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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Seday Academy, Karin Kratt
Karin Kratt

Seday Academy


Gejagte der Schatten (Band 1)

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Thalia, Hugendubel
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Auszug aus dem Prolog


Der Tag von Ceys Flucht aus Esth Heaven begann wie jeder andere auch. Oder zumindest beinahe. Die Strahlen der Abendsonne bahnten sich einen Weg durch das dürftig vernagelte Fenster und das bedeutete – sie hatte verschlafen. Und zwar gründlich.


Cey gähnte und wickelte sich aus dem nassgeschwitzten Stofffetzen, der ihr als Decke diente. Es lag vermutlich an ihrem Traum, dass ihre innere Uhr versagt hatte. Der Traum über einen fünfjährigen Jungen, der sie seit fast einer Woche heimsuchte und immer auf die gleiche Weise endete. Mit Blut. Mit Tod.


Cey schüttelte sich. Sie sollte ihrem aktuellen College einen Besuch abstatten, die Professoren mit ihrer Anwesenheit beglücken und ihren Kommilitonen bei den Vorbereitungen zur Abschlussprüfung helfen. Sich abzulenken war allemal besser, als grübelnd in diesem kahlen Raum zu sitzen.


Ohne große Begeisterung schlurfte Cey in das kleine Badezimmer. Das Wasser floss noch immer, dabei war das Gebäude schon wie lange verlassen? Acht Monate, wenn man den letzten Reklame-Blättchen im Außenflur Glauben schenken durfte. Die ideale Zufluchtsstätte für Wesen wie sie.


Cey spritzte sie sich eine Ladung Wasser ins Gesicht und schrubbte sich die Zähne. Den Blick in den Spiegel sparte sie sich - sie wusste auch so, dass sie perfekt aussah. Ebenmäßige Gesichtszüge, verheißungsvolle braune Augen, lange dunkle Haare. Wahrscheinlich das Ergebnis irgendeiner Umfrage. Oder eines mathematischen Algorithmus.


Cey hasste das Aussehen, das ihr dunkler Schöpfer Astan ihr zugedacht hatte, die Erinnerung an ihre qualvolle Kindheit, an das endlose Leid, welches dieser Mann verursacht hatte. Sie hieb mit der Faust auf den Rand des Waschbeckens, atmete einmal tief ein und aus und verdrängte die Finsternis, die sich ihrer bemächtigen wollte, in den hintersten Winkel ihres Seins.


Zurück in ihrem Zimmer schlüpfte Cey in eine graue Sweatjacke und zog sich die Kapuze tief ins Gesicht. Da sie nie ohne Shirt und Hose schlief, erübrigte sich die Frage nach der restlichen Garderobe ebenso wie das stundenlange Herumgesuche in einem Kleiderschrank, den sie ohnehin nicht besaß.


Versunken in ihre eigene Welt verließ Cey den maroden Appartmentkomplex und spurtete zur nächstgelegenen U-Bahn-Station. Erst nachdem sich die Wagentüren zischend hinter ihr geschlossen hatten, spürte sie die Nähe des anderen J’ajals. Ein Geschöpf, das den Menschen in diesem Zug in so vielen Punkten überlegen war – Kraft, Ausdauer, mentale Stärke – und doch unerkannt unter ihnen weilte.


Cey ließ ihren Blick über die Gesichter der anderen Fahrgäste wandern und es dauerte nicht lange, bis sie den Mann entdeckt hatte. Groß, muskulös, dunkelhäutig und wie alle J’ajal extrem gutaussehend. Ein über dem rechten Ohr in die kurzen Haare einrasiertes Tribal verlieh dem Typen ein geheimnisvolles Etwas, passend zu dem Wesen, das er unter der Oberfläche verkörperte.


Gold-braune Augen, die gerade noch so als menschlich durchgehen konnten, taxierten ihr Gesicht und behutsam streckte der J’ajal sein Bewusstsein nach ihr aus. Cey hielt den Kerl für keine ernsthafte Bedrohung, dennoch beunruhigte er sie mehr als die J’ajal, denen sie bisher begegnet war. Irgendetwas an diesem Mann war seltsam und es war Cey ein Rätsel, wie er es geschafft hatte sie gegen ihren Willen aufzuspüren und sich dabei selbst so lange verborgen zu halten.


Aus reiner Vorsicht errichtete sie eine weitere mentale Sperre, schaltete ihre fühlbare Präsenz ab und verließ die Bahn vorzeitig in Richtung Shopping Mall. Nach wenigen Metern war Cey im Gemenge der Passanten untergetaucht und von der nächsten Straßenecke aus konnte sie erspähen, wie sich der J’ajal zuerst stirnrunzelnd umsah und sich schlussendlich für die andere – falsche – Richtung entschied. Immerhin etwas, das funktioniert.


 


Die Vorlesungen am College waren wie erwartet langweilig, Cey hatte die Themen einfach schon zu oft gehört. Die freundschaftliche Nachhilfestunde verlief ebenfalls sehr schleppend und die Motivation der ihr gegenübersitzenden Studenten nahm mit jedem ihrer Erklärungsversuche weiter ab. Gravitationsenergie, wen außer Newton interessierte das? Ihre Kommilitonen jedenfalls nicht. Die vier gaben auf und Cey ließ sich stattdessen bereitwillig zu einer fragwürdigen Party in einer fragwürdigen Gegend am Rande der Stadt einladen.


Da sie mehr als ihr halbes Dasein an Orten verbracht hatte, um die andere einen großen Bogen machen würden, störte Cey weder der heruntergekommene Eindruck der Party Location, noch die Masse an bereits betrunkenen Menschen, die wild grölend Nachschub verlangten. Im Gegenteil, das halb zerstörte Gebäude, der unsagbare Lärm der wummernden Bässe und die Anonymität der Menge bildeten für sie die perfekte Kulisse, um abzuschalten und sich wenigstens für einen Moment der Illusion hingeben zu können, dass alles in bester Ordnung war.


Eine geraume Weile ließ sie sich von der feierwütigen Meute mitreißen und erst als einige Männer anfingen ihr immer begehrlichere Blicke zuzuwerfen und sich mehr und mehr aufzudrängen kehrte Cey der Tanzfläche den Rücken zu. Sie wollte diesen Abend genießen und war ausnahmsweise nicht auf Streit aus.


Cey zog sich an den Rand der improvisierten Bar zurück, die mit Australiens Nationaltier, einem aufgesprühten Känguru, geschmückt war. Sie orderte einen Drink, der Geschmack war ihr dabei völlig gleichgültig, Hauptsache es war etwas Hochprozentiges.


Der Ärger verschonte sie allerdings auch hier nicht lange, sondern nur, bis sich eine dunkle Gestalt neben sie setzte, kritisch das Glas in ihrer Hand musterte und über den Krach der Musik hinweg feststellte: »Das halte ich für keine besonders kluge Idee ...«


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