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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Phantomhammer 666 - Band 2, Mike Vulthar
Mike Vulthar

Phantomhammer 666 - Band 2


Fantastische Horrorgeschichten - Anthologie

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Vorbemerkung: Aktionspreis bis HALLOWEEN/Allerheiligen 2018: 0,99 €


Und nun zu den Leseproben:


Aus der Geschichte ′LLORLH′


 


Heute Abend ist es außergewöhnlich still in meiner Wohnung. Vielleicht ist das aber auch nur Einbildung, denn was sollte noch Geräusche erzeugen, zu so später Stunde? Ich verdränge den seltsamen Gedanken und lege mich ins Bett, das mir, lockend in der Ecke wartend, eine erholsame Nacht verspricht. Meine rechte Hand betätigt den Schalter der Nachttischleuchte. Die Dunkelheit schwappt heran wie eine Welle schwarzen Teers – irgendwie viel zu langsam – und begräbt mich unter sich.


Diesmal ist es jedoch nicht der Schlaf, der mich überkommt, sondern etwas völlig anderes!


Ein grausamer Sog zerrt mich noch oben – die Zimmerdecke bietet keinen Widerstand, an dem ich zerschmettert werden könnte. Stattdessen gleite ich hindurch wie durch eine semipermeable Membran. Hals, Arme und Beine werden mir von der unfassbaren Geschwindigkeit nach hinten weg gebogen, während ich mit schockstarren, aus den Höhlen fast hervorquellenden Augen durch das schwarze, von widerlich weißen Adern durchzogene Inferno rase – einem unbekannten Ziel entgegen. Schleier tanzen vor meinem Gesicht, eine Ohnmacht kündigt sich an. Eine geregelte Atmung ist unmöglich – der brüllende Fahrtwind presst sich gnadenlos zwischen meine Lippen – unmöglich, sie zu schließen. Beim bloßen Versuch droht mein Unterkiefer abzureißen! Da erscheint im wirbelnden Chaos vor mir ein grünlicher Fleck und nähert sich beängstigend schnell. Was ist das – und vor allem: Ist es etwa massiv? Mein Irrsinnsflug wird nochmals beschleunigt. Das widerwärtige Gefühl, mich übergeben zu müssen, wird wohl nicht mehr lange nur ein Gefühl bleiben …


Die Fläche eilt heran, wird immer größer, detaillierter – dann ist es soweit: Unter ohrenbetäubendem Fauchen werde ich aus dem dunklen, albtraumhaften Tunnel geschleudert und stürze in eine unbegreifliche Vision hinein: Eine drohende Moorlandschaft, umgürtet von hohen, finsteren Felswänden, breitet sich unter mir aus. Nur mit Mühe kann ich einige missgebildete Bäume erkennen, die ihre verbogenen Klauen suchend in die Luft strecken, denn ich falle aus großer Höhe auf all das zu. Sollte ich die Schreckensfahrt nur überlebt haben, um mich in dieser fremden Welt zu Tode zu stürzen? Allein die Vorstellung des Aufprallschmerzes umfasst mein wild pulsierendes Herz wie eine kalte, schleimige Klaue. Der Tod ist nur ein paar Sekunden entfernt – gleich wird er mich holen! Die brodelnde Sumpfmasse unter mir will mich verschlingen. Entsetzt schließe ich die Augen. Hoffentlich geht es wenigstens schnell.


Kurz bevor mein Magen nach oben durch meine Kehle dringen kann, weil jemand in diesem abstürzenden Hochgeschwindigkeitsfahrstuhl den Nothalt gedrückt hat, höre ich eine Stimme – undefinierbar, auf eine unmöglich zu schildernde Weise fremd und düster – die nur ein einziges furchtbares, ebenso fremdartiges Wort murmelt. Dann schlage ich auf! Die faulige Brühe spritzt meterhoch und gibt, einem glitschigen Trampolin gleich, unter meinen Füßen nach, so dass ich bis zum Hals in den grünbraunen Schlamm eindringe. Ein unbeschreiblich penetranter Gestank schneidet in meine Nase wie ein Rasiermesser. Eigentlich unbegreiflich, aber ich lebe noch. Wieso ist mein Sturz plötzlich gebremst worden – und von wem?


