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> Fantasy Bücher > Satanael, Fürst der Engel
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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Satanael, Fürst der Engel, Stephan Doeve
Stephan Doeve

Satanael, Fürst der Engel



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Satanael verneigte sich und setzte sich in den leeren Sessel an Gottes rechter Seite. Das war keineswegs anmaßend, sondern sein rechtmäßiger Platz als Gottes erster Engel. Zu Gottes linker Seite setzte sich Michael, der Satanael im gebührenden Abstand gefolgt war.
Aber alle Blicke der anwesenden Engel schienen sich auf ihren Fürsten Satanael zu richten, und dieser bemerkte es natürlich. Denn sein letzter Besuch hier in Gottes Palast war lange her.
„Du hast Dir mal wieder viel Zeit gelassen, um hierher zu kommen, Satanael“, fing Gott das Gespräch an. “Und ich frage mich, ob Du überhaupt mal von selber gekommen wärst, wenn ich Dich nicht zu mir gerufen hätte. Überhaupt kamst Du immer nur hierher, wenn ich Dich rufen ließ.“
„Ich weiß, dass Du darüber enttäuscht bist, dass ich nicht so oft hier an Deiner Seite war, mein Herr und Gott“, entgegnete Satanael. „Aber wie ich vorhin schon zu Michael sagte, diene ich Dir am besten, wenn ich Dein Reich auch außerhalb Deines Palastes schütze. Der letzte gefährliche Aufstand der dreiundsiebzig abtrünnigen Engel ist Dir sicherlich nicht verborgen geblieben.“
„Natürlich ist mir das nicht entgangen“, bemerkte Gott mit einem ernsten Unterton, und beugte sich seitlich zu Satanael hin. „Aber mir entging auch nicht, dass acht Engel aus der Schlacht entkommen konnten, und die restlichen fünfundsechzig vernichtet wurden.“
„War das denn nicht auch in Deinem Sinne?“, fragte Satanael, der nun etwas unsicher geworden war.
Gott sah Satanael prüfend an.
„Du weißt ganz genau, wohin die abtrünnigen Engel verbannt werden, mein treuer Satanael,“ sprach Gott mit lauter Stimme. „Sie werden für alle Ewigkeit in die tiefste Gegend der Hölle gestürzt, aus der es kein entkommen mehr gibt. Dort werden sie verbannt sein, für alle Zeiten.“
Stille herrschte für einige Zeit in der Thronhalle, und Satanael fühlte sich jetzt etwas unwohl. Doch Satanael wäre nicht Gottes erster und oberster Engel, wenn er sich nicht vor ihm in einem Meinungsduell behaupten könnte.
„Deine Gesetze sind mir natürlich wohlbekannt“, entgegnete Satanael mit ruhiger Stimme. „Aber ich bin der Meinung, dass die Verbannung in die Hölle als Strafe zu grausam ist. Deswegen habe ich die abtrünnigen Engel vernichten lassen, damit ihnen das Schicksal in der Hölle erspart bleibt.“
Natürlich wusste Satanael, dass sein eigenmächtiges Handeln Gott nicht gefallen hatte, denn es war anmaßend, sich über Gottes gegebene Gesetze zu stellen. Dementsprechend rechnete er auch mit einer energischen Rüge von Gott.
Aber zu Satanaels Verwunderung lächelte Gott ihn an, und sagte wohlwollend zu ihm:
“Ich wünschte alle, meine Engel wären so wie Du. Aber ich möchte, dass Du die acht abtrünnigen Engel findest, die aus der Schlacht entkamen. Kann ich mich darauf verlassen, dass Du sie findest und sie zu mir bringst?“
Mit einer leichten Verbeugung antwortete Satanael: “Du kannst Dich auf mich verlassen, mein Herr und mein Gott.“
„Dann ist ja diese Sache schon mal geklärt“, sagte Gott und erhob sich von seinem Thron. Mit einer Handbewegung forderte er Satanael auf ihm zu folgen. Hinter Gottes Thron befand sich ein Torbogen, der scheinbar ins Nichts führte. Aber wenn man durch diesen Torbogen sah, konnte man damit jeden Ort im Universum sehen, den man gerade wollte.
