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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Phantomhammer 666 - Band 1, Mike Vulthar
Mike Vulthar

Phantomhammer 666 - Band 1


Fantastische Horrorgeschichten - Anthologie

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Aktionspreis 0,99 € bis Halloween/Allerheiligen 01.11.2018. Ab 02.11.2018 regulärer Preis.


 


DIE KATZE MIT DER ETWAS NICHT STIMMTE


Mit dieser Katze stimmte etwas nicht. Das wurde Emma Beeler schneller klar als ihr lieb war. Viel schneller, als ihr lieb war. Obwohl: So etwas ist einem nie lieb – also ist es quasi immer zu schnell …


 


Am nebligen Vormittag des 1. November hörte Emma ein klägliches Miauen von jenseits der Hecke. Sie seufzte, stützte sich auf den Spatengriff und wartete darauf, dass das Wehklagen verstummte. Sich entfernte. Selbstverständlich tat es genau das nicht, sondern nahm an Dringlichkeit zu. Nach fünf Minuten war Emmas mitleidiges Herz so erweicht, dass sie es nicht länger aushielt.


Leise fluchend stapfte sie an der mehr als mannshohen Hecke entlang zum Gartentor. Dieses Tor verband sie mit der Außenwelt. Emmas niedriges Häuschen war von außen nicht einsehbar, es lag verborgen hinter der dicht verwucherten grünen Hecke wie ein (zugegebenermaßen sehr heruntergekommenes) Feenschlösschen. Manche in der Straße nannten es auch das Hexenhaus, weil ihnen das alte Gebäude und seine Bewohnerin unheimlich waren. Emma fand das lachhaft. Sie war sich bewusst, dass ihr Grundstück nicht wirklich in die unmittelbare Nähe der eher feinen Broadford Street passte (es lag einsam an einer steil abfallenden Nebenstraße), aber mysteriös war nun wirklich nichts daran. Und an ihr selbst auch nicht. Sie war bloß eine unscheinbare, alleinstehende Mittvierzigerin, die am liebsten den ganzen Tag in ihrem Garten werkelte. Nichts weiter. Das Häuschen und eine ab ihrem einundvierzigsten Geburtstag als monatliche Rente ausgezahlte Lebensversicherung hatte sie ihrer seligen Großmutter Agatha zu verdanken. Diese hatte hier dreiundsiebzig ihrer achtundneunzig Lebensjahre verbracht und ihrer einzigen Enkelin durch ihre klug ausgestaltete Erbschaft ein bescheidenes, aber unabhängiges Leben verschafft. „Diese Dummschwätzer von Nachbarn sind nur neidisch auf meine Rente!“, grummelte Emma, während sie das schwere, grün gestrichene Holztor öffnete. Das Miauen erklang als unpassende Antwort darauf.


„Ja, Geduld! Ich komme ja schon, Mieze!“


Eigentlich war Emma keine echte Katzennärrin. Dennoch waren ihr seit ihrem Einzug schon zwei Katzen zugelaufen. Sie brachte es einfach nicht übers Herz, die Tiere wegzuscheuchen. Leider waren beide schon tot: Tiger war unter die Räder eines schnellen Autos gekommen und Sam war Baskerville, einem wahren Monster von Hund, zum Opfer gefallen. Emmas Herz und Magen verkrampften sich bei der Erinnerung an Sams blutiges Ende. Hoffentlich hatte der riesige Hund nicht wieder zugeschlagen – dass die Katze überhaupt noch miauen konnte, sprach allerdings dagegen. Baskerville gehörte einem höchst asozialen Subjekt namens James Hastane, das auf Staatskosten lebte und so viel zu viel Zeit hatte, um Baskerville spazieren zu führen. Manchmal ‚entwischte’ dann der vierbeinige Koloss seinem zweifelhaften Herrchen und fiel über eine vorbeilaufende Katze oder ein anderes Tier her. Ein solcher Angriff war bisher für jedes Opfer tödlich verlaufen. Dass Hastane seinen Hund stets absichtlich von der Leine gelassen hatte, wurde allgemein vermutet, war aber bisher nicht zu beweisen gewesen. Und da der Mann ähnlich unangenehm war wie Baskerville (oder vielleicht noch unangenehmer, da ihm Kontakte zur Unterwelt und daraus resultierende üppige Nebeneinnahmen nachgesagt wurden), wollte sich niemand richtig mit ihm anlegen. Auch Emma hatte das nie gewagt.