Mit einem erstickten Keuchen versuche ich mich aus der klebrigen Umarmung des Morastes zu befreien, aber der hat etwas dagegen und beginnt, mich nach unten zu ziehen.


Oh Gott, hört das denn nie auf?, schießt es mir durch den Kopf.


Da legt sich etwas um meinen Hals! Es folgt ein brutales Zerren, das mir die Tränen in die Augen treibt. Was – oder wer – auch immer mich da herauszieht, muss unvorstellbar stark sein! Der Sumpf gibt widerborstig meine Beine frei und schwappt sogleich mit einem widerlichen Schmatzen wieder zusammen. Ich werde auf den klammen Untergrund gestellt, sinke nun aber unerklärlicherweise nur minimal ein.


Soll ich mich umdrehen?


Soll ich mich wirklich umdrehen?


Mich beschleicht das unangenehme Gefühl, dass das Moorloch das kleinere Übel gewesen sein könnte. Am liebsten würde ich mich wie ein kleines Kind hinter meinen Händen verstecken, auch wenn das völlig sinnlos wäre.


„Guten Abend!“


Diese beiden Worte brennen sich wie glühendes Eisen in meine Ohren. Der grimmige Klang der Stimme – es ist die gleiche, die ich kurz vorm Auftreffen vernommen habe. Schwer atmend wende ich mich um, mit dem Schlimmsten rechnend – trotzdem lähmt mich der Schock, als ich IHN erblicke. Keiner kann das Grauen ermessen, das ich gerade fühle!


In einen dunkelgrauen Kapuzenumhang gehüllt steht er da. Seine vier langen, sehnigen, in messerscharfen Klauenhänden endenden Arme sind mir lauernd entgegengestreckt. Aber der grausigste Körperteil ist der Schädel, der auf einem mit kleinen Tentakeln besetzten Hals sitzt, mich höhnisch mit seinem Raubtiergebiss angrinst und mit dem einzigen, lang gezogenen, grellblau strahlenden Auge fixiert.


Wer ist das, um Himmels Willen?


„Ich heiße dich willkommen, mein Freund. Du fragst dich sicher, wer dich mit seiner Anwesenheit ehrt …“


Diese Stimme!


„… Ich werde es dir verraten: Man nennt mich Llorlh! Das sagt dir natürlich überhaupt nichts – hahaha! Betrachte mich einfach als deinen persönlichen, treuen, stets bereiten Nachtmahr! Nein, du träumst nicht – ich bin real, wie du noch am eigenen Leibe erfahren wirst! Nur wenige haben das Glück, jemals ihrem eigenen Nachtmahr zu begegnen. Aufgrund der lästigen Gesetze eines … gewissen Jemands gelingt es mir und meinesgleichen leider nur selten, den Schläfer in unsere jeweilige Dimension zu ziehen und ihm echten Schmerz und Schrecken zu bereiten. Was du hier siehst, ist mein Reich, der Kratersumpf! Hier wirst du dich mit mir messen müssen. Siegst du, wirst du morgen früh in deinem Bettchen aufwachen. Gewinne jedoch ich, erwartet dich … nun ja, ich will nicht zuviel verraten! Hab acht, Träumer, denn ich, Llorlh, der Gebieter über Maden und Würmer, fordere dich hiermit heraus!“


Die letzten Worte der röhrenden Stimme sind kaum verklungen, da reißt mein unheimliches Gegenüber die vier Arme in die Höhe und fährt unter furchtbarem Heulen in den Schlamm hinein. Mein Schrecken entlädt sich in einer physischen Fluchtreaktion. Blindlings renne ich in die bedrohliche Umgebung hinein.


Aber ich komme höchstens hundert Meter weit: Aus dem schleimigen Untergrund vor mir schiebt sich eine weiße, glatte Mauer! Es folgen Türme, Zinnen und Erker in atemberaubender, jegliche irdische Geometrie verspottender Verschachtelung. Kaum eine Minute hat der Vorgang benötigt – und schon bin ich im Hof des bizarren Schlosses gefangen!


