Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern

zurück zum Buch

Witchcraft


Roman von Birgit Diefenbach

von Birgit Diefenbach

fantasy
ISBN13-Nummer:
9783957160065
Ausstattung:
Broschiert, 560 Seiten
Preis:
16.90 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Verlag Kern
Kontakt zum Autor oder Verlag:
kontakt@verlag-kern.de
Leseprobe

- 1. Kapitel -

Der Regen fiel in dicken Tropfen auf die Straßen von

Paris. Die alte Oper funkelte in dieser Nacht im hellen Licht

der Scheinwerfer noch strahlender. Sobald die Tropfen in

die Lichtkegel fielen, sah es aus, als ob Funken aus der

Dunkelheit sprühten. Zu dieser späten Stunde waren nur

noch wenige Menschen unterwegs. 01:56 prangte hell

erleuchtet auf einer riesigen Uhr, die an der Wand eines

Bankgebäudes angebracht war. Die Uhrzeit wechselte stetig

mit der Anzeige für die Außentemperatur, die verkündete,

dass es in diesem Moment genau 19°C warm war. Trotz des

Regens war es schwül. Vorüberziehende Gewitterwolken

bedeckten den Himmel. Nur selten waren der Mond oder

die Sterne zu sehen.

Ein Schatten huschte über den Opernplatz. Der Mantel

hing nass und schwer an der schnell durch die regenerfüllte

Nacht gehende Gestalt. Er wirkte gehetzt. Gier blitzte in

den Augen auf. Eine Gier, die keine Macht der Welt stillen

konnte. Er sah in den Himmel, suchte nach den Sternen, die

für ihn so beruhigend und schön waren. Aber der Himmel

hatte sich verdunkelt. Die Nacht wurde noch schwärzer.

An einem noch beleuchteten Café hielt der Mann inne

und ging hinein. Er legte den Mantel ab und setzte sich

in die dunkelste Ecke des Lokals. Sein Blick streifte über

die prunkvolle Einrichtung. Die Sitze der elfenbeinfarben

gestrichenen Stühle und Bänke waren mit weichem rotem

Samt bezogen. Goldene Ziernieten bildeten den Übergang

zwischen Samt und Holz. An den Wänden waren teure weiße

6

Tapeten, die ein schimmerndes Streifenmuster hatten. Die

Glastische waren mit einem weißen verschnörkelten Fuß

versehen und glänzten im Licht der funkelnden Wand- und

Deckenlüster. Der Parkettboden schien recht alt zu sein.

Seinen Glanz hatte der dunkelbraune Boden, aufgrund

der Gäste des Cafés, die achtlos über ihn gingen, mit den

Jahren eingebüßt.

Er schob die wie auf jedem Tisch stehende Vase mit

einer roten Rose, den Aschenbecher und eine Zuckerdose

beiseite und nahm sich die Getränkekarte. Die riesigen

Spiegel, die die sonst fast kahlen Wände zierten, störten

ihn. Ein Spiegel konnte einem Dinge zeigen, die man nicht

immer unbedingt sehen wollte. Also setzte sich der Mann

mit dem Rücken zu dem Spiegel und war so gegenüber

einem größeren Fenster, durch das er die Welt dort draußen

beobachten konnte. Etwas außer Atem, beruhigte er sich

langsam wieder. Ein Ober kam müde auf den kleinen Tisch

zu.

»Guten Abend, Monsieur. Was darf ich Ihnen bringen?«,

fragte der Ober, der eigentlich das Café gerade schließen

wollte, ungeduldig.

»Bringen Sie mir einen Kaffee«, antwortete Miles.

Er war ein hochgewachsener, schlanker Mann mit schwarzem

Haar, das bis zu seinen Wangenknochen reichte. Seine

tiefblauen Augen sahen traurig aus. Seine Haut schimmerte

im Mondlicht. Nur wenn er Blut getrunken hatte, war sie

richtig hautfarben und warm. Und nur dann fühlte er sich

wie ein Mensch.

Er sehnte sich nach seiner Vergangenheit, seiner Menschlichkeit

und nach seiner großen Liebe Catherine, die er vor

7

Ewigkeiten verloren hatte. Immer wenn er versuchte, sich

an sie zu erinnern, kamen der Schmerz und die Leere, die sie

in seinem Leben hinterlassen hatte, wieder zum Vorschein.

Manchmal, wenn er wieder aus der Vergessenheit erwachte,

roch er ihr liebliches Parfum. Es lag ein Hauch von Flieder

und Rosen in der Luft.

