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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Tad Time Teil 1, Jonas M. Light
Jonas M. Light

Tad Time Teil 1


Die Stadt des singenden Segels

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#1
Vorhang auf!


„Was? Du liebst einen anderen?“ Ein Raunen ging durch das Publikum, als Tad seine Geliebte mit diesem Vorwurf konfrontierte. Nach gut 40 Auftritten war es äußert vorhersehbar, an welcher Stelle des Theaterstücks eine Reaktion des Publikums zu erwarten war. Die nächste Reaktion würde kommen, wenn Tad mit seinem Rivalen Ernesto kämpfen und den Tod durch einen Pistolenschuss in die Brust finden würde. Doch daran versuchte Tad im Augenblick noch nicht zu denken. Er fokussierte sich auf seinen nächsten Einsatz.
„Dieser miese Bastard!“, wetterte Tad. „Ich wusste die ganze Zeit, dass er ein Auge auf dich geworfen hat.“ Er stampfte mit seinem rechten Bein auf die Holzplanke der Bühne und ein Knallen schallte durch den Saal, der mit 500 Zuschauern restlos ausverkauft war. Seine Geliebte erschrak und hielt sich die Hand vor ihr Herz, um die Dramatik der Szene zu untermalen. Einige Zuschauer im Saal taten es ihr gleich und eine Dame in der ersten Reihe fieberte gar so mit, dass sie sich an den Arm ihres Sitznachbarn klammerte.
Tad huschte ein kleines Lächeln über sein Gesicht, als er sah, wie enthusiastisch die Leute waren. Gleichsam sehnte er das Ende des Stücks herbei, denn im Kegel des Bühnenscheinwerfers war es verdammt heiß. Ein Teil des Make-ups war bereits von seinen Schweißtropfen hinfortgeschwemmt worden und die Kragenschenkel seines weißen Rüschenhemds sahen aus, als wären sie in einen ockerfarbigen Farbeimer gefallen.
Dann kam die alles entscheidende Szene. Tad holte tief Luft, um seine Konzentration auf den Punkt zu sammeln und polterte in den Saal hinaus: „Ich bringe dich um, wenn du etwas mit ihr gehabt hast!“
Seinem Gegenspieler Ernesto musste es genauso heiß sein wie Tad, denn die Schweißperlen rollten wie Regentropfen über seine Stirn und glänzten im Schein des Lichtes.
„Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig“, konterte Ernesto. „Was ich getan habe, ist kein Verbrechen. Es geschah aus purer Liebe.“
Es war der Satz, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Tad zog eine Pistole aus der Jackentasche und richtete diese auf Ernesto. In der Probe war es bei dieser Szene hin und wieder zu Aussetzern gekommen, da die Platzpatronen nicht immer funktionierten und dann statt einem stattlichen BUUMM nur ein wehleidiges KLICK herauskam.
Heute sollte zum Glück alles funktionieren. Ernesto stürzte in wilder Verzweiflung auf seinen Opponenten zu und ergriff seinen Waffenarm. Abermals ging ein Raunen durch das Publikum. Einige Zuschauer hielten ihre Hände vors Gesicht und wollten gar nicht hinsehen. Die Dame am Arm des Sitznachbarn war aufgesprungen und schrie ein verzweifeltes „Tu das nicht, Ernesto!“ in Bühnenrichtung.
 Nach einem wilden Gerangel und Geschrei auf der Bühne erschallte endlich das BUUMM und Tad sackte auf den Boden wie ein ausgeknockter Boxer. Sein Kopf schlug unsanft auf dem Holzboden auf.
Was tat man nicht alles für eine gute Show. Morgen würde er bestimmt eine kleine Beule haben. Doch irgendwie war da noch mehr. Tad spürte eine seltsame Schwere in seine Glieder kriechen. Er versuchte, einen Laut von sich zu geben, doch die Worte erstarben in seinem Hals. „Was habe ich getan?“, schallten die Worte Ernestos durch den Raum, die wie ein Echo in Tads Kopf widerhallten. Dann senkte sich der Vorhang und mit ihm legte sich ein dunkler Nebel über Tads Augen.


 


#2
Wach auf!


 


