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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Witchcraft, Birgit Diefenbach
Birgit Diefenbach

Witchcraft


Roman von Birgit Diefenbach

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- 1. Kapitel -



Der Regen fiel in dicken Tropfen auf die Straßen von


Paris. Die alte Oper funkelte in dieser Nacht im hellen Licht


der Scheinwerfer noch strahlender. Sobald die Tropfen in


die Lichtkegel fielen, sah es aus, als ob Funken aus der


Dunkelheit sprühten. Zu dieser späten Stunde waren nur


noch wenige Menschen unterwegs. 01:56 prangte hell


erleuchtet auf einer riesigen Uhr, die an der Wand eines


Bankgebäudes angebracht war. Die Uhrzeit wechselte stetig


mit der Anzeige für die Außentemperatur, die verkündete,


dass es in diesem Moment genau 19°C warm war. Trotz des


Regens war es schwül. Vorüberziehende Gewitterwolken


bedeckten den Himmel. Nur selten waren der Mond oder


die Sterne zu sehen.


Ein Schatten huschte über den Opernplatz. Der Mantel


hing nass und schwer an der schnell durch die regenerfüllte


Nacht gehende Gestalt. Er wirkte gehetzt. Gier blitzte in


den Augen auf. Eine Gier, die keine Macht der Welt stillen


konnte. Er sah in den Himmel, suchte nach den Sternen, die


für ihn so beruhigend und schön waren. Aber der Himmel


hatte sich verdunkelt. Die Nacht wurde noch schwärzer.


An einem noch beleuchteten Café hielt der Mann inne


und ging hinein. Er legte den Mantel ab und setzte sich


in die dunkelste Ecke des Lokals. Sein Blick streifte über


die prunkvolle Einrichtung. Die Sitze der elfenbeinfarben


gestrichenen Stühle und Bänke waren mit weichem rotem


Samt bezogen. Goldene Ziernieten bildeten den Übergang


zwischen Samt und Holz. An den Wänden waren teure weiße


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Tapeten, die ein schimmerndes Streifenmuster hatten. Die


Glastische waren mit einem weißen verschnörkelten Fuß


versehen und glänzten im Licht der funkelnden Wand- und


Deckenlüster. Der Parkettboden schien recht alt zu sein.


Seinen Glanz hatte der dunkelbraune Boden, aufgrund


der Gäste des Cafés, die achtlos über ihn gingen, mit den


Jahren eingebüßt.


Er schob die wie auf jedem Tisch stehende Vase mit


einer roten Rose, den Aschenbecher und eine Zuckerdose


beiseite und nahm sich die Getränkekarte. Die riesigen


Spiegel, die die sonst fast kahlen Wände zierten, störten


ihn. Ein Spiegel konnte einem Dinge zeigen, die man nicht


immer unbedingt sehen wollte. Also setzte sich der Mann


mit dem Rücken zu dem Spiegel und war so gegenüber


einem größeren Fenster, durch das er die Welt dort draußen


beobachten konnte. Etwas außer Atem, beruhigte er sich


langsam wieder. Ein Ober kam müde auf den kleinen Tisch


zu.


»Guten Abend, Monsieur. Was darf ich Ihnen bringen?«,


fragte der Ober, der eigentlich das Café gerade schließen


wollte, ungeduldig.


»Bringen Sie mir einen Kaffee«, antwortete Miles.


Er war ein hochgewachsener, schlanker Mann mit schwarzem


Haar, das bis zu seinen Wangenknochen reichte. Seine


tiefblauen Augen sahen traurig aus. Seine Haut schimmerte


im Mondlicht. Nur wenn er Blut getrunken hatte, war sie


richtig hautfarben und warm. Und nur dann fühlte er sich


wie ein Mensch.


Er sehnte sich nach seiner Vergangenheit, seiner Menschlichkeit


und nach seiner großen Liebe Catherine, die er vor


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Ewigkeiten verloren hatte. Immer wenn er versuchte, sich


an sie zu erinnern, kamen der Schmerz und die Leere, die sie


in seinem Leben hinterlassen hatte, wieder zum Vorschein.


Manchmal, wenn er wieder aus der Vergessenheit erwachte,


roch er ihr liebliches Parfum. Es lag ein Hauch von Flieder


und Rosen in der Luft.


Ein Blitz erhellte die Nacht, gefolgt von einem gewaltigen


Donnern. Miles sah aus dem Fenster.




‚Selbst Gott straft mich für das, was ich tat.'


Er verdrängte



diesen Gedanken obwohl er wusste, dass er recht hatte.


Er sah auf den breiten vom Regen glänzenden Straßen,


wie sich die Autos, die zu dieser Zeit noch unterwegs


waren, spiegelten. Der Verkehr in Paris stand niemals still.


Auch zu der Zeit, als Kutschen und Pferde die Straßen


regierten, war es nicht anders, nur irgendwie schöner. Er


konnte nicht aufhören zu grübeln. Es verfolgte ihn wie ein


Schatten. Die Erinnerungen an die wenigen Stunden zuvor


holten ihn wieder ein.


Die Vergessenheit entließ ihn gerade aus ihren Fängen und


er erwachte in der Finsternis seines eigenen Verlieses, wie


er es bezeichnete. Die Nacht war angebrochen. Blutdurst


überkam ihn. Wieder und wieder krallte sich diese Gier in


Miles' Gehirn, zuckte durch jede Nervenbahn in seinem


Körper. Mühsam bekämpfte er seinen Blutdurst. Doch


er wusste, es war nur ein Sieg auf Zeit. Wahre Erlösung


brachten ihm nur das Blut und die Lebensenergie eines


Menschen. So viele Leben waren durch ihn schon viel zu


früh beendet worden. Jedes Mal schwor er sich wieder aufs


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Neue, dass er nie wieder töten wollte. Doch der Blutdurst


war stärker, machte ihn immer wieder zu seiner Geisel.


Mit aller Kraft setzte er sich auf und drückte automatisch


auf den Lichtschalter seiner kleinen Nachttischlampe.


Der Raum, in dem er den Tag verbrachte, hatte zu seinem


eigenen Schutz keine Fenster. Tagsüber hatte er keinen


Einfluss auf sich. Er verfiel in eine Art Starre. Sein Körper


war wie abgeschaltet. Würde er in dieser Zeit von jemandem


gefunden werden, würde man ihn für tot halten. Oder man


könnte seinen Körper zerstören. Erst nachdem die Sonne


wieder untergegangen war, kam er wieder zu sich.


Im schwachen Licht der kleinen Lampe ließ er den Blick


durch sein Verlies schweifen. An der Wand hing das Bild


eines Dörfchens, das er in all den langen Jahren seines


trostlosen Daseins nicht vergessen hatte und in dem er


schon so lange nicht mehr lebte. Es lag an einer Lichtung


in einem großen Wald weit weg von Paris. Doch er war


dazu verdammt umherzuwandern. Nirgendwo hielt es


Miles lange aus. Er floh vor seinem Blutdurst, der ihn


jedoch immer wieder einholte. Ein Fluch, der schon seit


Jahrhunderten andauerte.


Miles stand auf und sah sich noch einmal um. Die Wände


und der Boden waren aus großen groben Steinen gemacht.


Fest, stabil und für das Sonnenlicht undurchdringlich. Die


Decke war wie in einem Schloss aus stabilen Holzbalken


gefertigt. In dem Raum stand nur sein Bett und ein kleiner


antiker Schrank, auf dem Dinge von früheren, schöneren


Zeiten lagen. Auf dem Boden war ein alter schwerer


Teppich mit orientalischen Mustern ausgebreitet.


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