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Verschwörung des Himmels – Teil 1


Die Powerfantasy-Serie

von Jonas M. Light

fantasy
ISBN13-Nummer:
B07T1PT4NH
Ausstattung:
Mit Fantasykarte und Power-Übung
Preis:
1.49 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Selfpublisher
Kontakt zum Autor oder Verlag:
kontakt@tad-time.de
Leseprobe

#2: Auria

„Was rätst du mir, Auria? Was sollen wir mit dem Schattenwart tun?“

Die Seherin sog tief die rauchgeschwängerte Luft ein, die im Inneren ihrer Berghöhle wie feiner Nebel durch den steinernen Raum waberte. Abgelegen von den Behausungen der anderen Jarianer lag ihre Höhle auf einem hohen Berg, der nur beschwerlich zu erklettern war. Die Seherin hatte sich dagegen entschieden, im Himmelspalast ein Zimmer zu beziehen, selbst wenn Shivaz dies liebend gerne für sie eingerichtet hätte. So kostete ihn der Weg zur Höhle jedes Mal einen halben Tagesmarsch, denn die steilen Aufstiege und schmalen Pfade machten es unmöglich, diese mit seinem Himmelspferd zu beschreiten und so schneller voranzukommen. Doch er kam immer wieder hierher, um Rat zu suchen.

Selbstverständlich hätte er Auria befehlen können, in den Himmelspalast zu ziehen, doch er wusste, dass dies nicht von Erfolg gekrönt sein würde. Denn die Seherin brauchte nicht nur die Nähe zu den Sternen weit oben in den Bergen, sondern auch das Eremitendasein, um ungestört ihre Visionen empfangen zu können. So sahen es die alten Überlieferungen vor. Im allgegenwärtigen Trubel des Himmelspalastes wäre dies unmöglich gewesen zu garantieren. Also kam er ihrem Wunsch nach und ließ sie hier oben in den Bergen ihrem erleuchtenden Handwerk nachgehen. Dabei waren ihre Weissagungen von unschätzbarem Wert, denn oftmals sah sie nicht nur das Kommen des Sargaads voraus, sondern auch den Ort, an dem dieser seinen Tentakelfuß zum ersten Mal auf den Boden setzte. Auf diese Weise war es den Kriegern der Jarianer möglich, dem Sargaad aufzulauern und ihn zu vernichten, bevor dieser seine Verwandlungskünste ausspielen konnte.

Shivaz blickte auf die marmorne Schüssel am Holztisch, in der Auria die Blätter einer Pflanze zerstampfte und mit ihrer Krallenhand vermischte. Alle Seher und Seherinnen der Himmelswelt wurden mit dieser Krallenhand geboren. Sie galt als Symbol für Klarheit und Visionen.
Das war es, woran es den anderen Völkern Jorums mangelte. Mit ihren zurückgebliebenen Technologien und Kampfeskünsten waren sie nicht in der Lage, schnell und gezielt auf die Gefahren durch die Schattenwesen zu reagieren. Über die vergangenen Jahre war es fast immer sein Volk gewesen, das den Sargaad auf Jorum am schnellsten aufgespürt und vernichtet hatte. Davon hatten die anderen Völker profitiert, denn wenn ein Sargaad in einer Welt Jorums vernichtet wurde, so konnten auch seine Artgenossen in den anderen Welten nicht weiter existieren. Wozu brauchten er und sein Volk die anderen Völker, wenn diese so schwach waren? Wäre sein Himmelsvolk nicht alleine viel bessergestellt? Wenn da nur nicht das allmächtige Sternenorakel im Elysarium wäre. Ein Relikt der alten Zeit und die Verbindung zu anderen Welten des Universums. Ohne das Sternenorakel konnte Jorum nicht existieren, so stand es selbst im Himmelsgesetz geschrieben.

Er runzelte die Stirn und verzog spöttisch das Gesicht. Wo war das Sternenorakel mit seiner Weisheit gewesen, als Morrias von Ravel im Stich gelassen wurde? Wieso hatte es ihm nicht die Chance gegeben, dem Mörder seiner kleinen Schwester in die Augen zu sehen? Wieso nicht? Sein Blick fiel auf den Energiekristall an der Kette um seinen Hals. Er spürte, wie der Kristall schwach zu leuchten begann. Sollte das Sternenorakel nur mitbekommen, was in ihm vorging. Er hasste es, mit ihm verbunden zu sein, und er hasste vor allem den Schattenwart, der nur Unheil über sein Land brachte.

