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Wolfsmondnacht


von Amy Lynn Morgan

fantasy
Ausstattung:
E-Book, ca. 450 Seiten
Preis:
3.99 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Leseprobe

Auch hier war alles voller Unrat. Donatiens Blick fiel auf Knochen, die sich in einer Holzschale auf dem Tisch befanden. Irgendwas war daran merkwürdig. Er hob die Knochen an und verfluchte zum ersten Mal in seinem Leben seine Kenntnisse der Anatomie.
Crus, der menschliche Unterschenkelknochen eines Kindes. Patella, die Kniescheibe
Die Fibula, das Wadenbein, noch fest verbunden mit der Tibia, dem Schienbein. Lateinische Namen, an die er sich festhielt, ein Bollwerk gegen das in seinen Verstand kriechende Entsetzen.
Mit dem Blick des Anatomen untersuchte er den Fund weiter. Der Malleolus lateralis, der Außenknöchel, war gebrochen. Unter Donatiens tastenden Händen löste er sich ganz von der Fibula. Der Fuß fehlte komplett. Donatien tastete über die sehr markante Spitze des Wadenbeins, die Apex capitis fibulae. Nagespuren waren an den Knochen. Ein Fetzen Fleisch hing daran. Es war noch weich. Das Kind war noch nicht lange tot.
Hatte Garnier sie gefangen gehalten, bevor er sie tötete? Jeanne über einen Monat in der Gewalt dieser Kreatur? Entsetzen rann wie Eiswasser über Donatiens Rücken. Er hatte Jeanne nicht gekannt, doch schmerzte es ihn zu wissen, wie sie leiden hatte müssen und welche Pein dies Céleste bereiten würde. Was war Gilles Garnier nur für eine Kreatur? Ein loup-garou war kein Wolf, sondern ein Dämon. Ein Wolf quälte seine Beute nicht. Er tötete um zu überleben. 
Einzelne Tränen stahlen sich aus Donatiens Augen. Das arme Kind! Es musste eine Höllenangst durchgestanden haben. Welchen Verlust musste Céleste hinnehmen? Würde sie es überwinden? Schlimm, dass er der Überbringer dieser Unglücksbotschaft sein würde. Welch grausames Schicksal! Vorsichtig legte er die Kinderknochen zurück, doch die Erinnerung an sie würde ihn verfolgen.
Es war eine Sache, an zu Zwecken der Anatomieforschung beschafften Toten herumzuschneiden, doch eine andere, die Knochen eines ermordeten Kindes in Händen zu halten. Donatien fuhr vor Schreck zusammen, als die Tür ins Schloss fiel. Fest umklammerte er das Macuahuitl und tastete mit der anderen Hand nach dem Obsidianmesser.

Klappentext

Buchblädderer, Amazon-Rezensent:

 

Paris 1560
Nach dem Scheiterhaufentod seiner Mutter führt Jean-François deren Bordell in Paris weiter. Als er in einem Vampir umgewandelt wird und sich in diesen neuen Zustand anfangs nicht unter Kontrolle hat, muss er die Stadt verlassen.
Nun heimatlos geworden, bedroht ihn ein Unbekannter. Zudem gerät er unter Mordverdacht und soll ins Gefängnis.
Auch seine Schwester in Dôle schwebt in Gefahr, als es in der Franche-Compté zu grauenvollen Mordfällen und Werwolfprozessen kommt. Aufgrund ihrer Abstammung sieht sie sich Anfeindungen ausgesetzt. Ihre Tochter muss sich hingegen noch ganz anderen Gefahren stellen, die nicht nur von außen kommen ... 
Wird Jean-François rechtzeitig kommen, um sie vor dem Schlimmsten zu bewahren?
Als würde er nicht bereits bis zum Hals in Schwierigkeiten stecken, sieht er sich in Dôle in einen eskalierenden Konflikt zwischen Menschen und Werwölfen verwickelt, durch den noch viel mehr auf dem Spiel steht als sein eigenes Leben und das der Menschen, die er liebt.
Zudem trifft er die Frau wieder, die er verloren geglaubt hatte – und droht, sie wieder zu verlieren, doch diesmal für immer.
In einer Jagd durch die Wälder der Franche-Compté muss Jean-François zusammen mit dem mit einem Aztekenschwert bewaffneten Pariser Anatomen Donatien seinem schlimmsten Albtraum gegenübertreten ... 

Rezension

Wolfsmondnacht ist für mich ein Epos.

Düster und spannend: 
"Er nahm einen Mann in einer Gasse neben einer Abtei. Schwarzsamtene Dunkelheit 
umhüllte sie. Der Mann erbebte in seinen Armen, stemmte sich ein letztes Mal gegen den 
Tod und verlor. Kraftlos sank er in sich zusammen, als Jean-François ihn nicht mehr 
umfing. Stille umgab ihn, als der Herzschlag des Mannes erlosch. Nur die Kerzenlichter 
hinter den Fenstern zuckten noch. 
Es war Zeit, um zurückzukehren."

Leidenschaftlich und mitreißend: 
"Donatien nahm ihre Einladung an. Behutsam schob er sich in sie. Céleste spürte, wie er 
sie ausfüllte und all die Leere der vergangenen Jahre auslöschte. Langsam bewegte er sich 
in ihr. Immer tiefer ließ sie ihn in sich ein und kam seinem Rhythmus entgegen."

Menschen, Bluttrinker, Dämonen - wenn man von einem Horrorroman behaupten könnte, er lese sich realistisch, dann ist es die Wolfsmondnacht von Amy Lynn Morgan. Vortrefflich recherchiert in Historie und Örtlichkeit wird der Leser in eine düstere, wirklichkeitsnah scheinende Handlung hineingezogen. Trotz aller Grausamkeit gibt es die Liebe ...