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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Monas Held, Samy de Claire
Samy de Claire

Monas Held



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Haso, mein selbsternannter Feind und Erznemesis, war schon so ein Schlingel, und während ich auf meinem weichen, weißen und von meinen Krallen zerschundenen Lieblingskissen dahinschmachtete und über neue Schandtaten für ihn nachgrübelte, hatte dieser Dollkopp ganz andere Probleme.


Der Tag neigte sich dem Ende, und schnell zog die Dunkelheit heran. Haso spürte die Kälte der Nacht, die ganz anders war als die anderen Nächte davor, und leises Wispern schreckte ihn auf. Ein Raunen, welches sich vor ihm versteckte. Tief verkroch er sich in seiner Hütte und wünschte sich, irgendwo anders zu sein. Nur gut, dass ihn keiner von seinen Freunden sah, denn er wollte nicht als Feigling gelten. Bald, ja bald, würde sein Herrchen kommen und ihn in da Haus holen, dann, so hoffte er, würde er diese schleichende Furcht abschütteln konnten. Der Rotweiler jauchzte auf und malte sich aus, wie er vor dem warmen Ofen so manch leckeren Happen verspeisen konnte.


Auf dem Hof machte sich die nächtliche Ruhe breit. Die Kühe kuschelten sich in das weiche Stroh, welches der Bauer am frühen Abend hineingeworfen hatte, und Elsa die Leitkuh rief alle zur Ordnung, legte sich hin und träumte bald von den saftigen Wiesen hinter den Stallungen.


Haso stand auf und steckte seinen Kopf durch die Tür. Das Rascheln, dass er vernahm, war verräterisch. Neumann, der Bauer, schlich über den Hof, den er von seinem Vater vererbt bekommen hatte und zog klappernd den riesigen Schlüsselbund mit sich. Sein Weg führte ihn in Richtung Hühnerstall, denn er verrammeln wollte. Sicher waren die Füchse schon ganz nah zu und wollten ihnen an den Kragen, wobei sich Haso immer wieder fragte, warum sie sich freiwillig das lästige Geschnatter antaten. Das Federvieh war dem Hund zu hektisch, und ihm interessierte auch nicht, welcher Weiler der angenehm Kühler war.


Haso war frustriert. Das Warten auf seinen Herren zog sich hin. Er bekam Hunger, und das Knurren im Magen lauter. Er wollte nicht mehr warten und wuselte auf und ab. Rief laut jaulend nach seinem Knochen, was ihm aber auch nicht weiterhalf. Der Bauer ließ sich einfach nicht blicken. Mein Erzfeind pflegte in solch einer Situation einen ganz besonders nervtötenden Verhalten an den Tag zu legen, und heute betrachtet wäre mein Leben um vieles einfacher gewesen.


Damals fing es mit einem Schauer an. Ein Schauer der sich über Haso`s Rücken zog und ihn nervös machte. Das Gefühl kam nicht von außerhalb, dessen schien er sich bewusst gewesen zu sein. Doch im Inneren seines Wesens wusste er es. Etwas kam mit gewaltigen Schritten auf ihn zu und verharrte lauernd in der Finsternis.


„In Ordnung, du Unhold. Trau dich nur heran. Komm auf den Hof. Dann beiße ich dir in deinen Hintern, und das wird für dich schmerzlich“, knurrte er wild und spähte über das Feld auf das unheilvolle Gemälde der Nacht, dessen lautes Pfeifen des Windes hämisch über die knorrigen Äste der alten Bäume hinwegblies. Wer auch immer da im Hintergrund wartete, kam an ihm nicht vorbei. Voller Stolz plusterte er sich wie ein Gockel auf und präsentierte sich in ganzer Größe, was ich als komplette Selbstüberschätzung bezeichnen könnte, aber mein Erzfeind hatte schon immer eine außergewöhnliche Beschützermacke. Heißer fing er an Neumann zu rufen. Sein Bellen durchschnitt die Nacht und alarmierte nun doch sein Herrchen, welcher wütend hervortrat, um seinen treuen Gefährten fast den Hals umzudrehen. Neumanns Wut verrauchte jedoch, als er zu ihm trat. Langsam strich er über Haso`s borstigem Fell und befreite ihn von der Kette.


