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> Fantasy Bücher > "Niemandsland", Band 1
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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe
Bianca Bolduan

"Niemandsland", Band 1


"Das Land zwischen den Welten"

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Lancelot war neben dem letzten der fünf Stühle stehen geblieben, die um den oberen Teil des Tisches aufgereiht waren. Auf ihm saß ein Wesen, von dem Kathy nicht recht wusste, ob es ein Mann oder eine Frau war. Die Züge waren weich und fließend, die Haare unter einer großen Haube und der Körper unter einem weiten Gewand verborgen.


„Dies hier ist der Spieler.“, meinte Lancelot und deutete eine Verbeugung an. Er ist eigentlich kein schlechter Kerl und ich würde ihn fast liebenswert nennen, wenn er nicht so eine schlechte Angewohnheit hätte. Er ist nämlich bekannt für seine Ablenkungsmanöver. Und außerdem“, der Ritter zog der Gestalt am Ohr, „liebt er es, nicht genug zu bekommen. Er sorgt dafür, dass du alles andere, alles wichtige um dich herum einfach vergisst. Er sorgt dafür, dass du die Zeit totschlägst mit unwichtigem Kram und Dingen, die zur Sucht werden.“


Er ließ das Ohr los und strich dem Wesen über die Wange.


„Wie gesagt, eigentlich kein schlechter Kerl, aber manchmal echt nervig. Er hat schon so manchen Menschen in den Ruin oder sogar in den Tod getrieben.“


Kathy sah die Gestalt an. Fast wie ein Elf sah er aus mit seinen spitzen Ohren und den flatterhaften Bewegungen. Von ihm sollte eine Gefahr ausgehen? Kathy blickte zwischen Lancelot und diesem Spieler hin und her. Sie selbst war keine Spielernatur, sie wettete nicht und spielte noch nicht einmal in der Lotterie mit. Welche Gefahr sollte für sie von diesem Wesen ausgehen? Nein, an diesem Tisch war nur der SPITZ gefährlich für sie. Vor ihm hatte sie Angst, das spürte sie ganz deutlich. Den Springer hatte sie nun durchschaut und Efor war sicher keine Gefahr für sie. Ihr Blick fiel auf Takalah. Noch nie zuvor war sie einer Hexe begegnet und sie war sich auch jetzt nicht sicher, wie sie damit umgehen sollte. Was genau war eine Hexe? Lancelot hatte gesagt, sie sei die Mutter der Macht und der Verzweiflung. Was hatte er damit gemeint? Ein Schauer lief über Kathys Rücken und sie nahm sich vor, den Ritter danach zu fragen, sobald dieser Spuk hier vorbei war.


An dem langen Tisch erschienen fünf weitere Stühle, einer an dem Kopfende gegenüber dem SPITZ, jeweils zwei andere an der langen Seite. Kathy staunte nicht schlecht, als Eldaine und Modala in die Höhle traten und Platz nahmen. Eldaine setzte sich neben Efor, der ihr höflich den Stuhl zurechtrückte. Aus ihrem Gewand holte sie Niszu, die kleine Schildkröte hervor und setzte sie auf den Tisch, ganz dicht an die Kante. Modala tänzelte zu dem Platz neben dem Springer, der unwillig aufstand und den Stuhl zur Seite stellte. Ganz offensichtlich gefiel ihm die Gesellschaft des Einhorns überhaupt nicht. Kathy hielt den Atem an, als sie eine alte Frau bemerkte, die langsam in die Höhle kam. Ohne Kathy eines Blickes zu würdigen, ging sie um den Tisch herum und setzte sich neben das Einhorn und gegenüber der Schildkröte auf den Stuhl. Kathy starrte sie an. Ihr Alter war nicht schätzbar, sie wirkte zwar deutlich älter als Eldaine, doch genau wie sie schien sich ihr Gesicht ständig zu verändern. Ihre Haltung war gerade und von königlicher Anmut, dennoch wirkte sie weder erhaben noch herablassend. Von ihr ging eine Würde aus, die selbst die Würde von Eldaine übertraf. Wortlos sah die alte Frau in die Runde.