 Wach auf! Tad schnappte nach Luft. Er atmete mehrmals schnell ein und aus und zog die Frischluft begierig in seine Lungen. Seine Sinne waren wie betäubt und er brauchte einige Atemzüge, um sie mit Leben zu erfüllen. Er fühlte, wie Regentropfen auf seinen Körper prasselten und auf seinem Gesicht wie kleine kalte Nadelstiche zwickten. Der Geruch von feuchter Erde kroch in seine Nase und auch seine Ohren nahmen nun langsam das Geräusch des heruntersausenden Regens wahr: PLATSCHPLATSCHPLATSCH. Er öffnete die Augen, aber schloss sie gleich wieder, da die herunterklatschenden Regentropfen wie Mini-Fausthiebe auf seine Augäpfel einschlugen.
Ich muss irgendwie aufstehen und raus aus diesem Regen. Doch warum fühle ich mich so schlapp und wo zur Hölle bin ich?
Er versuchte, seinen Arm zu heben und brauchte einige Versuche, um ihn in die Höhe zu strecken. Langsam richtete er sich auf und setzte sich hin. Sein Hemd und seine Hose waren vom Regen völlig durchnässt und klebten an ihm wie eine zweite Haut. Er musste schon ziemlich lange hier auf offenem Feld gelegen haben. Er versuchte, seine Gedanken zu sortieren und zu überlegen, wie er hierher gekommen war. Doch sein Kopf fühlte sich leer an. Jegliche Erinnerung schien verblasst.
Ich muss raus aus diesem Regen.
Das Grollen des Himmels riss ihn aus seinen Gedanken. Hell wie Tausende Fackeln durchzuckte ein Blitz den Himmel und ließ für Sekundenbruchteile die Umrisse einer Hütte erkennen. Tad sammelte seine Kraft, richtete sich auf und wankte Richtung Hütte. Der durchweichte Boden machte es ihm nicht gerade leicht, die Balance zu halten und so ging er äußerst behutsam vorwärts. Schritt für Schritt. Weitere Blitze durchzuckten den Himmel und erhellten den Weg zur Hütte für wenige Augenblicke. Nur noch ein paar Schritte waren es jetzt.
Er spürte das Knarren einer Holzplanke unter seinen Füßen, wie der Regen auf einmal weniger wurde und schließlich gar nicht mehr auf seinen Körper einprasselte. Er musste jetzt genau unter dem Vordach der Hütte stehen. Kein Licht drang aus dem Inneren, alles war dunkel. Langsam tastete sich Tad vor, bis seine Finger das Holz der Außenwand berührten. Es fühlte sich rau und faserig an und Tad strich äußerst behutsam über die Oberfläche, um sich keinen Splitter in den Finger zu rammen.
Er ertastete eine Fensterbank, ging einen Schritt weiter nach rechts und fühlte wenig später einen abstehenden Holzriegel. War das die Türklinke? Tad strich mit seinen Fingern weiter nach rechts, um den Türrahmen ausfindig zu machen. Erst spürte er nur die durchgehende Holzoberfläche. Er fuhr noch ein Stückchen weiter und endlich verschwanden seine Finger in einer Spalte, die sich nach oben und unten abfahren ließ. Das musste ein Eingang sein.
 Er klopfte an das Holz. TOCK, TOCK, TOCK.
„Hallo, ist jemand zu Hause?“
Keine Antwort. Tad klopfte ein weiteres Mal, aber nichts regte sich. Doch so leicht wollte er nicht aufgeben. Er suchte den Holzriegel und drückte mit beiden Armen dagegen. Mit einem KNARZ gab die Holzwand nach und schwang nach innen auf. Tad klopfte sich innerlich auf die Schulter, dass er mit seiner „Tür-Vermutung“ richtig gelegen hatte. Ein gewisser S. Holmes hätte das nicht besser lösen können. 
Sachte trat er ein. Seine durchnässten Schuhe quietschten bei jedem Schritt auf den Holzplanken. Im Inneren roch es muffig, so als ob schon lange nicht mehr gelüftet worden war. Ein weiterer Blitz erhellte für eine Sekunde den Innenraum der Hütte. Alles, was Tad sehen konnte, war ein Tisch mit vier Holzstühlen in der Mitte des Raumes und einen ausladenden Kamin im hinteren Teil der Hütte.
Tad tastete sich an den Stühlen entlang zur Feuerstelle. Seine Hände fuhren über den Kaminsims. Doch außer Staub, der sich an seine Finger anschmiegte und kitzelig in seine Nase aufstieg, war hier nichts zu finden. Kein Feuerzeug, keine Streichhölzer. Entkräftet und bar jeden Mutes ließ sich Tad auf einem der Stühle nieder. Im Moment der Stille wurde ihm gewahr, wie sein Ober- und Unterkiefer in schneller Folge aufeinanderklapperte. Er musste aus diesen nassen Klamotten raus, sonst würde er sich eine fiese Erkältung holen.
Draußen peitschte der Regen immer noch mit ungestümer Macht auf das Dach der Hütte. Tad wollte gerade seine Hose ausziehen, als ein Grollen über das Dach der Hütte zog. Erst zaghaft wie das Fauchen eines Löwenbabys, dann mächtig wie das Brüllen seines Papas, dem König der Tiere. Plötzlich Stille. Aber nur für einen Augenblick. Dann kehrte das Grollen zurück, wuchs immer weiter an und entlud sich in einem Knall laut wie eine Kanone.
