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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Rabenmacht, Michael J. Unge
Michael J. Unge

Rabenmacht



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„Hey! Wo willst du denn hin? Wir können doch über alles reden!“, schallte Ramóns Stimme durchs Treppenhaus. Das letzte, was Samuel mitbekam, bevor er die Tür im Erdgeschoss aufriss, war das amüsierte Lachen der beiden – zwei Etagen über ihm. Flucht, seit seinem zwanzigsten Geburtstag schien sein Lebensinhalt aus Flucht zu bestehen. Bei seiner jetzigen hatte er zu allem Übel auch noch den falschen Ausgang gewählt und fand sich in einem großzügigen und penibel angelegten Garten wieder. Gesäumt wurde das Grün von mannshohen roten Ziegelsteinmauern, an welchen sich Mutter Natur bereits zu schaffen machte. Die Fugen wurden von hellgrünem Moos erobert, Teile der Steine waren weggebrochen und hie und da wuchsen Efeu und Löwenzahn aus den Ritzen. Flucht! Ramón! Samuel riss sich vom Anblick des Stück Edens los und wandte sich zur Tür, durch die er den Garten betreten hatte. Gerade als er erneut losstürmen wollte, versteifte sich sein Körper. Er sog scharf die Luft ein. Ramón stand im Rahmen und blockierte den Rückweg. Lässig lehnte er am Metall und lächelte sanft. Mit einem Ruck stieß er sich ab und schlenderte die zwei grauen Steinstufen hinunter. „Schön hier, nicht wahr?“ Er vollzog eine Geste, die den gesamten Garten einschloss. Samuel schluckte den Kloß, der sich in seinem Hals gebildet hatte, hinunter und nickte leicht. „S…s…sehr schön.“ Ramón trat zwei weitere Schritte vor. Sein Gesicht erstrahlte im Sonnenlicht in seiner kompletten Schönheit. Er blinzelte, bis sich seine Augen an die neue Helligkeit gewöhnt hatten. Als er weiterlief bemerkte Samuel zum ersten Mal, wie anmutig er seinen starken Körper bewegte. Seine Bauchmuskeln vollführten bei jedem seiner Schritte einen eleganten Tanz über dem Hosenbund. Er war wahrlich ein schöner Mann. Irgendetwas in Samuels Brust zog sich schmerzlich zusammen. Er nahm einen weiteren tiefen Atemzug. Testosteron. Der wundervolle Körper des dunklen Zwillings schien es im Übermaße zu produzieren. Jede seiner Bewegungen strahlte puren Sex aus. Samuel schüttelte den Kopf, versuchte den Gedanken loszuwerden, denn eigentlich hätte er vor Wut überschäumen müssen. „Hör zu“, setzte Ramón ruhig an. „Ich will dir nichts Böses und nachdem du mich durch den Raum geschleudert hast, werde ich mich hüten, dich zu reizen …“ „Aber …?“, horchte er nach, als sein Gegenüber nicht weitersprach. Ramón kam vor Samuel, der ihn um etwa eine Kopflänge überragte, zum Stehen. Er hob die Hand und strich sachte über Samuels Wange. „Du hast etwas an dir, das mich verrückt macht. Im positiven Sinne“, schob er eilig hinterher. Samuel hatte die Augen geschlossen, seine Lider flatterten leicht. Er genoss die Berührung des jungen Mannes. Kurz zuckte er zurück, als sich ihre Lippen trafen. Das Gefühl eines Stromschlages raste durch seinen Körper, bevor er sich voll und ganz in den Kuss fallen ließ. Er genoss die warmen Lippen auf seinen, hieß die fremde Zunge willkommen. Samuel fragte sich, ob er sich auf irgendeine verquere Weise plötzlich der Selbstzerstörung verschrieben hatte. Warum ausgerechnet dieser? Warum Ramón? Warum nicht der freundliche Zwilling, Dario? „Hmmm, du schmeckst so gut“, murmelte Ramón in den Kuss hinein. „Oh Nils, oh Nils!