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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Najuk Nux und der Vermutliche, Akira Arenth
Akira Arenth

Najuk Nux und der Vermutliche



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*** SPOILERWARNUNG für alle, die Band 1 noch nicht gelesen haben!!!! ***


 


Kapitel 1 - Nux - Schöne Scheiße!


 


Leichtsinnig. Ja, das trifft es ganz gut. Bin ich normalerweise nie, aber diesmal ... Ja, diesmal schon. Ich hatte noch nicht mal die Hälfte vom Inhalt des Sahneschälchens wegschnabuliert, da haut mir dieser Saftsack doch ernsthaft einen Kescher über die Rübe!? Einen Kescher!!! Hallo? Geht’s noch? Seh ich aus wie ein verdammter Karpfen? Durch den Schock landete ich erst mal mit dem Gesicht in der weißen Cremigkeit, dann ließ ich auch noch Fleddy, meine Fledermaus, fallen. Doch als Särgie heranstürmte, um mich zu schnappen, wirbelte ich geistesgegenwärtig herum, zerfetzte panisch das dünne Netz und wollte in ein Schlupfloch springen, doch da bekam er mein rechtes Bein zu packen und riss mich daran hoch. Ehe ich mich versah, stopfte er mich in dieses große Einweckglas und drehte den Deckel über mir zu. Unglaublich! Ich – Najuk Nux der Foppmeister – habe mich von einem Maxiaffen austricksen lassen! Der penetrante Geruch nach Essiggurken verpestet die dünne Luft und mir wird immer schwummriger. Frustriert springe ich gegen den Deckel, trete auf die Glaswand ein und stelle schmerzerfüllt fest, dass sie ziemlich hart ist. »Na? Jetzt klopfst du keine Reime mehr, hä?« Mein Peiniger feixt sich einen ab, verhöhnt mich in einer Tour und tanzt mit dem Glas herum, als wäre er Rumpelstilzchen. »Lass mich raus!«, rufe ich, so laut ich kann, und hämmere empört gegen die durchsichtige Mauer. »Hm?« Er presst grinsend sein Ohr ans Glas, um mir seine formschönen Gehörganghaare zu präsentieren. »Ich kann dich leider nicht verstehen.« Kann oder will? Nun gut, vermutlich lässt dieses Gefängnis nur die Hälfte meiner Stimme nach draußen. Vielleicht hilft ja der Welpenblick? Ich lege beide Hände an die Glaswand und drücke mir die Nase platt, während ich die größten Kulleraugen mache, die ich draufhabe. Gleichzeitig schiebe ich meine zitternde Unterlippe vor. Der Koboldfänger zieht jedoch nur die Stirn kraus und kommentiert herzlos: »Ach Gottchen, jetzt kommt die Mitleidstour? Ernsthaft? Ja ne, da bist du bei mir an der falschen Adresse, Gürkchen!« ›Mist!‹ Plötzlich scheint es ihm hier oben, auf meinem Dachboden, nicht mehr zu gefallen, denn er öffnet die Bodenluke, schnappt sich das Glas am Verschluss und steigt die Leiter nach unten ins Obergeschoss. Meinen kleinen, vollgeschleimten Fleddy lässt er achtlos am Boden liegen. »Whoooow-whow-whow! Langsaaaam!« Ich muss mich setzen und mit Händen und Füßen abstützen, um nicht von einer Seite auf die andere geschleudert zu werden. Dabei hoffe ich wirklich, dass er mein gläsernes Gefängnis nicht fallen lässt, denn ein Sturz aus dieser Höhe ergäbe Scherben und die sind so gar nicht gesund für mein zartes Körperchen. Särgie linst in den Flur, schaut prüfend über die Treppe nach unten, ob keiner hochschaut, und huscht erst dann in sein Zimmer. ›Na zumindest scheint er mich nicht herumzeigen zu wollen.‹ Sobald wir uns in seinem Reich befinden, schließt er die Tür ab und gluckst die ganze Zeit: »Ich hab ihn! Ich haaaab ihn!«, um meine Schmach noch weiter zu befeuern. Dann stellt er mich auf seinen Schreibtisch, richtet eine Lampe auf meinen Gurkenknast und beäugt mich erst mal ungeniert von allen Seiten, als wär ich eine besondere Art von Insekt, das er gefangen hat. »Bist du ... anatomisch korrekt?