Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Fantasy Bücher > Tad Time Teil 2
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Tad Time Teil 2, Jonas M. Light
Jonas M. Light

Tad Time Teil 2


Das Sternenorakel

Bewertung:
(274)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
1450
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
Amazon und Apple
Drucken Empfehlen

#5
Dunkler Raum


Immer und immer wieder tauchten die Bilder der Flammenwand in seinen Gedanken auf, als Tad den Waldweg durch das Elysarium entlang lief. Alles wirkte jetzt ganz real. Neben den Gedanken an seine Frau und seinen Sohn konnte er sich jetzt auch wieder an seine Jugend, seine Mutter und seinen Vater erinnern. Es fühlte sich so an, als hätten sich alle Erinnerungen wie ein Puzzle zusammengesetzt. Doch damit war auch der Schmerz da, den er mit seinem früheren Leben verband. Er konnte sich an das unsägliche Leid erinnern, das er in seinem Leben empfand und den immer gleichen Tagesablauf.
Morgens frühstücken, auf den Weg zur Arbeit machen, in seinem Job als Schauspieler den verschiedensten Rollen nachgehen und abends mit seiner Frau und seinem Sohn Zeit verbringen. Obwohl er die beiden über alles liebte, konnte er seiner innerlichen Leere nicht entfliehen. Er konnte die Finsternis in ihm zwar dank seiner Schauspieler-Talente vor seinen engsten Vertrauten verbergen, aber tief in ihm war sie da. Gleichsam war dieses Schmierentheater der Gefühle sein Verhängnis. Nach außen mimte er den Macker mit Stärke und Selbstvertrauen, aber unter dieser Maske trauerte ein kleiner Junge, der in einem dunklen Raum saß. Als die Dunkelheit und Melancholie sein gesamtes Denken bestimmten und zu stark wurden, um dagegen anzukämpfen, sah er keinen anderen Ausweg, als sich das Leben zu nehmen.
Ich bin die Traurigkeit, kam ein Gedanke in seinen Sinn und war im nächsten Moment schon wieder verblasst.
Oftmals war er mit dem Auto zu dem abgelegenen Waldweg gefahren und hatte geweint. Die Tränen brachten zumindest für eine kurze Zeit Erleichterung. Aber als auch das nicht mehr half, hatte er sich informiert, wie er sich das Leben nehmen konnte. Schnell und leise, ohne viele Schmerzen. Seine Wahl war auf ein hochdosiertes Schlafmittel gefallen, das innerhalb kurzer Zeit den Tod brachte. Die Spritze mit dem Gift hatte er vor Emilie und Jack versteckt und immer wieder in den Waldweg mitgenommen. Leicht fühlte sie sich an und so mächtig. Er hatte die Kontrolle darüber, wann er es tun wollte. Doch im Waldweg sollte es nicht geschehen. Er suchte sich dafür einen dunklen Umkleideraum im Theater aus. Als alle Kollegen nach Hause gegangen waren und er alleine im Umkleideraum war, setzte er sich vor einen Spiegel und holte die Spritze heraus. Dann schaute er ein letztes Mal in den Spiegel. Doch darin sah er nicht sein Gesicht, sondern eine steinerne Maske. Die Gesichtszüge eingefroren und der Mund zu einem grotesken Lächeln verformt. Tot und leblos. Er führte die Spritze zu seinem Arm und stach tief hinein. Das Gift bahnte sich eisig den Weg durch seinen Körper. Eiskalt …
Tad schaute auf seinen Arm. Er sah einen kleinen roten Einstich. Hätte es noch einen Beweis gebraucht für das Ende seines früheren Lebens, so hatte er ihn nun.
Warum nur habe ich mir so jäh ein Ende gesetzt? Hätte es keinen anderen Ausweg gegeben?
Er lief ein Stück weiter auf dem Waldweg und schaute in die Bäume, als würden sie ihm Antworten auf seine Fragen geben. Die Luft roch frisch und süß. Jeder Atemzug schien den Körper zu beleben. Tad ging den Weg zum See, an dem die Flammenwand entstanden war. Er spürte, dass er dies tun musste, um seine Gedanken zu beruhigen und zu ordnen. Zudem hatte er noch Fays Worte im Ohr, dass er sich zu wenig mit sich und seinen Gefühlen auseinandersetzen würde. Probieren konnte ja zumindest nicht schaden.
Auf dem Weg wurde ihm die Schönheit des Elysariums zum ersten Mal richtig bewusst. Er betrachtete den Waldboden, der im Schein der Sternenstrahlen glitzerte, bewunderte die Bäume mit ihren ausladenden Blätterkronen, roch an einer der quietschbunten „Pizza-Blumen“ und staunte über die Friedlichkeit dieses Ortes. Er hatte noch nie das Gefühl gehabt, dem Himmel und den Sternen so nahe zu sein wie hier.
Nach einer Weile konnte er sehen, wie der Wald sich teilte und den Blick auf den See zuließ. Das vertraute Plätschern drang an sein Ohr und nach einigen Minuten lag der See in voller Schönheit vor ihm. In der Ferne sauste das Wasser über die Felsen in die Tiefe. Wo es aufschlug, erzeugte es eine weiße Gischt, die wie feinster Nebel in den Himmel aufstieg.
