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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Sindariel im Bann der Liebe, Rüdiger Zuber
Rüdiger Zuber

Sindariel im Bann der Liebe



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Kapitel 01: Der Elfenkrieger


»Steige aus dem Himmel herab und stelle dich dem Schicksal. Deine Zeit ist nun gekommen, oh seelenloser Dämon«, rief der Elfenkrieger und erhob die Spitze seines Langschwertes. Er streckte sie weit in den Himmel hinauf, zum Zeichen, dass er bereit war, bereit für das erbitterte Duell zwischen Elf und Bestie. Den letzten, den alles entscheidenden Kampf gegen den grauen Erzdrachen Cerasul. An diesem schicksalsträchtigen Tag standen Leben oder Tod der beiden Kontrahenten auf dem Spiel, am Ende würde nur einer dieses Schlachtfeld lebend verlassen.


Der Drache kreischte furchterregend und spie eine lodernde Feuersäule in den wolkenlos blauen Himmel. Er war unzweifelhaft wütend, dachte aber gar nicht daran, dem Ruf zu folgen und auf den Krieger niederzustoßen, der ihn so todesmutig herausforderte.


Mit grimmiger Miene klappte der Elf das Visier seines Helmes herunter und stellte sich mit beiden Beinen fest auf den staubigen Erdboden der Vhalrond Ebene. Das legendäre, mit mächtigen magischen Runen verzierte Langschwert des Helden Eluviels hielt er mit beiden Händen fest umschlossen.


Nicht für einen Atemzug ließ der Krieger den Drachen aus den Augen, der weit über ihm am Himmel seine Bahnen zog. Die Spitze der Klinge zeigte auf den schuppigen Leib des Drachen und verfolgte aufmerksam jede noch so kleine Änderung seiner Flugbahn. Jederzeit konnte die Bestie ihre Meinung ändern, in den Sturzflug übergehen und über den Elfenkrieger herfallen. Sie war hinterlistig und verschlagen, wie alle Angehörigen des alten Drachenvolks.


Aber der Krieger war auf jeden erdenklichen Angriff vorbereitet. Eine auf Hochglanz polierte Kettenrüstung aus feinstem Mithril schützte seinen schlanken Körper. Von Meisterhand in den glühenden Feueröfen der Zwergenstadt Bereliand geschmiedet, funkelte das Metall wie ein Berg fein geschliffener Diamanten, als es die grellen Strahlen der Mittagssonne zurückwarf. Und doch würde selbst diese Rüstung ihn nicht vor den scharfen Krallen der Bestie schützen, wenn er einen direkten Treffer abbekam.


»Worauf wartest du noch, Cerasul?«, brüllte der Krieger. Er gedachte, damit den Zorn des Drachen weiter anzustacheln. »Steig hernieder und kämpfe mit mir! Ich habe keine Angst, weder vor dir noch vor deinesgleichen!«


Scheinbar hatte der Drache die Worte gehört, denn er änderte unversehens seine Flugrichtung und kreiste tiefer, nur wenige Mannshöhen über dem abwartenden Elfenkrieger. In einem unachtsamen Moment, als der Elf von der Sonne geblendet war und den Blick abwenden musste, klappte das Ungeheuer die mächtigen Schwingen eng an den schuppigen Körper und ließ sich wie ein Stein herabfallen. Der Drache fiel kerzengerade nach unten und schoss geradewegs auf den völlig übertölpelten Elf zu.


Nur eine Handvoll Herzschläge, bevor es um ihn geschehen war, bemerkte er den heimtückischen Angriff und brachte sich mit einem waghalsigen Hechtsprung in Sicherheit. Die Klauen des Drachen, eine alleine fast so groß wie der gesamte Arm des Elfen, schnappten nach ihm, aber der Angriff verfehlte ihn, ging um Haaresbreite ins Leere.


Mühsam rappelte sich der Krieger auf und stöhnte, mit Ausnahme seiner Ehre war er unverletzt geblieben. Er wischte sich den Staub von der einst strahlenden und nun mit Dreck beschmierten Rüstung. Er ballte die Hand zur Faust und erhob sie drohend in Richtung des Drachen und wurde sich zugleich bewusst: Dieser Kampf würde längst nicht so schnell vorüber sein, wie er es sich erhofft hatte.