«, fragt er plötzlich, hebt das Glas an und beglotzt mich sogar von unten! ›Ach! Jetzt will er auch noch wissen, ob ich ein Poloch habe? Oh ja, habe ich!‹ Kurzerhand ziehe ich mein Arschläppchen beiseite und gebe ihm was zu untersuchen, indem ich meinen Hintern quietschend über den Boden hin und her rutschen lasse. Erst da scheint er zu bemerken, dass seine Gafferei äußerst anrüchig ist, und stellt den Behälter wieder ab. »Warum tust du das?«, bläke ich ihn schließlich an, doch er guckt nur blöd. Dann legt er erneut sein Ohr ans Glas. »Was?« »Warum du mir das antust!? Ich habe dir vertraut, weil ich dachte, du wolltest einen Waffenstillstand! Und dann fängst du mich einfach hinterhältig ein, während ich dein Friedensgeschenk süffle?« »Das war der älteste Trick der Welt!« Mit breitem Grinsen lacht er plötzlich und scheint mich verstanden zu haben. »Dachtest du etwa ernsthaft, du würdest ungeschoren davonkommen? Nach allem, was du getan hast? Die Tinte in meinem Shampoo, die umgeschmissene Milch, die befurzte Pizza, die Stolperfallen und dann die Schnecken! Von dem Kleingeld in meinem Arsch und deinem Geschmiere auf meinem Körper ganz zu schweigen! Mit dir kann man gar keinen Frieden schließen! So ein kleiner Teufel wie du gehört eingesperrt!« ›Der meint das wirklich ernst?‹ »Pah! Das ist also der Dank dafür, dass ich dein Leben gerettet habe?«, rufe ich verzweifelt, springe in meinem Glas auf und verschränke demonstrativ die Arme. »Wenn ich nicht gewesen wäre, hättest du längst ins Gras gebissen ... beziehungsweise in die unterste Treppenstufe! Ich hab dir die Zahnbürste aus dem Mund gezogen und deinen Sturz mit den Laken abgefedert!« »Wow!«, prustet er höhnisch und scheint meine Taten nicht als wichtig zu erachten. »Erst schubst du mich die Treppe runter und dann soll ich dir auch noch dankbar sein, nur weil ich es überlebt habe? Dank dir hab ich jetzt überall blaue Flecken!« »Seh ich so aus, als ob ich dich schubsen könnte? Was kann ich dafür, wenn du nicht richtig laufen kannst? Ich habe nur über deine schleimigen Haare gelacht, da hast du dich umgedreht und bist über deine eigenen Füße gestolpert!« »So ein Blödsinn!« Nun schaut er mich zornig an und nimmt das Glas erneut in beide Hände, um mich hochzuheben! »Du lügst doch! Niemals wäre ich von selbst die Treppe hinuntergefallen!« »Bist du aber!« Plötzlich schüttelt er wie ein Irrer das Glas und schnauzt mich an, doch ich verstehe nicht mehr, was er sagt, denn ich schlage ungebremst von einer Seite gegen die andere. »Au! Aua! Au! Au! Aua! Hör auf! Au!« Er stoppt und ich klatsche benommen auf den gläsernen Boden. Alles um mich herum dreht sich, und als ich einen von Särgies vier Köpfen erblicke, guckt der, als würde er mich am liebsten gegen die nächste Wand werfen. So aus der Nähe finde ich seine ungezügelten Wutausbrüche nicht mehr wirklich witzig. »Sobald Thorben morgen früh weg ist, schmeiße ich dich in sein Schlangenterrarium!«, knurrt er mich an und stellt das Glas wieder auf dem Tisch ab. Dann holt er einen Schuhkarton aus dem Schrank, öffnet ihn und legt meinen Behälter, samt mir, hinein. »Nein«, flehe ich keuchend, als er die Pappschachtel auf den Boden vors Bett stellt. »Tu das nicht! Die Luft hier drin wird bald knapp werden!« Ich hämmere gegen das Glas, doch er reagiert nicht. »Bitte ... ich ... ich erfüll dir einen Wunsch!!!« Särgie scheint mich nicht mehr zu hören, verschließt den Karton mit dem Deckel und die Dunkelheit verschluckt mich.


