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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Najuk Nux - Prequel, Akira Arenth
Akira Arenth

Najuk Nux - Prequel



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*** SPOILERWARNUNG für alle, die Band 1 & 2 noch nicht gelesen haben!!!! ***


 


Kapitel 1 - Nux allein im Wald


 


Lauthals quäkend wiesle ich durch den sonnendurchfluteten Wald und sammle Nüsschen. Ich mag sie nicht, aber es ist ein netter Zeitvertreib. »Heeeeute ist ein schöner Tag, ein schöner Tag, ein schöner Tag. Heeeeute ist ein schöner Tag, ein schöner Taaaahaaahaaag!« Toller Song, oder? Lyrisch wertvoll und dabei so gegenwartsorientiert positiv. Hab ich mir selbst ausgedacht. Gerade eben. Eigentlich gibt es für mich gar keinen Grund, fröhlich zu sein. Nachdem ich mich drei Tage in einem Rattenloch unter einem Stein versteckt und geheult hatte, knurrte mir nämlich ordentlich der Magen, und der Tau, den ich in dieser Zeit jeden Morgen von den Blättern und Gräsern in meiner direkten Umgebung lutschte, reichte nicht, um meinen Durst zu stillen. Also kroch ich am vierten Tag aus meinem Loch hervor und flitzte tiefer in den Wald hinein, wo ich einen Bach und auch genügend Insekten, Beeren und Wurzeln fand, um satt zu werden. Nun bin ich seit dreiundsechzig Tagen noch immer ganz allein unterwegs, aber ich wiederhole meinen einprägsamen Einzeiler so lange, bis ich daran glaube. »Oho! Eine Eichel!« Vorsichtig hocke ich mich hin und hebe sie auf, um sie ebenfalls auf meinem anderen Arm aufzustapeln. So langsam wird der Berg etwas wackelig, aber noch geht es. »Wer ist denn der Vogel?« Erschrocken bleibe ich stehen und lege mein Ohr an das harte Früchtchen. ›Hat da gerade jemand drin gesprochen?‹ »Keine Ahnung. Noch nie gesehen«, zischt eine andere Stimme und ich drehe mich im Kreis, ohne irgendwen entdecken zu können. Lauthals rufe ich zurück: »Tut mir leid. Ich bin kein Vogel, die Federn sind nur Zierde! Aber macht ja nichts, passiert jedem mal. Schönen Tag noch!« Daraufhin laufe ich schnurstracks in großen Schritten weiter, ohne mich umzudrehen. »He! Bleib stehen!«, keift mir plötzlich einer hinterher und ich höre Blätter rascheln, doch ich habe keine Lust darauf, mit irgendwelchen Tieren darüber zu diskutieren, ob ich ein Piepmatz bin oder nicht, also beschleunige ich. »Heeeeute ist ein schöner Tag, ein schöner Tag, ein schöner Ta-«. Ich unterbreche sofort meinen Gesang, als plötzlich ein Speer vor meinem Gesicht auftaucht, samt einem älteren Kobold, der aus dem Gebüsch springt. Dieser schaut ziemlich finster drein und schnauft mich an, als ob die Waffe ihm zu schwer wäre. »Moin!«, grüße ich ihn verlegen und strecke die Hand aus. »Haselnüsschen?« »Wer bist du und was willst du hier?«, grollt mich der erbsengrüne, langnasige Wicht an und ignoriert mein Begrüßungsgeschenk. »Mein Name ist Najuk Nux, der Zarte, und ich will da lang laufen!«, antworte ich und verlagere mein Frachtgut von einem Arm auf den anderen. »Jetzt, wenns geht, der Stapel wird nämlich nicht leichter, und wenn es dir nichts ausmacht, nimm doch bitte das Ding weg! Falls es dir nicht aufgefallen ist, das scheint ziemlich spitz zu sein und könnte ins Auge gehen.« Ich bekomme aus den Augenwinkeln mit, dass sich hinter mir zwei weitere Kobolde aufbauen und fühle mich langsam doch ein bisschen bedrängt. »Ein kleiner Sammler, hm?