Die Holztür der Hütte zerbarst in tausend kleine Holzsplitter. Instinktiv riss Tad die Arme hoch, um sein Gesicht zu schützen. Die Dunkelheit wich, als ein gleißend heller Blitz durch die Türöffnung schoss und den Kamin entflammte. Ehe Tad sich fragen konnte, wie ihm geschah, flackerte ein grünes Feuer im Kamin auf. Langsam nahm er die Arme wieder runter und starrte ungläubig auf das Feuer. Was ist das?
Die Flamme wurde größer, wuchs auf Menschengröße an und formte sich zu einem Körper. Mit jedem Aufflackern des Feuers wurden die Proportionen des Körpers deutlicher sichtbar.
Was geschieht hier?
Ein letztes Mal bäumten sich die Flammen auf, füllten die menschliche Silhouette aus und hauchten ihr Leben ein. Arme und Beine begannen sich zu bewegen. Tad kniff die Augen zusammen, um aus diesem Traum aufzuwachen, doch die Kreatur blieb. Sie war real. Etwas größer als Tad, mit langen weißen Haaren, grünen Augen und einem Gewand so weiß wie Schnee. Doch die Besonderheit betraf ihre Haut. Diese war schwarz. Rabenschwarz. Die Kreatur machte einen Schritt nach vorne und trat aus dem mittlerweile nur noch kleinlaut lodernden Feuer des Kamins. Im Schein der Flammen ließ der ungewöhnliche Kontrast aus Schwarz und Weiß die Gestalt wie ein Gespenst aussehen.
Was hat sie mit mir vor? 
Tad spürte, wie sein Atem bei dem Gedanken immer schneller und flacher wurde. Er wollte sich langsam einen Schritt von der Gestalt entfernen, doch sein Körper war starr wie ein Fels. An Weglaufen war nicht zu denken. Die Kreatur musterte ihn mit ihren grünen Augen, ehe sie die Stille brach.
„Du fragst dich sicherlich, wie du hierhergekommen bist, doch diese Frage kann ich dir leider noch nicht beantworten.“ Ihre Stimme klang klar und angenehm sanft in seinen Ohren.
„Bbhhhwww … “ Tad wollte antworten, doch es kam kein Wort über seine Lippen.
„Schhhhh … hör’ mir einfach zu! Du bist zu einem bestimmten Zweck auserwählt worden.“
Die Gestalt machte einen Schritt auf Tad zu. Die grünen Flammen im Kamin züngelten in ihre Richtung.
Auserwählt? Tad verstand gar nichts mehr.
„Du wirst morgen nach Westen gehen, bis du in eine kleine Stadt gelangst. Die Stadt des singenden Segels. Alles Weitere erfährst du dann.“
„Aber wer bist du und was soll ich überhaupt hier? Wieso kann ich mich an nichts erinnern?“ Tad hatte seine Sprache wiedergefunden, doch seine Stimme klang steif und staksig.
„Alles zu seiner Zeit. Wenn du deinen ersten Auftrag erfolgreich erledigt hast, wirst du mehr erfahren.“
Die Gestalt drehte sich um und lief auf die Flammen zu.
Die kann mich doch jetzt hier nicht so einfach sitzen lassen. Na warte!
Als hätte sich ein Mini-Kraftwerk in ihm in Gang gesetzt, strömte plötzlich Blut durch seinen Körper und erfüllte ihn mit Wärme und Kraft. Tad machte einen Schritt nach vorne und berührte die rechte Schulter der Gestalt. Das Gewand darauf fühlte sich weich und flauschig an.
„Nicht so schnell, Flammen-Lady! Ich möchte auf der Stelle wissen, warum ich hier bin. Das bist du mir schuldig.“
Die Schulter wurde urplötzlich heiß wie eine Herdplatte. Tad zog hastig die Hand zurück.
Mit einem Ruck drehte sich die schwarz-weiße Gestalt um.
„Du weißt alles, was du wissen musst. Und schuldig bin ich dir nichts.“
Die Gestalt machte einen Schritt auf die Flammen zu, die jetzt wild um sich schlugen. Dann bewegte sie sich in die Flammen und ließ sich von ihnen verschlingen. Nach einem letzten Aufflackern brannte das Feuer auf kleiner Flamme weiter, als sei nichts gewesen. Der grüne Glanz war verschwunden.
Das kann doch alles nicht wahr sein. Bin ich etwa reif für die Klapsmühle?
Mit der flachen Hand schlug Tad auf den Holztisch. Was denkt die eigentlich, wer sie ist und was sie mit mir machen kann?
Nachdem sich sein erster Anflug von Wut gelegt hatte, pustete er durch und versuchte, das Erlebte zu verarbeiten. Nach und nach wurde ihm bewusst, welch unglaubliches Schauspiel sich gerade vor ihm ereignet hatte. Rein rational gab es jedenfalls keine Erklärung für eine Frau, die tiefschwarze Haut und weiße Haare besaß, aus dem Feuer kam und darin auch wieder verschwand. Ein Schauer überlief ihn. Was ging hier vor? Doch je mehr Spekulationen er anstellte, desto mehr neue Fragen tauchten auf. Dies führte zu nichts.
Er zog seine nassen Sachen aus und legte sich auf den Boden vor den Kamin. Glücklicherweise brannte das Feuer noch und erfüllte den Raum mit Wärme. Die Tischdecke, die Tad im Lichtschein des Feuers unter dem Holztisch liegen sah, würde eine hervorragende Zudecke abgeben. Legt man die nicht normalerweise auf den Tisch? Echt seltsame Kauze hier. Kurze Zeit später schlief er ein.


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