“ Samuel stieß ihn von sich. Ramón beugte sich schallend lachend vornüber. Er lachte immer lauter, schlug sich auf die Oberschenkel. „Du Arschloch!“, keifte Samuel. Ramón krümmte sich noch weiter, brüllte beinahe vor Lachen. Zwischendurch zog er immer wieder gierig Luft in die Lungen. „Oh … Nils … ah … das ist gut … oh Nils“, kicherte er. Sein Kopf flog herum, als Samuel ihm einen Kinnhaken verpasste. „Du Scheiß-Psycho!“, brüllte er Ramón an. Dieser beruhigte sich, schaute Samuel aus zusammengekniffenen Augen an. „Ich? Ich bin der Psycho? Nein, mein Lieber. Du, du allein bist der echte Durchgeknallte hier!“ Samuel knurrte wütend und starrte das Blutrinnsal, das aus Ramóns Mundwinkel lief, mit freudiger Genugtuung an. „Cool. Was ist das für ein Trick?“, fragte Ramón. Samuel spürte, wie kleine, sich windende Ärmchen der Schwärze in seine Augen traten. Das musste der Grund sein, weshalb Ramón ihn aus aufgerissenen Augen anstarrte. Samuel knurrte noch kehliger, anstatt ihm eine Antwort zu geben. Sein Innerstes war erfüllt von Schwärze, Wut und Kälte. Er vollzog eine knappe Kopfbewegung, woraufhin Ramón von der unsichtbaren Hand eines Riesen ergriffen schien und gegen die Ziegelsteinmauer geschleudert wurde. Schwer keuchend richtete sich der Zwilling auf. Sein Gesicht war mit Schrammen überzogen. Auf der nackten Brust schimmerten Abschürfungen durch Moosflecke hindurch. Blut lief in Strömen aus Mund und Nase. Er streckte den Arm, zeigte mit dem Finger auf Samuel und begann zum wiederholten Male schallend zu lachen. Samuel fackelte nicht lange, er war nicht mehr Herr seiner Sinne. Erneut ruckte er mit dem Kopf. Mit schmerzerfülltem Stöhnen wurde die Luft aus Ramón Lungen gepresst, als er mit dem Rücken gegen den massiven Stamm des alten Apfelbaumes schlug. Wieder musste Samuel mit ansehen, wie er sich erhob. Ramón war von Blut und Schmutz verschmiert, sah fürchterlich aus. Dennoch stand er beinahe gerade, lachte und lachte. „Hör auf!“, befahl Samuel. „Hör gefälligst mit dem scheiß Lachen auf!“ Ramón stemmte die Hände in die Hüften, bog den Rücken nach hinten durch und lachte nur noch lauter. Die Dunkelheit wand sich wie ein Parasit durch Samuels Körper und nistete sich in jedem noch so kleinem Winkel ein. Böse. Düster. Gefährlich und unantastbar. „Du … sollst … aufhören!“, tobte er. Es knackte. Ramóns Kopf knickte zur Seite. Seine Beine versagten ihren Dienst. Er fiel in sich zusammen wie ein nasser Sack. Das Schwarz wich aus Samuels Augen. Erschrocken schlug er sich die Hände vor den Mund und stürmte zu Ramón. Er legte einen Finger an dessen Hals, anschließend ein Ohr auf die Brust. Stille durchflutete den Innenhof. Selbst die Vögel waren verstummt. Samuel sprang zurück auf die Füße. Er starrte den Leichnam emotionslos an. Ein Schmerzensschrei aus der zweiten Etage durchbrach die Totenstille, gefolgt von einem heranrollenden Donner. Das Grollen wurde lauter, immer lauter. Samuel sank auf die Knie, kauerte sich auf dem Rasen zusammen wie ein Embryo. Er presste die Hände auf die Ohren, doch es half nichts. Als würde der Donner in seinem Schädel