Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Fantasy Bücher > Verflucht
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Verflucht, Jeremias Schaub
Jeremias Schaub

Verflucht


Die Märchensaga

Bewertung:
(12)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
181
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
amazon, usw
Drucken Empfehlen

Prolog


 


Es waren einmal ein König und seine Königin, die wurden mit einer wunderschönen Tochter gesegnet. Besucher aus dem ganzen Königreich kamen, um die Geburt des Kindes zu feiern, auch zwölf gute Feen, die die Prinzessin reich beschenken wollten. Schönheit, Gesundheit, Reichtum, Liebe, Güte, Bescheidenheit, Geduld, Barmherzigkeit, Klugheit, Großzügigkeit, Mut und die Gabe mit Tieren zu sprechen waren die Geschenke der guten Feen. Doch eine böse Hexe hatte sich unter das Volk gemischt und wollte eine der Gaben, die das Mädchen bekommen hatte.


»Wisst ihr, ich habe alles, was mein Herz begehrt, aber eines fehlt mir: die Gabe mit Tieren zu sprechen!«, kreischte die Hexe und lachte. »Gebt mir die Gabe!«


»Niemals!«, rief der König und ließ seine Wachen auf die Hexe los.


»Einen Tag nach ihrem sechzehnten Geburtstag wird sie in eine andere Welt verbannt, und sie wird nie wieder die Sonne dieses Landes erblicken«, murmelte die Hexe und sprach damit ihren Fluch aus.


»Das könnt Ihr nicht tun, ich bitte Euch!«, flehte die Königin und fiel auf die Knie. »Bitte zeigt Erbarmen.«


»Nun gut«, sagte die Hexe und grinste. »Bevor der Zeiger nachts auf der Zwölf steht, und wenn sie die wahre Liebe findet, wird sie hierher zurückkehren können! Das mit der Zeit liegt wohl bei euch in der Familie, nicht wahr?« Mit diesen Worten verschwand sie.


»Feen, ihr müsst uns helfen«, flehte die Königin die zwölf guten Feen an. »Lasst jeden hier vergessen, dass das hier passiert ist, bis auf uns.«


Die Feen erfüllten dem Königspaar diesen Wunsch. Und trotzdem war nichts mehr wie zuvor ...


Kapitel 1

Schon immer war ich ein sehr aufgewecktes Kind. Ich spielte gerne Streiche, ärgerte gerne den Koch und auch die Tiere. Meine Manieren ließen zu wünschen übrig, was sich natürlich nicht schickte, vor allem nicht als einzige Tochter von Aschenputtel. So kam es also, dass ich mit meiner besten Freundin Sirena, welche übrigens die Tochter der kleinen Meerjungfrau war, in meinem Gemach saß und wir beide meine Geburtstagsfeier planten. Es klopfte.


»Herein!«, rief ich und meine Mutter öffnete die Tür.


»Ashlynn, ich muss mit dir sprechen – unter vier Augen«, sagte sie und lächelte, auch wenn man sah, dass es ein eher gezwungenes Lächeln war. Sirena nickte und verließ eilig mein Gemach. Meine Mutter setzte sich auf mein Bett, nahm meine Hand und sah mir tief in die Augen.


»Mutter? Ist alles in Ordnung?«


Sie seufzte, während sie sich mit der einen freien Hand über die Augen wischte. Sie hatte geweint, das war nicht zu übersehen.


»Oh liebste Mutter, sag es mir doch, bitte.«


Ich machte mir Sorgen. Was war denn so wichtig? Es dauerte eine Weile bis Mutter ihre Stimme wiedergefunden hatte.


»Ashlynn, du musst mir versprechen, dass du niemandem davon erzählst, auch nicht Sirena, versprochen?«


Ich nickte.


»Es ist morgen sechzehn Jahre her. Du hattest gerade das Licht der Welt erblickt und es wurde ein riesiges Fest gefeiert. Alle Feen des Landes waren gekommen ...«


»Du machst gerade einen Witz, oder? Ich kenne die Geschichte von Rose ihrer Mutter schon«, lachte ich.


»Es handelt sich nicht um Dornröschens Geschichte, es ist deine. Du wurdest verflucht.«


Das Lächeln auf meinem Gesicht erlosch.


»Was für ein Fluch, Mutter?«


»Ein Tag nach deinem sechzehnten Geburtstag wirst du uns alle verlassen ...«


Sprachlos sah ich meine Mutter an. Was? Wieso?


»Unsere Welt«, stotterte sie.