Da lag ja das erbärmlich maunzende Tierchen endlich. Ein vielleicht dreijähriges Weibchen mit einem unregelmäßig schmutzig-orange und rabenschwarz gefärbten Fell. Klein und zierlich. Emma konnte keine äußere Verletzung entdecken. Sie streichelte behutsam über den struppigen Rücken. Schon begann die Katze laut zu schnurren. So laut, dass es Emma durch Mark und Bein ging. Eigentlich hatte sie das Tier gerade auf den Arm nehmen wollen. Erstaunt hielt sie inne. Ihr Magen kribbelte unangenehm, beinahe so, als ob er sie warnen wollte. Emma schüttelte sich energisch. Was für ein Unsinn! Das Kätzchen verhielt sich doch völlig harmlos und schaute sie aus großen, smaragdgrünen Augen hilfesuchend an. In diesem Grün schien sogar noch ein anderer Farbton zu sein, doch Emma kam nicht dazu, weiter darüber nachzudenken. Ein wohlbekanntes grollendes Bellen ertönte in der Nähe: Hastane und Baskerville waren auf Tour … Hastig hob Emma die Katze hoch und stürmte mit ihr zurück hinter die schützende Hecke. Scheppernd fiel das Gartentor hinter ihr zu.


Geschafft!


 


Später am Tag telefonierte Emma zuerst mit dem Tierheim (nein, es wurde gerade keine Katze vermisst) und danach mit ihrer Nachbarin Mrs. Methers, einer betagten Dame, während ihr neuer Vierbeiner sich zum wiederholten Mal den Bauch mit Katzenfutter vollschlug. „Schade, Mrs. Methers, dass Sie sich vorgestern wieder eine neue Katze gekauft haben. Mir ist heute Vormittag ein wirklich bezauberndes Exemplar zugelaufen, das Ihnen bestimmt gefallen hätte.“


Mrs. Methers’ Stimme zitterte vor mühsam unterdrückten Tränen. „Sie wissen ja, Kindchen, dass ich es ohne Kitty kaum ertragen konnte. Ich bin so glücklich mit meiner Blue. Auf sie werde ich besonders gut achtgeben und sie einfach nicht streunen lassen. Das hätte ich schon bei Kitty so machen sollen. Das arme Tierchen. Ich sage Ihnen: Wenn es noch Gerechtigkeit auf Gottes Erde gibt, fährt dieser widerliche Monsterköter eines Tages mitsamt seinem Besitzer zur Hölle!“


Emma fand diese Aussage zwar etwas übertrieben, konnte sie aber grundsätzlich nachvollziehen. Baskerville hatte der armen Kitty ein grauenhaftes Ende bereitet. Nur der Kopf war übrig geblieben und von Mrs. Methers selbst auf einer nahe gelegenen Wiese entdeckt worden. Die arme Dame hatte aufgrund des darauf erlittenen Schocks vier Tage im Krankenhaus verbringen müssen. Hastane hatte diesmal sogar frech geleugnet, dass sein Hund der Verursacher des Dramas war. Offensichtlich verfeinerte er seine perfide Taktik gerade von versehentlichem Losreißen zu Vertuschen …


Schließlich legte Emma auf und musterte die Katze leicht frustriert.


„So wie’s aussieht, bleibst du also bei mir, Schätzchen. Oder willst du lieber wieder nach draußen und deiner Wege gehen?“


Die Katze musterte Emma ausdruckslos, während diese die Haustür öffnete und fragend gestikulierte. Sie starrte solange, bis ihre menschliche Retterin es aufgab und die Tür wieder schloss.


„Na schön. Hätte mich auch schwer gewundert. Dann herzlich willkommen! Mmh, du brauchst noch einen Namen. Ich kann ja schlecht ‚Katze’ zu dir sagen, nicht wahr?“


Emma zermarterte sich die nächste Stunde den Kopf, doch es fiel ihr kein Name ein. Noch nicht einmal ein unpassender. Einfach gar keiner.


„Das gibt es ja wohl nicht. Ich bin doch nicht frühzeitig senil!“, schimpfte sie. „Weißt du was, Katze? Jetzt brauche ich erst mal einen schönen, starken Tee. Dann fällt mir bestimmt ein Name für dich ein.“


Weil sie so genervt war, streifte Emma ungeschickt einen Stapel Bücher, den sie auf dem Küchenschrank deponiert hatte, damit sie das Zurückbringen in die Leihbücherei nicht wieder vergaß. Polternd gingen die Bücher zu Boden.