Doch schon bald würde er hier sein, das konnte er spüren. Und dann würden andere Gesetze gelten als im Elysarium. Die Gesetze der alten Überlieferungen, die Gesetze des Himmels.

Ein honigsüßer Duft, der entfernt nach Minze roch, breitete sich in der Höhle aus, als Auria begann, die zerhackten Kräuter mit einem glimmenden Holzstab zu entzünden. Shivaz erkannte den Duft, den Auria aus den Blättern der Amlai-Pflanze gewann. Nur in dieser Höhe wuchs diese seltene Pflanze, und der silbrig-goldene Wind, der hin und wieder mit Sternenstaub durchsetzt war, verlieh der Pflanze mit den lebhaft gefärbten, zapfenartigen Blüten zusätzlich einen schimmernden Glanz. Man sagte der Pflanze eine halluzinogene Wirkung nach, weshalb ihre Anwendung in der Hauptstadt Mankaja verboten war. Ein weiterer Grund, weshalb dies Seherin in den Bergen gut aufgehoben war.

Auria erhob sich und ordnete ihre grauen langen Haare, die durch einen Stirnkranz zusammengehalten wurden. Rund um ihn waren die Federn eines Valkyrienadlers eingeflochten.
Der Adler war mit seiner Spannweite von gut fünf Schritten, dem muskulösen Leib und dem messerscharfen Schnabel der mächtigste Jäger auf Jaria. Selbst größere Tiere wie Ziegen oder Bergschafe waren für ihn eine Beute, die es sich lohnte zu jagen, denn mit seinen armlangen Krallen war er in der Lage, selbst massige Körper zu greifen und zu seinem Nest zu tragen. Was ihn von anderen Jagdtieren auf Jaria unterschied, war aber weniger seine physische Kraft, sondern seine graublauen Augen, mit denen er aus jeder Höhe gut sehen konnte, wo sich etwas auf dem Erdboden bewegte.

Auria glaubte den Legenden, die besagten, dass die Valkyrienadler wie auch die Himmelspferde göttliche Wesen waren, in deren Augen sich nicht nur der Himmel, sondern die Weisheit der Welt spiegelte. Als Seherin verehrte sie dieses Tier daher mehr als jedes andere Geschöpf auf Jaria.
Ihr weiter blauer Mantel, der mit goldenen Borten verziert war, fiel locker an ihrem Körper hinab und verdeckte ihr üppiges Äußeres. Sie begann, ihre Arme zu heben und langsam durch die Luft zu fächern, nahm dann ihren Oberkörper hinzu und bewegte sich in einem Takt, den nur sie zu hören schien. Ihre Hüfte, Beine und Füße folgten, und schon bald wurde sie eins mit dem Rauch, der wie feines Garn in der Luft hing und sich zu ihren Bewegungen gesellte. Mal folgte er ihr, dann wich er wieder von ihr wie ein unpassender Geliebter. Doch sie war eins mit ihm, sog ihn tief in sich und schloss die Augen zu ihrem Tanz. Wie in Trance bewegte sie sich so eine ganze Weile, ehe sie stehen blieb und die Arme mit den Handflächen nach oben vor ihrem Körper ausbreitete. Dann öffnete sie ihre Augen, während ihr Blick in die Ferne gerichtet war.

Als sie zu sprechen begann, hatte ihre Stimme eine andere Klangfarbe angenommen. Klar und scharf drang sie durch den immer noch zirkulierenden Rauch des Raumes.

„Der Schattenwart wird erscheinen in der Welt der schroffen Winde. Leiden lassen möchtest du ihn für das, was sein Vorgänger vor langer Zeit getan hat, und fragst dich, ob es rechtens ist. Ja, das ist es nach unserem Gesetz der Ältesten. Der einsame König wird ihn erwarten und auf die Probe stellen – doch sei dir darüber im Klaren, dass er gestärkt daraus hervorgehen könnte oder für ewig gebrochen ist.“ Fast beiläufig griff sie nach einem Stab aus Bronze, der hinter ihr an der Wand stand und ihr bis zum Kinn reichte. Sie stampfte damit dreimal auf den Boden.

