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> Fantasy Bücher > Phantomhammer 666 - Band 3
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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Phantomhammer 666 - Band 3, Mike Vulthar
Mike Vulthar

Phantomhammer 666 - Band 3


Fantastische Horrorgeschichten - Anthologie

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Aus der Geschichte  EISWASSER:


 


Jana: Dieser verfluchte Stau! Als ob der Mistwinter nicht genug wäre. Wo lotst mich das Navi eigentlich hin? Kann ich dem Ding überhaupt trauen? Na, mir bleibt wohl nichts anderes übrig. Und was ist das für ein enges, düsteres Waldstück hier? So eine bizarre Gegend hätte ich hier nie vermutet. Rechts von der Straße rast ein unheimlicher grauer Eisbach dahin, angeschwollen vom kurzen Tauwetter. Hoffentlich hat er nicht irgendwo die Fahrbahn überschwemmt. Es ist noch weit bis nach Hause …


 


Eva: „Wo sind wir denn, John?“, murmele ich verwirrt. Bin wohl vorhin eingenickt.


„Stau auf der A30. Fahre die Alternativstrecke laut Navi“, brummt John abwesend. Er liest eine Nachricht auf seinem neuen Smartphone, während er ‚zügig’ fährt. Auf dieser schlecht ausgebauten Strecke. Ich hasse das!


„Eine schöne Alternativstrecke ist das. Zum Fürchten!“, seufze ich.


John sieht mich gar nicht an, als er sagt: „Vor der Landschaft musst du dich wirklich nicht fürchten, Eva.“


Irgendetwas stimmt nicht mit John. Er hat den Satz so eigenartig betont. Er ist die letzten Wochen schon so komisch drauf gewesen. Doch jetzt habe ich wirklich – Angst.


Vor was? Vor ihm etwa?


 


Jana: Dieses einsame, wie verlassen daliegende Anwesen dort … die erdrückend dicht stehenden Bäume … die Straße führt nun über das dahinströmende Eiswasser. Uh, wird mir grad kribbelig im Magen! Kein Wunder. Verfluchte übersteigerte Sensitivität! Verfluchte Gabe! Noch eine Kurve.


Hey: Da steht ja ein dicker, schwarzer Jaguar auf meiner Spur. So ein Vollidiot! Eine tolle Idee, hier im Niemandsland einfach auf der Straße zu parken. Hm – eine Frau steht neben dem Auto. Oje, meine Gabe regt sich.


Weiterfahren?


Nein!


Diese Frau. Irgendwas ist da doch faul … Ich halte an und stelle den Motor ab. Der Frostwind fällt mich an, kaum dass ich aus dem Wagen bin. Das Rauschen des grässlichen Baches ist überlaut. Zu nah ist er. Viel zu nah!


„Hallo. Kann ich ihnen irgendwie… helfen?“


Die rothaarige Frau starrt mich an wie einen Geist. Sie trägt einen knielangen Mantel, der offen steht. Beige. Grauer Pullover. Dunkelroter Minirock. Schwarze Seidenstrümpfe. Hochhackige schwarze Schuhe. Hübsches Gesicht. Mein Alter etwa. Sie friert erbärmlich. Ihre grünen Augen – wie eigenartig sie aussehen. Wie die einer Ertrunkenen. Hinter meiner Stirn erwacht der altbekannte Schmerz. Wie kann man so etwas nur als Gabe bezeichnen?


„Ich … ja … ich suche was. Obwohl es wahrscheinlich sinnlos ist.“ „Wir können es ja wenigstens versuchen, oder?“ Sie redet einfach nicht weiter. So was. „Was suchen Sie denn?”


„John. Meinen Mann. Er ist ausgerutscht und …“ Ihr Blick ist wie gebannt von dem Eisbach – und ich begreife! „Er ist da reingefallen? Aber wie denn nur?“ „Na, ich … musste mal. Und währenddessen telefonierte er mit seinem blöden Smartphone … er läuft dann immer so hektisch rum. Hin und her, hin und her. Ich hab ihn noch gewarnt, aber er hat bloß abgewinkt! Und jetzt – das!“, schluchzt sie verzweifelt und zeigt anklagend auf das gurgelnde Wasser.