dröhnen, konnte er das Geräusch nicht dämpfen. Er riss den Kopf in den Nacken und entließ einen schrillen Schrei, der sämtliche Fensterscheiben des Hauses bersten ließ. Scherben ergossen sich über den Rasen, ließen ihn aussehen wie mit einer Schicht Eis überzogen. Der Donner trug ebenfalls ein Brüllen mit sich, welches allerdings ganz klar als ein Ausruf der Freude zu erkennen war, als das Grollen abebbte. Samuel nahm die Arme herunter und stand auf. Seine Beine, zu Beginn noch zittrig, nahmen ihren Dienst eilig wieder auf, als er Dario aus dem Haus stürmen sah. Samuel dachte nicht lange drüber nach, sondern überließ seinem Instinkt die Kontrolle. Er sprintete auf die nächstgelegene Ziegelmauer zu, sprang und überwand das Hindernis mit einem Salto. Es geschah mit einer Leichtigkeit, die Samuel denken ließ, er hätte in seinem Leben selten etwas anderes getan, als über mannshohe Mauern zu springen. Er blieb stehen, blickte zurück, um zu prüfen, ob Dario ihm folgte. Alles was er sah, waren zwei Raben, die sich aus dem Garten erhoben und unter lautem Krächzen dem Horizont entgegen flogen. Einer schwarz, der andere weiß wie gleißender Schnee.


 


Die Hände gen Himmel gestreckt drehte sich Nõid ununterbrochen um die eigene Achse. Er lachte böse, als er abbremste und sich außer Atem vornüberbeugte, die Hände auf den Knien abgestützt. „Geschafft! Wer hätte gedacht, dass dieses Weichei, welches nicht würdig zu sein schien, sich mein Fleisch und Blut zu schimpfen, es doch noch vollbringt? Oder sollte ich ‚umbringt‘ sagen?“ Wieder lachte er schallend, während die letzten Steine, die ihn jahrhundertelang gefangen gehalten hatten, zu Staub zerfielen und zu Boden rieselten. Die Rabenschar krächzte freudig, doch er beachtete sie kaum. Stattdessen richtete er sich auf und suchte mit zusammengekniffenen Augen den Horizont ab. „Da seid ihr ja, meine beiden Lieblinge. Kommt zu mir.“ Die auf dem Boden versammelten Raben meckerten protestierend und so wandte er sich an sie, während er auf die zwei anderen wartete: „Natürlich seid ihr auch meine Lieblinge, beruhigt euch doch. Es war nicht meine Schuld, dass ich vor der Verbannung nur noch Kraft für zwei hatte, die dank meiner Magie in der Lage sind, eine menschliche Gestalt anzunehmen. Bald werde ich mächtiger sein, mächtiger denn je, und dann seid ihr alle an der Reihe“, versprach er und deutete in die Runde. Wieder krächzten die schwarzen Vögel im Chor. Diesmal in freudiger Erwartung. Die beiden Raben, welche unterschiedlicher nicht sein konnten, erreichten Nõid und bezogen nebeneinander vor dem Hexer Position. Ein leichtes Flirren schloss den schwarzen und den weißen Vogel ein. Ein Blitz zuckte durch die Szenerie und Ramón und Dario standen splitternackt vor ihrem Meister. Den rechten Arm über den Bauch gelegt, verneigten sie sich tief. „Willkommen zurück in der Freiheit, Meister“, gaben sie unisono von sich. „Kommt her ihr zwei.“ Er schloss sie in die Arme und drückte sie fest an sich. „Das habt ihr gut gemacht“, lobte er. Die beiden nickten, traten einen Schritt zurück und schlugen mit einem High-Five die Handflächen gegeneinander. „Was ist das?“, wollte Nõid wissen. „Eine Geste für einen mir unbekannten Zauber?