Der Elfenkrieger hob das Langschwert vom Boden auf, das ihm im Sprung aus der Hand gefallen war, und presste das Heft der Klinge gegen die rechte Schulter. »Es ist noch lange nicht vorbei, Cerasul!«, brüllte er und machte sich bereit für den nächsten Angriff. Er winkte dem Drachen zu. »Los, komm her! Versuch es gleich nochmal! Und dieses Mal wird es dir nicht gelingen, mich zu überraschen, das verspreche ich dir!«


Der Elf musste nicht lange warten. Der Drache flog einen weiten Bogen und kam in voller Geschwindigkeit zurück, raste geradewegs auf ihn zu. Der Krieger tänzelte von einer Seite zur anderen, lehnte den Oberkörper nach links und rechts, machte sich bereit für den Streich. Da brauste der Drache über ihn hinweg, gewaltige Krallen schrammten über seine Rüstung und hinterließen tiefe Kratzspuren auf den Schulterplatten des Brustpanzers. Von allen Wesen in den Elfenlanden besaß allein ein Drache die Kraft, Mithril zu beschädigen.


Der Elfenkrieger stöhnte auf und fasste sich an die schmerzende Schulter. Der Drache war nicht nur äußerst gefährlich, er verstand es auch nur zu gut, sich seiner schuppigen Haut zu erwehren. Der Elf würde sich den Sieg teuer erkaufen müssen.


Und er musste sich alsbald eine andere Taktik überlegen, sofern er siegreich aus diesem Kampf hervorgehen wollte.


Da hörte er plötzlich einen Namen rufen.


»Sindariel!«


Der Elfenkrieger ließ das Langschwert sinken. Er war verwirrt. Welch sonderbare und dunkle Magie gestattete es dem Drachen, zu sprechen? Was für ein unheiliger Dämon mochte er sein?


»Sindariel! Wo bist du denn, mein Schatz?«


Voller Enttäuschung ließ Sindariel das selbstgeschnitzte Holzschwert sinken. Der Bann war gebrochen. Eine Schwalbe flog an ihm vorüber und ließ sich fröhlich zwitschernd im Geäst einer nahegelegenen Eiche nieder, der Wind ließ die Blätter rauschen und die kleineren Äste schwangen sanft im Takt. Der kleine Elfenjunge Sindariel winkte dem Vogel zum Abschied zu und rannte durch das hohe Gras der grünen Wiese auf sein Elternhaus zu.


»Ich bin hier, Mutter«, rief er vom Weitem und hoffte inständig, dass sie ihn rufen hörte. Der Drache Cerasul war nicht annähernd so gefährlich wie seine wütende Mutter, wenn sie Sindariel nicht finden konnte und dachte, er hätte sich mal wieder aus dem Staub gemacht.


»Ich bin da, Nelara«, rief er, völlig außer Atem, als er den Garten hinter dem Haus erreichte. »Du hast mich gerufen?« Buschige rote Haare standen in alle Richtungen von seinem Kopf ab, verziert mit Heu, Blättern und vereinzelten Klumpen Erde und dem einen oder anderen frisch gezupften Grashalm. Den unzweideutigen Spuren des Duells gegen den furchterregenden Drachen Cerasul.


»Da bist du ja«, sagte Nelara und stieß einen erleichterten Seufzer aus. »Ich habe dich schon überall gesucht, wo warst du schon wieder?«
Sindariel zuckte mit den Schultern und setzte eine unschuldige Miene auf, als er mit der Hand vom Haus wegdeutete. »Ach, nichts Besonderes. Ich habe bloß ein wenig auf der Wiese gespielt ...«


»Na gut«, sagte sie und legte eine Hand auf Sindariels Schulter. »Würdest du bitte mit mir kommen? Ich habe einen Auftrag für dich.« Sie lächelte ihn verschwörerisch an.


»Einen Auftrag?« Sindariels Interesse war sofort geweckt. »Was für einen Auftrag?«


Sie wedelte mit einem Papyrus vor Sindariels Nase herum und grinste verschlagen. »Meister Eleban hat eine Lieferung frischer Kräuter angefordert.«


Seit vielen Jahren versorgte Nelara Meister Eleban, seines Zeichens Magier des Dorfes, mit Kräutern. Manche benötigte er frisch, die meisten getrocknet, einige wenige auch gemahlen, Ingredienzen für Tränke und Rituale, und nicht zu vergessen den Tabak für seine Pfeife. Farion, Nelaras Gemahl, war beim Kräutersammeln von einem Warg getötet worden, und so musste sie das Familiengeschäft seither ohne ihn weiterführen. Sie lebte mit Sindariel in dem Elfenlanghaus, das Farion für sie erbaut hatte. Die Einnahmen reichten gerade aus, damit sie nicht verhungerten, aber es war nicht nur das Gold des Dorfzauberers, das ihnen über die Runden half. Es war auch Elebans Ruf und die Furcht der Elfen vor seinem Tadel, die Nelara und ihren Sohn beschützten. Es war kein Respekt, den die anderen Dorfbewohner ihr entgegenbrachten, aber zumindest wurden sie nicht verstoßen.


