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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Tales of Tamar: Arbanor, Silke Porath
Silke Porath

Tales of Tamar: Arbanor


Die Legende des Drachenkönigs

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Der Schmerz durchfuhr Pergalb wie ein Dolchstich, als er langsam die Hand hob. Der alte Mann stöhnte. Langsam tastete er über seine Brust. Pergalb schrie auf, als er seine Rippen berührte. Links, direkt über dem Herzen, hackte der Schmerz in seinen Leib, als bohrte ein gieriger Greifvogel seinen Schnabel in sein Innerstes. Tausend Flammen brannten in seiner Brust.

Die Pein lockerte ihren eisigen Griff, als der Chronist Tamars sich auf die Ellbogen stützte. In seinem Kopf dröhnte es, als tanzten hundert Zwerge darin einen dämonischen Tanz. Der alte Mann kniff die Augen zusammen. Über ihm erstreckte sich ein mächtiges Felsgewölbe. In dem Lichtstrahl, der von oben durch eine Felsspalte fiel, wirbelten Staubkaskaden.

Pergalb hustete. Sofort krallte sich der Schmerz wieder in seine Brust. Er schrie auf. Das Echo warf seine Stimme wieder und wieder zurück, bis es schließlich still wurde in der Höhle. Pergalb hörte nur noch das Rasseln seines eigenen Atems. Ihn schauderte, als er sah, wie tief er gefallen war. Drei, wenn nicht vier groß gewachsene Männer wären nötig, um ohne Leiter oder Seil das Felsdach zu erreichen.

»Ruhe, du musst zur Ruhe kommen«, flüsterte er, als könne er mit der Kraft der eigenen Stimme das Rasen seines Herzens beenden. Vorsichtig und unerträglich langsam, gelang es ihm schließlich, sich aufzurappeln. Mit zitternden Knien stand er im schwachen Lichtschein. »Die Rippen sind nicht gebrochen«, sagte er laut. Und das Echo antwortete ihm mit seiner eigenen Stimme, die in den Tiefen der Höhle verebbte. Pergalb schüttelte den Kopf. Langsam kehrte die Erinnerung zurück.

Feuersteine, natürlich, er wollte Feuersteine holen bei der alten Aya. Die Kräuterfrau schlug die Steine selbst und bei ihr bekam man die besten weit und breit. Vor sieben Nächten hatte es einen Erdrutsch gegeben und der Weg zur Waldhütte war mit Felsbrocken und Steinen verschüttet. Der Pfad war nicht zu passieren für einen, dem die Gicht in den
alten Knochen steckte. Pergalb war deshalb dem Ufer des Wehirs gefolgt. Er erinnerte sich, dass der große See blau und glatt wie ein Spiegel dalag. Leise plätschernd brachen sich die kleinen Wellen am flachen Ufer. Der schmale Kiesstrand ging über in eine weite Wiese mit satt grünem feuchtem Gras. Pergalb hatte sich gefühlt, als schwebe er über die Ebene, bei jedem Schritt sanken seine Füße wohlig ein in die weiche Erde. Die Jasminbüsche dufteten betörend und die Sonne wärmte seine Haut.

Pergalb hatte die Kapuze seines Umhangs vom Kopf gestreift. Der Wind strich durch sein schlohweißes Haar und kitzelte ihn im Nacken. Pergalbs Lächeln brachte die Furchen um seinen Mund zum Tanzen.

Wie oft war er als junger Mann hier gewesen. Damals konnte ihn nichts aufhalten, seine Muskeln waren kräftig und sein Ziel ein großes: hier, irgendwo in den Bergen rund um den Wehir, musste sie sein, die Höhle des Geheimbundes. Generationen von Gelehrten hatten nach jenem Ort gesucht, an dem die Vorväter jene legendären Schriften aufbewahrt hatten, in denen die Geschichte des Volkes aufgezeichnet war. Unzählige Expeditionen hatte Pergalb zusammengestellt. Wochen und Monate war er vom großen Wehir aus durch das Land gezogen. Doch als seine Kraft mit den Jahren schwand, begrub er die Hoffnung, dieses Geheimnis seines Volkes zu seinen Lebzeiten zu lüften. Ihm würde nichts anderes bleiben, als zu glauben. Daran, dass es die Schriften noch gab. Und daran, dass sie ihren Inhalt eines Tages dem Volk Tamars offenbaren würden.

Pergalb seufzte und strich sich über die Augen. Die Schatten der Vergangenheit schwebten über seinem Kopf. Ein Schritt und noch einer, die Sonne blendete ihn, er strauchelte, schrie auf, strampelte mit den Beinen. Da war kein Widerstand. Da war - nichts.

Pergalb erinnerte sich an die plötzliche Kälte. Die Dunkelheit. Und den dumpfen Schlag, als sein Fall zu Ende war.


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