 


Eva: Bin immer noch wie geblendet. Und mir ist so bitterkalt. Immer Minirock und Strümpfe für John, egal wie viel Minusgrade es hat. Was für eine Katastrophe. Mir ist so furchtbar schlecht! „John!“, schreie ich vor Angst und Wut. Ich zittere so!


„Kommen Sie. Vielleicht finden wir ihn ja noch“, meint die Frau, die angehalten hat. Sie ist kleiner als ich. Etwas vollschlank, aber nicht fett. Schwarze Locken. Ein nettes Gesicht, bloß so … merkwürdige Augen. Fast messingfarbige Pupillen. Sie kommt mir irgendwie bekannt vor. Quatsch! Das kann ja nicht sein.


„Wie denn finden? In dieser Brühe?“


„Glauben Sie mir: Wenn ihn jemand aufspüren kann, dann ich. Ich bin ziemlich gut in solchen Dingen. Wir nehmen Ihren Jaguar. Sie fahren und ich … suche!“


„Vom Auto aus?“, frage ich ungläubig.


„Ja. Zu Fuß kommen Sie mit ihren Schühchen sowieso nicht weit und dieser Bach fließt sehr schnell. Er … reißt mit.“


„Aber wenn wir dann zu weit fahren, also an John vorbei, Mrs. …“


„Ich heiße Jana. Jana Ward. Sag einfach Jana, OK?“


„OK, Jana. Ich bin Eva.“


Wie war das: Jana Ward? Mein Gott!


 


Jana: Evas Gesicht verzerrt sich. Offenbar kennt sie meinen Namen aus den Medien. Kein Wunder. „Etwa … die Jana Ward?“


„Ja, genau. Die Leichenfinderin. Das Medium, das die Polizei schon mehrfach eingesetzt hat, um seit langem Vermisste aufzuspüren.“


 


--------


 


Aus der Geschichte IM BANN DER ROTEN FLIEGE:


 


Imogen gerade die Kuchengabel von ihrer süßen Last befreien wollte, surrte etwas Schwarzblaues direkt an ihrer Nasenspitze vorbei. Vor Schreck ließ sie die Gabel mitsamt Schwarzwälder-Kirsch-Stückchen fallen. Währenddessen sauste die Schmeißfliege ungerührt weiter.


„Beruhige dich, Imogen“, sagte ich – wider besseres Wissen. Ich kannte Imogen Rössler schon seit der Schulzeit. Ich wusste, dass sie bereits im Griff eines akuten Ekelanfalls war. Dieser würde mindestens eine halbe Stunde andauern. Imogen mochte Insekten generell nicht. Dicke Fliegen verabscheute sie zutiefst. „Sie – hat – meine – Nase – gestreift, Klara!“, würgte Imogen. Ihr Körper schüttelte sich wie unter Stromschlägen. Imogen war einen Meter zweiundachtzig groß und so durchtrainiert, dass sie beinahe männlich wirkte. Da ich sie schon so lange kannte, minderte meine Erinnerung die harten Linien ihres Gesichts. Früher mal war sie ein richtig süßes Mädchen. Neue Bekanntschaften fielen Imogen schwer, da sie auf den ersten Blick abweisend wirkte. Ich schaute ihr nach, als sie in ihr Badezimmer flitzte – zweifellos, um sich zu übergeben. Rasch drehte ich das Radio lauter, um mir selbst den Appetit nicht verderben zu lassen. Während ich mäßig interessiert einer Sendung über die momentan in der Gegend operierende Einbrecherbande lauschte (aufgrund ihrer Spezialität, die Hausbewohner mittels Gas zu betäuben, von einem Reporter reißerisch Die Söhne Morpheus’ genannt), widmete ich mich genüsslich meinem Stück Erdbeersahnetorte. Das mag gefühlskalt erscheinen. Ist es aber nicht. Ich mag Imogen. Sie ist meine Freundin. Aber ein gutes Stückchen Torte darf man nicht verkommen lassen. Das ist zumindest meine Devise. Davon abgesehen erlebte ich solch eine Ekelattacke leider nicht zum ersten Mal mit. Und wo kämen wir hin, wenn ich mir jedes Mal davon den Appetit nehmen ließe. 