« Eine Hand landet schwer auf meiner linken Schulter. »Und wo lagerst du deine ganzen Vorräte?« »In meinem Bauch!«, bekunde ich wahrheitsgemäß, denn ich halte nicht viel von Vorratshaltung. Außerdem bin ich ja ständig auf Achse, demnach müsste ich mein Essen immer mit mir mitschleppen und das wäre ziemlich unpraktisch. Plötzlich fühlt sich auch der rechts hinter mir stehende Kerl gemüßigt, mir seine Hand auf meine andere Schulter zu legen und diese fest zu kneten, was mich unwillkürlich ein bisschen in die Knie gehen lässt. »Der ist noch jung. Wir sollten ihn mitnehmen. Für den haben wir sicher Verwendung.« »Hrmpf«, grollt der Speerfuchtler vor mir und wirft seine roten, schulterlangen Ohrenhaare nach hinten, die das einzig Schöne an ihm sind. »Wir sind mehr als genug. Es ist nicht gut, wenn zu viele von uns an einem Platz leben. Außerdem hat er sicher ein eigenes Rudel, zu dem er gehört, nicht wahr?« Er sieht mich streng an, als wolle er, dass ich seine Aussage bestätige, doch ich bin ein ehrlicher Schnorr und blähe die Nasenlöcher. »Nein. Ich bin allein unterwegs und suche gerade einen neuen Platz in der Welt.« »So ein Blödsinn!«, schnaubt er abwertend und spuckt dabei, weil ihm rechts unten ein Zahn fehlt. »Du hast noch immer Welpenflecken! Wie alt bist du? Zarte neunzig? Du hast sicher noch nicht mal den dreistelligen Bereich erreicht und willst mir erzählen, du seiest schon flügge?« »So ist es ... ja!« Zwangsweise. »Außerdem bin ich einhunderteinundvierzig Jahre alt und das da«, ich zeige auf meine Nase, »sind Sommersprossen! Die hat meine Mams auch und die ist satte fünfhundertsiebzig!« »Trotzdem noch viel zu jung, um den Bau zu verlassen!« Der Jäger verschränkt die Arme. Wenn er nur wüsste, wie sehr ich seine Meinung teile. »Egal, wie nervig du sein magst, das ist verantwortungslos! Wo sind deine Vorfahren? Führe mich zu eurem Bau, damit ich mit ihnen reden kann!« »Das geht nicht. Sie sind weg«, antworte ich kurz angebunden, denn ich will nicht über sie sprechen. Erst recht nicht jetzt, während ich so viel Futter auf dem Arm balanciere. Der Fremde mustert mich weiterhin, doch er schaut schon ein bisschen versöhnlicher als vorher. »Menschen?«, rät er plötzlich und trifft damit direkt ins Schwarze, wer hätte das gedacht. Meine Sicht beginnt sofort zu verschwimmen und ich bekomme keinen Ton mehr heraus, doch da nickt er bereits. »Verstehe. Na schön, wir nehmen dich erst mal mit. Ein Junges mehr oder weniger macht den Kohl auch nicht fett.« »Oh ... ähm«, ich ziehe geräuschvoll den Rotz hoch, der mir gerade wasserfallartig in die Nase geflossen ist, »vielen Dank.« »Schon gut.« Auf einen Fingerzeig seinerseits greifen seine beiden Lakaien nach meinen Nüssen und tragen sie für mich. »Mein Name ist Arnor Modige, der mutige Adler! Erster Jäger und vorderster Kundschafter der hiesigen Skog-Jägs. Das sind meine Söhne Varg Modige, der kühne Räuber, und Vinnan Modige, der heroisch Sture.« Erst jetzt schaue ich meinen zwei Hintermännern ins Gesicht und bemerke, dass sie fast gleich aussehen. Eigentlich genau wie ihr Paps, nur ein bisschen grasgrüner und deutlich mopsiger. Der einzige Unterschied zwischen den Brüdern ist der, dass einem ein halbes Ohr fehlt. Viel älter als ich scheinen sie aber auch nicht zu sein. Arnor dreht sich um und läuft, leicht hinkend, voraus. »Los, beeilen wir uns! Die Nacht naht.«


