Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern

zurück zum Buch

Milten & Percy


Das Schloss der Skelette

von Florian C. Booktian

fantasy
ISBN13-Nummer:
B017WWO7CA
Ausstattung:
163 Seiten, Paperback
Preis:
7.90 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Amazon
Kontakt zum Autor oder Verlag:
Booktian@gmx.de
Leseprobe

0

 

Diese Geschichte spielt in der Galaxie #590B. Eine etwas ärmliche und heruntergekommene Galaxie, deren größte Errungenschaft in einer Kopie des Planeten Erde bestand. Diese hatte sie sich für viel Geld machen lassen. Inzwischen war auf genau dieser Erde das Jahr 2015 angebrochen, und #590B war froh, endlich all die Kinderkrankheiten hinter sich zu haben, mit denen ein Erdenplanet so dahergekommt. Die Dinosaurier waren auf ihren Heimatplaneten zurückgekehrt, die Weltkriege vorbei und sämtliche Außerirdische hatten das Interesse an dem blauen Planeten restlos verloren, auf dem Fernsehen inzwischen als vollwertige Freizeitbeschäftigung galt. Alles war friedlich. Dumm nur, dass am Tag der Lieferung der Kontostand so weit abgesackt war, dass sich #590B nur den halben Planeten leisten konnte. Die Galaxie sah sich gezwungen, die halbe Erde mit einem kostengünstigeren Planeten zusammenzuschweißen. Schon rein der Anschaulichkeit halber. Sie entschied sich für die bewohnte Hälfte des Planeten Gnaa, ganz zum Leidwesen der dortigen Bewohner, die sich plötzlich dicht an dicht mit der menschlichen Spezies konfrontiert sahen. Auf Gnaa lebten allerhand Fabelwesen, Monster, sprechende Tiere und Kreaturen, die auf der Erde nur aus Märchenbüchern oder schrecklich billigen Filmen bekannt waren. So kam es, dass in London plötzlich Zwerge durch die Straßen streiften und überlegten, ob es sich lohne, in den unterirdischen Tunnel der Stadt nach Rohdiamanten zu schürfen. Massen von Vampiren fielen nach Transsilvanien ein, um Urlaub zu machen und längst vergessen geglaubte Verwandte zu besuchen, die inzwischen aber leider verstorben waren. Und Glasschlangen, die im Sonnenlicht hübsch funkelten und deswegen meist eine maßgeschneiderte Jacke trugen, klauten ahnungslosen Flohmarktbesuchern den Geldbeutel, um Süßigkeitenstände leer zu kaufen. Der Kulturschock zu Beginn war groß, und zwar auf beiden Seiten. Die Glasschlangen wurden von dem vielen Süßkram ganz dick und zur Strafe ins Diätcamp abtransportiert. Die Vampire ließen ihren Frust an den Einwohnern Transsilvaniens aus und freuten sich dann irgendwann doch noch über Familienzuwachs. Und die kurzen Männer in London hörten sich von der ranghöchsten Dame im Land mit gesenkten Zipfelmützen eine Standpauke an. Für die Menschheit eher ungewöhnlich leitete man ein kulturelles Austauschprogramm ein in der Hoffnung, etwas mehr über die Planetenhälfte zu erfahren, die sich jetzt dort befand, wo vorher Russland und Asien lag. Und nachdem die Einwohner Gnaas die ersten paar hundert Menschen feierlich verspeist hatten, was auf der Erdhalbkugel zu so manch gehobener Augenbraue führte, begriff man langsam, worum es den Erdlingen eigentlich ging: nämlich gerade darum, nicht aufgefressen zu werden. Langsam, aber sicher näherte man sich einander an. Gnaa lieferte seltene Rohstoffe und als Ausgleich versorgte die Erdhalbkugel sie mit Achterbahnbauplänen und samtweichem Klopapier. Freundschaftliche Beziehungen entstanden, und wenn dann hin und wieder doch mal ein Erdling gefressen wurde, schickte Gnaa ein Einhorn rüber, und schon war der Zwischenfall vergessen, denn alle Menschen waren viel zu sehr damit beschäftigt, das schöne Pferdchen zu bestaunen. Doch mit der neuen Freundschaft zwischen den Planetenhälften kam es auch zu Spannungen zwischen einzelnen Lebewesen. Gewisse Nationen auf der Erdhalbkugel sahen sich damit konfrontiert, dass Atombomben für Gnaa in etwa so bedrohlich waren wie eine Stecknadel für ein Krokodil. Ganz im Gegenteil. Man freute sich sogar, beschossen zu werden. Immerhin gab es auf Gnaa genügend Bewohner, die von radioaktiver Strahlung lebten und sie mit ihren sonderbaren Gliedmaßen aufsaugten. Auf der Erdhalbkugel fühlte man sich deshalb schwer gekränkt, galt die Bombe doch bisher als Vorzeigeobjekt der menschlichen Kriegsführung. Telefonate wurden geführt und wütende Schreiben aufgesetzt. Finger erhoben und Reden geschwungen. Man wäre ausgeliefert und machtlos. Die vereinigte Regierung von Gnaa zeigte sich verständnislos, denn Krieg war ihnen fern. Und weil zum Streiten immer zwei gehören und der andere in diesem Fall einfach keine Lust hatte, ließ man es eben bleiben, und die Militärs der Erdhalbkugel seufzten einmal kollektiv frustriert auf. Partnerprogramme wurden gestartet und der gemeinschaftliche Nutzen kristallisierte sich so langsam heraus. Die Müllschlucker von Unkus verspeisten genüsslich sämtlichen Atommüll in der baldigen Hoffnung auf mehr. Natürlich sagte man auf der Erde sofort zu und baute gleich drei weitere Kernkraftwerke. In Gnaa hingegen entdeckte man, dass es eine gute Idee war, Verbrecher einzusperren, anstatt sie an den Ohren festzubinden und zweimal am Tag mit lauwarmer Gemüsebrühe zu füttern, bis sie sich entschuldigten. Aber genau wie auf der Erde war das Verbrechen ein Problem auf Gnaa. Und mit der Erdhalbkugelfusion nahm die Kriminalität ganz neue Ausmaße an. Im Zuge der Zusammenarbeit übernahm ein Detective aus Gnaa die Fälle, die sowohl Gnaa als auch die Erdhalbkugel miteinbezogen. Sein Name war Percy Meercat, er ist ein sprechendes Erdmännchen, und das hier ist sein erstes Abenteuer.

