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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Verlockung der Finsternis, Beth Cillian
Beth Cillian

Verlockung der Finsternis


Kriegerinnen der Fiannah 02

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Kapitel 1


"Wir verschwenden unsere Zeit." Die niedrige Felsdecke des tunnelartigen Höh-lenzugangs zwang Lorcan in eine geduckte Haltung. Gwaed-yr-Ogof, die Bluthöhle. Der Name gab zu wildesten Spekulationen Anlass und die Einheimischen setzten eins obendrauf, servierten Ammenmärchen als Dreingabe zu Ewes Frolic Lager oder Gimmers Mischief. Ein totes Schaf hier, ein verschwundenes Kind dort und abgenagte Knochen - die perfekte Beilage zu Cawl und Faggots. Menschlichen Hirngespinsten nachzugehen, zählte zu seinen Pflichten als Angehöriger der Bráthair an Dorchadas, in diesem Fall hätte er vorgezogen, den Job auf jemand anderen abzuwälzen. "Fragt sich nur, auf wen." Niemand in der Bruderschaft rangierte so weit un-ten. Cathal und Neakail bissen regelmäßig in den sauren Apfel, wenn der Groß-meister Lorcan einmal mehr erinnern wollte, wem er die Gnade der Duldung in der Bruderschaft verdankte. "Von wegen saurer Apfel", murmelte Lorcan. "Hier stinkt's nach verrottendem Tierblut." Nahrung für die Gerüchte über die hier hausende Kreatur. "Vampir." Lorcan spuckte das Wort aus, verfolgte es die Rugadh doch seit der erste ihrer Art von Menschen gejagt und vernichtet wurde. Als ‚schädigenden Toten' verfluchten sie ihn und verbrannten ihn bei lebendigem Leib. Die Menschen sahen nur, was sie sehen wollten: ein das Tageslicht scheuendes und Blut trinkendes Monster. Widersprechende Tatsachen wurden rasch unter Hass und Aberglauben begraben. Niemand interessierte, dass ein Herz in der Brust eines Rugadh schlug und er der Sohn einer menschlichen Frau war, mehr als das, einer Auserwählten, einer Roghnaigh. Es passte nicht ins Bild, dass seinesgleichen einen Schöpfer anbeteten, nach dessen Gesetz sie lebten und durch umfangreiche Zusatzartikel an sich verändernde Zeiten anpassten. Die Menschen veränderten sich nicht, sie fürchteten Andersartigkeit und vernichteten, was sie als Krönung der Schöpfung degradierte - nachdem sie es in ihren Laboren seziert hatten. Wäre er in der Position zu richten, sähe er in den Tiontaigh die rechte Vergeltung für jeden der seinen, kehrte sich dieser Fluch nicht gegen Menschen und Rugadh gleichermaßen. Lorcan kämpfte sich im Bewusstsein der Ergebnislosigkeit seiner Mission weiter durch Geröll und Gestank; er durfte sich vielleicht nicht zum Richter auf-schwingen, aber seine Erfahrung in die Waagschale werfen, deren Gegenstück leer blieb: niemand, Rugadh oder Tiontaigh, hauste freiwillig an diesem Ort. Sollte er sich im Schutz der Nacht über entlaufene Schafe hermachen? Besoffene Einheimische? Verirrte Touristen, serviert auf einem Bett von Stechginster und Weißdorn? Mürrisch trat Lorcan einen blank genagten Schafsschädel beiseite. Der verwitterte Knochen zerbrach am Felsen, aber das Echo wollte nicht passen. Er wartete, ob sich das Geräusch wiederholte - Metall, das über Felsgestein schabte. Seine Fänge schoben sich aus dem Zahnfleisch, er atmete mit leicht geöffneten Lippen die Veränderung in der fauligen Luft ein, nahm die untrügliche Witterung von Angst auf, zu intensiv, um von einem Tier auszugehen, das sich zur Winterruhe oder zum Sterben zurückzog. Vielleicht hatte sich ein Wanderer im Gewirr der Gänge verlaufen, möglicherweise ein Kind, das der Versuchung der geheimnisumwitterten Höhle nicht widerstehen konnte. Wo waren die Suchtrupps? Die Rufe besorgter Angehöriger? Erneut das Schaben von Metall über Fels. Ein schlagendes Herz, schnell, pa-nisch. Mit jedem Schritt, den er in die Höhle vordrang, stach ihm der saure Ge-ruch der Angst stärker in die Nase. War doch etwas Wahres an den Ammenmärchen? Der süßliche Verwesungsgestank passte zu einem Tiontaigh - aber Angst? Ein Untoter wusste, was ihm bei der Begegnung mit einem Ordenskrieger blühte, doch das ließ ihn nicht wie Espenlaub zittern. Die Chancen standen fifty-fifty, auf einen unerfahrenen Krieger zu stoßen. Die Gerüchte waren nicht erst gestern aufgekommen. Der Tiontaigh dürfte kein Frischling mehr sein und sich keine Hoffnung auf ausgeglichene Kräfte machen. Was trieb ein im Dämmerschlaf liegendes Herz zu solchen Höchstleistungen an? Blutgier? Lorcan spielte mit dem Gedanken, auf Antworten zu verzichten. Zwar öffnete sich der Felsengang zu einer einladend geräumigen Kammer, die Decke war jedoch teilweise eingestürzt und in den dunkleren Ecken genügte es bei einer Körpergröße von über zwei Metern nicht, den Kopf einzuziehen. Er sah sich schon auf den Knien herumrutschen und in enge Spalten robben, um herauszufinden, dass es des Aufhebens nicht wert war. Die Bruderschaft zeigte sich großzügig in der Auslegung schützenswerter Namhionann, aber die Tatsache der Andersblütigkeit allein genügte nicht. Umgekehrt gab es viele, die dankend auf eine Einmischung der Ordenskrieger verzichteten - das galt anscheinend auch für die Kreatur, die sich vor seinen Augen in eine niedrige Felsspalte flüchtete. Mehr als ein helles Aufblitzen brachte ihn nicht auf ihre Spur, möglicherweise eine Reflexion auf der Oberfläche der kleinen Quelle in der Nähe des Unterschlupfs. Lorcans Blick durchdrang mühelos die Dunkelheit, folgte der Bewegung. Er strich eine Taschenlampe von der Liste des Möglichen. Was vor ihm flüchtete, war einem Tier näher als einer Lebensform, die diese simple Form der Technologie begriff. Das Wesen handelte instinktiv, nicht vernunftbegabt. Es schob sich in eine enge Felsspalte und schrammte sich rücksichtslos Haut vom dürren Leib, wo der Fels es nicht einlassen wollte. Stein bohrte sich in nacktes Fleisch, der Geruch frischen Bluts gesellte sich zu einem unterdrückten Wimmern. Die Kreatur war durch das Vegetieren in der finsteren Höhle nicht so abgestumpft, um keine Schmerzen zu spüren. Kälte schien ihr wenig auszumachen, sonst wäre sie längst in wärmere Gefilde geflüchtet. Hier herrschten Temperaturen wie in einem Eiskeller, selbst die schneegeschwängerte Nachtluft draußen vor der Höhle mutete dagegen wie ein laues Sommerlüftchen an. So weit das Auge reichte, existierte hier nichts, das Wärme spendete: keine Feuerstelle - sollte die Kreatur intelligent genug sein, Feuer zu entzünden; keine abgezogenen Tierhäute, auf die sie sich betten, oder darin kleiden konnte. Sollte sie höher entwickelt sein als angenommen, Nestbau betrieb die Kreatur hier definitiv nicht. Wovon nährte sie sich? Es gab zwar frisches Wasser, aber die Knochen, über die er auf seinem Weg gestolpert war, fehlten in dieser Höhlenkammer. Damit schied die Kreatur als Schafsdieb aus. Lorcan bezweifelte, dass sie in anderer Weise die Einheimischen zu ihren Schauermärchen anregte, sie lebte hier unentdeckt. Selbst er war kaum in der Lage, die Kreatur im Gewirr der Gänge zu jagen, geschweige denn in enge Felsspalten zu verfolgen. Er konnte sie herauszerren, sein Arm reichte tief genug hinein, aber er war nicht hier, um dieses verängstigte Wesen zu Tode zu erschrecken - eher, um es zu töten. Lorcan ging in die Hocke, streckte die Hand nach etwas am Boden Liegendem aus. Eine Kette, Zug war darauf. Ihren Anfang fanden die rostigen Kettenglieder an einem in den Fels geschlagenen Ring, das Ende verbarg sich in der Felsspalte. Etwas lebte also tatsächlich in den Höhlen des südwalisischen Twyn y Gaer, menschlich oder nicht, es vegetierte unfreiwillig in der Finsternis und ging nicht auf nächtliche Beutezüge. Er wog das rostige Metall in seiner Hand. Die Kette wies ein beträchtliches Gewicht auf, viel zu schleppen für die dürre Kreatur. Er strich mit dem Daumen über eines der Glieder. Rost blätterte, aber in der Struktur war das Metall intakt. Der Zug in seiner Hand erhöhte sich, blutig verschrammte Finger wagten sich aus der Sicherheit des Unterschlupfs und umschlossen zitternd