Das hinderte die anderen Elfen, im Besonderen die Kinder und Jugendlichen, allerdings nicht daran, Sindariel bei jeder Gelegenheit zu hänseln. Als einziger Elf im Dorf hatte Nelaras und Farions Sohn keine glatten blonden Haare, sondern drahtige rote. Statt des ebenmäßigen bleichen Gesichts der Hochelfen hatte seines eine kräftige beige Hautfarbe und Sommersprossen. Nur die langen und spitzen Ohren kennzeichneten ihn zweifelsfrei als Elf. Er war eine Laune der Natur, von der Gemeinschaft ausgestoßen und als Bastard eines Zwerges oder Menschen verspottet. Früher war das schlimm gewesen, doch mittlerweile machte ihm das nicht mehr so viel aus. Er hatte sich an den ewigen Spott gewöhnt.


Nelara strich Sindariel durch das störrische Haar und zupfte ein paar Grashalme heraus. »Was ist los?«, fragte sie und legte die Stirn in Sorgenfalten. »Eleban benötigt Nachschub an Kräutern und Wurzeln für seine Tränke. Möchtest du sie ihm bringen?«


»Ja, gewiss«, antwortete Sindariel, seine Miene hellte sich sichtlich auf und er grinste von einem Spitzohr zum anderen. »Das mache ich sehr gerne.«


Und das stimmte sogar. Genau genommen war es sogar eine Untertreibung - Sindariel liebte es, Meister Eleban aufzusuchen.


Das war nicht nur der Tatsache geschuldet, dass der alte Magier dem Jungen bei jeder Lieferung eine Handvoll Süßigkeiten in die Tasche steckte – dabei nahm der Alte ihm stets das heilige Versprechen ab, es Nelara unter keinen Umständen zu verraten -, es lag auch daran, dass Sindariel das Arbeitszimmer des Magiers betreten und sich dort umschauen durfte. Anfassen durfte er selbstverständlich nichts, aber das war auch nicht nötig. Alleine der Anblick der alten und vergilbten Folianten, der Reagenzgläser voller blubbernder Tinkturen und der magischen Apparaturen war als Belohnung mehr als ausreichend.


»Das freut mich, dann komm mit«, sagte Nelara und ging voraus in den Keller, in dem sie die Kräuter lagerte. Sindariel folgte ihr und schon auf der Treppe schlug ihm ein kräftiger Geruch entgegen, der süßliche Duft getrockneter Tokri-Blüten vermischt mit dem kräftig-herben und leicht bitteren Aroma der Regna-Wurzeln. Es kitzelte in seiner Nase und Sindariel hielt die Luft an, bis sein Kopf rot anlief und er nach Atem schnappen musste.


Nelara lächelte und drückte ihm einen Lederbeutel in die Hand.


»Hier, halte das kurz, Sindariel, nur bis ich fertig bin.«


Sie wanderte an den Tischen entlang, die mit Behältern voller getrockneter Kräuter und Wurzeln vollgestellt waren, suchte mehrere davon aus und verstaute sie vorsichtig in dem Beutel. Danach sprach sie den Namen der Ingredienz aus und auf magische Weise wurde der Eintrag des Krauts auf dem Papyrus durchgestrichen.


»Eine Handvoll Regna«, murmelte sie geistesabwesend. »Erddornwurz, Zweifingerkraut. Eine Unze vom Blut einer Nachtträne, drei Blüten der Tokri und zwei purpurne Mittsommerkelche. So, das wäre alles.«


Nelara lächelte und schnürte den Beutel zu. »Das bringst du jetzt auf schnellstem Wege zu Meister Eleban.«


Sindarial nickte und stürmte die Treppe hinauf, so schnell er konnte. Nur raus an die frische Luft. Er blieb am Treppenansatz stehen, atmete mehrmals hintereinander tief ein und aus.


»Aber trödle bitte nicht herum, bis zum Abendessen musst du wieder zurück sein!«, rief Nelara ihm hinterher.


»Ja, natürlich«, rief Sindariel zu ihr runter und war schon im nächsten Augenblick mit den Kräutern auf und davon.


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