KLONK, KLONK, KLONK.

Ihre Augen leuchteten jetzt graublau, wurden schmal und schließlich glasig, während sie den Stab fester umklammerte. „Der Sargaad kommt. Ich sehe viel Dunkelheit in ihm … mehr als sonst.“ Sie umfasste den Stab noch fester, sodass die Knochen ihrer dünnen Finger hervortraten. Eine wilde Angestrengtheit lag in ihrem Blick. „Ich kann nicht sehen, wo er ankommen wird. Vielleicht in den Bergen, vielleicht auch direkt in Mankaja. Graue Schleier umhüllen ihn, so weit und hoch wie Wolken.“

Shivaz runzelte die Stirn. Bislang hatte er nur stumm zugehört und beobachtet, wie Auria ihre Vision empfing. Doch nun packte ihn ein drängendes Gefühl, mehr über den Sargaad zu erfahren. Irgendetwas war anders als sonst, das spürte er. Wieso konnte Auria nicht mehr sehen, wo er in ihrer Welt einfallen würde? Er musste wissen, mit was für einem Geschöpf er es zu tun, und welche Fähigkeiten es entwickelt hatte. Hatte es etwas mit dem Buch zu tun, das einer der Sargaads aus der Höhlenwelt Zono in die Schattenwelt transferiert hatte? Was hatte der Schattenwart zudem bei seinem erneuten Ausflug in die Schattenwelt gesehen? Wusste er mehr?

„Sag mir, was du siehst. Was macht den Sargaad mächtiger als sonst? Womit haben wir es zu tun?“

Aurias Ausdruck blieb starr, so als hätte sie gar nicht gehört, was Shivaz gefragt hatte. Er konnte sich nie ganz sicher sein, ob sie überhaupt etwas von außen wahrnahm, wenn sie sich in ihrer Trance befand. Doch heute war sie noch viel stärker weggetreten, als es sonst der Fall war.

„Suchen tut er etwas, der Sargaad. Seid sicher, dass ihr es ihm nicht gebt!“ Wieder stampfte sie dreimal mit ihrem Stecken auf den Boden, ehe sie ihn erneut an die Wand lehnte und sich auf den Felsen neben sich sinken ließ. Als sie die Augen wieder öffnete, lag Erschöpfung in ihnen und ein zweiter Ausdruck, den Shivaz nicht recht deuten konnte. Er wollte noch mehr erfahren über die bevorstehende Bedrohung, doch er wusste, dass die Sterne nur selten mehr als vage Andeutungen preisgaben. Zudem war Auria jetzt sowieso nicht mehr ansprechbar. Die Sehung kostete sie viel Kraft, und sie brauchte nun eine ganze Weile, um sich zu erholen. Es war an der Zeit, sich an den Abstieg zu machen. Dabei konnte er über die Worte Aurias nachdenken. Still verabschiedete sich Shivaz und blickte auf dem Weg zum Höhlenausgang ein letztes Mal zu ihr hinüber.

Und jetzt erkannte er, welches Gefühl neben der Erschöpfung in ihrem Gesichtsausdruck lag: Es war Furcht.

Klappentext

Eine magische Welt über den Wolken.
Ein Krieger auf dem Pfad der Dunkelheit.
Eine Verschwörung, die alles verändert.


Nach seiner Rückkehr aus der Schattenwelt erwacht Tad in einer dunklen Zelle. Was ist geschehen? Und wo sind seine Freunde, der Zaubergürtel Kwyx und die Lichtfee Fay?

Währenddessen gehen in der Himmelswelt Jaria seltsame Dinge vor sich. Anscheinend soll nicht nur dem Schattenwesen, sondern auch dem tapferen Schattenwart und seinem Partner Kwyx eine Falle gestellt werden, aus der es kein Entrinnen gibt.

Die neunte Episode der Powerfantasy-Serie Tad Time inkl. Fantasykarte und Feel-Übung.

Rezension