Sprachlos sah ich ihr zu, wie sie »Tut mir leid« murmelte, aufsprang und mein Gemach verließ. Sirena kam sofort hereingerannt.


»Ashlynn? Was ist passiert? Oh liebste Freundin, so rede doch mit mir!«


»Ich kann und darf nicht ...«, hörte ich mich sagen.


»Du kannst mir doch vertrauen.«


»Das weiß ich doch, aber ich habe es meiner Mutter versprochen ...«


Ich stand auf und lief zu meinem Fenster. Dort, wo gerade noch die Sonne am Himmel stand, hatten sich nun Wolken vor die Sonne gezogen. Nun fing es auch noch zu regnen an. Na toll! Meine Vorfreude auf meinen Geburtstag war nun gänzlich erloschen. Ich würde meine Freunde, meine Familie ... Ich würde sie verlieren. Für immer. Ich würde sie nie mehr wiedersehen. Sirena stand nun hinter mir. Sie legte mir ihre Hand auf meine Schulter.


»Erzähl es mir«, flüsterte sie mir ins Ohr.


»Ich bin verflucht ...«, flüsterte ich zurück. »In zwei Tagen werde ich unsere Welt verlassen.«


Eine Träne lief meine Wange herunter, die ich sofort fortwischte.


»Nein, das ist doch unmöglich ...«, keuchte Sirena und hielt sich eine Hand vor den Mund.


»Doch, es stimmt, ich bin verflucht, ich werde dich nie mehr wiedersehen«, stammelte ich, während ich mich umdrehte, um in Sirenas Gesicht zu sehen.


Ihre blauen Augen glänzten feucht, sie kämpfte ebenfalls mit den Tränen. Sie nahm mich in den Arm. Ich saß den ganzen Tag in meinem Zimmer, ich aß nichts, trank nichts. Mein Geburtstag rückte immer näher. Ich wollte nicht, dass dieser Tag anbrach. Trotz allem wollte ich meinen letzten Geburtstag mit meiner Familie nicht versäumen. Und dann war es doch so weit: mein Geburtstag. Ich sprang auf, lief die Treppe hinunter bis hin zum Ballsaal.


»Ashlynn!«, hörte ich eine bekannte Stimme.


Ich drehte mich um und konnte nichts anderes als lächeln.


»Vater!«


»Da bist du ja, mein Prinzesschen, ich suche dich schon die ganze Zeit!«


»Ich habe schon gedacht, dass du nicht kommst!«


»Wie könnte ich deinen Tag vergessen?«


Genau, wie könnte er – bei den ›Umständen‹?


»Für dich würde ich doch alles tun. Ich gratuliere dir ganz herzlich zum Geburtstag.«


Die Feier wurde ein Riesenerfolg. Die Musik war wundervoll. Es wurde getanzt, ich bekam tausende Geschenke, aber was sollte ich denn bitte mit all dem Zeugs anfangen, wenn ich es nicht behalten, geschweige denn mitnehmen konnte? Als alle gegangen waren, wurde es wieder still im Schloss. Meine Mutter kam auf mich zu:


»Na, wie geht es dir, mein Schatz?«, fragte sie und lächelte.


»Wie sollte es mir schon gehen? In zwei Stunden ist mein jetziges Leben vorbei, wie sollte es mir denn schon gehen?« Ich lachte bitter.


»Schatz, es tut mir so leid, so unendlich ...«, stotterte sie.


»Ist ja nicht deine Schuld, war ja diese Hexe.«


»Nein, es ist meine Schuld.«


»Wieso?«, wollte ich wissen.


»Ich habe ihr nicht das gegeben, was sie wollte ...«


»Mutter? Was meinst du?«


»Sie wollte deine Gabe mit Tieren zu sprechen.«


Ich bekam keinen Ton heraus. Ich drehte mich um und rannte zu meinem Gemach.


»Schatz?« – Es klopfte.


Die Tür öffnete sich und meine Mutter trat herein. Ich schaute zu Seite, wollte nicht, dass sie sah, dass ich geweint hatte. Sie wollte ihre Hände auf meine legen, doch ich wich vor ihr zurück.


»Du kannst den Fluch brechen«, eröffnete sie mir. »Du musst es nur schaffen, vor Mitternacht einen Jungen zu finden, der dich auf den ersten Blick liebt und dir muss es mit ihm genauso gehen.«


»Liebe auf den ersten Blick? So was gibt es doch nur im Märchen.«


»Bitte Liebes, du musst es versuchen, bitte, ich möchte dich nicht verlieren«, schluchzte sie.