 


***


 


Eine gefühlte Ewigkeit sitze ich mit angezogenen Knien in meinem kleinen Gefängnis und wippe vor und zurück, sodass das Glas von einer Seite des Kartons zur anderen rollt und gegen dessen Wände stößt. ›Ob er das wirklich ernst meint? Er kann mich doch unmöglich der Schlange zum Fraß vorwerfen?‹ Dabei erschien er so nett, draußen am Teich, wo er die Fische bewässerte, und auch vorher schon, im Umgang mit Rosi. Na ja, aber die hat ihm ja auch keine fünfzig Pfennige reingedrückt ... in Fünferstücken. ›Ich muss ihn umstimmen! Irgendwie wird er sich doch erweichen lassen! Er hat ein gutes Herz, das spüre ich!‹ Plötzlich klackt die Tür und ich höre Schritte näher kommen. Dann ruckelt jemand am Schuhkarton und schon in der nächsten Sekunde scheint das helle Licht der Deckenlampe durch einen Spalt unter den Deckel. Ehe Särgie diesen komplett lüftet, werfe ich mich geistesgegenwärtig auf den Boden und blinzle nur heimlich mit einem Auge. So verschwitzt, wie er aussieht, ist er wohl mal wieder wie ein Wildschwein durch den Wald geflitzt. »Ich hab es mir anders überlegt«, höre ich ihn sagen. »Ich kaufe mir auch ein Terrarium und dann halte ich dich als Haustier, solange ich hier – Ey! Nux?« Er hält inne und ich spüre, wie er leicht das Glas schüttelt. »Nux! Hör auf mit dem Blödsinn!« Er schüttelt noch einmal, diesmal stärker, doch dabei hört er sich bereits deutlich panischer an. »Nux!!! Mit so was macht man keine Scherze! Steh auf!« Nachdem er mich erneut geschwenkt hat und ich weiter eisern regungslos bleibe, presst er das Glas plötzlich an seine Brust und ich höre deutlich, wie sein Herz wummert. »Verdammt, was hab ich nur getan? Der arme kleine Kerl ... Scheiße, Scheiße Scheiße!!!« ›Sieh einer an! Höre ich da ein reuevolles Schluchzen?‹ Natürlich bleibe ich auch jetzt noch liegen, doch als er das Glas mit zitternden Händen wieder von sich weghält, gebe ich ihm einen deutlichen Wink in die richtige Richtung und hebe theatralisch krampfend meine Hand, um am Glas zu kratzen. Särgie hält den Atem an. Ich glaube, die Menschen nennen so eine Darbietung oscarreif! »Nux? Lebst du noch???« Fragt er das gerade ernsthaft? Was soll ich darauf antworten? Nein, ich sterbe schon? Glücklicherweise macht er trotz seiner Begriffsstutzigkeit genau das, was ich von ihm erwartet habe: Er öffnet den Verschluss! Allerdings dreht er im Anschluss das Glas um und schüttet mich recht unsanft auf seine Hand. Wenn ich nicht an Luftnot gestorben wäre, dann spätestens jetzt, an Genickbruch. Was für ein grobschlächtiger Hornochse! »Hey ... Gürkchen ... alles okay?« Leider greift er mir unter die Arme und hält mich hoch, weshalb ich noch immer nicht die Flucht ergreifen kann. Also lasse ich mich hängen und keuche dramatisch, damit er mich endlich loslässt: »Lass ... mich runter! Hust!« Eindeutiger geht’s doch wohl kaum noch! »Moment mal«, stockt er plötzlich in seiner Besorgnis, hebt mich nah vor sein Gesicht und zieht die Augenbrauen zusammen, als ich mit einem Auge zu ihm schiele. »Hast du gerade ›Hust‹ gesagt? Verarschst du mich etwa???« ›Was für ein Blitzmerker! Hat mal jemand ’nen Orden?‹ »Nur ein bisschen.