die Kette. Begleitet wurde das zaghafte Zerren von einem unterdrückten Schluchzen. Lorcan erwiderte den Zug, sofort verschwand die Hand in der Felsspalte, die zu flach für einen erwachsenen Mann war. Ein Kind fände Platz. Die Finger waren grazil, aber sie gehörten eher zur Hand einer Frau. Er knirschte mit den Zähnen, um keinen lauten Fluch auszustoßen, und die Kreatur nicht noch mehr zu verschrecken. Psychopathische Sadisten gab es unter Menschen wie Namhionann, und nicht alle fielen unter die Jurisdiktion der Bruderschaft. Für den Bastard, der das hier verbrochen hatte, war Lorcan bereit, seine Kompetenzen zu überschreiten, und ihm die eigenen Eingeweide zum Fressen zu geben. Er würde sich besser fühlen, ihm dabei zuzusehen, als das zu tun, was unweigerlich bevorstand. Der Geruch frischen Bluts wurde intensiver. Das Wesen versuchte, sich mit bloßen Händen durch den Fels zu graben. "Hab keine Angst", startete er ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen, die Kreatur aus ihrem Versteck zu locken. An guten Tagen war seine Stimme ein dunkles Grollen, an schlechten … war niemand in der Nähe, um sie zu hören. Das verzweifelte Scharren endete, leise Atemzüge unterbrachen die eingetretene Stille - ein winziger Fortschritt. Zeit, einen weiteren Vorstoß zu wagen. An der Kette wollte er nicht ziehen, sein Blick ruhte auf den schmutzigen Haarsträhnen, die sich Tentakeln gleich unter dem Felsüberhang hervorschlängelten. Ob es eine gute Idee war, sie zu berühren oder sacht daran zu ziehen, erfuhr er nicht. Sie ahnte seine Absicht und zerrte das Haar ins enge Versteck. Sie behielt ihn also im Auge, was ihm keine Pluspunkte verschaffte. Seine Erscheinung bewegte sich außerhalb der Kategorie vertrauenerweckend, aber solange die Sicht aus ihrer Perspektive auf seine Beine beschränkt blieb, war nicht alles verloren. "Ich werde dir nichts tun, ich will dich hier herausbringen." Oder vernichten. Lorcan streckte eine Hand aus. Die Innenfläche nach oben, vermied er jede hektische Bewegung. Die Kreatur sollte sich überzeugen, dass er in seiner Hand, im Gegensatz zum Rest seines Körpers, keine Waffe trug. Er wagte sich weit in die Felsspalte vor, riss die Hand zurück, ehe sie danach schnappte. Der Mut der Verzweiflung brachte sie nah an den Rand des Überhangs, Fänge blitzten im Gewirr schmutziger Haare auf. Brachte seine Aktion überhaupt etwas, dann die endgültige Sicherheit, dass sie kein Mensch war. Ein Anruf bei den zuständigen Behörden, würde ihn nicht retten. Die Zuständigkeit von Tierfängern schloss er aus, so sehr sie sich auch mühte, die Gefährlichkeit eines Raubtiers in ihr Fauchen und Knurren zu legen. Die Kreatur fiel ins Ressort der Bruderschaft. Ein gezielter Schuss aus seiner Position wäre schwierig, aber nicht unmöglich. Ein ganzes Magazin in die Kreatur zu entleeren, sollte seine letzte Option bleiben. Ein schneller, gnädiger Tod wäre das Mindeste, schließlich zeigte sie kein übermäßiges Aggressionsverhalten. Er war nicht stolz auf die Wahl seiner Taktik, aber die Chancen auf einen Gnadenschuss erhöhten sich, wenn sie Vertrauen fasste und aus ihrem Versteck kroch. Blieb die Frage, ob ein Kopfschuss oder ein Herztreffer den Job am effektivsten erledigte. Die Neamh-Beschichtung der Kugeln im Magazin seiner Desert Eagle wirkte bei Untoten wahre Wunder, auch bei einigen anderen Spezies richteten sie fatale Schäden an. Selbst mit normaler Munition bestückt, riss Kaliber .50 den Schädel der erbärmlichen Kreatur in Stücke - in Zweifelsfällen die gründlichste Lösung. Er musste ihr nicht in die Augen sehen und erleben, wie der letzte Funken Vertrauen erstarb. Die leisen Atemzüge verstummten, als wüsste die Kreatur, was er plante und hielte in Erwartung ihres nahen Todes den Atem an. Doch so weit war Lorcan noch nicht. Die Kreatur konnte eine harmlose Crutaigh sein oder eine verängstigte Dämonin, auch einige Feenarten besaßen Fänge und das verurteilte sie nicht zum Tode. Zudem appellierte ihre jämmerliche Existenz an sein tot geglaubtes Mitgefühl, vergraben in den Abgründen in seinem Inneren. Man nannte ihn nicht nur hinter vorgehaltener Hand und nicht zu Unrecht, Fihonaíl - Brudermörder - und doch rührte ihn diese Kreatur. Er war sich nicht mehr sicher, ob es ihm genügte, ihr ein gnädiges Ende zu bereiten. Lorcan beschloss, ihr mehr Zeit und Raum zuzugestehen und zog sich von ihrem Unterschlupf zurück, ging bewusst das Risiko ein, ihr mehr von sich zu zeigen und endgültig jede Hoffnung zu nehmen. Er brauchte Abstand, denn die Schlinge, die sie durch ihre mitleiderregende Erbärmlichkeit um seinen Hals legte, schnürte ihm den nötigen Sauerstoff ab, einen klaren Gedanken zu fassen und den kaltblütigen Plan durchzuziehen. Er wählte eine Position in einem Umkreis von vier Metern, mehr gab er der Kette nicht, nur eben so viel, dass die Kreatur die Quelle erreichte, schließlich musste die Kreatur trinken - dieses Zugeständnis durfte man selbst von dem abartigsten Mistkerl erwarten, wollte der sein Spielzeug noch eine Weile behalten. Nun hieß es abwarten. Geduld zählte nur in guten Nächten zu seinen Stärken und diese Nacht fing mit einem beschissenen Auftrag an und zeigte keine Anzeichen einer Besserung. Wollte Réamann seine Macht über ihn demonstrieren, konnte er ihn einfach von den Einsätzen ausschließen, das war Strafe genug, doch der Großmeister schickte ihn ins walisische Niemandsland. Lorcan wusste nicht einmal, wofür er gemaßregelt wurde, vielleicht galt Réamanns Zorn auch Neakail oder Cathal. Er verwarf den Gedanken. Der Harridan gab dem Großmeister sicher ausreichend Grund, ihn auf eine Strafmission zu schicken, aber Réamann wusste, dass Neakail jedem noch so beschissenen Job etwas abgewann. Es war aussichtslos, den verrückten Drachen überhaupt strafen zu wollen. Und Cathal? Er genoss unter seinen Brüdern höchstes Ansehen, war der Inbegriff der Ehrenhaftigkeit und Linientreue. Dieser verfluchte Auftrag sollte einzig und allein ihn in seine Schranken weisen. Réamann ahnte nicht, wie gut sein Plan aufging, die Mission war … verstörend. Lorcan starrte mit wachsender Ungeduld auf die Kette und ein paar dunkle Haarspitzen. Sein Mund wurde trocken, da er sich weigerte, auch nur eine weitere Nase von dem Gestank der Höhle zu nehmen. Er tauchte seine Hand in die Quelle. Das Wasser war kristallklar und eiskalt. Wenn es für die Kreatur gut genug war, sollte es auch ihm nicht schaden. Er formte seine Hand zu einer Schale und hob sie an die Nase. Das Wasser stank nicht verdächtig, dennoch zögerte er, einen Schluck zu trinken. Mit geöffneten Lippen riskierte er einen weiteren tiefen Atemzug durch Mund und Nase, erhöhte seine Aufnahmefähigkeit, selbst für unterschwellige Gerüche. Nachthyazinthe? Verwirrt drehte er die Hand, das frische Quellwasser ergoss sich auf den Fels. Er wollte sich eine weitere Handvoll nehmen, um seinen Eindruck zu erhärten, da ging seine Taktik auf - niederschmetternd einfach errang er seinen Sieg. Vegetierte er in diesem Loch, hätte er mehr Dreck unter den Fingernägeln als Zutrauen, doch Lorcan beschwerte sich nicht. In geduckter Haltung schob sie sich aus der Felsspalte wie ein Raubtier. Den schmächtigen Gliedern war die Spannung anzusehen, eine falsche Bewegung seinerseits und sie würde angreifen, ohne einen Gedanken an Flucht zu verschwenden, da war er sich instinktiv sicher. Die Zeit, die sie stinkende Höhlenluft geatmet hatte, hatte nicht ihren Willen gebrochen, das kümmerliche Dasein zu verteidigen. Wohin sollte die Kreatur auch fliehen, mit einer Kette um den Hals und der Erfahrung im Nacken, dass sie unter dem Felsvorsprung in der Falle saß? Verflucht, er musste aufhören, sie so zu bezeichnen. Je weiter sie sich auf ge-fährliches Terrain begab, umso deutlicher wurde, dass ein denkendes und fühlendes Wesen in der Bluthöhle lebte, ein eindeutig weibliches. Sie war keine Kreatur, aber auch kein Tier, sie bewegte sich zwar auf allen vieren, aber nicht