Ich nickte.


»Das ist für dich«, sagte Mutter und hielt mir einen Herzanhänger hin. Ich nahm ihn an mich und drückte auf den Knopf an der Seite. Der Anhänger öffnete sich und ich nahm ein Bild wahr. Meine Mutter, mein Vater und ich. Ich war auf dem Bild gerade erst acht Jahre alt.


»Ich danke dir, Mutter.«


Sie lächelte, stand auf und verließ das Zimmer. Nun saß ich da auf meinem Bett und wartete, bis die Uhr zwölf schlug.


Kapitel 2

Ich öffnete meine Augen und sah mich irritiert um. Hier sollte ich von nun an leben? Ich war in ...? Ich stand auf, denn ich lag im Sand, und sah mich um. Ich lag am Meer, das war mir bewusst. Wieso hatte meine Mutter mir nicht früher von diesem Fluch erzählt?! Man hätte doch bestimmt etwas dagegen unternehmen können.


»Ich glaube, dass ich Hilfe brauche«, schluchzte ich und sah mich verzweifelt um. Die Tränen in meinen Augen verschleierten mein Blickfeld und ich stöhnte auf. Ich erkannte langsam etwas ... Da vorne lag eine Frau auf einem Stuhl.


»Entschuldigen Sie, könnte ich Sie nach etwas fragen?«, bat ich, während die Tränen noch immer in meine Augen traten.


»Aber klar doch, was willst du wissen, Mädchen?«, antwortete die mollige Frau mit den blonden Haaren.


»Wo sind wir hier?«, erkundigte ich mich.


»In Miami, mein Kind.«


»Ich danke Ihnen«, sagte ich, lächelte und machte einen Knicks.


»Du kleidest dich aber sehr unkonventionell«, grinste die Frau. »Ich bin die Susi.«


»Sehr erfreut. Ich bin Ashlynn«, sagte ich und machte einen Knicks. Ich war es gewohnt, vor Menschen, die mir behilflich waren, zu knicksen.


»Von wo kommst du denn?«, wollte die Susi wissen.


»Ich komme aus dem Mär ... Ich komme aus Mae Hong Son.«


»Interessant, aus Thailand. Dort habe ich auch ein Jahr meines Lebens verbracht.« Die Frau grinste.


»Xỳāng næ̀nxn.«


Wie gut, dass ich auch andere Sprachen gelernt hatte. Ich hatte immer Unterricht, gemeinsam mit meiner besten Freundin Sirena gehabt.


»Kommst du mit mir mit? Einen Kaffee trinken?«, gähnte Susi. »Ich bin nämlich müde.«


»Eigentlich gerne, aber ich habe keine Goldtaler bei mir.«


»Goldtaler? So was haben wir hier nicht. Kein Problem, ich lade dich ein!«


Wir liefen zu einem Café, das nicht weit weg vom Strand lag.


»Aus welchem Laden hast du denn die Kleidung?«, wollte Susi wissen, nachdem sie zwei Latte macchiato bestellt hatte. Die Frau hinter der Theke ging zu einem komischen Teil, unter das sie komisch aussehende Tassen stellte.


»Meine Mutter war eine perfekte Näherin. Sie musste schon früher, als sie in meinem Alter war, für sich und ihre beiden Stiefschwestern nähen. Sie hatte kein leichtes Leben«, erzählte ich.


»Wie heißt denn deine Mutter?«, erkundigte sich Susi.


»Cind ... Cindy!«, log ich.


»Und wie ist dein Nachname?«


»Mein was?«


»Dein Nachname Kind, Ashlynn und weiter?«


»Charming!«, log ich ein weiteres Mal. Das war ja nicht einmal eine wirkliche Lüge. Mein Vater war Prince Charming. Was mich ebenfalls zu einer Charming machte.


»Wie aus einem Märchen!«, schwärmte Susi.


Wusste sie etwa Bescheid?


»Woher ...«, stotterte ich.


»Aber Märchen gibt es ja in echt nicht, nicht wahr?«, sagte sie und ich dachte für einen kurzen Moment, dass sie Flügel gehabt hätte. Jedoch verwarf ich den Gedanken hurtig.


»Ja, recht hast du«, sagte ich und grinste künstlich.


Susi nahm unsere Latte macchiato entgegen, zahlte mit merkwürdigem Papier und gab mir diese komische Tasse. Sie fühlte sich sehr weich an, und Susi erklärte mir, dass dies ein Pappbecher war. Natürlich tat ich so, als würde ich wissen, um was es sich handelte.