 


 


-----------------


 


 


Aus der Geschichte ′BLUT FÜR ZORPHOLLUS′: Zorphollus kroch durstig aus seiner kühlen Felsengruft, kaum dass die Sonne hinter den anmutigen Hügeln versunken war. Ihr unheilvoller Schein glomm noch einen kurzen Moment auf, aber das war nur das übliche unnütze Aufbäumen gegen die demütigende Machtlosigkeit, zu der sie die herbeieilende Bestie NACHT verurteilte.


Der Vampyr streckte sich, während seine unheimlichen schwarzen Augen die Gegend erforschten. Seine Nüstern witterten sofort den berauschenden Duft von Unmengen vergossenen Blutes. In schweren, dampfenden Schwaden wogte der einzigartige Geruch über jenen Hügel dort, der ihm momentan noch den Blick verwehrte. Mit gemessenen Schritten erklomm der Blutsauger die kleine Anhöhe. Spärliches Gras streifte an seiner langen schwarzen Toga und seinen Lederstiefeln entlang, aber sein Verstand, vor aufsteigender Ekstase bereits trunken, registrierte das nicht einmal. Und gleich darauf breitete sich die Ebene unter ihm aus und bot seinen finsteren Augen ihre feuchtrot glänzenden, fremdartigen Früchte mit obszöner Bereitwilligkeit dar. Sein Mund verzog sich zu einem Lächeln abgründiger Zufriedenheit, als er die tausende menschlicher Leiber erblickte, die dort unten ausgebreitet lagen – verdreht, geborsten, und meistens tot. Aber hier und da bewegten sich noch Körper mit letzter versiegender Kraft. Genau wegen diesen war er hier!


So raste Zorphollus über das Feld der Leichen – vorbei an geköpften, von Pfeilen durchbohrten, von Schwertern aufgeschlitzten und auf vielerlei andere Art in der Hitze des Gefechtes zu Tode gekommenen Kadavern, um von den wenigen zu trinken, deren Blut noch warm und dünnflüssig war. Die Krähen, die ebenfalls gekommen waren, um ihren Hunger zu stillen, stoben kreischend in Schwärmen auf, wann immer er rücksichtslos zwischen ihnen hindurch fuhr. Zorphollus bewegte sich mit einer Geschwindigkeit, die das Rennen eines Gepards zum Kriechen einer Schnecke herabwürdigte. Schon stand er neben einem mühselig auf der Stelle kriechenden Offiziers, dessen Gehirn noch nicht bemerkt hatte, dass sich solch eine Anstrengung wenig lohnte, wenn einen die Spitze eines etruskischen Wurfspießes auf dem harten, ausgetrockneten Sandboden festgenagelt hatte. Der Vampyr schlug seine ungemein scharfen Eckzähne in die Halsschlagader des Soldaten und bereitete ihm einen schnellen, gnädigen Tod, als er ihn mit der übermäßigen Gier des ersten, noch ungestillten Durstes leertrank.


Wie ein schwarz gewandeter Engel aus den Tiefen der Hölle zuckte Zorphollus von einem Verwundeten zum anderen und brachte endgültigen Frieden über das Schlachtfeld. Dabei mundete ihm das Blut der Etrusker ebenso wie das ihrer griechischen Gegner. Nahe eines ausgebrannten Streitwagens soff der Blutsauger vom vierschrötigen Körper eines mit mehreren Pfeilen gespickten Axtkämpfers, der erstaunlicherweise mit der Sturheit des Sterbenden versuchte, ihn mit seinen muskulösen, aber nun kraftlos gewordenen Armen zu zerquetschen. Als er gerade den letzten großen Schluck aus dem mächtigen Krieger heraussaugte, vernahm der Vampyr etwas, mit dem er hier nicht gerechnet hatte: das laute, schmerzerfüllte Stöhnen einer Frau!