Tad folgte dem Weg weiter, der sich um den See schlängelte. Je näher er dem Wasserfall kam, desto lauter wurde das Plätschern und Klatschen des herunterstürzenden Wassers. Der Weg führte direkt in die Felsen hinein, über die sich der Wasserfall ergoss. Kurz vor dem Eintritt war das Plätschern des Wassers am lautesten, aber irgendwie auch angenehm beruhigend. Ein feiner Wasserfilm legte sich auf Tads Gesicht und Hände. Er blieb am Eingang stehen und beobachtete, wie das Wasser vor ihm herunterschoss. Sei einfach – Fays Worte kamen ihm in den Sinn. Er spürte seinem Atem nach und blieb eine ganze Zeit lang einfach still stehen.
Dann ging er in den Felsen hinein. Tad verweilte einen Moment im Eingangsbereich, um seine Augen an das schummrige Licht zu gewöhnen. Vor ihm erstreckte sich eine Höhle, die wie ein Halbmond aufgebaut war und eine Decke so hoch wie die Bäume im Wald besaß. Das Rauschen des Wassers hörte sich hier drinnen gedämpft und dumpf an – wie Regen, der auf eine alte Trommel prasselte.
Tad ging weiter in die Höhle hinein und staunte über eine Steinwand in der Mitte, die so glatt war wie eine Leinwand. Er strich mit seiner Hand über die Oberfläche. Doch glatt war diese nicht. Überall konnte er kleine Einkerbungen erspüren. Er trat einen Schritt zurück, um mehr erkennen zu können, aber konnte sich keinen Reim auf die Wand machen. Nach einem kurzen Moment des Innehaltens schritt er durch den Raum und verließ die Höhle am gegenüberliegenden Ausgang.
Tad blickte zum Himmel und genoss den Anblick der leuchtenden Sterne. Sie schienen von hier aus so nah und groß. Als er seinen Weg fortsetzte, machte sich sein Magen mit einem lauten Knurren bemerkbar. Obwohl Tad keinen starken Hunger verspürte, wurde ihm bewusst, wie lange er schon nichts mehr gegessen hatte.
Er ließ den See hinter sich und lief weiter in den Wald. Kein Laut war zu hören, doch in nächster Ferne sah er Licht. Beim Näherkommen erkannte er, dass es von einer der trompetenartigen Blumen ausging. Neben ihr saß Fay auf dem Boden.
„Hallo“, begrüßte Tad sie. „Wie ich sehe, hast du die Straßenlaternen schon angeknipst. Wird es hier eigentlich auch mal hell?“
Fay schmunzelte. „Da wir keine Sonne in unmittelbarer Nähe haben, ist es immer Abend im Elysarium. Dafür leuchten die Sterne über uns so hell wie sonst nirgendwo anders und sorgen dafür, dass wir immer Licht haben. Und natürlich gibt es auch noch andere Lichtquellen direkt hier unten. Sie tätschelte der Blume neben ihr auf das Haupt, die sich daraufhin stolz in die Höhe reckte.
„Das ist eine Ukonora, eine Blume, die bei Berührung ein helles Licht absondert. Im Elysarium ist alles mit allem verbunden. Die Blume nimmt Energie aus dem Erdreich auf und gibt sie durch winzige Leiterhärchen an die Luft ab. Genauso ist es bei den Bäumen, die hierfür ihre Blätter benutzen. Diese Energie ist stetig um uns herum und versorgt jeden Organismus mit Leben. Du kannst diese Energie fühlen, wenn du in dich hineinspürst.“
„Also im Moment verspüre ich eher Hunger, denn mein Magen hat eben ziemlich heftig geknurrt. Wo bekommen wir etwas zu essen her?“
„Du wirst nichts brauchen.“ Sie sah, wie Tad die Stirn runzelte, und führte weiter aus: „Hier im Elysarium wirkt die Energie durch die Zelle jedes Lebewesens. So wie du beim Laufen Energie an deine Umwelt abgibst, so erhältst du im Schlaf die Energie von deiner Umgebung zurück. Diese Energie, die alles umgibt und uns am Leben erhält, nennen wir Elysia. Nach einigen Tagen wirst du keinen Hunger und Durst mehr verspüren. Auch während deiner Missionen brauchst du keine Nahrung zu dir nehmen. Lediglich der Schlaf ist wichtig, denn er verbindet dich mit Elysia.“
„Also nie wieder leckere Hamburger oder frische Croissants vom Bäcker? Hätte zu gerne gesehen, wie sich hier im Wald eine bekannte Fast-Food-Kette niedergelassen hätte.“
Er klatschte sich scherzhaft vor den Kopf, um zu unterstreichen, wie blöde diese Bemerkung gewesen war.
„Und was ist mit meiner Kleidung? Soll ich etwa jeden Tag dieses Hemd und meine abgewetzte grüne Cordhose tragen oder krieg ich auch so einen schicken Anzug wie du?“
Fay schmunzelte. „Also meinen Anzug bekommst du schon mal nicht. Lass dich doch einfach mal überraschen.“
Es war das erste Mal, dass Tad eine humorvolle Seite hinter der ansonsten so strengen und bestimmten Schale der Flammen-Lady entdeckte.
Fay stand aus ihrem Schneidersitz auf.
„Komm mit, ich muss dir etwas zeigen!“
Tad runzelte die Stirn. Hatte er nicht genug gesehen in den letzten 24 Stunden?
Fay bemerkte seine Zurückhaltung.
„Komm schon“, trieb sie ihn an. „Du wolltest doch alle deine Antworten.“


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2020 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 4 secs