„Na los, wenn du unbedingt willst“, murmelte er leise, und Haso spürte die Leichtigkeit in seinem Nacken. Zärtlich stupste er Neumann an. Warum sich die Köter diese Art von Speichelleckereien antuen, ist mir schleierhaft. Als Katze tut man eh, was man will. Mit dem passenden „such!“ sauste der Rotweiler über den Hof und übersah in seinem Übereifer den alten Eimer vor dem Brunnen. Ruckartig versuchte er doch noch zu bremsen, was sowieso nichts mehr half, denn er knallte scheppernd dagegen. Der Knall halte wieder, trotz der dünnen Schneedecken auf der vereisten Pfütze. Typisch Haso. Erst reagieren, dann Kopf einschalten. Das Thema mit dem Eimer vergaß er schnell wieder. Hastig galoppierte er durch das alte Holztor und erreichte, ohne irgendwie außer Atem zu kommen, in ein paar kurzen Sätzen die Stelle, die er schon vorher ausgespäht hatte. Er dachte im Voraus. Mir wäre das völlig schnuppe.


Auf der Wiese hatte er eine bessere Sicht auf das Gelände. Es war flach und bestens einzusehen. Der Mond erleichterte seine Suche. Er erhellte die Weiden, die Wälder und, was für den Schnüffler besonders wichtig war, die Lücken in den verwitterten Zäunen. Ihn lockte die alte, verfallene Bretterhütte, der schräg vor ihm stand und leise schlich er durch das Loch, welches wie für ihn gemacht schien.


Eine unerträgliche, stickige Luft machte diesen Eintritt in die verwüsteten Räumlichkeiten nicht gerade einfacher für ihn, und doch musst er seine Nase in das Innere stecken, schleuderte alten Staub und Dreck auf, die ihm seinen Atem raubten und seine neugierige, schnüffelnd Nase fing an mit kitzeln. Erste Tränen rannten über seine Wagen und benetzten seine Lefzen. Professionell gesehen eine Katastrophe. Hätte er doch vorher vorsichtig die Lage abgecheckt, dann müsste er nicht seinen teuren Lappen, den er Zunge nennt, über die Augen wischte, um wieder freie Sicht zu bekommen und sich in der Runde der alten Bretter umzuschauen. Mir würde das natürlich nicht passieren.


„Na, viel ist hier aber nicht los“, murmelte er in seinen nicht vorhandenen Bart hinein. „Ich frage mich, warum man diese Bruchbude nicht schon lägst abgerissen hat. Wäre doch viel einfacher für alle beteiligten, und ich bräuchte nicht zu fürchten, dass das Ding nicht jeden Moment auseinander kracht.“


Eine offensichtliche Sache die er hinnahm. Mich würde nur das Loch in der Decke stören, von wo man aus hin und wieder unbehelligt die Sterne am Firmament erblickte, welche Haso hämisch angrinste. Hätte ich auch gekonnte, wäre ich damals, zu diesem Zeitpunkt, schon da gewesen, doch mich lockte noch immer mein Kissen. Von der Bruchbude ließ er sich aber nicht ablenken. Seine Wachsamkeit, gepaarte mit einer kurzen Katzenwäsche und dem heraufsteigenden Jagdfieber, denn in der hintersten Ecke schnappte er ein Rascheln auf, welches sich unermüdlich in Richtung der hintersten Öffnung schlich. Aber Haso wäre nicht Haso, wenn er sich dadurch einschüchtern lassen würde. Er duckte sich und schlich auf leisen Pfoten zum nächsten Blatthaufen, der sich auf den zerbrochenen Backsteinen verteilte und sich vor einem Loch befand, welches irgendwann einmal ein Fenster gewesen sein musste. Machte er jetzt einen Fehler machte, war der, der sich darunter befand weg, und er hatte das nachsehen. Den Geruch kannte er nur zu gut, und lächelnd entspannte er sich.


„Komm schon heraus, oder ich zerre die an den Ohren aus dem Haufen“, prustete er auf und hörte die welken Blätter rascheln. Das trockene Stroh hob sich in die Luft, und Haso musste genauer hinsehen, aus welcher Ecke, sich das Schnäutzchen des Fuchswelpen hervorwagte. Ängstlich schüttelte sich der Kleine und stand zitternd vor dem Rüden.


„Tu mir nichts, lieber Onkel Haso“, piepste sein Stimmchen schwach.


„Ich bin überrascht“, beruhigte er das Junge. Ein Nachwuchs von Reineke hier so nah am Hof anzutreffen, verwunderte ihn doch schon etwas. „Was machst du denn hier, Edelweiß? Und, wo sind deine Eltern?“


Der Welpe schluckte. Kein Wunder. Haso war schon furchterregend.


„Ich tue dir nichts. Also, komm schon her“, beruhigte er den Kleinen, der seine Angst überwand, erleichtert sein Versteck verließ und sich schüchtern vor den Rotweiler stellte.