auf Händen und Füßen, sondern auf Händen und Knien wie ein Kleinkind, nur dass sie dafür zu groß war. Sie war auch kein Teenager mehr, obwohl ihr ausgezehrter Körper diesen Gedanken erzwang. Sie existierte lange genug, um an Schmerzen gewöhnt zu sein - die, die sie sich durch ihre Art der Fortbewegung selbst zufügte - aber vor allem die körperliche Pein, die ein anderer ihr in allen erdenklichen Abarten zufügte. Dreck und die Flut ihres wirren Haares verbargen nicht, was sie erduldet hatte. Ihr Körper war übersät von Blutergüssen, Striemen und sogar Bissen. Lorcan zuckte bei der unerwarteten Berührung zusammen, er war so damit beschäftigt, herauszufinden, was sie war und was man ihr zufügt hatte, dass er aufzupassen vergaß, was sie tat. Sie rammte ihm keinen Dolch in die Handfläche, obwohl die Überraschung ihm wie einer in die Glieder fuhr. Sie strich nur sacht ihre Fingerspitzen darüber, ein tollkühner Vorstoß, dem ein schneller Rückzug folgte, aber sie wich nicht weit genug zurück, um keinen zweiten zu wagen. Sie war wie eine Katze, deren Neugier sie umbrachte, was sie jedoch nicht davon abhielt, ihr nachzugeben. Ein Rätsel wurde durch ihre Nähe gelöst und ein neues aufgeworfen: der nicht in diese Gruft gehörende, sinnliche Duft der Nachthyazinthe war der ihre. Was in aller Welt nannte den Duft der Vollkommenheit sein eigen? War sie die Einzige ihrer Art, lange genug an den Fels gekettet, dass sich niemand an diesen Duft erinnerte? Wie sie sich nicht an den Geruch der Nacht? Den sie niemals ungefiltert von Felsgestein atmete, wie er niemals den Duft des Tages? Lorcan verbannte den Zorn auf das Monster, das sie in der Gruft eingesperrt hatte, in den hintersten Winkel seines Bewusstseins - sein Körper verströmte ihn aus jeder Pore, ließe er ihn zu. Sie mochte nicht über ausreichend Verstand verfügen, die Gefahr, in der sie schwebte, zu erfassen, aber selbst in dem Gestank dürften sich ihre Sinne nicht völlig zurückentwickelt haben. Sie würde dieses starke Gefühl riechen, in seinen Augen sehen und wer wusste schon, wozu sie in der Lage war. Auf ihren Fersen hockend, erwartete sie seinen nächsten Zug. Er spürte körperlich, wie sie seine Hand ins Visier nahm, seinen Arm, seine Schulter, wie ihr Blick auf seiner Kehle verharrte, um zu seinem Gesicht zu wandern. Er wollte auch etwas von ihr erhaschen, aber ihr Haar schützte sie und die Hast, mit der sie den Kopf senkte, zeigte deutlich, dass sie nicht angesehen werden wollte. Es wunderte ihn nicht, wenn die Qualen der Gefangenschaft ihre Züge deformierte, und sie war noch so weit bei Verstand, sich zu schämen, dass eine Faust, eine Peitsche oder ein Stiefel ihr Gesicht in eine Fratze verwandelte. Vor seinem geistigen Auge blitzte das Bild einer Klinge auf, das ein Lächeln in ihr Antlitz schnitt, das sie ihrem Peiniger verweigerte. Sie sog scharf die Luft ein, wich so hastig zurück, wie die schwere Kette es ihr gestattete, und ermahnte ihn durch ihre Flucht, seinen Zorn zu kontrollieren, damit sie ihn nicht auf sich bezog. Keine leichte Aufgabe angesichts des schweren Eisenrings um ihren zerbrechlichen Hals, der bei ihrem Rückzug durch die verdreckten Strähnen blitzte. Lorcan stellte sich auf eine längere Wartezeit ein, aber ihre Neugier war stärker als der Dämpfer, den seine Unbeherrschtheit ihr versetzte. Ihr Zeigefinger strich federleicht über die Innenfläche seiner Hand und forderte die Falle auf, zuzuschnappen. "Cynnes." Verflucht, was war das? Walisisch? Rugalainn, die Sprache seines Volkes ähnelte dem Gaolainn, dem irischen Gälisch - es war wohl zu viel verlangt, dass ihm ihre Muttersprache ähnlich entgegenkäme. Erbat sie seine Hilfe oder flehte sie ihn an, sie nicht zu töten oder es schnell zu tun? Redete sie überhaupt mit ihm oder blendete sie ihn wie die potenzielle Gefahr völlig aus? Das vorsichtige Herantasten nagte an ihm, nicht mehr lange und sein haarfeiner Geduldsfaden riss. Lorcan schloss die Hand, ein Test. Sie zuckte nicht zurück, ihre zerbrechlichen Finger kamen ihm entgegen, schmiegten sich vertrauensvoll in seine. "Féadh thu élrigh?", fragte er leise. "Kannst du aufstehen?" Die alte Sprache besaß einen großen Vorteil: In ihr klang seine Stimme sanft. Ironie des Schicksals, dass eine Art, die Menschen als blutrünstige Bestien bezeichnen würden, eine Sprache kultiviert hatte, die einem Streicheln glich - selbst einem Brudermörder trug sie das Vertrauen einer misshandelten Frau ein. Augen aus reinem Silber blickten in seine und die Erkenntnis traf Lorcan wie ein Faustschlag - sie war keine Dämonin oder Crutaigh, keine Fee, die ein Sadist in einen verdreckten Käfig gesperrt hatte. Sie war eine bedauernswerte Manipulation der Naturgesetze, ein Auswurf der Tiontaigh-Labore. Er hatte unzählige dieser Züchtungen vernichtet, abscheuliche Versuche, eine den Rugadh überlegene Rasse auf der Grundlage untoter Gene zu schaffen. Er brachte diesen Geschöpfen, was ihnen ohnehin bevorstand, erwiesen sich die Laborergebnisse doch selten als lebensfähig und wenn, was für ein Leben sollte das sein? Gnadenakte mochte er nicht darin sehen, er war nicht der Handlanger einer gütigen Gottheit, er dämmte eine Seuche ein. Mitgefühl für diese Missgestalten fand sich selbst im dunkelsten Winkel seines Bewusstseins nicht und es half dem neusten Ergebnis untoten Einfallsreichtums wenig, die Finsternis mit diesen unglaublichen Augen auszuleuchten. Verdammt, warum hatte er sich für diese Höhle entschieden? Eilte sein Ruf ihm derart voraus, dass selbst das Schicksal ihm die nötige Hartherzigkeit für diesen Job zugestand? Das Töten der Züchtungen berührte ihn niemals, er empfand weder eine sadistische Freude am Töten noch dauerte es ihn - er tötete, mehr nicht. Zu diesem Schluss war auch die junge Frau gekommen, sie senkte den Blick, erleichterte ihm die Erfüllung seiner Pflicht, und erreichte das genaue Gegenteil. Wie weit mussten die Experimente der Untoten gediehen sein, um ein Lebewesen aus ihren Laboren zu entlassen, das selbst ihn anrührte? Weshalb versteckten die Tiontaigh sie im Höhlenlabyrinth des Twyn y Gaer, statt sie in einem ihrer futuristisch ausgestatteten Genlabore wie einen Schatz zu hüten? Lehrte ihre anrührende Existenz nicht allein ihn das Fürchten? Er mochte keinen Schwur darauf leisten, unter ihrem Blick nicht weich zu werden, und sie aus den Kerkern der Dorcha Daingean, der Schwarzen Festung, zu entlassen. Dort endete sie, wenn er ihr Leben schonte. Unter einem Mikroskop, auf einem Seziertisch, sollte sie Gavens Herz nicht erweichen, und das würde sie. Der Heiler brach einige Gesetze seiner Zunft, weil er ein aktives Mitglied der Bruderschaft war und sich nicht damit begnügte, Krieger zusammenzuflicken, aber er hatte nichts von einem rücksichtslosen Forscher. Sein Eid galt dem Orden, doch noch mehr dem Leben. Sich eingehender mit den Experimenten der Tiontaigh zu befassen, war Réamanns Wunsch, nicht der seine. Gaven nahm sich allerdings die Freiheit, die Anweisung großzügig auszulegen, zum Wohl seiner Patienten, die selbst die absurdesten Kreationen untoter Perversion für ihn waren. Neakail half dem Heiler, sich in Réamanns totem Winkel zu bewegen, aber es war fraglich, ob ihm das auch in diesem Fall gelänge. Lorcan war nicht das Problem, der Großmeister verlangte niemals minutiöse Berichte von ihm, der Knackpunkt war Cathals Linientreue. "Ich wünschte, du würdest mich verstehen und mir sagen, was du bist." Er wollte diese Entscheidung über Leben und Tod nicht treffen. "Du verdienst es möglicherweise, zu leben, aber sicher nicht das, was Réamann mit dir anstellen wird." Die Fortschritte der Untoten auf ihre Kosten nachzuvollziehen, war falsch, doch er bezweifelte, dass den Großmeister die Meinung eines Fihonaíl interessierte. Er sollte ihr Leiden beenden, ehe es eine neue Dimension annahm - hielte sie nur seine Hand nicht so vertrauensvoll. "Versuchen wir es noch einmal. Féadh thu élrigh?" "Élrigh?", echote ihr