Gott bewegte die Hand am Torbogen, und Satanael sah etwas, was er noch nie zuvor gesehen hatte, nämlich die Erde. Aber die Erde war nicht leer, sondern sie war voller sonderbarer Geschöpfe und Wesen. Satanael konnte seinen Blick nicht mehr abwenden, denn solch eine Vielfalt an Geschöpfe hatte er noch nie gesehen.
Doch dann erblickte er etwas, was er zuerst für ein Trugbild hielt. Satanael sah Lebewesen, die genauso aussahen wie er und seine Engelsbrüder. Gott hatte sie nach seinem Bildnis erschaffen, und nun existierte noch eine zweite Art neben den Engeln an einem anderen Ort. Jedes der Wesen sah anders aus, auch schien es dort zwei Geschlechter zu geben und manche waren sogar verschiedenen Alters.
„Das sind Menschen“, unterbrach Gott Satanael in seinen Gedanken. „Männer und Frauen. Ich habe sie nach meinem Ebenbild erschaffen, so wie ich euch Engel erschaffen hatte. Darum verlange ich von Dir und den anderen Engeln, dass ihr den Menschen genauso dient und ihn verehrt, wie Ihr mich verehrt.“
Unwillkürlich trat Satanael einen Schritt zurück, und verharrte bewegungslos, bis er sich wieder fasste. Er konnte nicht glauben, was er soeben von Gott vernommen hatte. Diesem Wesen namens Mensch sollte er dienen und ihn verehren? Er als erster geschaffener Engel Gottes und Fürst aller anderen Engel soll noch jemanden anders dienen außer Gott?
„Mein Herr und mein Gott“, sagte Satanael ungläubig. „Nur Du allein bist es wert, von uns verehrt und angebetet zu werden. Diese von Dir erschaffenen Menschen wandeln auf der Erde in Staub und Dreck. Außerdem sind sie sterblich. Es ist unter meiner Würde so einem Wesen zu dienen und ihn zu verehren. Auch wenn der Mensch von Dir erschaffen wurde, und nach Deinem Ebenbild geformt sind, so werde ich ihm niemals dienen. Meine Verehrung und meine Liebe gilt nur Dir, mein Herr und Gott.“
Auch diesmal blieb Gott ruhig, aber Satanael merkte, dass Gott seine Weigerung, dem Menschen zu dienen, nicht einfach so akzeptieren würde.
„Ich gebe Dir einige Tage Zeit, um das alles noch mal zu überdenken“, sagte Gott und setzte sich wieder auf seinen Thron.
Wie lange Satanael noch vor dem Torbogen stand, wusste er nicht, als ihn Michaels Stimme aus den Gedanken riss.
„Vielleicht ist es besser, wenn Du mal auf die Erde gehst, und Dir die Menschen mal ansiehst“, sagte Michael mit leiser Stimme zu ihm.
„Ich werde niemals auf die Erde zu den Menschen gehen“, entgegnete Satanael nun verärgert.
„Michael hat recht“, warf Gott sich in das Gespräch ein. „Ich befehle Dir, dass Du auf die Erde gehst und die Menschen näher kennenlernst, Satanael. Aber bedenke, dass es genauso wie bei euch Engeln, auch gute und schlechte Menschen gibt.“
„Möchtest Du das ich die schlechten Menschen etwas bestrafe, wenn ich schon mal auf der Erde bin?“, fragte Satanael Gott in einem leichten ironischen Unterton, und zeigte auf sein Schwert.
„Nein, das ist allein meine Aufgabe“, antwortete Gott mit ernster Stimme. „Aber so wie ich Dich kenne, machst Du ja Deine eigenen Gesetze. Du darfst gehen, Satanael. Und wehe, Du tust einem einzigen Menschen auch nur ein Leid an.“
Gott wandte sich Michael zu, und begann ein Gespräch mit ihm, ohne Satanael weiter zu beachten. Das war für ihn das Zeichen, dass das Gespräch zwischen ihm und Gott beendet war.
Mit langsamen Schritten ging Satanael auf den Ausgang des Thronsaales zu, dessen Türe sich wieder von selbst öffnete. Als er die Schwelle überschritten hatte, schloss sich die Tür wieder.
Satanael, der Fürst aller Engel, fühlte sich zerrissen zwischen dem Gehorsam, der Liebe zu Gott gegenüber und seinem eigenen Stolz. Er fragte sich in Gedanken immer wieder, warum Gott den Menschen überhaupt erschaffen hat. Sind ihm seine Engel nicht mehr gut genug? Niemals würde er dem Menschen dienen und ihn verehren. Das schwor Satanael sich innerlich.


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