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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Sihon, Lena Knodt
Lena Knodt

Sihon


Sohn des Feuers

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erhältlich unter www.aavaa.de, direkt bei er Autorin (mit Signatur) mit einer Mail an sihonvorbestellungen@mail.com
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„Ah!“, fluchte Sihon leise, als er mit dem Schienbein gegen eine Holzkiste stieß. Das Licht der Kerze, die er bei sich trug, flackerte kurz auf. Nachdem der Schmerz einigermaßen vergangen war, betrachtete er die Kiste vor sich genauer. Sie war nicht sehr groß, aber von einer umso dickeren Staubschicht bedeckt. Sihon wischte sie mit der Handfläche ab und studierte dann nachdenklich den Deckel der Truhe: Er war ziemlich dunkel, wohl aus Ebenholz, und obendrauf waren Zeichen eingeritzt worden. Vorsichtig fuhr Sihon mit seinen Fingern über die raue Oberfläche und sie begannen zu prickeln. Eine eigenartige Spannung hatte von dem ganzen Keller Besitz ergriffen und das einzige, was man außer Sihons Atem noch hören konnte, war das Flackern der Kerze in seiner Hand. Mit zitternden Fingern versuchte der Junge das Schloss zu öffnen, als etwas Seltsames geschah: Kaum hatte er es berührt, da sprang es wie von Zauberhand auf und fiel scheppernd zu Boden. Sihon zuckte erschrocken zusammen, doch dann siegte seine Neugier und er nahm das Schloss in die Hand.
Es war glühend heiß.
(...)
Dann griff Sihon wieder nach der Kerze, beugte sich über die Kiste und nahm den Inhalt in Augenschein. Das Licht erhellte sie zwar nicht gänzlich, doch trotzdem konnte Sihon ziemlich gut erkennen, was sich in ihr befand: Ein mit einem Wachssiegel verschlossener Umschlag, eine Schatulle und ein Schwert. Dieses faszinierte ihn am meisten, denn es war ihm, als würde es ihm Worte in einer fremden, unverständlichen Sprache zuflüstern. Der Griff der Waffe war blutrot, die Klinge selbst dagegen tief schwarz. Dünne, silberne Fäden wanden sich um den Griff und den unteren Teil der Klinge. Es war nicht so ein Schwert wie sein Vater und alle anderen Soldaten der Armee es besaßen, keine grobe und zum Schlachten konstruierte Waffe. Dies war eher schlank geformt und besaß eine solche Anmut, dass ein Kampf mit ihr eher wie ein Tanz aussehen musste. Trotzdem strahlte es eine stählerne Stärke aus.
Zitternd hob Sihon den Blick. Ein Teil seines Bewusstseins wollte, dass er floh, fortlief, alles aus seinem Kopf verdrängte, denn augenscheinlich ging hier einiges nicht mit rechten Dingen zu. Der andere Teil war fasziniert und wollte der Sache auf den Grund gehen. Der zweite Teil gewann, wie schon so oft. Ehrfürchtig hob Sihon das Schwert aus der Truhe und umschloss den Griff mit seiner rechten Hand. Entgegen all seiner Erwartungen fühlte er sich warm, fast so heiß wie das Schloss an, als hätte ihn vor kurzer Zeit noch jemand in der Hand gehalten. Erschrocken ließ Sihon die Waffe fallen und mit einem in seinen Ohren viel zu lauten Klirren schlug sie auf dem Boden auf und blieb dort liegen.
Wie betäubt starrte der Junge auf das Schwert, das mit seiner gefährlichen Schönheit in diesen dunklen und staubigen Gewölben völlig fehl am Platz schien. Als er endlich den Blick lösen konnte, wandte er sich den zwei anderen Dingen in der Kiste zu. Aus Angst vor weiteren Überraschungen nahm er den Brief zur Hand. Vorsichtig brach er das Siegel, das lediglich aus einer Einkerbung in der Mitte bestand. Er konnte nur ein einzelnes Blatt entnehmen, auf dessen Vorderseite mit blasser Tinte einige Worte geschrieben waren:


Kämpfe mit Feuer und Sacanun.
Lerne durch Erfahrung.
Nutze mein Erbe.
Töte das Eis.