Ein Blitz erhellte die Nacht, gefolgt von einem gewaltigen

Donnern. Miles sah aus dem Fenster.

‚Selbst Gott straft mich für das, was ich tat.'

Er verdrängte

diesen Gedanken obwohl er wusste, dass er recht hatte.

Er sah auf den breiten vom Regen glänzenden Straßen,

wie sich die Autos, die zu dieser Zeit noch unterwegs

waren, spiegelten. Der Verkehr in Paris stand niemals still.

Auch zu der Zeit, als Kutschen und Pferde die Straßen

regierten, war es nicht anders, nur irgendwie schöner. Er

konnte nicht aufhören zu grübeln. Es verfolgte ihn wie ein

Schatten. Die Erinnerungen an die wenigen Stunden zuvor

holten ihn wieder ein.

Die Vergessenheit entließ ihn gerade aus ihren Fängen und

er erwachte in der Finsternis seines eigenen Verlieses, wie

er es bezeichnete. Die Nacht war angebrochen. Blutdurst

überkam ihn. Wieder und wieder krallte sich diese Gier in

Miles' Gehirn, zuckte durch jede Nervenbahn in seinem

Körper. Mühsam bekämpfte er seinen Blutdurst. Doch

er wusste, es war nur ein Sieg auf Zeit. Wahre Erlösung

brachten ihm nur das Blut und die Lebensenergie eines

Menschen. So viele Leben waren durch ihn schon viel zu

früh beendet worden. Jedes Mal schwor er sich wieder aufs

8

Neue, dass er nie wieder töten wollte. Doch der Blutdurst

war stärker, machte ihn immer wieder zu seiner Geisel.

Mit aller Kraft setzte er sich auf und drückte automatisch

auf den Lichtschalter seiner kleinen Nachttischlampe.

Der Raum, in dem er den Tag verbrachte, hatte zu seinem

eigenen Schutz keine Fenster. Tagsüber hatte er keinen

Einfluss auf sich. Er verfiel in eine Art Starre. Sein Körper

war wie abgeschaltet. Würde er in dieser Zeit von jemandem

gefunden werden, würde man ihn für tot halten. Oder man

könnte seinen Körper zerstören. Erst nachdem die Sonne

wieder untergegangen war, kam er wieder zu sich.

Im schwachen Licht der kleinen Lampe ließ er den Blick

durch sein Verlies schweifen. An der Wand hing das Bild

eines Dörfchens, das er in all den langen Jahren seines

trostlosen Daseins nicht vergessen hatte und in dem er

schon so lange nicht mehr lebte. Es lag an einer Lichtung

in einem großen Wald weit weg von Paris. Doch er war

dazu verdammt umherzuwandern. Nirgendwo hielt es

Miles lange aus. Er floh vor seinem Blutdurst, der ihn

jedoch immer wieder einholte. Ein Fluch, der schon seit

Jahrhunderten andauerte.

Miles stand auf und sah sich noch einmal um. Die Wände

und der Boden waren aus großen groben Steinen gemacht.

Fest, stabil und für das Sonnenlicht undurchdringlich. Die

Decke war wie in einem Schloss aus stabilen Holzbalken

gefertigt. In dem Raum stand nur sein Bett und ein kleiner

antiker Schrank, auf dem Dinge von früheren, schöneren

Zeiten lagen. Auf dem Boden war ein alter schwerer

Teppich mit orientalischen Mustern ausgebreitet.

Klappentext

 

Sarah verliebt sich in Paris in Miles. Sie weiß nicht, dass diesen ein unermesslicher Durst nach menschlichem Blut quält. Doch mit jedem Leben, das er nimmt, verstärkt sich seine Schuld, die er mit der Jagd auf Verbrecher und Mörder kompensiert.

Miles erzählt ihr von seinem Vampirdasein, das er einem Fluch zu verdanken hat. Er hofft mit ihr einen Weg zu finden, sich von seinem Fluch zu befreien. Doch dagegen steht der Magier Magnus, der lange Zeit bevor Miles geboren wurde, in Witchcraft geboren wurde und grausam über das kleine Dorf in England herrschte.

Als Sarah in Miles Vergangenheit reist, und ihr Exfreund Eric um sie kämpft, muss sie feststellen, dass nicht nur er einem Fluch unterliegt, sondern auch sie zu den Erben des Magiers gehört.

Diesem spannenden Vampir-Roman kann man sich kaum entziehen. Er steckt voller erschreckender Überraschungen und zeugt von der außergewöhnlichen Fantasie der jungen Autorin.