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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Talivan, Andrea Tillmanns
Andrea Tillmanns

Talivan



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Der Mann war ihr unbekannt, zu gebeugt sein Rücken, zu schmutzig seine Kleidung, wenn auch sicher einst aus gu-tem Stoff gewebt und vom besten Leder genäht, als dass sie sich ihn in ihrer Heimatstadt hätte vorstellen können. Sie selber war nicht reich, in Aralei jedoch, der Stadt, in deren Kloster sie aufgewachsen war, gingen die Menschen stolz und aufrecht, die meist armselige Kleidung oft nur noch von Flicken zusammengehalten und dennoch stets so sau-ber als möglich. Eine gute Stadt, dachte sie, und wohl diejenige, die den Nordkönig überzeugt hatte, wie sinnvoll Sauberkeit zur Eindämmung von Seuchen und anderen Krankheiten war. Die meisten Kranken, die sich mit letzter Kraft in das Kloster geschleppt hatten, waren aus anderen Städten und Dörfern gekommen; nicht nur wegen der weit-hin bekannten Kunstfertigkeit der Patres und Schwestern, auch, weil sie sich hier sicher sein konnten, aus dem Spital nicht andere, gar schlimmere Krankheiten nach Hause mit-zunehmen. Aber Aralei war nun weit weg, sie war fast zwei Monde lang geritten. Dennoch erschien ihr der Mann nicht ganz fremd – etwas in seinem Blick, seinen Gesten, seinen Zü-gen brachte eine nie gehörte Saite in ihr zum Klingen. Sie wusste nicht, warum sie ihn schon beim ersten Blick gehasst hatte, war noch immer ein wenig erschrocken über dieses ihr sonst so unbekannte Gefühl, und doch war da noch etwas anderes, trotz aller Distanz Verbindendes – nicht nur das Schwert –, was ihr fast noch mehr Sorgen be-reitete. Der Mann sah nicht aus wie ein geübter Kämpfer, obwohl er einst groß und muskulös gewesen sein mochte, mehr wie der Hüter denn der Benutzer der Waffe, dennoch wirkte Talivan wie ein Teil von ihm. Auch er scheint ihren Namen zu kennen, dachte sie. Was, wenn das alles nur ein böser Trug ist? Wie soll ich das Schwert erlangen, wenn ich ihn nicht töte, und wie könnte ich ihn töten, diesen so viel älteren, wahrscheinlich nicht einmal guten Gegner, ohne den Grund dafür wirklich zu kennen? Wie viel Ver-lass ist auf einen Traum, der mich zu soviel Bösem ver-leiten will? Nein, sie konnte es nicht tun, nicht, ohne mehr über diesen Mann und das Schwert erfahren zu haben. Es war noch so einfach gewesen, damals, als sie sich von den Schwestern verabschiedet hatte, die sie schon jetzt vermisste. Kein Plan, aber ein Ziel, das es zu erreichen galt, ein Weg, der zu gehen war, auf dem sie sicher hierher ge-führt wurde durch eine ihr unbekannte Macht. Nun hatte die feste Hand, die sie während der letzten beiden Monde gelenkt hatte, sich zurückgezogen; keine wortlose Stimme sprach mehr von dem Schwert. Sie war auf sich alleine ge-stellt, musste alleine entscheiden und handeln. Und, zur Not, auch kämpfen. Als sie zu ihm hinüber sah, schaute er sie aus kleinen, ver-schwommenen Augen unverwandt an, und bevor sie den Blick wieder senken konnte, nahm sie noch aus den Au-genwinkeln sein einladendes Grinsen wahr. Wieder spürte sie den unerklärlichen Hass auf diesen Mann. Sicher, sie war jung und nicht hässlich, so dass sie diese Reaktion ge-rade älterer Männer kannte und sie normalerweise nicht mehr wahrnahm, aber dies hier war etwas anderes, wie eine Beleidigung, die nur schmerzt, weil sie von einem aus-gesprochen wird, der mehr bedeutet als irgendein daher-gelaufener Kerl. Und das, obwohl dieser Mann ihr völlig fremd war, sie ihn sicher nie zuvor gesehen hatte. Wahrscheinlich, beruhigte sie sich, macht es die Nähe Talivans, dieses Schwertes, das sie fast körperlich anzog. Sie konnte es wohl einfach nicht ertragen, die kostbare Klinge an diesen Mann gebunden zu sehen, wo sie sich doch so gewiss war, Talivan gehöre nur zu ihr, wie eine Freundin, die man an einen nichtsnutzigen Mann verloren hatte und nun in dem sicheren Wissen, dass auch sie es wollen würde, von diesem zu befreien versuchte. Es ver-suchen musste. Und doch, diesen Fremden einfach so, nur einer Waffe wegen, zu töten, widerstrebte ihr zutiefst. Nicht umsonst war sie in einem Kloster aufgewachsen, hatte dort zwar auch die Schwertkunst erlernt, da sie zur Magie nicht geboren schien – im Gegenteil gar die Magie der anderen in sich aufzusaugen schien –, dabei jedoch nie vergessen, dass sie nur zu ihrer oder anderer Menschen Verteidigung kämpfen durfte. Talivan war kein Mensch. Den Mann zu töten, geschähe nur aus Besitzgier und Hab-sucht. Sie musste einen anderen Weg suchen, vielleicht den, den er ihr gerade ebnete, mit seinem betrunkenen, selbstverliebten Grinsen. Diesmal senkte sie ihre Augen nicht, hielt seinem Blick stand. Er fasste es sofort als Einladung auf, setzte sich an ihren Tisch und bestellte lauthals zwei Bier, obwohl seines noch halb voll war, bevor er sie von oben bis unten muster-te. Sie konnte den plötzlichen Drang zu lachen gerade noch unterdrücken, die Situation hätte komisch sein können, wenn sie nicht genau gewusst hätte, dass sie es selbst dazu hatte kommen lassen. ‚Warum konnte ich auch nicht eine Nacht darüber schlafen, morgen wäre mir sicher eine bessere Lösung eingefallen’, schalt sie sich selbst. Nun denn, was sie begonnen hatte, musste fortgeführt, die Chance genutzt werden – vielleicht würde sie keine zweite bekommen.


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