Erstaunt wandte er seinen Kopf in Richtung des Geräuschs, während er gleichzeitig den leeren Körper achtlos fallen ließ. Und da erblickte er sie – nur ein paar Meter neben dem Katapult lag sie und musterte ihn aus großen fragenden Augen. Ihre Pupillen wiesen eine eigenartige zinnoberrote Färbung auf, aber ansonsten glich sie keinesfalls einem Albino mit ihrer vollendeten Bronzehaut und ihrer lockigen, schwarzen Haarpracht. Zorphollus war in einem einzigen machtvollen Satz bei ihr und starrte auf sie hinab, erfüllt von einem eigenartigen Interesse. Er hatte schon unzählige menschliche Antlitze erblickt in seiner langen Existenz, aber noch nie ein solch bezauberndes, fremdartiges und hübsches Gesicht. Es nahm ihn in einem Maße gefangen, das ihm völlig unbekannt war.


„Was bist du für ein … Ding, Schwarzgewandeter? Bist du gar AITA, der Gott der Unterwelt, höchstpersönlich?“, flüsterte die Frau und es erstaunte ihn, dass der Unterton in ihrer Stimme keineswegs angsterfüllt, sondern eher wütend war. Ihre rechte Hand umklammerte das Kurzschwert fester – offenbar war sie nur allzu bereit, auf ihn einzuhauen, sofern er sich ihr noch ein wenig weiter näherte. Sein Blick flog über ihre teure, schwarz gefärbte Lederrüstung. Der Brustpanzer, welcher nach der etruskischen Art mit dem furchtverbreitenden Symbol der Goldenen Spinne verziert war, betonte die üppigen Rundungen dieser schönen Kriegerin eher als dass er sie verbarg. Zorphollus studierte ihre von dem hochgerutschten, kurzen Waffenrock fast völlig enthüllten, ebenso muskulösen wie anmutigen Beine, ihre zarten Füße, welche in teuren, mit gepanzerten Schienbeinschützern versehenen Sandalen steckten – und betrank sich an ihrer nahezu vollkommenen Schönheit. Nur die athenische Schwertklinge, die sich ihr durch den zerhauenen Rüstungsschutz tief ins Fleisch gefressen hatte, zerstörte den Eindruck absoluter Anmut.


„Aita? Zuviel der Ehre, Weib – vorausgesetzt, ich glaubte an diesen oder einen anderen Gott“, antwortete er. „Die wenigen, die mich kennen, rufen mich Zorphollus – und jene sind, ebenso wie ich, nicht von deiner Art. Und nun nenne mir deinen Namen!“


„Warum sollte ich? Was könnte mir das nutzen? Ich bin auf jeden Fall dem Tode geweiht, weil ich einen Augenblick nicht aufmerksam gewesen bin und dieser griechische Bastard dort das ausnutzen konnte, um mir seinen Stahl in die Eingeweide zu rammen. Verdammte Griechen – sie wagen es, ihre südlichen Kolonien immer weiter auszudehnen! Sie neiden uns das Handelsgeschick und unsere Monopole. Diese Söldner hier dachten, wir wüssten nicht, dass sie im Auftrag der fetten, griechischen Händler gegen unsere Stadt Veji marschierten. Sie haben uns unterschätzt! Aber dennoch ist heute nicht nur ihnen, sondern auch uns das Schlachtenglück versagt geblieben. Du siehst also: Es ist mir gleich, ob ich, statt hier langsam zu verenden, rasch von deiner dämonischen Hand sterbe!“, knurrte sie und stöhnte dann peinerfüllt auf. Die Finger ihrer Linken glitten fahrig über das Schwert, das ihr solche Qualen bereitete, als seien sie unentschlossen, ob sie es herausziehen oder tiefer hineinrammen sollten. Zorphollus kniete sich neben sie und fixierte sie mit seinem unmenschlichen Blick.