„Du bist aber groß geworden“, brummte Haso und blickte erstaunt in die Augen des Halbwüchsigen. „Nun, wo sind deine Eltern?“


„Na ja. Wir sind hier in die Nähe gezogen und wohnen ein paar Schritte von hier entfernt. Die Höhle ist größer und geräumiger, und man tritt sich nicht pausenlos auf die Füße.“


„Platz ist wichtig“, pflichtete ihn Haso bei. „Aber das beantwortet nicht meine Frage, Kleiner. Was hast du denn hier getrieben? Diese Hütte ist nicht eben als Spielplatz geeignet.“


„Wir haben Verstecken gespielt, und ich habe mich hier vor meinen Schwestern versteckt. Dann bist du gekommen“, murmelte Edelweiß grummelnd. „Jetzt wissen sie bestimmt, wo ich bin.“


„Schon gut. Das ist alles nicht so dramatisch. Ich bring dich nach Hause.“


Edelweiß sah ihn wütend an. Er war der einzigste Kerl im Wurf, und seine fünf Schwestern hatten sich mit dem ehrgeizigen Ziel, ihm das Leben schwer zu machen, gegen ihn verschworen. Dabei wollte er sich doch so gerne einmal gegen sie behaupten. Ich kann ihn bestens verstehen, denn ich hatte drei Zicken in meiner Kindheit, und der Gedanke an jene Zeit macht mich immer noch komplett neurotisch.


Edelweiß jedenfalls trippelte mit hängendem Kopf nach draußen. Da half es auch nichts, dass ihn die kühle Luft tröstlich empfing, denn der Spot seiner Schwestern hallte in seinem Kopf.


Haso nieste. Der alte Staub hatte sich in seiner Nase festgesetzt und flog nun in einem hohen Bogen hinaus. Befreit von dieser Last schniefte er auf und sah auf den Hügel. Reinecke hatte sich herangeschlichen und sah zu ihnen hinab. Er schien seinen einzigen Sohn zu vermissen und hatte ihn bei Haso gefunden. Das freute den stolzen Fuchs keineswegs, denn der Hund hatte ihn viel zu oft das Leben schwer gemacht und ihn des Hofes verwiesen. Warum sollte er ihm nun freundlich gegenüberstehen? Allein die Sorge um seinen Sohn trieb ihn hinunter und missmutig schlich er zu den Beiden hin.


„Na, da brate mir aber einer eine Gans! Die Flohschleuder vom Hof. Was treibt dich denn hierher, und vor allem, was willst du von meinem Sohn?“


„Ach, Reinecke. Was treibt dich denn aus deinem Mauseloch hinten im Walde?“, antwortete er mit einer Gegenfrage. Reinecke kannte das Spiel, denn die beiden Gegner spielten es viel zu oft. Ein Sieger wurde bis heute noch nicht verzeichnet. Vielleicht lag es auch daran, dass sie viel zu viel Respekt voreinander hatten. Nur heiße, nörgelnde Luft. Sonst nichts.


Reinecke blieb ruhig. Selbst als sich Haso wieder einmal furchteinflössend gebärdetet. Den Fuchs schien es nicht zu kümmern.


„Was bist du heute wieder einmal spitz, und ich habe meine Gründe, warum ich mit meiner Familie hierher gezogen bin. Und du...“, mahnte es seinen Sohn. „...gehst jetzt nach Hause.“ Widerwillig schaute Edelweiß in die Augen seines alten Herren. Das mahnende Funkeln kannte er nur all zu gut. Viel zu oft sah er es in dem Blick seines Vaters, wenn er seine Spielchen zu weit trieb. Edelweiß ließ seinen Kopf hängen und trabte nach Hause. Wiederspruch war sinnlos, und Junior wollte seinen alten Herren nicht weiter reizen. Haso sah ihm hinterher.


„Und warum?“


Haso konnte es nicht lassen. Reineke sah sich noch einmal um und flüsterte ihn in sein Ohr. Woher er plötzlich den Mut nahm, wusste der Fuchs nicht.


„Weil es in den Tiefen des Waldes nicht mehr sicher ist.“


„Und jetzt?“


„Es tauchte plötzlich auf. Eine Aura des Bösen. Sie vergiftet alles in seiner Umgebung. Genauer kann ich es nicht erklären.“


Reinecke suchte nach den richtigen Worten. Er fand sie nicht. „Es ist unheimlich und man verzweifelt. Ich musste meine Liebsten einfach von da wegbringen. Diese Spannung war nicht mehr auszuhalten.“


Haso hörte ihm zu und versuchte sich ein eigenes Bild zu machen. Er wusste, wovon er sprach, denn auch er hatte ähnliches empfunden. Etwas Größeres bahnte sich an und ängstlich schaute er zum Wald hinüber. Was auch immer sich darin versteckte. Haso musste sich wappnen.


„Ich bin dann mal weg. Die Nacht ist schon unheimlich genug, und meine Ableger brauchen etwas zu fressen. Ich gebe dir einen guten Rat, alter Freund. Versteck dich in das kleinste Loch, welches du finden kannst. Diese Nacht wird heiß!“


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