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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Schwarzes Licht, Jan Viebahn
Jan Viebahn

Schwarzes Licht


Ein Yrangir-Fantasy-Roman

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Eins Kniend kauerten vier Männer in dem runden, dunklen Raum, der vom Schein unzähliger züngelnder Kerzen erhellt wurde. Sie hatten sich im Kreis um eine mehrere Meter große Chaossonne gruppiert, die mit Blut in der Mitte des Raumes auf den Boden gemalt war. Viele kleinere Runen standen an den Rändern des inneren Kreises der Sonne geschrieben. Das Licht flackerte und es schien, als brächte es nicht Licht, sondern noch mehr Düsternis in den steinernen Raum. Die Männer sahen hart und furchtlos aus. Ihre Gesichter und Hände waren ebenfalls mit dunklen Runen bedeckt, die sich von der weißen Haut abhoben. Sie trugen lange, schwarze Roben und ihre Umrisse verschwammen in dieser schummrigen Finsternis. Dann begann einer von ihnen einen Singsang aus kehligen Lauten. Die anderen fielen ein und der finstere Chor erfüllte den Raum. Immer und immer wieder setzten sie ihren Gesang neu an, immer lauter und mit ihrer gesamten Energie. Plötzlich flammte das Blutzeichen auf, der Boden im Kreis senkte sich und eine tiefe, feurige Schlucht tat sich auf, aus der die Hitze emporschoss. Die Männer verstärkten ihren Gesang und berührten in einer geheimnisvollen Reihenfolge die Runen außerhalb des Kreises. Sofort bildete sich eine Glocke aus violetter, wabernder Materie über dem Schlund und dämpfte das Licht der Flammen, die daraus emporschossen. Ein markerschütternder Ton erklang aus den Tiefen des Schachtes. Ohrenbetäubend laut und so grausam war der Laut, dass die Männer am ganzen Körper zuckten und die Gesichter schmerzerfüllt zusammenzogen. Doch sie brachen ihren Singsang nicht ab, sondern verstärkten die Lautstärke noch einmal, als ihr Anführer die Hand hob. Das unheimliche Gebrüll aus dem Schacht wurde noch lauter und die Flammen schienen sich zu verdichten. Kurz darauf schoss ein über und über flammendes Wesen im Schacht empor. Es wurde aufgehalten von der violetten Haube, die als Halbkugel über dem Loch entstanden war. Der Raum erbebte. Zwei gelbrote Hitzepunkte bewegten sich aufgeregt darin und schienen die Männer gierig anzustarren. Ein glühendes Augenpaar. Und darunter züngelte eine lodernde Feuerzunge gefräßig und wie von Durst getrieben gegen die Barriere. Der Anführer erhob sich und machte ein Zeichen in die Luft, worauf sich der Schacht unter dem Monster schloss. Die Flammen fraßen an der durchsichtigen Halbkugel. Das Wesen tobte unter dem Schirm, sodass sich feine Risse im Steinboden bildeten. Schweißperlen standen auf der Stirn des Anführers, als er ein langes Brandeisen mit einer glühenden Sonne am Ende zur Hand nahm und tief durchatmete. Schneller, als man es dem alten Mann zugetraut hätte, stach er mit dem langen Eisen durch die Barriere in die Mitte der Flammen, bis er einen Widerstand spürte. Die Antwort war ein Ruf wie aus Wut und Hass. Die Gesichter der anderen Männer wurden aschfahl. Dann nahm der Anführer einen Topf mit Pulver in die Hände und rief laute Beschwörungsformeln, er warf den Inhalt auf die Materie. Plötzlich gab es einen so grellen Lichtblitz, dass alle die Köpfe wegdrehten und mit den Gesichtern am Boden liegen blieben. Ein Entsetzen durchzuckte sie. Geblendet krabbelten alle außer dem Anführer an den Rand des Raumes, jeder so weit wie möglich weg von dem Beschwörungskreis. Der Anführer aber stand an seinem Platz, mit hoch erhobenen Armen hielt er einen runenverzierten Totenschädel schräg über sich in Richtung des Ritualkreises. »Aaaah!«, brüllte er mit angsterfülltem Gesicht und sein ganzer Körper zitterte vor Anstrengung. Dann drehte er sich zu den anderen, die voller Angst immer noch am Boden kauerten. »Bei Beron, dem Gott der Schatten, wie konnte das geschehen!?«, schrie er. Die anderen starrten ihn an. ***


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