“ Die Zwillinge grinsten sich an. „Nein, Meister. Dies ist eine Geste, welche die Freude über einen gelungenen Plan ausdrückt. Das macht man in der heutigen Zeit so.“ „Verstehe, dann also …“ Etwas ungelenk schlug er nacheinander gegen die Handflächen seiner beiden Lieblinge. „Ein gelungener Plan. Ja, das war es wahrlich. Einer meiner hinterhältigsten, wenn ich so darüber nachdenke. Die Bedingung war, dass mein Nachkomme einen anderen Menschen töten sollte. Dass dieser tot bleiben musste, davon war nie die Rede gewesen.“ Er lachte und drehte ihnen den Rücken zu. „Tretet zurück“, befahl er und reckte seine Arme gen Himmel. Die Zwillinge, wie auch die anderen Raben, taten wie ihnen aufgetragen. Ein neuer Käfig begann, sich um den dunklen Hexer zu manifestieren. Es sah aus wie ein Drahtgebilde aus reinstem feurigem Licht. Es war eine lückenlose, vernetzte Kugel, die Nõid kurz darauf umgab. Ein hohes Surren erfüllte die Stille. Die Kugel nahm Rotation auf, erst langsam, kaum mit dem menschlichen Auge wahrnehmbar, schließlich schneller. Der Hexer schwebte einen Meter über dem Boden, kaum noch sichtbar durch die grell leuchtende Kugel, die ihn einschloss. „Jetzt, Syria, jetzt hole ich mir zurück, was meins ist!“ Die große Kugel löste sich auf, fand sich zu zwei tennisballgroßen kleineren zusammen, welche vor Nõid auf Augenhöhe schwebten. Auffordernd streckte er den Kugeln seine Handflächen entgegen. Das surrende Geräusch spitzte sich so weit zu, dass es einem Menschen das Trommelfell zerfetzt hätte. Vom gleißenden Licht der Kugeln wäre er zudem erblindet. Nicht so der dunkle Hexer und seine Rabenschar. Sie waren immun. Mit einem schrillen Pfeifen jagten die Kugeln in Nõids Handflächen hinein. Er stöhnte auf, zitterte am ganzen Leib, bis das letzte bisschen Licht von ihm absorbiert worden war. Für einen Augenblick leuchtet seine Gestalt grell auf, dann war der Spuk vorbei. Nõid glitt dem Boden entgegen und straffte die Schultern. „Syria, nun, da ich meine Macht aus deinem Blut gerissen habe, wird euresgleichen geschwächt sein. Zeitnah werde ich Samuel aufspüren und mit vereinten Kräften wischen wir deine Blutlinie vom Antlitz der Welt!“ Er lachte, steigerte sich in ein hysterisches Kreischen. In seinen Augen rotierte ein Strudel aus goldenem Licht gepaart mit düsterer Schwärze. Er bückte sich und hob das letzte verbliebene Steinchen seines langjährigen Gefängnisses auf. Ein dumpfes rotes Licht pulsierte in dem daumennagelgroßen Würfel. Er bezweifelte, dass Syria einen Weg gefunden hatte, die Zeit zu überdauern, doch solange das Licht im Inneren dieses Steins leuchtete, existierte die Blutlinie dieser vermaledeiten Hexe. Er würde alles daran setzen, das schwache Glimmen alsbald zum Erlöschen zu bringen. Schwarze wabernde Schwaden stiegen von seinen zerfetzten Kleidern auf. Ein bösartiges Lächeln umspielte seine Lippen. Nõid nickte zufrieden, strich sich seinen nun neuen marklosen Zwirn glatt und ließ den leuchtenden Stein in der Innentasche der Jacke verschwinden. Anschließend wirbelte er herum. „Sucht ihn!“, befahl er seinen Gehilfen knapp. Die Zwillinge nickten und wandelten sich zurück. Zig schwarze und ein weißer Rabe stoben augenblicklich in alle Himmelrichtungen davon, um dem Befehl ihres Herrn nachzukommen.


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