Das war alles. Kein Name, keine Unterschrift, kein Siegel. Was hatte das zu bedeuten? Sihon las die Nachricht noch einmal, dann legte er sie vor sich auf den Boden.
Ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken. Er wusste nicht warum, aber er ahnte, dass diese Worte mehr waren. Mehr als bloß Worte.
Wieder und wieder las Sihon die Zeilen. Wieder und wieder fand er keinen Sinn in ihnen.
„Vielleicht wird mir der letzte Gegenstand Antworten bringen.“
Vorsichtig nahm er die Schatulle aus der Truhe und legte sie auf seine Handfläche. Auf den ersten Blick konnte er nichts Besonderes erkennen. Die Schachtel bestand aus lackiertem Holz und einige Sihon unbekannte Schriftzeichen waren in den Deckel eingeritzt. Er drehte die Schatulle und begutachtete sie von allen Seiten, bevor er sie öffnete. Unwillkürlich hatte er die Luft angehalten und stieß sie nun in einem enttäuschten Zischen wieder aus. Nein, dieser Gegenstand würde ihm gewiss keine Antwort auf Fragen geben, die der Brief aufgeworfen hatte. Seufzend stellte er die Schatulle auf dasselbe Regal wie zuvor die Kerze und beugte sich noch einmal über die Kiste. So würde er wohl noch weiter nach Antworten suchen müssen, denn die Geschichte aufgeben? – Nein! Darüber wollte Sihon nicht einmal mehr nachdenken.
Sorgfältig klopfte er den Boden und die vier Seiten ab, konnte jedoch keinen Hohlraum entdecken. Er strich mit einem Finger über die schwache Maserung des Holzes, als er ein merkwürdiges Ziehen spürte. Sofort hielt er inne, doch das Ziehen verschwand nicht. Es war ihm, als würde etwas tief in ihm pulsieren und ihn in eine Richtung lenken. Unwillkürlich drehte er sich um, sodass sein Blick wieder auf die Schatulle fiel. Er streckte die Hand aus und nahm den Gegenstand heraus. Es war ein Armreif, sehr schlicht und aus Metall, deshalb war er Sihon anfangs auch so nutzlos vorgekommen. Doch was er nun sah, raubte ihm den Atem:
Der Reif hatte angefangen zu glühen, als hätte man ihn ins Feuer gehalten, und Sihon spürte die Hitze auf seiner Handfläche. Es schmerzte ihn nicht im Geringsten. Wie betäubt starrte er auf den Metallreif, zitternd, jedoch aus irgendeinem Grund unfähig, sich zu bewegen. Da zuckte seine freie Hand plötzlich zu dem Reif. Panik überrollte ihn und er versuchte, seine Hand mit aller Kraft zurückzuziehen, doch sie gehorchte ihm nicht mehr.
„Nein!“, schrie er mit vor Angst brüchiger Stimme. „Halt! Aufhören!“ Doch es war sinnlos. Seine andere Hand näherte sich dem Reif immer mehr und er spreizte die Finger, wie um ihn hochheben zu wollen. Noch immer glühte das Schmuckstück. Wieder versuchte Sihon, sich zu wehren. Er wollte den Mund öffnen und schreien, nach Hilfe rufen, fliehen, das Schmuckstück auf den Boden werfen und alles hinter sich lassen. Doch selbst das konnte er nicht mehr. Er war nicht mehr der Herr seines eigenen Körpers.
Seine Hand umfasste den Reif und streifte ihn mit einem Ruck über das andere Handgelenk. Zuerst passierte nichts und Sihon starrte nur benommen auf seinen Arm. Da glühte der Armreif auf und ein heißer Schmerz durchzuckte seinen Körper. Der Reif schnitt ihm in das Handgelenk, brannte sich in seine Haut. Er schrie und sank auf die Knie, überwältigt von der unmenschlichen Folter, die wie eine Schlange aus Schmerz von dem Armreif aus langsam durch seinen ganzen Körper kroch. Stöhnend versuchte er, sich das verfluchte Schmuckstück vom Handgelenk zu reißen, doch es drückte sich unbarmherzig weiter in seine Haut. Langsam verschwamm die Welt vor Sihons Augen und er wurde von vollkommener, doch keinesfalls erlösender Schwärze umhüllt. Seine eigenen Schreie hallten in seinem Kopf wider und die Schmerzen ätzten sich wie Säure durch den Körper. Einzelne Gliedmaßen zuckten unter Krämpfen und er nahm nichts anderes mehr wahr, als die inneren Wunden, die ihm geschlagen wurden.
Irgendwann verklangen seine Schreie. Die Schmerzen glommen ab, bis sie nur noch als dumpfes Pochen tief in seinem Innern zu vernehmen waren. Noch einmal zuckte Sihon, dann wurden seine Gedanken in die Dunkelheit gerissen.


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