Flüstern den Kern seiner Frage. Für einen zittrigen Atemzug herrschte Stille, dann streckte sie ihm die andere Hand entgegen. Vorsichtig half Lorcan ihr auf die Füße. Kaum stand sie aufrecht, knickten ihre Beine ein und das Gewicht der Kette zwang sie zu Boden. Ihr Peiniger hielt auch in diesem Moment seine strafende Hand über sie und schickte sie dorthin, wo sie seiner Meinung nach hingehörte - auf alle viere. Lorcan reagierte schnell, schlang einen Arm in einer instinktiven Reaktion um ihre Taille. Sie schrie auf, aber nicht, weil er in ihren persönlichen Freiraum eindrang - ein derartiger Luxus existierte nicht für sie. Er verschwendete keine Zeit an eine für sie unverständliche Entschuldigung, lockerte den Griff seiner zum Töten geschaffenen Hände und half ihr das letzte Stück zu Boden. Falls er ihr weitere Schmerzen durch seine Ungeschicktheit zufügte, gab sie es ihm nicht zu verstehen. Wahrscheinlich bereute sie ihre impulsive Reaktion, fürchtete Strafe - sicher wollte ihr Besitzer sein Haustier still und gefügig. "Was soll ich nur mit dir machen?" Warum bat sie ihn nicht um ihre Freiheit und sah selbst zu, wie sie sie nutzte? Ohne Schutz, ohne jemanden, der sich um sie kümmerte und dafür sorgte, dass sie nicht mehr nur Haut und Knochen blieb, zerbrechlich wie ein Zweig. Lorcan unterdrückte den gefühlt hundertsten Fluch in ihrer Gegenwart. Er wollte keinen Beschützerinstinkt ihr gegenüber entwickeln und kein Mitleid empfinden, er wollte überhaupt nichts fühlen. "Bringen wir dich hier raus." Mit etwas Glück mobilisierte sie beim Anblick des nächtlichen Himmels ausreichend Kraft, ihm die Entscheidung über ihre Zukunft abzunehmen und flüchtete, während er Cathal und Neakail von der Verfolgung abhielt. Leider passte sein Glück in eine leere Patronenhülse und erwartungsgemäß lief es so ab: Der Nachthimmel würde sie erschrecken und in seine vermeintlich schützenden Arme treiben. Schon jetzt fühlte sie sich in seiner Nähe viel zu sicher, wollte seine Hand ergreifen und einen zweiten Versuch starten, auf eigenen Beinen ihre Gruft zu verlassen. Er schlug ihre Hand nicht grob beiseite, hob sie nur abwehrend, dennoch zuckte sie zusammen, als würde ihr schlagartig ihr Fehlverhalten bewusst. Sicher wurde sie zur Zurückhaltung erzogen, dressiert wie ein Hündchen oder genetisch zur Unterwerfung vorbestimmt. Lorcan verbannte das Bild aus seinem Schädel, wie ein Weißkittel ihr über den Kopf streichelte, um sie für ihren Gehorsam zu loben. Würde sie sich darüber freuen oder war es ihr gleichgültig, solange die Hand sie nicht schlug? Weshalb interessierte ihn das? "Erlösen wir dich von der Kette." Er musste aufhören, wie ein Idiot mit ihr zu reden, es gab kein wir und würde es nie geben. Lorcan tastete nach der Kette unter ihrem filzigen Haar, ging das Risiko ein, dass ihre untote DNA ihre Ernährungsgewohnheiten bestimmte und sie ihm ein Stück Fleisch aus der Brust biss, indem er ihr erlaubte, sich gegen ihn zu lehnen. Unter der verführerischen Vollkommenheit der Nachthyazinthe witterte er den penetranten Gestank von Tierblut, intensiver, als dass sie nur neben verrottenden Tierkadavern schlief. Ihre Gene machten ihr vielleicht keinen Appetit auf Fleisch, aber Blut dürfte zu ihrer schmalen Kost gehören. Wahrscheinlich fand sich in dieser Gegend einfacher ein Schlachthof statt einer Blutbank; zudem barg Tierblut den Vorteil, sie körperlich schwach, sie beherrschbar zu halten. "Mor hawdd." Ihr Wispern beendete sein Spekulieren. Sie stützte sich an seiner Brust ab, Kälte sickerte durch die Baumwolle, während sie ihre Hand nach dem lose auf felsigem Untergrund liegenden Ende der Kette ausstreckte. Ihre Fingerspitzen strichen in einer zärtlichen Anmutung über das gebrochene Kettenglied. Ihm drängte sich das Bild auf, dass sie sich von einem alten Freund verabschiedete, und wenn er sich in der Höhle so umsah, erschien es nicht abwegig. Neben der kleinen Quelle war die Kette ihre einzige Gesellschaft. In ihrem Interesse hoffte er, dass er sich irrte und sich das eine oder andere Tier nicht allein zum Sterben in die Höhle verkrochen, seine Scheu angesichts der wenig bedrohlichen Bewohnerin verloren und ihr einige glückliche Augenblicke geschenkt hatte … bis es vor ihren Augen abgeschlachtet wurde. Lorcan verstand nicht, wie sich dieser Gedanke in seinen Schädel verirrt hatte, wahrscheinlich, weil eine solche Demonstration demjenigen sinnvoll erschien, der an diesem Ort über Glück und Unglück, Leben und Tod entschied. Lorcan wehrte sich gegen die Vorstellung, dass er noch weiter ging, dass sie nicht nach Blut vom Schlachthof stank, sondern nach dem ihrer kleinen Wegbegleiter. Ihre grazilen Finger krallten sich in sein Shirt, als ahnte sie seine Gedanken. Sie verlangte seine Aufmerksamkeit, dass er ihrem Blick folgte, den er unter dem Wust ihrer Haare nur erahnte und der an seiner Schulter vorbeiwanderte. Neben ihrer Zufluchtsstätte war eine Stelle, die ihn verdächtig an ein Grab erinnerte. Aus kleinen Steinen gelegt schützte die Rune Berkhana die vermeintliche Ruhestätte. Für die, die an die Existenz des Göttlichen glaubten, verkörperte Berkhana die Große Göttin, die Gebärende, Geliebte, Beschützende und die, die das Leben auch wieder zu sich nimmt. Ihrem Schutz hatte sie ihren kleinen Gefährten anbefohlen. Alles in ihm wehrte sich dagegen, dass der Auswurf perverser Experimente, dass eine gequälte Kreatur an einem Glauben festhielt, während er … Verflucht noch mal, er ließ das alles viel zu nah an sich heran. Nichts berührte ihn mehr, seit Jahrhunderten, seit er seinem Zwillingsbruder Cian das Herz herausgerissen hatte. In Wahrheit hatte er schon in diesem Augenblick nichts mehr empfunden, keine Befriedigung über die geübte Vergeltung und keine Reue. Seine Gefühle ruhten in einem tiefen Grab in seinem Inneren, das er eigenhändig ausgehoben hatte. Sie ruhten dort gemeinsam mit den Erinnerungen an seinen einzigen Freund Dónal, den Cian in eine mordende Bestie verwandelt hatte. "Zeit, dein Grab zu verlassen." Lorcan wandte sich von der kleinen Ruhestätte ab und hob die Kreatur in seine Arme. Er war darauf vorbereitet, dass sie kaum mehr als ein Kind wog, nicht jedoch auf die dünnen Arme, die sich Halt suchend um seinen Hals schlangen. Ihre Lippen streiften bei ihrem zaghaften Vorstoß seine Halsbeuge, sie atmete verstohlen seinen Geruch ein. Die unschuldige, aber unerwartete Berührung beschleunigte seinen Puls schlagartig und aus einem unsinnigen Reflex drückte er sie fest an sich. So plötzlich, wie der Moment kam, war er vorüber und sie senkte den Kopf, bemühte sich um größtmöglichen Abstand, ohne den sicheren Halt aufzugeben. Ganz so einfach war es für Lorcan nicht, er geriet ins Wanken und ein mannshoher Gesteinsbrocken musste ihm als Stütze dienen. Schwer atmend rutschte er mit ihr im Arm daran hinab. Er schob sie von seinem Schoß und während er um Luft rang, hockte sie unbeteiligt neben ihm. "Verdammt … was hast du … getan? Was … bist du?", brachte er unter angestrengten Atemzügen hervor. Eine Antwort blieb sie schuldig, aber sie war seiner Reaktion gegenüber nicht so gleichgültig, wie er glaubte. Ihre silbernen Augen blitzten durch verfilzte Strähnen. "Edifar." Für seine Ohren klang es wie eine Entschuldigung und eine zaghafte Berührung seines Arms bestärkte ihn in der Annahme. Aus der instinktgesteuerten Kreatur, dem Auswurf perverser Experimente wurde mehr und mehr ein denkendes, fühlendes Wesen - eine wachsende Bedrohung für einen Brudermörder. Er wollte nicht, dass sie zu mehr wurde als einer Mission, die er nach bestem Wissen erfüllte. Er wollte den Bastard nicht verfluchen, der ihr kein Wort Englisch beigebracht hatte, um sich mit anderen zu verständigen, vielleicht um Hilfe zu bitten. Warum hatte er ihr nicht gleich die Zunge herausgeschnitten? Eine ähnlich effektive Lösung, wie sie mit ihrem unverständlichen Kauderwelsch und einer Kette um den Hals zu isolieren. Ein Caomhnóir an