« Ich stütze meine Ellenbogen auf seinen Daumen und sehe ihn grinsend an. »Aber jetzt weiß ich, dass ich dir nicht egal bin!« »Du kleiner ...!!!« Ich kann mir nicht verkneifen, seine Nase anzustupsen, weshalb er sogar kurz schielt, was ich äußerst putzig finde. »Duuuu maaaagst miiiiich!« »Tu ich nicht!«, platzt es aus ihm heraus, doch gleichzeitig läuft er röter an als ein Radieschen und ich spüre, wie er seinen Griff um meinen Brustkorb verengt. »Halt! Warte!« Bevor meine Gräten knacksen, wedle ich hektisch mit beiden Händen und sage, was ich sagen muss: »Ich erfülle dir einen Wunsch! Aber dafür musst du mich freilassen! Vorher!« Der Druck auf meine Rippen lässt nach und er sieht mich erneut prüfend an. »Warum sollte ich dir glauben? Du verscheißerst mich doch schon wieder! Du hast keine magischen Kräfte, sonst hättest du dich längst selbst befreit!« »Geht nicht!«, bläke ich zurück. »Solange sich ein Kobold in Gefangenschaft eines Menschen befindet, sind seine magischen Kräfte blockiert und er ist vollkommen wehrlos.« Ungläubig rümpft er die Nase, doch ich sehe an der nun etwas entspannteren Form seiner Augenbrauen, dass er darüber nachdenkt. Er scheint den Gedanken, mich im Tausch gegen einen Wunsch freizulassen, zumindest nicht gänzlich abwegig zu finden. »Und wer versichert mir, dass du nicht einfach wegrennst, sobald ich dich loslasse?« »Ich!«, gelobe ich und hebe beteuernd den Finger. »Ein Kobold der lügt niemals nicht, denn er ist ein ehrlich’ Wicht! Treibt er des Schabernacks auch viel, bleibt seine Wahrheit stets stabil! Also – haben wir ’nen Deal?« Dass ich mir den Reim gerade ausgedacht und noch nie einem Menschen einen Wunsch erfüllt habe, muss er ja nicht wissen. Er überlegt, kratzt sich sogar gedankenverloren am Kinn und hält mir schlussendlich echt seinen Finger hin. »Na schön ... Deal. Aber wehe, ich bereue meine Gutmütigkeit!« »Aber nein, ganz sicher nicht!« Ich greife mir seine Kuppe und schüttle sie kräftig, während ich über beide Ohren grinse. »Will ich dir auch geraten haben! Sonst fange ich dich erneut und verfüttere dich beim nächsten Mal wirklich an die Schlange!« »Ja, ja«, winke ich ab und schwinge in seiner Faust ruckend gen Erde. »So lasse er mich nun runter und ich erfülle ihm seinen Wunsch!« Menschen mögen es, wenn wir altbacken reden, und auch bei Särgie scheint es zu wirken, denn er senkt die Hand und setzt mich auf den Boden vorm Bett. Ich kann es kaum glauben, denn als meine Füße festen Untergrund berühren, öffnen sich seine Finger tatsächlich und er lässt mich los, um sich von den Knien zu erheben. Vor mir erstreckt sich die freie Bahn. Ich muss nur den Dielenspalt unter dem Bett erreichen, der mich in die Mittelebene entschlüpfen lässt! ›Los! Ab durch die Mitte!‹, schreit mir mein Hirn zu, doch als ich nur einen Schritt darauf zugehe, werden meine Beine urplötzlich schwer wie Blei. Schlimmer noch! Aus heiterem Himmel überkommt mich das dringende Bedürfnis, dem Kerl seinen Wunsch zu erfüllen – warum auch immer. ›Dämliche Drecksmagie!‹ Auf dem Hacken kehre ich um und schwinge mich schließlich am Schreibtischbein hoch auf die Platte, während mich mein zukünftiger Kunde skeptisch dabei beobachtet. Oben angekommen, lasse ich mich auf die Kante plumpsen und verschränke leicht trotzig die Arme, derweil ich die Beine hin und her schwinge. »Also, spuck’s schon aus. Was willst du?