„Und was sollte es dir schaden, wenn du offensichtlich nichts mehr zu verlieren hast, mutige Kriegerin? Lass mich dir sagen, dass mir noch nie jemand so ruhig und unerschrocken ins Auge geschaut hat wie du – und ich jage deinesgleichen schon sehr, sehr lange …“


Sie lächelte grimmig – und wurde sogleich von einem schmerzhaften, krampfartigen Hustenreiz ergriffen, der ihren Körper heftig erzittern ließ. Blutiger Schaum kroch auf ihre vollen Lippen, während sie mühsam röchelte: „Ob es nun an deinen armseligen Komplimenten liegt … oder am immer stärker werdenden Ruf von VANTH, der Botin des Todes – ich will dir deinen Wunsch erfüllen, du kahlköpfiger, kohlenäugiger Dämon. Ich heiße Llystrides!“


„Welch ein passender Klang für ein solches Juwel wie dich, das so selten geboren wird, gemessen an der Vielzahl der Nachkommen, die dem Fortpflanzungstreiben der menschlichen Herden entspringen.“


„Herden? Bei den Göttern, du redest ja über uns, als ob wir … Vieh seien“, entgegnete Llystrides voller Abscheu.


„Und nichts weiter seid ihr! Nichts als anmaßendes, mörderisches, zum Tode verdammtes Vieh, das ich und meinesgleichen gedeihen lassen, um bei Bedarf unseren Durst an euch zu stillen. Sieh dich doch einmal um! Stetig setzt ihr größere Mahnmale eurer selbstzerstörerischen Dummheit – und so wird es auch weitergehen bis zum letzten Tag eurer Rasse. Ihr seid so damit beschäftigt, euch wegen der fadenscheinigsten Gründe gegenseitig abzuschlachten, dass ihr unserer Existenz gar nicht gewahr werden könnt!“


„Ich bin eine Etruskerin, du bleicher Hund der Nacht, und wir Etrusker sind ein stolzes Volk! Für deine beleidigenden Worte verdienst du den Tod!“, schrie Llystrides blutspuckend und ihre Augen glommen ehrfurchtgebietend. Mit letzter Kraft hieb sie nach Zorphollus, aber ihr Streich war so schwach geführt, dass er wirkungslos an seiner Toga abglitt. Der Vampyr entwand ihr mühelos das Schwert und warf es weg. Dann brachte er sein Gesicht ganz nah vor das ihre und flüsterte: „Wahrhaft, stolz und mutig bist du. Du gefällst mir! Deshalb biete ich dir an, dich nicht dem Tod überlassen. Stattdessen werde ich dich emporheben aus dem Sumpf des menschlichen Daseins, Llystrides. Ich werde dir die Ewigkeit schenken! Wenn du es möchtest. Gib dich mir hin – und schon bald wirst du an meiner Seite jagen. Aber überlege nicht zu lange, denn deine Lebenskraft ist fast erloschen. Willst du mit den toten Seelen im Schattenreich Asche fressen und auf alle Zeit heulen und wehklagen oder lieber an meiner Seite weiterhin leben wie eine Kriegerin und zugleich Zeit und Tod verhöhnen?“


Ihre hübschen, schmutz- und blutverkrusteten Gesichtszüge verzerrten sich vor Qual und Anstrengung, während Llystrides still überlegte. Die Widersprüche, die in ihrer Seele miteinander kämpften, spiegelten sich deutlich auf ihrer Miene wider. Fünf rasselnde Atemzüge verstrichen, bis sie ihr Schweigen brach und inbrünstig ausrief: „Nein! Ich will nicht … in Schande existieren … die Ewigkeit in erbärmlicher Schwäche verbringen … als jammerndes Gespenst durch die … Dunkelheit wandeln und den … kaltherzigen Göttern zum Gespött dienen! Hilf mir, Zorphollus – ich gebe mich dir hin aus freien Stücken – reiße mich hinfort aus den kalten Klauen des Todes.“


„So soll es geschehen!“, schwor der bleiche Blutsauger mit einem tiefen Blick in ihre entschlossen leuchtenden Zinnoberaugen, während er sich über sie warf. Der Kuss, den er auf ihre blutverschmierten Lippen hauchte, war flüchtig wie ein Windhauch, aber von so eisiger Kälte, dass heftige Schauer den ganzen Körper der Etruskerin durchrasten. Schon spürte sie seine Frostlippen auf ihrem zarten Hals und erschrak selbst darüber, wie heftig, wie sehnsüchtig ihre Halsschlagader gegen seine scharfen Zähne pochte.


 


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