»Ich danke dir«, sang ich und machte einen Knicks.


»Das musst du nicht die ganze Zeit machen«, grinste Susi. »Wo wohnst du denn?«


»Ich habe kein Zuhause mehr ...«, flüsterte ich und kämpfte mit den Tränen.


»Kind, bitte wein′ nicht. Du darfst sehr gerne eine Zeitlang bei mir wohnen.«


»Das kann ich doch nicht annehmen, du kennst mich doch gar nicht. Ich könnte ja auch eine Mörderin sein.«


»Das könnte ich doch genauso sein, liebes Kind. Aber du in deinem wunderschönen, aber pompösen Kleid ganz gewiss nicht. Komm mit, wir kaufen dir etwas Schönes. Etwas, mit dem du in unsere Welt passt.«


Susi zog mich in einen Laden, in dem es viele Kleider gab. Wir suchten nach einem schönen Kleid.


»Wie findest du das hier?«, fragte Susi, während sie mir ein Kleid hinstreckte. Es war wunderschön, zwar nicht so schön wie meine Kleider, die ich im Märchenland gehabt hatte, aber schön. Es reichte bis zu meinen Knien, außerdem war es ohne Träger und meerblau.


»Gefällt es dir?«


»Ja, sehr sogar!«


»Also, gekauft!«


Wir liefen aus dem Laden heraus und ›shoppten‹ noch mehr, so wie Susi es nannte. Susi nahm mich mit zu sich.


»Kendall? Wir sind zurück!«, schrie Susi, als wir das Haus betreten hatten.


»Wer ist wir?«, hörte ich eine schöne Jungenstimme.


»Kendall ist mein Sohn«, erklärte sie mir.


Wie konnte ein Junge nur eine so schöne Stimme haben? Sie war toll. Nicht zu hoch, aber auch nicht zu tief. Weder zu kratzig, noch zu sanft.


»Ich und eine neue Freundin!«, rief Susi. »Kommst du bitte runter, um sie kennenzulernen?«


»Kein Bock, ohne Witz, ist das auch so eine alte Schabracke wie die letzte, die du angeschleppt hast?!«, rief Kendall.


»Nein, gar nicht, sie ist erst ... Ach Gottchen, wie alt bist du denn überhaupt?«, fragte sie mich.


»Ich bin sechzehn«


»Sie ist sechzehn!«, antwortete Susi.


Man hörte, wie etwas zu Boden glitt und ein junger Mann die Treppe herunterkam. Er hatte blondes, verwuscheltes Haar, grüne Augen und sah einfach total umwerfend aus.


»Hey du«, hörte ich ihn sagen, während er meine Hand nahm und sie schüttelte. Ich lief sofort rot an.


»Hi«, kicherte ich und machte einen Knicks. »Oh, entschuldige, ich bin Ashlynn und du bist Kendall, richtig?«


»Ja, da hast du recht!« Er grinste mich an.


»Sie wohnt für eine Zeit bei uns, falls das für dich ok ist«, sagte Susi.


»Aber klar doch!«, erwiderte Kendall. Er fuhr sich durch seine blonden Haare und grinste weiterhin verschmitzt. »Ich zeige dir das Haus!«


Er nahm meine Hand und zog mich mit sich. Als wir an einem Zimmer mit einem Bett ankamen, in dem außerdem ein Schrank, ein Tisch mit Stuhl, ein kleines Regal stand, auf dem sich ein viereckiges, schwarzes Ding befand, musterte ich ihn. Er trug ein verschmitztes Lächeln auf seinen Lippen, welches mir sehr zusprach.


»Das ist dann ab jetzt wohl dein Zimmer!«, präsentierte er mir.


»Das ist schön! Ich danke dir!«, freute ich mich und fiel ihm um den Hals.


»Gerne. Wenn du möchtest kannst du gerne auch mal bei mir schlafen. Also natürlich nur wenn du nicht schlafen kannst oder Albträume hast«, sagte er und ich lief rot an. War das etwa eine Anspielung? Ja, das glaubte ich. Mir wurde auf einen Schlag warm und ehe ich mich versah, hatte er mir einen Kuss auf die Wange gedrückt.


»Prinzesschen!« Er grinste.


»Wie bitte? Was hast du da gesagt?«, fragte ich erstaunt.


»Prinzesschen?«


»So hat mich mein Vater immer genannt ...«, erzählte ich ihm.


»Was sagt er jetzt zu dir?«, räusperte er sich.


