Bei dem Griff in Richtung der Brüste Leyas bemerkte er ihren Brustpanzer. In genau diesem Augenblick zog Leya ihren Dolch. Blut spritzte… Auf einmal war Stille eingekehrt, nur das Zischen des Blutes war zu hören… Sekunden später war klar, dass einer der beiden nicht mehr am Leben war...


Ein Messer steckte tief in Leyas Brust! Es hatte sogar Leyas dicken Brustpanzer durchstoßen und dabei ihr Herz getroffen. Dunyen hielt das Messer noch in der Hand. Es war das Messer,  das er von Stainless erhalten hatte. Dieses hatte er wie seine anderen Objekte in sein Bett gelegt. Zufällig lag es jetzt  genau so, dass er es fast in seiner rechten Hand hatte. Als er Leyas Brustpanzer bemerkte, zog er sofort das Messer. Und so endete die kurze Geschichte der Banditenbraut Leya. Wer hätte gedacht, dass ihn ausgerechnet eine Gratisdreingabe eines gierigen Händlers retten würde? Geschockt und blutverschmiert aber froh am Leben zu sein, stieß er den noch immer blutenden, zuckenden Leichnam Leyas von sich weg und rief mit einem markerschütterten Schrei seine Leibgarde.  


Am nächsten Tage brach der Gelehrte bereits sehr früh in Richtung der Hauptstadt Lichtsturm auf. Die Nacht hatte ihre Spuren hinterlassen. Und das nicht nur bei den Blitzkriegern. Die grausigen Bilder der letzten Nacht waren immer noch in Dunyens Kopf. Noch, bis tief in die Nacht, hatte seine Leibgarde das blutige Chaos im Zimmer der Saufhalle beseitigt. Einer der Männer erkannte das Gesicht Leyas, welches er zuvor auf einem Steckbrief an der Wand der Saufhalle gesehen hatte. Um das Kopfgeld zu erhalten, schnitt er kurzerhand den Kopf von Leyas schönen Schultern. Den restlichen Leichnam überließen sie den Tieren des Waldes. Dunyen wollte jetzt nur noch zurück zu seiner geliebten Akademie.


Etwa zur selben Zeit wartete der Banditenanführer Gromhald in seinem Versteck, einer alten halb verfallenen Ruine ungeduldig auf sein Weib Leya. Dieses sollte bereits seit einigen Stunden mit wertvoller Beute zurück sein. Doch weder sein Weib noch seinen Späher, der er ihr hinterherschickte, waren zu sehen. Stunden vergingen. Neben ihm lagen nur seine beiden riesigen Höllenviecher. Einer von ihnen kaute gerade genüsslich an einem großen, blutigen, menschlichen Oberschenkelknochen. Weitere Überreste lagen überall verstreut herum. Ein lauter Schrei beendete diese Szenerie. Der Späher war zurückgekehrt. Blankes Entsetzten und Furcht war im Gesicht des Spähers zu erkennen. „Sprich! Was ist euch wiederfahren? Wo ist meine Beute? Wo mein geliebtes Weib?!“


„Sie haben sie gemeuchelt! Ihren Kopf haben sie mitgenommen! Ihren Leib habe ich bei mir!“ Der Späher deutete in Panik auf das blutige Bündel auf dem Rücken seines Pferdes. Gromhald packte in diesem Moment die Wut. „Narr!“ Du solltest sie beschützen! „Warum hast du sie nicht beschützt! Leya, meine wunderschöne Leya!“


Mit einem wuchtigen Schlag seiner rechten Hand schlug er dem armen Späher glatt den Schädel ein. „Antworte mir!“ Der Späher, der nun blutüberströmt am Boden lag, konnte zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht mehr antworten. Auch die Verfolgung des Gelehrten schien durch diese sinnlose Tat unmöglich. Denn nur der Späher wusste, wohin der Gelehrte reisen würde und welchen Weg er nahm. Seinen Fehler bemerkte Gromhald nun leider zu spät. Gromhald schwor Rache. Zweimal hatten ihm nun Männer des Königs alles genommen. Ein Schrei, fast so laut wie Donnergrollen zog an diesem Tage durch die Wälder.


„Ich werde euch kriegen, Gelehrter! Ich werde meine Leya rächen! Ihr werdet von meinen Höllenviechern gefressen. Das schwöre ich euch!“


 


Der Konvoi des Gelehrten merkte von all den Dramen, die sich im Wald abspielten nichts. Denn den Wald hatten sie gerade verlassen. Vor ihnen lag nun ein Meer aus üppigen Feldern und grünen Wiesen. Die Sonne ging gerade auf und am Horizont war schon der gewaltige Königsturm der Hauptstadt Lichtsturm zu erkennen… 


 


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