Tairseach, ein Hüter der Schwelle, der wie ein Ordenskrieger vernichtete, was die Tiontaigh schufen, brächte möglicherweise nicht so viel Geduld auf und würde sie vernichten, weil ihr Wispern keinen Sinn für ihn ergab. Er selbst tat das für gewöhnlich, aber an dieser Nacht war bislang nichts gewöhnlich. "Tá go maith", beruhigte er sie, "schon gut. Es wird reichen, wenn es sich nicht wiederholt." Lorcan bekam sich langsam unter Kontrolle. "Coinnigh imithe." Er zeigte auf seinen Hals, den er mit seinen Worten zur Tabuzone erklärte. "Solltest du Hunger haben", kam ihm das Naheliegende in den Sinn. "Ich stehe nicht zur Verfügung." Sie senkte den Kopf, brachte ihn dazu, das Gesagte zu bereuen. "Edifar." Es kam holprig über seine Lippen und seine ausgestreckte Hand sank nach unten, ehe er in einer Imitation ihrer Geste ihren Arm berührte. Die Reaktion auf seine Entschuldigung war deutlich. Sie zuckte zurück, als beabsichtigte er, sie zu schlagen. Doch das war sein geringstes Problem, er war nicht mehr allein mit ihr. Wollte sie eben noch von ihm weg, rutschte sie jetzt an ihn heran und durch das Gewirr ihrer Haare spürte er ihren verängstigten Blick. Das Geräusch kam aus der Tiefe der Höhlenkammer. Gab es dort weitere Gänge, nicht einsehbar für ihn und jeden, der denselben Weg in die Höhle nahm und beabsichtigte, sie zu verlassen? Schützten magische Banne die Bluthöhle, über die er gestolpert war? Vielleicht hatte er, ohne es zu ahnen, Alarm ausgelöst. Verflucht, mit Neakail als Begleiter wäre ihm kein solcher Fehler unterlaufen, der Harridan erschnüffelte jeden Zauber wie ein Bluthund. Warum hatte er keinen Alarm geschlagen, als er ein paar Meter in den Gang hineingelaufen war, um die Lage zu sondieren? Neakail musste nicht bis zu dieser Höhlenkammer vorstoßen, er erspürte magische Alarmanlagen mit derselben spielerischen Leichtigkeit, wie er sie knackte. Weshalb unterlief ihm dieser Fehler? Weil kein Bann die Höhle schützte, gab er sich selbst die Antwort. Neakail irrte niemals. Der Dreckskerl, der sein Haustier an der kurzen Kette hielt, fühlte sich so verdammt sicher, dass er keine weiteren Sicherungsmaßnahmen getroffen hatte. Es war ein verfluchter Zufall, der ihn hierher führte, das plötzliche Bedürfnis, mit seinem Haustier zu spielen. Der Gedanke war … eine Erleichterung. Tiontaigh schützten ihre genetischen Kreationen, überlebensfähig oder nicht. Lorcan stolperte niemals unbemerkt in eine ihrer Anlagen. Ihre Labore waren Hochsicherheitstrakte, selbst wenn sie nach außen heruntergekommenen Löchern glichen. Die neueste Technik und widerliche Druidenbanne - hier dienten nur Gestank und ein Gewirr von Gängen als Absicherung gegen Entdeckung. Lorcan legte einen Finger an seine Lippen, kein Laut sollte den Neuankömmling warnen. Er bedeutete ihr, sich näher an den Gesteinsbrocken zu drücken. Sie zitterte wie Espenlaub und der Geruch ihrer Angst legte sich wie eine zweite Haut um ihren abgemagerten Körper, aber sie verhielt sich still und presste sich gegen den natürlichen Schutz. Sie wählte die Seite eines Fremden, statt Alarm zu schlagen, verriet ihn nicht, um sich selbst vor dem Zorn ihres Kerkermeisters zu schützen. Er drehte ihr den Rücken zu und erhob sich geräuschlos, stellte sich schützend vor sie. Sein Geruch würde ihn nicht verraten, er war trainiert, ihn zu unterdrücken. Der Felsbrocken sollte die Sicht des Kerls ausreichend einschränken und ihn im Unklaren halten, wer ihn erwartete. Lorcan konnte ebenso gut ein verirrter Wanderer sein, möglicherweise nicht der erste. Ohne Zweifel hatten seine Vorgänger das Geheimnis von Gwaed-yr-Ogof mit ins Grab genommen, geschaufelt von einem Dämon. Der verräterische Weihrauchgeruch setzte sich gegen den Gestank der Höhle durch und erstickte den Duft der Nachthyazinthe. Entgegen christlichem - menschlichem - Irrglauben stanken Dämonen ebenso wenig nach Schwefel wie sie einer wie auch immer gearteten Hölle entstammten. Weihrauch war der charakteristische Geruch, der allen Dämonen gemein war. Eine Basisnote, die ihre Natur verriet und je nach Art mittels einer Kopfnote variierte. Im vorliegenden Fall ging der Weihrauch eine widerliche Verbindung mit einer Lorcan nur allzu gegenwärtigen Kopfnote ein und revidierte seine zuvor getroffene Einschätzung, was den Gestank nach süßlicher Verwesung in der Höhle betraf. Lorcan wartete, warf von Zeit zu Zeit einen Blick über die Schulter und überzeugte sich, dass sie noch da war. Der wirre Haarschopf sah zu ihm auf. "Nêr", wisperte sein Schützling, ihren Gebieter nannte sie ihn. Das Wort ent-stammte der Sprache der Dämonen, dem Cythraul. Dämonen blickten über die Jahrhunderte auf eine lange Tradition der Sklaverei zurück. Wegen des Gefallens, den viele daran fanden, hatten sich Nêr und das weibliche Pendant Nêrah in den allgemeinen Sprachgebrauch der Namhionann eingebürgert. Verdammt, was war der Kerl, ein Dämon? Ein Tiontaigh? Beides? Niemals hatte er von einem Dämon gehört, der in einen Untoten verwandelt wurde. War das überhaupt möglich? Die Tiontaigh konnten ihre Labore einstampfen, wenn es so einfach war, eine höher entwickelte Spezies zu generieren. Selbst Dämonen der untersten Kasten würden die widerliche Brut aufwerten und die Bluthöhle barg mehr als ein Geheimnis, das lohnte, jeden Eindringling zum Schweigen zu bringen. Lorcan zog die Desert Eagle und wagte sich ein Stück aus der Deckung. Womöglich konnte er einen guten Schuss platzieren, ohne selbst einen Treffer einzustecken, sollte der Dreckskerl bewaffnet sein. Er scannte den hinteren Teil der Höhle, sein suchender Blick streifte die Höhlendecke. War das wirklich eine gute Idee? Der Gesteinsbrocken, der ihnen als Deckung diente, war über ihren Köpfen herausgebrochen. Mehrere Schüsse würden die Höhlenkammer in ein wahrhaftiges Grab verwandeln. Zähneknirschend steckte er die Waffe weg, er wollte nicht unbedingt das Leben seines Schützlings auf seine Schnelligkeit verwetten, aus der Höhle zu flüchten, ehe sie über ihren Köpfen kollabierte. Er wollte aber auch nicht bis in alle Ewigkeit warten, bis einer von ihnen den ersten Schritt wagte. "Zeig dich, du Bastard!" Sein Brüllen hallte von den Felswänden wider. Es krachte ohrenbetäubend. Staub füllte die stinkende Luft. Ein paar kleinere Geröllbrocken kullerten vor seine Stiefelspitzen. Irgendwo musste einer der unzähligen Gänge eingestürzt sein. Seine Desert Eagle einzusetzen war tatsächlich keine gute Idee, die Höhle war instabiler als es den Eindruck machte, und ihre Bewohnerin wurde nur mit Glück nicht längst von herabfallenden Felsen erschlagen. Er würde sich nicht auf ihr anhaltendes Glück verlassen und sie hier rausschaffen, sollte sich ihr Peiniger weiterhin feige bedeckt halten. Lorcan wandte sich zu ihr um. Sie presste sich nicht mehr an den Felsen, lag zusammengekrümmt auf dem Boden und schützte ihren Kopf mit den dürren Armen. Er ging neben ihr in die Hocke, lauschte mit einem Ohr auf Geräusche, die verrieten, dass sein Gegner das Versteckspiel aufgab. "Du musst keine Angst haben, das war nur einer der Gänge." Ihr schmächtiger Körper krampfte, stöhnend presste sie ihre Hände in den wirren Filz ihrer Haare, etwa dort, wo er ihre Schläfen vermutete. Sie schützte sich nicht vor herabstürzenden Steinen, sie erlitt Schmerzen. Wie war das möglich? Er berührte sacht ihre Schulter und aus dem Wimmern wurde ein Schluchzen. Sie schüttelte den Kopf und robbte dicht auf den Boden gepresst von ihm weg, zog eine blutige Spur hinter sich her. "Wo steckst … Lorcan … hier fertig." Cathals von statischem Rauschen zer-hackte Anfrage stellte unter Beweis, dass das GPS-Funkgerät unter Tonnen von Fels kein so unnützes Ausrüstungsteil war, wie er annahm. Vielleicht aufgeschreckt durch die Aussicht, Lorcan bekäme Verstärkung, machte sich sein unsichtbarer Gegner aus dem Staub, zumindest drängte der Weihrauch den Höhlengestank nicht mehr in den Hintergrund. Lorcan richtete sich auf, nahm die