»Gar nichts mehr ...«


»Oh, ist er ...?«


»Nein, um Gottes Willen! Ich werde ihn und meine Familie nur nie mehr wiedersehen, das ist alles.«


Ich zwang mich zu einem Lächeln:


»Wo ist denn dein Vater?«


»Ach«, sagte er. »Der ist mit einer Jüngeren durchgebrannt. Hat mich und meine Mom einfach alleine gelassen.«


»Du Armer ...«


»Ach was, ich komme klar. Ich hab′ meine Mom, ich liebe sie sehr, auch wenn sie ab und zu echt nervig ist, aber trotzdem, sie ist meine Mom.«


Ich nickte verständnisvoll: »Ich würde gern alleine sein, ist das denn in Ordnung für dich?«


Er nickte: »Klar doch, wenn irgendwas ist, du kannst mit mir darüber reden.«


»Danke.«


Er lächelte und ich glaubte, dass er mich gerne noch einmal geküsst hätte, aber er verließ das Zimmer und schloss die Türe hinter sich. Ich setzte mich auf das Bett, das auf jeden Fall nicht so gemütlich und königlich war wie mein Himmelbett im Märchenland. Ich schloss die Augen und flüsterte:


»Vater, Mutter, ich vermisse euch. Werden wir uns überhaupt wiedersehen?«, schluchzte ich. Ich fürchtete, dass dies nicht der Fall war. Denn ich würde sie nie mehr wiedersehen. Die Uhr, die an der Wand stand, zeigte mit ihren Zeigern, dass es kurz vor dreiundzwanzig Uhr war. Nur noch eine Stunde. Wenn ich den Fluch bis dorthin nicht gebrochen hatte, würde ich für immer bleiben müssen. Ich weiß nicht, wie lange ich in Gedanken versunken war, aber es klopfte an der Tür und Kendall streckte daraufhin seinen Kopf in das Zimmer.


»Darf ich hereinkommen?«, fragte er.


»Klar«, antwortete ich.


Kendall kam herein und setzte sich neben mich auf das Bett.


»Ist denn alles gut bei dir?«, fragte er besorgt. »Man hat jetzt eine Stunde fast nichts mehr von dir gehört.«


»Moment! Was?!«, stotterte ich verzweifelt. Mein Blick fiel auf die Uhr, deren Zeiger auf eine Minute vor Mitternacht gestellt waren.


»Ich bin die Tochter von Aschenputtel. Ich weiß, das klingt verrückt, aber es ist die Wahrheit. Ich bin verflucht. Vor Mitternacht muss ich die wahre Liebe in dieser Welt finden, und sie küssen. Wenn mir das nicht gelingt, werde ich für immer hier leben müssen. Und das will ich nicht. Ich kenne mich hier nicht aus und kenne niemanden«, stammelte ich apathisch, während mir eine Träne nach der anderen die Wange herunterlief.


»Und du glaubst, das könnte ich sein?«, stotterte er.


»Ich weiß es nicht ...«, flüsterte ich leise vor mich hin.


»Dann lass es uns ausprobieren ... Einen Versuch ist es wert«, zwinkerte er mir zu.


In dem Moment, in dem unsere Lippen aufeinandertrafen, schlug die Uhr Mitternacht. Ich fühlte, wie sich alles um mich herum veränderte. Alles um mich herum drehte sich – ich drehte mich. Ich drehte mich schneller und immer schneller. Dann war alles still. Totenstill. Ich öffnete die Augen und schrie erschrocken auf! Ich war zurück! Ich lag auf meinem Bett und beobachtete einen Schmetterling, der über mir flog und auf meinem Finger landete, den ich ihm hingestreckt hatte. Kendall! Ich sprang auf und rannte so schnell, wie ich konnte zu meiner Mutter.


»Mutter!«, rief ich und kam in den Thronsaal gerannt.


»Oh mein Gott, Ashlynn!«, schrie sie und rannte auf mich zu. Wir fielen uns in die Arme.


»Ist das ein Traum, oder bist du wirklich hier? Kann mich bitte einmal einer kneifen?!«, sagte sie und brach in Tränen aus.


»Es ist kein Traum, Mutter. Ich bin wirklich hier. Und ich habe meinen Traumprinzen getroffen!«, erzählte ich und wurde traurig. »Aber ich werde ihn nie wieder sehen ... Vielleicht hätte ich dortbleiben sollen?«


»Auf keinen Fall!«, flüsterte meine Mutter.


»Prinzesschen!«, hörte ich die Stimme meines Vaters. Er umarmte mich und ich lächelte ihn an.




Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2019 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 4 secs