« »Jetzt ehrlich?« Plötzlich weiten sich Särgies Augen überrascht, als hätte er mir bis eben noch weniger geglaubt als ich mir selbst. »Ich ... ähm ... darüber muss ich erst mal nachdenken! Also -« »Heute noch, wenns geht! Ich bin mit Bonita zum Poker verabredet.« »Wer ist Bonita?« Irritiert legt er den Kopf schief, was ich direkt nachäffe. »Eine äußerst nette Wanderrattendame. Wieso? Glaubst du etwa, ich hätte keine Freunde? Ich bin sehr beliebt!« »Ja. Sicher.« Er lacht ungläubig, doch dann überlegt er angestrengt weiter, was er sich wünschen könnte. In der Zwischenzeit fummle ich ein bisschen in seinem Stifteglas herum, vertausche Kappen und ziehe unauffällig meinen Liebling heraus, um ihn mir für später zu borgen. Irgendetwas Gutes muss die Sache ja haben. »Na schön! Ich hab was!« Das ging schnell. »Gut! Na dann immer raus mit der Sprache! Nur nicht schüchtern!« Entschlossen stemmt er die Hände in die Hüften und grinst. »Ich will zehn große Töpfe voll Gold!« »Wow. Wie einfallsreich!« Zungenschnalzend sehe ich ihn an und ziehe die Augenbrauen hoch. »Und ziemlich dreist noch dazu! Früher waren die Menschen mit einem Topf Gold voll zufrieden!« »Na und? Schon mal was von Inflation gehört? Nu los, mach hinne!« Ich räuspere mich, kremple meine imaginären Ärmel hoch und lasse die Schultern kreisen, während ich Särgies plötzliche Ungeduld genieße. Danach strecke ich die rechte Hand nach vorne aus und lege mir die linke an die Stirn. Einige Funken sprühen aus meinen Ohren, doch dann drehe ich mich in einem Schwung um. »Määäp! Geht nicht! Wünsch dir was anderes, ich bin Bremer, kein Ire!« »Was???« Er sieht schon wieder so aus, als würde er mich gleich gegen die nächste Wand klatschen wollen. »Ich dachte, du kannst so etwas?« »Habe ich Hufe? Sage ich iah oder rieche ich nach Mist? Nein! Wie kommst du dann auf die blöde Idee, dass ich ein Goldesel sei? Wünsch dir was, das nicht aus Metall ist!« »Das hättest du auch vorher sagen können«, knurrt er zähneknirschend und setzt sich schließlich auf den Stuhl, um seinen Grips besser anstrengen zu können. »Na gut, dann will ich berühmt sein! Lass mich ähm ... ein bekannter Arzt sein, der irgendein Heilmittel erfunden hat!« »Määäp!«, blöke ich erneut und schüttle den Kopf. »Wo soll ich denn jetzt bitteschön auf die Schnelle ein Rezept für ein Heilmittel herkriegen? Vor allem, wenn du nicht mal weißt, welche Krankheit du überhaupt heilen willst!? Außerdem kann ich nur in der Gegenwart zaubern und nicht deine ganze Vergangenheit ändern!« Man sieht deutlich, wie Särgie innerlich kocht und sich ein klein bisschen verkackeiert vorkommt. »Dann mach, dass ich nicht mehr altere! Kriegst du wenigstens das hin?« Ich überlege kurz und tippe mir an die Unterlippe. »Hmmm, joaaah, das kann ich machen! Für drei Stunden. Also allgemein halten meine Zauber drei Stunden lang an und –« Plötzlich springt er wütend auf und schnauzt mich an. »Was hab ich davon, wenn ich drei popelige Stunden nicht altere? Das ist doch vollkommen sinnlos! Dafür brauche ich keinen verdammten Kobold, der mir einen Wunsch erfüllt, sondern muss einfach nur einen Wodka weniger trinken!