alte Position ein und spähte in die Richtung, wo er den Mistkerl vermutete. Ohne Ergebnis. Er wandte sich wieder seinem Schützling zu, beobachtete, wie sie letzte Kräfte mobilisierte und sich auf Hände und Knie drückte, um gleich darauf schwer atmend auf ihre Fersen zu sinken. Sie gab sich geschlagen, wartete auf ihn oder ihren Nêr. "Ich bin hier ebenfalls fertig", gab er leise Rückmeldung und steckte das Funkgerät an seinen Gürtel, fasste sie bei den Oberarmen und half ihr aufzustehen. "Bald liegt das alles hinter dir." Einschließlich ihm. Wie in einer Reaktion auf seinen Gedanken, hob sie das Kinn, der verfilzte Vorhang ihres Haares teilte sich, weit genug, dass er einen Blick in ihre hellen Augen erhaschte - und auf das Blut, das sich Tränen gleich in ihren Wimpern verfing und dunkle Bahnen in den Schmutz auf ihrem schmalen Gesicht zeichnete. "War er das?" Lorcans Zorn fand seinen Weg aus dem hintersten Winkel seines Bewusstseins und nur mit Mühe drängte er ihn zurück. Sie sollte nicht denken, er zürnte ihr, weil sie ihn in diese Höhle gelockt hatte, eine Falle, wäre er ein verirrter Wanderer. War das tatsächlich ihre Aufgabe, tat sie es so wenig aus freien Stücken wie eine angebundene Ziege. "Diese verfluchte Missgeburt wird dich künftig zu nichts mehr zwingen." Er scannte die Höhle, schickte seinem Versprechen notfalls Taten hinterher. "Missgeburt." Ihr leises Wispern kam einer schallenden Ohrfeige gleich. Sollte er das Missverständnis aufklären, dass er nicht sie meinte? Und den Vorteil aus der Hand geben, dass mehr als die Sprachbarriere zwischen ihnen stand? Lorcan hob sie wortlos auf seine Arme. Sie suchte keinen Halt bei ihm. Die Abnabelung von ihrem Ritter in schimmernder Rüstung setzte bereits ein und das war gut so, denn seine Rüstung hatte über die Jahrhunderte ordentlich Rost angesetzt. Teagan blinzelte die blutigen Tränen fort und spähte durch den Schutz ihrer Haare in die Höhle, ihr Zuhause für eine so lange Zeit, dass sie vergessen hatte, was sie außerhalb der vertrauten Felsen erwartete. Die Ungewissheit sollte sie das Fürchten lehren, der Fremde sollte es, stattdessen gab er ihr ein Rätsel nach dem anderen auf, verführte sie, ihrer Neugier freien Lauf zu lassen. Eine Unbotmäßigkeit, die mit fürchterlicher Pein geahndet wurde, nicht dem Tod, diese Gnade verweigerte ihr Nêr, und sie dankte es ihm nun durch die Verbrüderung mit einem Fremden. Die Strafe für ihren fortwährenden Ungehorsam sollte fürchterlich sein, weshalb kam sie so glimpflich davon? Warum lag der Fremde nicht unter Schmerzen zuckend auf der Erde, bereit für den Todesstoß? Aus ihrer Hand, wenn es ihrem Nêr gefiel. Sie warf dem Fremden einen verstohlenen Blick zu, es gab nur eine Antwort auf diese Frage: seine Macht überstieg die ihres Nêr. Sie wurde gelehrt, sich den Mächtigen zu beugen, sie fügte sich unter die Knute ihres Nêr und würde ihr Haupt auch vor dem Fremden beugen. Warum wollte sie dieser Gedanke nicht erschrecken? Sie sollte zittern, nährte große Macht doch weit größere Grausamkeit - diese Lehrstunde suchte sie in ihren Träumen heim. Die Erinnerung, die wie ein Dolch in ihre Brust stieß, schwärte wie eine brandige Wunde in ihrem Inneren. Teagan bedeckte mit ihrer Hand die Stelle, die keine Narbe zierte. Nichts deutete darauf hin, dass ihr Nêr ihre Rippen aufbog, seine kalten Finger die Quelle ihres Ungehorsams berührten - zärtlich - ehe die scharfe Klinge sie ersetzte. Ihre Hoffnung auf einen baldigen Tod erfüllte sich nicht, weil er ihrer Einzigartigkeit noch nicht überdrüssig war. "Unigryw." Sie hingegen war ihrer Besonderheit müde und erhoffte sich ihr Ende aus den Händen des Fremden. Sie wartete geduldig, bis er sein Wanken aufgab und zu ihren Gunsten entschied, für ihren Tod. Doch sein Wanken dauerte an, noch in diesem Moment, da er sie forttrug, haderte er mit sich. Teagan zürnte ihm und seiner Entscheidung, ihren Tod auszusetzen, nicht. Alles Hadern endete mit einem Blick in seine Augen, glichen sie doch den ihren wie eine Spiegelung auf der Oberfläche des Quellwassers. Es begann mit einem Funken, wuchs zu einem hellen Leuchten, das die allgegenwärtige Finsternis in ihrem Inneren erhellte. Sie sah es auch jetzt vor sich, streckte ihre Hand aus, um die Wärme zu spüren, die Hoffnung festzuhalten, dass sie entgegen der unermüdlichen Versicherungen ihres Nêr nicht einzigartig war. Erschrocken fuhr sie zusammen und starrte auf ihre Hand auf der Brust des Fremden, durch die Wärme in ihre Finger sickerte. Sie musste eingenickt sein, hatte den Tribut, den sie für ihren Ungehorsam zollte, unterschätzt. "Codhail, Cailín." Der Klang seiner Stimme verführte sie, die Augen zu schließen. Sein Kinn legte sich auf ihren Kopf und er drückte sie an seine Brust. Wollte er, dass sie ruhte, die Sicherheit seiner Nähe und die Wärme seines Körpers suchte? Sie verstand den Fremden immer weniger, hieß er sie doch eben noch eine Missgeburt. "Anghenfil", wisperte sie an der Brust des Fremden, an die sie sich wider besseres Wissen schmiegte. Anghenfil, so klang die Verachtung der Wärter und ihres Gebieters auf ihrer Zunge - ihr Nêr wollte sichergehen, dass sie verstand. "Codhail." Das Wort schmeckte süß, das Gefühl, das es in sich trug, legte sich wärmend auf ihre Haut, sickerte hindurch und vertrieb die Kälte in ihrem Inneren. Sie schloss die Augen, gab sich der Süße und der Wärme hin - nie kostete sie größeres Entzücken. Köstliche Malais. Der verführerische Hauch vertrieb die Wärme mit einem Schlag, ersetzte sie durch eine Sehnsucht, die sie unweigerlich in die Arme ihres Nêr trieb. Weil nur ich dein Verlangen stillen kann. Wie Siedepech ergossen sich die Worte ih-res Nêr über die Illusion, er fügte sich nicht in seine Niederlage, zollte nur dem Mächtigeren im Ringen um seinen Besitz den fälligen Tribut. Einem Dieb gestehe ich allein einen qualvollen Tod zu, zischte er, anbetteln wird er mich … dich wird er anbetteln, wenn du ihn in meinem Namen marterst. Der Fremde verharrte in der Bewegung, wandte den Blick dorthin, wo er die Stimme vermutete, aber er hörte sie nicht wirklich, sie war in seinem Kopf, schlimmer, sie wehte über die Grenzen seines Domhain - so hieß für Teagan die Welt, die jedes Lebewesen in sich trug. Wüten würde ihr Nêr dort, all das niederbrennen, woraus sich die innere Welt des Fremden formte, seine Erinnerungen und Träume, Hoffnungen und Enttäuschungen, alles, was ihn ausmachte. Das würde sie nicht zulassen! Der winzige Funken Hoffnung, den der Fremde ihr schenkte, würde nicht dazu dienen, sein Domhain in Schutt und Asche zu legen. Du wirst dich fügen! Dieses eine Mal tat sie es nicht, schmiegte sich an die Brust des Fremden und überquerte die Grenze seines Domhain. * Schnee und Sühne Die Welt in seinem Inneren war ein Abbild seiner rätselhaften Widersprüchlich-keit, abweisend und einladend zugleich. Finsternis und Licht lieferten sich einen nicht enden wollenden Kampf um die Vormacht und erlaubten ihr nicht, mehr als Ausschnitte dieser Welt zu sehen. Vorsichtig setzte sie einen Schritt vor den anderen, der Boden zu ihren nackten Füßen knirschte und glitzerte, stob pudrig auf, da sie ihren Schritt auf relativ sicherem Untergrund beschleunigte. Teagan atmete kalte, klare Luft und manchmal, wenn das Licht gegen die Finsternis gewann, umtanzte sie das Glitzern, legte sich kalt auf ihre Haut und wurde zu Wasser, das feuchte Spuren zog. Sie sank auf die Knie, tauchte ihre Finger in die kleine Wehe, die nicht allein ihre Schritte verursacht hatten. Wie lange war es her, dass sie Schnee sah? Die Erinnerung stammte aus einem anderen Leben, gehörte einer anderen Person, die sie jenseits der Grenzen ihrer von Felswänden eingeschlossenen Welt verbannt hatte. Es gab solche Barrieren auch im Domhain des Fremden, ein gigantisches Bollwerk, das seine Welt nicht begrenzte, sondern ihr Herz bildete. Dort kerkerte er Erinnerungen ein, die er nicht an sich heranlassen wollte. Aber nicht sie