Wieder ergriff Lancelot das Wort:


„Unsere drei Gefährten kennst du ja schon, doch wen ich dir mit besonderer Verehrung vorstellen möchte, ist diese junge Dame hier.“ Er verbeugte sich tief vor der alten Frau und küsste sie leicht auf die Wange. Kichernd und rot werdend wie ein Schulmädchen schlug sie nach ihm.


„Dies hier ist Medaee aus dem Kreis der weisen Frauen. Sie ist das Wissen seit Anbeginn der Zeit, Hüterin, Lehrerin und Beraterin durch alle Leben.“


Er sah sie voller Liebe an und Kathy spürte das piekende Gefühl der Eifersucht.  Sie schalt sich einen Narren. Diese Welt, diese ganze Reise war nicht real, wie also konnte sie auf einen nicht existierenden Ritter und seine nicht existierenden Gefühle für eine wiederum nicht existierende alte Frau eifersüchtig sein?


Efor grinste. Da haben wir ja einen Schwachpunkt, dachte er und registrierte den Kampf, den Kathys Verstand mit ihrem Bauch führte.



Lancelot schüttelte unmerklich den Kopf. Wie leicht die Menschen doch zu lenken waren. Meinte Kathy wirklich, sie hätte den Springer und Efor, vor allem Efor, durchschaut? Diese Reise würde sie eines besseren belehren. Schade war nur, dass manche Menschen eben immer auf die harte Tour lernten. Manche von ihnen gingen immer den schweren Weg. Er seufzte. Aber dafür hatte Kathy ja ihn und seine Gefährten. Ihnen war kein Weg zu weit und kein Umweg zu gefährlich. Sie würden die junge Frau begleiten, wie steil und steinig der Weg auch werden mochte.


 



Efor grinste. Nichts ging über einen Menschen, der glaubte, er wüsste schon alles. Das waren die wirklichen Herausforderungen. Die naiven, gutgläubigen Menschen waren für Efor langweilige Alltagsgeschichten. Sie forderten ihn nicht heraus. Aber diejenigen, die glaubten, auf keinen seiner Tricks mehr hereinzufallen, die glaubten, alle seine Stolperfallen zu kennen, die trieben Efor zu Höchstleistungen an. Diese dumme Frau hier schien ein solches Beispiel zu sein. Sie war in der Tat zu nüchtern, um auf die einfachen Tricks hereinzufallen. Aber schon mit ein wenig mehr Anstrengung konnte er sie umwickeln, sie einlullen und ihre natürliche Vorsicht zu Fall bringen. Er lachte und sah Kathy an. Mochte er auch nur ein Abbild des wahren Efors sein, er freute sich diebisch auf ein Zusammentreffen mit diesem dummen Ding. Und daran, dass sie dumm war, zweifelte er nicht eine Sekunde. Bisher hatte er die meisten Menschen mit ganz einfachen Versuchungen zu Fall gebracht, hatte sie ausgetrickst und sie gedemütigt. Das machte ihm Spaß – und auf diese Frau freute er sich ganz besonders. Zu schön waren die Gesichter, wenn sie ihn in ihrem Tun erkannten, wenn sie sich eingestehen mussten, auf ihn hereingefallen zu sein. Diejenigen, die ihn noch nie zuvor gesehen hatten, waren in seinen Augen einfach nur blöd, doch die Selbstzweifel bei denen, die von ihm wussten und dennoch auf ihn hereinfielen, waren Balsam auf seinem Ego.


Hätte er sich nicht so von Lancelot und diesem arroganten Herm beobachtet gefühlt, hätte er sich vor Vergnügen die Hände gerieben. So unterdrückte er den Wunsch und beließ es bei einem höhnischen Grinsen. Bald schon würde er zuschlagen können!



Kathy hatte dies schon wieder vergessen, viel zu spannend war das, was am Tisch passierte. Wer würde sich dem SPITZ gegenüber setzen und seinen Platz am Kopfende des Tisches einnehmen?


 





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