« Er stupst mir rüde mit dem Finger gegen die Brust. »Du hast gar keine magischen Kräfte, gib es zu!« ›Welch schmähliche Diffamie!‹ »Ich bin ein Waldgeist und habe demnach naturverbundene Fähigkeiten! Ich könnte zum Beispiel das Wachstum deines Maisfeldes beschleunigen!« »Ich habe aber kein verdammtes Maisfeld!« Er schäumt schon fast über. »Was sollte ich auch damit??? Ich mag Mais nicht mal!« »Püh ...« Ich verschränke bockig die Arme. »Früher hatte jeder etwas in der Art, selbst wenns nur ein kleines Gemüsebeet war. Was kann ich dafür, wenn du dir keine Nahrung anbaust? Was ist denn wichtiger als Essen?« Särgie dreht sich genervt stöhnend im Kreis, doch schließlich lässt er sich auch wieder auf seinen Stuhl fallen und reibt sich übers Gesicht. »Also sind deine Kräfte nur auf biologische Dinge beschränkt?« »Was heißt hier nur?«, protestiere ich. »Ich kann Bäume wachsen lassen, Felsen spalten, den Garten deines Nachbarn austrocknen, Windböen losschicken und sogar kleine Tornados entfachen! Ich kann der Erde, einem Wesen und der Luft Wasser entziehen, um es regnen zu lassen, Schutzwälle aus Dornenranken und Dreck auftürmen oder Furchen für die Saat in den Boden ziehen! Niedergetrampelte Blumen richten sich mit meiner Hilfe wieder auf, und mit einem Wink meiner Hand kann ich jemanden von einem Blitz auf dem Scheißhaus treffen lassen! Die Krönung des Ganzen ist jedoch, dass ich sogar die hohe Kunst der Animamagie beherrsche!« »Anima-was? Was soll das sein? Dass du asiatische Zeichentrickfilme herbeizauberst?« »Nein!«, schnaufe ich beleidigt, denn dies ist eine der größten Künste, die man überhaupt beherrschen kann, und er verunglimpft sie schnöde! »Das bedeutet, ich bin in der Lage, das Wachstum von Zellen zu beschleunigen und zu verändern. Zum Beispiel könnte ich damit bei Lebewesen für eigentlich nicht vorherbestimmte Auswüchse sorgen: einer Blumen Beine geben oder einem Menschen einen dritten Arm wachsen lassen!« Er sieht mich eine Weile regungslos an, beinahe gelangweilt. Ich hingegen blicke ihm erwartungsvoll entgegen, denn ich finde, ich habe den ein oder anderen bewundernden Ausruf verdient! »Das ist ja vielleicht ganz nett«, gibt er nur von sich und muss sogar wieder ein bisschen lächeln. »Aber alles vollkommen nutzlos!« »Nutzlos???« Ich fasse es nicht! Am liebsten würde ich den Stiefmütterchen auf dem Fensterbeet ein paar Fäuste geben, damit sie ihn verprügeln! Aber leider geht das ja nur, wenn er es sich wünscht, und das wird er wohl kaum. »Ja, nutzlos! Mag sein, dass all diese Dinge für einen Bauern im Mittelalter mal nützlich waren, aber – Moment! Sag mal, wie alt bist du eigentlich?« Ich zucke zusammen, schlage leicht pikiert die Beine übereinander und verschränke die Arme. »So etwas fragt man nicht! Das ist sehr unhöflich!« »Unhöflich?« Da lacht er plötzlich. »Du bist ein Kobold, nicht die First Lady, also raus damit! Wie lange treibst du schon dein Unwesen?« Ich lasse die Ohren hängen, während ich leise antworte: »Ich bin dreihundertsechsundsechzig.« »Was???« Er scheint schockiert.


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