weckten ihre Neugier, es war das, was direkt vor ihr aus dem Schnee ragte. Sie fegte das pulvrige Weiß beiseite, eine Truhe kam zum Vorschein. Das Holz war dunkel, beinahe schwarz und glatt gehobelt. Sie strich mit den Fingerspitzen darüber, die Berührung löste ein warmes Kribbeln aus, das ihren Arm hinauflief und sich über ihren gesamten Körper ausbreitete - nicht ziellos - es war auf der Suche und ermunterte sie, die Truhe zu öffnen. Sie sollte nicht darauf hören, sicher würde sie den Fremden erzürnen … Teagan blickte über ihre Schulter, er war nicht hier. Der Fremde schuf das Domhain, aber er mied es, barg diese Welt doch all das, was er zu vergessen suchte, wie diese Truhe, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden hatte. Der Fremde hatte sie nicht allein im Schnee vergraben, er hatte sie mit Erde bedeckt, aber sie ruhte nicht, sie vibrierte vor Macht und verlangte, befreit zu werden. Es war kein rüder Befehl, eher ein Wunsch, der unmöglich abzuschlagen war. Sie befreite die obere Hälfte der Truhe aus ihrem Gefängnis, mehr erlaubte der hart gefrorene Boden nicht - eine Vorkehrung gegen Diebe? Sie kam nicht, um zu stehlen, nur einen Blick würde sie sich erlauben. Vorsichtig hob sie den Deckel, einen Finger breit, verschloss ihn jedoch sofort als ein silbernes Licht hervordrang und sie des Ausmaßes der eingesperrten Macht gewahr wurde. Es kam in dieser Welt der Entzündung eines Fanals gleich, wenn sie den Deckel vollständig lüftete. Die Brandfackel würde den Fremden in sein ungeliebtes Domhain locken oder schlimmer, ihren Nêr. Die Truhe vibrierte unwirsch, der Inhalt wollte heraus, stemmte sich gegen den Deckel. Mit einem überraschten Laut drückte sie ihn mit einer Hand nach unten und versuchte mit der anderen die Truhe einzugraben. Als sie schließlich unter einem Haufen schmutzigen Schnees verschwand, wollte das silberne Leuchten einfach nicht verblassen und auch das Kribbeln fand, wonach es suchte, fuhr ihren Rücken hinab wie ein Schaudern. Ihre Finger öffneten und schlossen sich wie von selbst, wollten die Truhe ausgraben, den Deckel öffnen, das Armúrlann verlangte danach - die Manifestation ihrer Gabe. Das Armúrlann war Schwert und Schild zugleich und Teagans Willen oblag es, ob es Schutz bot oder Vernichtung brachte, ob ihre Gabe einzelne Erinnerungen zerquetschte oder ein ganzes Leben bewahrte. In diesem Moment wollte ihre Gabe die Entscheidung treffen, doch sie gestattete es ihr nicht, ballte ihre Hände zu Fäusten und hielt das Armúrlann gefangen, das bereits ihre Fingerspitzen umwirbelte. Ein letzter Blick zurück bestätigte ihre Befürchtung, etwas durch das Anheben des Deckels geweckt zu haben, das möglicherweise besser für alle Ewigkeit verborgen geblieben wäre. Sie floh, wählte ihren Weg entlang der vor Abweisung strotzenden Befestigung, rannte bis ihre Lungen brannten und verlangsamte ihr Tempo erst als das Leuchten sie nicht mehr erreichte. Außer Atem lehnte sie sich gegen die gigantische Mauer. Wie lange musste sie das Domhain durchstreifen, um eine Pforte zu finden? Dachte der Erbauer dieser Welt überhaupt an einen Einlass? Teagans Fingerspitzen hinterließen silberne Spuren auf dem Gemäuer, das die Berührung mit Wärme willkommen hieß. Sie missbrauchte ihr Gastrecht nicht, mied Risse, die das Wehr an einigen Stellen durchzogen. Manche nur haarfein und oberflächlich, andere breit und die gesamte Dicke der Mauer durchdringend, gaben sie den Blick auf das Dahinter frei. Sie nahm die unausgesprochene Einladung nicht an und zerrte seine Geheimnisse nicht ans Licht. Mit geschlossenen Augen ertastete sie sich ihren Weg entlang des Bollwerks, ließ allein die Wärme der Steine und Reinheit der Luft auf sich wirken. Eine Weile hielt sie so ihre Neugier im Zaum, bis ihre Finger auf einen besonders ausgeprägten Riss stießen. Erschrocken zuckte ihre Hand zurück, sie wollte weitereilen, schaffte ein paar Schritte, doch die Prüfung war zu hart für ihre Standhaftigkeit. Sie trat näher und inspizierte den Spalt im Wehr. Pulsierende Schwärze quoll hervor, sie schmeckte nach Hass und Bosheit - köstliche Malais. Teagan stieß den vor Anspannung angehaltenen Atem aus. Das Verlangen durfte sie nicht weiter an ihren Nêr knüpfen, sie musste und wollte die Fessel zerschneiden, frei für den Fremden sein, ihren künftigen Gebieter. Sie hatte es fast geschafft, brachte ausreichend Entschlossenheit auf, der Finsternis den Rücken zu kehren, da schoss eine Hand aus dem Riss. Ein Arm schloss sich an, kräftig und muskulös, er griff nach ihr und erwischte ihr Handgelenk. Sie keuchte entsetzt auf, in der wabernden Schwärze erkannte sie das Gesicht eines Mannes. Die hasserfüllten Züge ähnelten denen des Fremden, doch instinktiv wusste sie, dass er es nicht war. "Wer bist du?" Hier im Domhain sprach sie alle Zungen. Verstand, was der Gefangene der Erinnerungen von ihr wollte, weshalb er sie näher an den Spalt zerrte. "Was bist du?" Auch Teagan sah sich die Verhöhnung des Mannes genauer an, dessen Arme sie in der Welt außerhalb seines Domhain mit solcher Bedachtsamkeit trugen. Seine sanfte Stimme hatte nichts mit diesem Knurren gemein, sein warmer Atem liebkoste sie und blies ihr nicht wie ein eisiger Wind entgegen. "Du hast hier nichts zu suchen, verschwinde!", fuhr er sie an, hielt sie jedoch im eisernen Griff. "Nein, du hast hier nichts verloren. Lass ihn in Frieden!", fauchte sie und entriss sich seinem Griff. Sie legte ihre Hände zu beiden Seiten des Spalts, sammelte all ihre Kraft, ihn zu schließen. Silbernes Gewebe bildete sich an den Rändern, sandte dünne Fäden über die dazwischen liegende Kluft. Einer Wunde gleich würde sie den Riss mit einem silbernen Schorf verschließen, später sollte sich festes Narbengewebe bilden und die Ränder zusammenhalten. Das Zerrbild verfluchte sie, sein Arm verschwand in der wabernden Schwärze. Einem versiegenden Blutstrom gleich, schaffte es bald nur noch ein dünnes Rinnsal durch die sich verdichtenden Fäden des silbernen Gewebes. Wütend schlug er mit der Faust gegen die Mauern seines Gefängnisses. Schwor ihr, nicht länger ein Gefangener zu bleiben, drohte, sie hinter den Mauern einzukerkern, sollte er erst in Freiheit sein. Teagan stöhnte unter der Anstrengung, sich seinem Freiheitswillen entgegenzustemmen. Schweiß brach auf ihrer Haut aus. Er war zu stark, verbreiterte den Riss mit dröhnenden Schlägen. Sie würde unterliegen und das Zerrbild würde sie hinter die Mauern ziehen. Im letzten Moment stieß sie sich ab, taumelte zurück und stürzte zu Bo-den. Sie duckte sich unter dem herausschnellenden Arm weg, kam auf die Füße und floh. "Du wirst nicht mit ihm gehen!" Teagan fuhr herum. "Doch, das werde ich. Du kannst mich nicht …" Zu spät erkannte sie ihren Irrtum. Das war keine der leeren Drohungen des Gefangenen, ihr Nêr besaß sehr wohl die Macht, sie zum Bleiben zu zwingen. Die Einsicht schnürte ihre Kehle zu und ihr wurde schwarz vor Augen. Verfügte sie eben noch über ausreichend Kraft und Mut, dem Befehl zu widerstehen, zerschellte nun beides zu ihren Füßen. Sie sank gegen die Mauer, rutschte zu Boden und auf die Knie. Sie sollte den Blick gesenkt halten, aber sie spähte verstohlen in den Wechsel von Licht und Finsternis. Leider verdichtete sich das glitzernde Tanzen so, dass sie ihren Gebieter nicht sah, selbst wenn er direkt vor ihr stand. "Nêr, ich …" "Verschone mich mit erbärmlichen Entschuldigungen", schnitt er ihr scharf das Wort ab. "Was du auch vorbringst, von ihm wird nur ein wimmernder Klumpen Fleisch und Knochen übrigbleiben." "Bitte", flehte sie. "Ich werde nie wieder ungehorsam sein." "Deine Versprechungen ermüden mich. Du vergisst sie, sobald du in einem Domhain vermeintliche Freiheit findest. Illusionen, denn nur ich ermögliche dir diese Freiheit. Mein Schutz verschafft sie dir. Hast du vergessen, was sie dir antaten? Wie sie dich beschimpften - als Anghenfil?" Das hatte Teagan nicht. Sie hatten sie eine Missgeburt geheißen, ein