***


Schweigend sitze ich in einer Runde von fast dreißig Kobolden und mampfe eine gebackene Rübe. Zwar haben sie sich alle höflich vorgestellt, als ich ankam, doch ihre Namen habe ich schon wieder vergessen. Nur den von Arnors Frau Othelie, die kleine Reiche, konnte ich mir gut einprägen. Sie war nämlich die Einzige, die sich für meine Nüsse interessierte und diese sofort über dem offenen Feuer röstete. Davon abgesehen scheint auch sie eine ehemalige Schnorr zu sein, denn sie trägt große Gardinenbommel als Ohrringe und einen Goldring als Zopfhalter für ihre roten Ringellocken. Ihr Kleid sieht aus, als sei es aus hochwertigen, dicken Stoffen genäht, sie muss also bei einem Adligen geschnorrt haben. Es ist sehr auffällig, dass in diesem Rudel die Mittelschicht fehlt. Arnor und Othelie sind die einzigen Altlinge. Der Großteil der anderen ist bereits deutlich älter. Sie schlafen, weben oder stricken, während sie auf gut gepolsterten Kissen sitzen. Ansonsten gibt es nur noch einige Welpen und Knirpse, die spielend herumtoben, die Wände bemalen oder Samen von einem Korb in den anderen sortieren. Die einzigen Junggroßlinge sind, neben mir, Varg, Vinnan und noch zwei Mäds. Der Eingang des Baus liegt unter einem Stein verborgen, den man erst in eine bestimmte Richtung drehen und drücken muss, um die Verankerung zu lösen und ihn anheben zu können. Schlaue Sache, denn wir Kobolde müssen uns ja nicht nur vor Menschen verstecken, sondern auch vor gefährlichen Raubtieren wie Schlangen und Füchsen. Ein schmaler Gang führt unter eine alte Linde auf einer großen Lichtung, und von überall ragen Wurzeln durch die Wände, bis man eine elendig lange Treppe nach oben steigt. Das eigentliche Zuhause dieses Rudels befindet sich also in einem hohlen Stück Stamm des Baumes. In dessen Wände sind Schlafnischen eingeschabt, fast wie bei einer Honigwabe, nur mit weniger Kammern, die weiter voneinander entfernt liegen. Sie haben Vorhänge und sind mit Federn, Stroh, Stoffen und anderem Material ausgepolstert. Diese Buchten scheinen der einzige Rückzugsort zu sein, wenn man seine Ruhe will, denn ansonsten gibt es ja nur den Gemeinschaftsraum. An der hohen Decke hängen allerlei Früchte, Fleisch und Gemüse in langen Girlanden zum Trocknen, und in der Mitte, am Boden, brennt ein behagliches Feuer, das den Vorrat gleich noch ein wenig räuchert. Eine der beiden Mäds in meinem Alter schnitzt an einem Bogen. Sie, Varg und Vinnan, die gerade ihre Speere polieren, sind also eindeutig Jägs. Die andere Mäd und zwei fast junggroßliche Welpen flechten verschiedene Kräuter zu Strängen zusammen und spießen Pilzstücke zum Trocknen auf Zweige. Sie wird demnach eine Samm sein. Alle unterhalten sich während ihrer Tätigkeiten, doch von mir nimmt kaum einer Notiz. Das ist aber auch wenig verwunderlich, denn die meisten Jägs und Samm mögen uns Schnorr nicht besonders, halten uns für faul und manche flüstern sogar, es geschähe uns recht, dass wir nun von den Menschen verfolgt werden, da wir doch all die Jahre nur deren Mitesser waren. Ich weiß noch nicht genau, was ich von der ganzen Situation halten soll, aber Kobolde sind nun mal Rudelwesen, und in den letzten Wochen habe auch ich sehr deutlich gemerkt, dass ich kein Einzelgänger sein will. Daher ist es bestimmt erst mal die beste Entscheidung, wenn ich in diesen bestehenden Bau mit einziehe. Irgendwann wird es dann sicher auch mit den Mitbewohnern einfacher. Schon