 

1

 

William und Robert waren den ganzen Tag durchgefahren und inzwischen war es Nacht. Das Ziel ihrer Reise hatte sie an die Grenze zwischen der Erdhalbkugel und Gnaa geführt. Genau die paar Kilometer, in denen nicht ganz klar war, was zu wem gehörte. Vor wenigen Minuten hatten sie ein Ortsschild passiert, über dem ein großer Stift prangte. Die Aufschrift. Kurz hinter dem kleinen Ort lag genau das, wonach sie so lange gesucht hatten. Das Grab von Skull Friedrich von Hate. William und Robert waren Historiker, die auf der Erdhalbkugel lebten und sich auch hauptsächlich mit der Geschichte der Erde beschäftigt hatten. Hin und wieder reizte es sie jedoch, einen Fuß nach Gnaa zu setzen. Und zwar immer dann, wenn einer der beiden Brüder seine Nase in ein Geschichtsbuch der anderen Planetenhälfte vertieft hatte und aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskam. Das Grab, das sie ausfindig machen wollten, gehörte einem der größten Tyrannen der Geschichte von Gnaa. Auch manchen Menschen war sein Name ein Begriff, denn beinahe wäre seine Terrorherrschaft auf die Erdhalbkugel übergeschwappt. Doch eine Handvoll Soldaten hatte es geschafft, den Tyrannen mitten in der Nacht zu überraschen, ihn zu verschleppen und ihn tief unter der Erde zu vergraben. Genau einen Tag, bevor er die Erdhalbkugel angegriffen hätte. „Ich glaube, da drüben muss es irgendwo sein“, sagte William und bremste den Wagen ab. Die Räder kamen auf der trockenen Erde zum Stehen. Irgendwo dort draußen war es, das Grab. Robert starrte in die Dunkelheit. Eine einzelne Schweißperle rollte ihm die Stirn hinunter. „Vielleicht sollten wir lieber umkehren, was wollen wir dort eigentlich?“ „Nur mal vorbeischauen. Komm schon, hast du nicht auch gesagt, du willst ihn mal von Angesicht zu Angesicht sehen?“ „Den Mörder von tausend Unschuldigen“, murmelte Robert und glotzte ins Dunkel. „Gefangen in einem Sarg aus Glas, tief unter der Erde.“ William stieg aus und schlug die Autotür hörbar hinter sich zu. „Wir werden ein Foto von ihm machen. Das nehmen wir dann als Weihnachtskarte. Schau mal, ich hab sogar zwei Mützen dabei“, sagte er und zog zwei Nikolausmützen aus seinem Rucksack. Robert starrte noch immer ins Dunkel. Er hatte sich viel mit ihm auseinandergesetzt, dem Besitzer dieses Grabes. Er wusste genau, was Skull Friedrich angerichtet hatte und wie er dabei vorgegangen war. Wenn die Geschichtsschreiber von Gnaa die Wahrheit notiert hatten – und das taten sie normalerweise immer –, tötete Skull Friedrich von Hate nach jedem halben Dutzend Schlachten alle seine Generäle und ernannte die tapfersten Kämpfer der letzten Schlacht zu ihren Nachfolgern. Den Spitznamen Skull hatte man ihm verpasst, weil sein Körper derart mager war, dass der Schädel wirkte, als wäre er nur mit Haut bespannt, um nicht völlig blank zu liegen. Dunkelheit. Die Baumkronen über ihnen schluckten das gesamte Licht der Sterne, und selbst für einen Wald bei Nacht war es finster genug, dass neben ihnen jemand auftauchen könnte, ohne dass sie etwas davon bemerkten.

Klappentext

Detective Percy Meercat bekommt einen Praktikanten an die Backe: Milten Greenbutton, einen jungen aber bisher erfolglose Erfinder. Percy, seines Zeichens stolzes Erdmännchen, will Urlaub machen und kehrt seinem Job den Rücken. Er landet mit Milten in der Kleinstadt Sharpytown, und nach einem ausgelassen Fest bei einer gut aussehenden Pensionsbesitzerin im Bett. Doch der Anschein trügt, bald wendet sich alles gute zum Schlechten und der Detective steht alleine in der Menschenleeren Stadt und fragt sich was überhaupt passiert ist.