Monstrum, sie in ein Erdloch gesperrt, damit sie dort elendig verhungerte. Aber sie wusste auch, was er ihr angetan hatte, wozu er sie gezwungen hatte. Dass er sie zu diesen Grausamkeiten mit unwiderstehlicher Bosheit verführt hatte. Doch jetzt war da etwas, das sie mehr reizte als alles, was ihr Nêr ihr bot, das sie vermisste, ohne es zu wissen und das sie schützen würde. Sie sammelte all ihren Mut und verbliebene Kraft, ließ alle Demut fahren und erhob sich. Sie lehnte sich mit dem Rücken gegen das Gemäuer, breitete ihre Arme aus und spreizte ihre Finger, nahm größtmöglichen Kontakt zu dem Bollwerk und seinem Erbauer auf. Aus ihren Fingerspitzen schossen die silbernen Fäden, aus jeder Pore sickerte des Armúrlann und verdichtete sich. Sie befahl dem lebendigen Gespinst zu bewahren - das Wehr und alles, was sich dahinter verbarg, selbst den Gefangenen. Weitere Fäden sandte sie in den Wechsel von Licht und Finsternis, umspann alles, das sie ertastete, auch das letzte tanzende Glitzern sollte unter ihrem Schutz stehen, das gesamte Domhain untrennbar mit ihr verbunden sein. Sie betete stumm zu Berkhana. Die Große Göttin war die einzige ihr bekannte Gottheit, sie hatte ihre zu Tode gemarterte Katze der Fürsorge Berkhanas anbefohlen und legte die Rune stets neu, wenn ihr Nêr sie mit einem Tritt zerstörte. Jetzt flehte sie Berkhana um Kraft an, das Leben des Fremden zu bewahren. Der Angriff erfolgte augenblicklich und von einer Wut getragen, die sie an den Augenblick erinnerte, da ihr Nêr sie an die Schwelle des Todes gezerrt und zu-rückgerissen hatte. Ihr Herz hämmerte panisch gegen ihre Rippen, nie verheilte Wunden platzten auf. Teagan erstickte einen Schmerzenslaut hinter zusammengepressten Lippen und kämpfte gegen den Instinkt, sich zu unterwerfen, um ihren Gebieter zu besänftigen. Scharfe Klauen suchten das Gespinst zu zerfetzen, fanden hier und da Schwachstellen. Sie schrie. Presste die Hand auf ihre Seite, wo unsichtbare Krallen tief in ihre Haut schnitten und über ihre Rippen kratzten. Irgendwo im Domhain besaßen die Klauen körperliche Form, zerrissen das schützende Schild, ein Teil ihrer selbst, weshalb jede Narbe im silbernen Gewebe zu ihrer wurde. Wundmale, die nur ihr Nêr durch seine finstere Malais zu heilen vermochte. Für ihren andauernden Ungehorsam würde sie sie für alle Ewigkeit tragen, sie sollten sie an ihre Vergehen erinnern, jedes Mal, wenn sie der Realität ihrer Heimstatt entfloh. Aber vielleicht musste sie das nicht mehr. Ihr neuer Gebieter nahm sie mit sich, möglicherweise an einen besseren Ort. "Der existiert für dich nicht", zischte ihr Nêr. Er war ganz nah, zeigte sich ihr in seiner wahren Gestalt - einer Vielzahl von Gestalten. Jede untrennbar an die andere gebunden. Viele Gesichter, keins davon wirklich vertraut. Aber sie wusste, wem sie gehörten, den Seelen seiner Opfer. Ihr Nêr begnügte sich nie, das Domhain anderer zu beherrschen oder nur darin zu wandeln, er wollte sie mit Haut und Haar besitzen, ihre Seele. Er hatte so viele verschlungen, dass seine Erscheinung vor gefangenen Seelen pulsierte. Er wollte nie, dass sie ihn so sah, sich an ihn in dieser Gestalt erinnerte, wenn er sie umwarb - auch das war ihr Nêr, wenn es ihm gefiel, war er freundlich, zärtlich, weniger ihr Gebieter als ihr … Teagan wusste nicht, als was er sich sah, doch in dieses Selbstbild passten die verschlungenen Seelen nicht. Also schnitt er ihr sein wahres Antlitz aus dem Herzen, vergeblich, denn er war niemals darin, gleichgültig in welcher Gestalt. Ob er das nicht wahrhaben wollte oder konnte, wusste sie nicht, jedoch, dass er außer sich vor Zorn war, wenn seine Maske fiel. Er drängte sie in die Enge, unzählige Hände griffen nach ihr. Sie kamen von allen Seiten. Sie durften sie nicht berühren. Sie waren zu viele. Sie würden sie zerreißen, jede verschlungene Seele wollte ein Stück von ihr. Ausgerechnet von ihr versprachen sie sich Erlösung. Wussten sie nicht, was sie im Namen ihres Nêr verbrochen hatte? "Sie sehen dich nicht, wie ich dich sehe." Ihr Gebieter vereinte die Unzähligen zu einer Gestalt, zeigte ihr das Antlitz, das ihr Vertrauen einflößen sollte. Großgewachsen war er in dieser Gestalt, der Fremde überragte ihn dennoch um mehr als Haupteslänge. Sein Körper war gestählt von seiner Kraft, doch der Fremde würde ihn zerquetschen. Sein Haar war wie das Licht, das sie in diesem Domhain umtanzte, aber Teagan wählte die Finsternis, die das Haar des Fremden färbte. Die Augen ihres Nêr waren hell wie die des Fremden, heller, wenn er in die Augen seiner Opfer sah, sie in den finsteren Kreis seiner Iriden zog. Dürfte sie wählen … "Auch ich sehe dich mit neuen Augen", schmeichelte er ihr. "Du bist gewillt, ihn den Tribut zahlen zu lassen, sollte er nicht deiner Vorstellung entsprechen und dir kein mächtiger Gebieter sein. Du bist gierig geworden, unter meiner Führung. Du eiferst mir nach und das erfüllt mich mit Stolz. Du stellst mich auf diese kleine Probe, willst dich daran erfreuen, wie ich ihn verschlinge. Endlich bist du so weit. Kein Flehen. Keine Tränen. Keine falsche Scham." "Das ist nicht wahr!" Sie war nicht wie er, sie fand keinen Gefallen an der Qual anderer und sie spielte nicht mit dem Fremden. Die Augen ihres Nêr verengten sich, seine Aufmerksamkeit galt nicht mehr ihr allein. Teagan ahnte, was ihn ablenkte, dass er dem Fremden befahl, stehen zu bleiben. Er schindete Zeit, bis das dichte Gewebe des Armúrlann endgültig nachgab. Ihr Schild war durch die Angriffe geschwächt, hielt dem Ansturm schon viel zu lange stand. Teagan vertraute darauf, dass der Fremde ihre Heimstatt verließ, mit ihr … "Ihr habt recht, es war nur eine Prüfung." Sie verpackte die Lüge in ihre Kapitulation, sank auf die Knie und beugte ihr Haupt. "Ich bringe ihn dazu, mich hierzulassen", versprach sie, ohne aufzusehen. Wenn sie sich unterwürfig zeigte, würde ihr Nêr nicht darauf bestehen, dass der Abschied zu einer qualvollen Erfahrung für den Fremden wurde. "Zu spät, er weiß nun von deiner Existenz." "Ich werde ihn mich vergessen machen … bitte." Sie hob den Kopf in der Hoffnung, er würde ihrem Flehen nicht widerstehen können. "Ich verbanne ihn auch aus meiner Erinnerung." Ins Unmanthir, das Niemandsland, wo die An-hysbys existierten, die Gesichtslosen. Sie lebten in niemandes Erinnerung weiter. Dort gäbe sie den Fremden dem endgültigen Vergessen anheim. "Wie kann ich dir vertrauen?" Er hob ihr Kinn an, strich mit dem Daumen über ihre Lippen. Die Berührung war kalt, sein Zauber gegenüber dem des Fremden reines Blendwerk. Er mochte sich noch so sehr bemühen, sie wusste, dass ihr Wert für ihn nur in ihrer Gabe lag. "Du stimmst mich nicht um." Er ließ ihr Kinn los und fuhr mit den Fingerspitzen über das schützende Gespinst. Es war als streichelte er die Seite ihres Halses. Keine Wärme lag in der Berührung. "Entferne das Armúrlann." "Bestraft mich, nicht ihn", flehte sie. Heimlich verstärkte sie die silbernen Fä-den, doch es blieb nicht unentdeckt. Die Finger ihres Nêr schlossen sich fest um das Gewebe. Teagan rang nach Luft. Ihre Hände schossen zu ihrer Kehle, den Griff zu lockern, der sich dort nicht schloss. Sie konnte die Fäden einfach auflösen, ihr Wohl über das eines Fremden stellen, doch sie entschied sich für das Leben des Fremden. Sie verdiente den Tod für jedes einzelne Mal, da sie dem Willen ihres Gebieters entsprach, sie begrüßte die Schwärze, in die sie tauchte … bis ein grelles Licht die Dunkelheit zerriss. "Nein!", krächzte sie. Aber das Licht wollte nicht auf sie hören, nahm die Ge-stalt eines Mannes an, zu verschwommen, um auch sein Gesicht zu erkennen, dennoch wusste sie, wer auf ihren Nêr zustürmte und ihn mit sich riss, weg von ihr. Der feste Griff um ihre Kehle schwand, Teagan sank auf alle viere, füllte gierig ihre Lungen. Jeder Atemzug war schmerzhaft und unverdient, erkauft mit der Existenz eines Freundes.


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