 


Ich hatte sogar zwei Stück Erdbeersahnetorte verdrückt, bis Imogen zurückkehrte. Ihr Gesicht war noch ganz fahl. Ihre Augen zeigten allerdings ein gewisses Funkeln, das mir nur allzu bekannt war. Sie griff sich die beiden schwarzen Fliegenklatschen (höchste Qualitätsstufe, äußerst langlebig und stabil) vom Küchenschrank und schnaubte entschlossen. „So, jetzt kaufe ich mir das elende Mistvieh!“


Ich wollte wirklich nicht in der Haut der Schmeißfliege stecken. Imogen war unter anderem auch im Badminton sehr talentiert und führte deshalb ihre Fliegenklatschen meisterlich. Bewundernd musterte ich Imogen – ihre pink gefärbte Bürstenfrisur, das Spiel ihrer Muskeln, die Gewandtheit ihrer Bewegungen. Wie eine Gladiatorin fegte meine Freundin in ihr Wohnzimmer, in dem das laute, unverschämte Brummen der Fliege dröhnte. Schnell ging ich Imogen nach – und kam gerade noch rechtzeitig, um die Jagd beobachten zu können. Der schwarzblaue Brummer schwirrte über der Couch. Er sah Imogen wohl nicht als Bedrohung an. Nur aufgrund seiner Insektenreflexe entkam das Tier dem ersten Hieb. Laut surrend beschleunigte es, doch gegen den einsetzenden Schlaghagel hatte es keine wirkliche Chance. Ein Treffer mit der einen Klatsche sandte die Fliege grob zu Boden. Dort lag sie benommen zappelnd, während die andere Klatsche wie ein Meteor auf sie niederstürzte. Das Parkett knallte, als das Insekt zermalmt wurde.


„Das – hat – gut – getan. Sehr gut!“ Imogen schnaufte. Ich kam mir neben ihr mickrig und wehrlos vor.


„Bravissimo, gut gemacht!“


„Danke, Klara. Wieder eine Trophäe mehr. Du weißt, was nun unweigerlich folgen muss!“ „Selbstverständlich“, kiekste ich und musterte dabei verzückt den Matschklumpen, der vor kurzem noch eine dreiste Schmeißfliege gewesen war. „Selbstverständlich folgt nun: das Begräbnis.“


 


Seit Imogen damals diese besondere Sache passierte, bestattete sie jede getötete Fliege mit einem speziellen Ritual auf einem eigens dafür geschaffenen Friedhof. Er wurde ständig erweitert. Im Keller des von ihren Eltern geerbten Hauses breitete er sich aus. Imogen war fleißig. Sie jagte Fliegen und tötete sie nicht etwa nur, wenn sie ihre Nase streiften. Man mag das merkwürdig finden, doch ich glaubte, jede und jeder täte es genauso, wenn ihm dasselbe widerfahren wäre wie Imogen. Ich verstand sie sehr, sehr gut. Eine kribbelnde Aufregung erfasste mich, während ich Imogen in die Kühle des Kellergeschosses folgte. Das Jugendstilhaus mit seinen mächtigen Buntsandsteinmauern, verborgen in einem sorgfältig gepflegten Gartengrundstück, war ein idealer Schauplatz für das, was wir nun wieder veranstalten würden. Nur Imogen und ich wussten, was im Keller auf uns wartete. Ich fröstelte in meinem blassblauen Sommerkleid.


Das war mir egal. Das Begräbnisritual ließ ich mir nie entgehen.


 


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