„Na super!“


Die Seiten des obersten Buchs, The Emperor of Dreams von Clark Ashton Smith, waren beim Aufprall auseinander gefallen. Emma starrte auf die sich ihr präsentierende Überschrift einer Geschichte, überlegte kurz und meinte dann zu der Katze: „Mmh – The Abominations of Yondo. Mieze, was hältst du eigentlich von … Yondo? Ich finde, das passt ganz gut zu dir. Nein, nicht falsch verstehen – du bist ganz und gar nicht abscheulich, meine Hübsche. Aber ein bisschen geheimnisvoll. Möchtest du gerne Yondo heißen?“


Die Katze miaute sonderbar betont. Natürlich war es Unsinn, doch wenn jemals ein Miauen zustimmend für Emmas Ohren geklungen hatte, dann dieses.


„OK, dann bist du ab jetzt Yondo“, verkündete die Frau, froh, einen Namen gefunden zu haben. Warum nur kribbelte ihr Magen gerade wieder so beunruhigend? Heute Abend würde sie ein Glas von ihrem selbst angesetzten Kräuterlikör trinken. Oder auch zwei.


„Ja, das ist eine prima Idee. Zur Feier des Tages gönne ich mir heute Abend mal was, Yondo!“, verkündete Emma begeistert ihrer neuen Mitbewohnerin. Die Katze warf ihr einen langen, undeutbaren Blick zu – und begann dann, sich ausgiebig zu putzen.


 


Am späten Nachmittag des 4. November brachte Yondo das erste Geschenk ins Haus: eine tote Maus. Emma hatte so etwas selbstverständlich erwartet. Alle Katzen verhielten sich so. Sie wendete also die übliche Taktik an, schimpfte heftig mit Yondo und räumte danach die blutige Sauerei weg. Und abends gab es zur Strafe kein Futter. Ihre bisherigen Stubentiger hatten ihre Lektion rasch gelernt. Yondo war allerdings aus ganz anderem Holz ge-schnitzt.


5. November: eine Maus.


6. November: zwei Mäuse.


7. November: drei Mäuse.


Und am 8. November, sozusagen als Krönung: eine sehr große, bestialisch stinkende Kanalratte.


„Ach herrje, was mach ich nur mit dir sturem Biest!“, schrie Emma außer sich. „Begreif doch endlich mal, dass ich mich nicht über diese toten Tiere freue! Geht das nicht in dein Katzenhirn? Instinkt hin oder her, Tiger und Sam haben’s doch auch begriffen! Und auch alle Katzen in der Nachbarschaft!“


Emma war so wütend, dass sie tatsächlich nach ihrem Besen griff (das hatte sie noch nie zuvor aus Erziehungszwecken getan), um der frechen Katze einzubläuen, dass es so nicht ging. Wenigstens wollte sie ihr damit drohen. Sie erwartete felsenfest, dass das Tierchen beim bloßen Anblick des erhobenen Besens Reißaus nehmen würde. Von wegen …


Wie eine Sphinx verharrte Yondo. Nur in ihren Augen veränderte sich etwas: Das Smaradgrün wurde innerhalb weniger Sekunden von jenem anderen, nahezu unbeschreiblichen Farbton vollständig überlagert, der Emma schon bei ersten Begegnung mit der Katze aufgefallen war. Emma musste nach Luft schnappen, kaum dass sie sich diesem beinahe strahlenden Blick ausgesetzt sah. Eine derart abgründige Gnadenlosigkeit lag darin, dass sie für einen Moment lang meinte zu erstarren wie Lots Ehefrau. Der Besen entglitt ihr und traf schmerzhaft ihre Zehen. Emmas Beine knickten ein, ohne dass sie auch nur das Geringste dagegen machen konnte. Hart prallte sie mit dem Steißbein auf. Ein stechender Schmerz raste ihre untere Wirbelsäule hoch und ließ sie aufschreien. Viel schlimmer war jedoch die – wohl durch den Schmerz hervorgerufene – Sinnestäuschung, durch die Yondo plötzlich riesenhaft über ihr aufzuragen schien. Gleichzeitig erklang ein unvorstellbar lautes Fauchen, obwohl das Maul des Tieres eindeutig geschlossen war!


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