seltsam. Früher haben Jägs und Samm, die sich immer von den Menschen fernhielten, niemals gemischt in einem Rudel zusammengelebt, da sich ihre Gewohnheiten und Bräuche grundlegend unterscheiden. Die einen sind Fleischfresser, die anderen Vegetarier, doch Letztere hatten im Winter oft Probleme, zu überleben. Aus diesem Grund entwickelte sich vor gut achthundert Jahren eine dritte Gattung, die Schnorr, welche heimlich in der Nähe von Menschen lebten, um sich bei ebendiesen durchzuschnorren. Das war deutlich angenehmer, als im Wald Nahrung suchen zu müssen, und lustiger war es auch, denn da wir viel Freizeit hatten, spielten wir den Menschen allerlei Streiche, bastelten, malten, nähten, schrieben und lasen. Die Schnorr waren dadurch immer die am weitesten entwickelten und auch zivilisiertesten Kobolde der drei Gattungen, und ja, in gewisser Weise haben wir sogar auf die einfachen Jägs und Samm herabgeschaut. Doch dann wurde uns die Abhängigkeit von den Menschen zum Verhängnis. Draußen beginnt es zu regnen, was man am leisen Prasseln der Tropfen durch die Blätter auf den Stamm hören kann, und Othelie wird unruhig. »Er hätte längst zurück sein sollen«, flüstert sie ihrem Mann zu. »Vor Sonnenuntergang hat er gesagt, ganz eindeutig!« Doch Arnor schnauft nur und raucht seine Pfeife weiter. »War er denn jemals pünktlich, Othi? Mach dir keine Sorgen und bring lieber mal die Knirpse zu Bett.« Nach kurzem Zögern nickt sie schließlich und sammelt, unterstützt von zwei Welpen, die drei glucksenden Würmchen ein. Sie wechselt erst deren Arschläppchen und bettet die Winzlinge dann in einen großen Korb aus geflochtenen Zweigen, in dem sie scheinbar alle zusammen schlafen. Jeder bekommt noch ein Hafermilchfläschchen und schon hört man sie nur noch genüsslich süffeln und kurz darauf friedlich schnurcheln. Die Ältesten verabschieden sich ebenfalls für den Abend und beziehen die unteren Schlafbuchten, zu denen man nicht hinaufklettern muss. Der aufziehende Sturm rauscht immer lauter durch den Wald und übertönt bald auch die leisen Gespräche der wach gebliebenen Kobolde. Plötzlich höre ich schlurfend patschende Schritte und meine Ohren zucken angespannt auf. Ich schaue zum Eingangstunnel und erschnüffle einen Geruch nach Seetang und abgestandenem Brackwasser. ›Vielleicht schaut Neptun mal vorbei? Obwohl ich mir den irgendwie größer vorgestellt habe ...‹ Als die Brettertür im Gang knarzt, verstummt auch der Rest des Rudels. Arnor schnappt sich sofort seinen Speer und hinkt, gefolgt von seinen Söhnen, in Richtung Tür. Doch ehe er sie erreichen kann, wird diese bereits geöffnet und ein großer, fast schwarzer Kobold steht mit ernstem Gesichtsausdruck im Eingang. Er trägt einen Barsch über der Schulter, der zur Hälfte auf dem Boden schleift, während er bedächtigen Schrittes hereinkommt. Das unheilvolle Donnern des Gewitters untermalt seinen bedrohlichen Auftritt. Für einen Moment halte ich den Atem an. Einen so dunklen Jägs wie ihn habe ich noch nie gesehen, aber gerade diese Besonderheit finde ich unglaublich ... ansehnlich! Noch dazu trägt er nichts als einen Lendenschurz, so wie die meisten männlichen Kobolde. Seine Muskeln aber sind im Gegensatz zu denen der anderen außerordentlich sichtbar! Er schaut einmal kurz in der Baumhöhle umher, doch als er mich entdeckt, verhaken sich unsere Blicke und ich bekomme sofort eine Gänsehaut.


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