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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Michelangelos Tochter, Claudia Reich
Claudia Reich

Michelangelos Tochter



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4. Kapitel

Im Januar lag der Schnee noch immer recht hoch, etwa ein halber Meter, und die Temperaturen sanken weit unter den Gefrierpunkt. Bei solchem Wetter konnte man keine Eröffnungsfeier so weit außerhalb der Stadt, veranstalten. Also verschoben die Freundinnen das Vorhaben bis auf Weiteres.


Anna fuhr in die Stadt, mit dem neuen oder fast neuen Auto. Endlich hatten sie einen günstigen und doch recht gut erhaltenen Gebrauchtwagen gefunden, einen Kombi.


Hetti war in Putzwut und tobte sich mit Staubsauger und Putzlappen aus.


Angela wollte malen, doch dann erhob sie sich und trat ans Fenster. Eisblumen rankten sich daran hoch. Der Himmel war grau verhangen, die Luft blieb aber trocken.


„Zu kalt zum Schneien. Na ja ... so halten wenigstens die Eisskulpturen noch ein Weilchen ... Scheiß Kälte!“, murmelte Angela missmutig.


Die Türglocke klingelte, irgendwie drang das in ihr Bewusstsein vor. „Hetti, es klingelt, machst du bitte mal auf!“


Es klingelte erneut.


Angela seufzte und ging selbst zur Türe.


Können die Leute denn nicht lesen? Es steht doch „geschlossen“ an der Türe zur Ausstellung, dachte Angela genervt. Sie öffnete dann aber doch. Vor ihr stand eine schöne, junge Frau mit leuchtend roten Haaren.


„Annas Schwester“, schoss es Angela durch den Kopf.


„Guten Tag, wir haben noch geschlossen. Wir haben noch nicht eröffnet ... Wenn Sie ...“, sagte sie dann ganz automatisch.


„Mein Name ist Karinov, Irina Karinov. Ich würde gerne meine Schwester Anna besuchen“, unterbrach die fremde Frau Angela und musterte sie merkwürdig. Angelas Gesicht blieb wie gewöhnlich völlig ausdruckslos. „Ach, Sie sind Annas Schwester? Na dann, bitte, kommen Sie herein.“ Sie trat zur Seite und ließ Irina eintreten. Über die Eisentreppe gingen die beiden Frauen nach oben, wo Hetti immer noch Hausputz abhielt. Die staunte nicht schlecht und fand, dass diese Irina doch gar nicht zum Fürchten aussah. Ganz im Gegenteil, die war ja so was von wunderschön und freundlich! Hetti besaß überhaupt keine Menschenkenntnis. War jemand nett und freundlich, dann konnte er nur gut sein. Aber wer konnte schon in einen Menschen hineinsehen?


Angela war dazu fähig. Was sie da sah, gefiel ihr gar nicht. Bei Herbert hatte sie sich selbst geblendet, durch ihre Verliebtheit. Doch diese Frau konnte sie nicht täuschen. Angela war auf der Hut, zog blitzschnell ihre innere Schutzmauer hoch.


Hetti beeilte sich, Teewasser aufzusetzen, und Angela führte den Gast ins Wohnzimmer. Sie wollte sich nichts anmerken lassen und eine gute Gastgeberin sein.


„Nette Wohnung“, bemerkte Irina nach gründlichem Umsehen. Schnell hatte sie bemerkt, dass hier sehr teure Möbel standen.


„Danke, ja, uns gefällt es hier. Gedenken Sie, länger zu bleiben? Ich frage nur, weil wir noch kein Gästezimmer haben. Ist in Planung“, erklärte Angela mit einem entschuldigenden Lächeln.


„Ich habe geschäftlich in der Stadt zu tun, ich wohne im Hotel. Kein Problem. Ich wollte Anna sehen, ist sie nicht da? Wir sahen uns ... eher länger nicht mehr.“


„Sie sollte bald zurück sein, sie erledigt Einkäufe in der Stadt. Sie sorgt für unser leibliches Wohl. Sie kann, im Gegensatz zu uns, wunderbar kochen!“, ließ sich Hetti vernehmen. Sie brachte Tee und Kuchen. „Hallo, willkommen ... ich bin die Hetti!“


„Hetti ... freut mich. Ich bin Irina. Danke für den Tee, tut gut bei der Kälte.“


Angela schwieg, beteiligte sich nicht an dem Smalltalk. Sie lehnte sich, mit der Tasse in der Hand, zurück und musterte Annas Schwester eingehend.


Anna kam zurück und nun standen sich die beiden ungleichen Schwestern gegenüber. Besonders herzlich fiel die Begrüßung nicht aus. Als wäre mit Anna die Kälte von draußen hereingekommen. Erst sprachen die Schwestern russisch, dann, aus Höflichkeit gegenüber den beiden anderen Frauen, wieder deutsch.


„Was willst du hier? Wie hast du mich gefunden?“, fragte Anna. Ihre Stimme klang spröde.


„Intuition, Schwesterchen. Außerdem habe ich geschäftlich hier zu tun, hier in der Stadt. Wie ich sehe, geht es dir gut. Nur ... lebt ihr hier ganz ohne Männer?“ Aus Irinas Stimme klang Spott.


„Es braucht nicht unbedingt Männer, um gut zu leben, Irina! Und nenn mich nicht ,Schwesterchen‛, das ist völlig fehl am Platz ... gar nicht passend!“, entgegnete Anna schroff.


„Oh, schon gut. Entschuldige, Anna. Ich gehe nun wohl besser wieder. Ob du das nun glaubst oder nicht, ich habe mich gefreut, dich zu sehen. Deine Freundinnen sind nett, vielen Dank für die Gastfreundschaft.“


Irina lächelte und sah dabei Angela mit einem sonderbaren Ausdruck in den Augen an. Angela hielt diesem Blick gelassen stand, ohne eine Regung. Irina wusste nicht, was sie von dieser Frau mit den sonderbaren Augen halten sollte.


Hetti geleitete Irina freundlich zur Tür.


Angela fragte sich, was die Schwestern zu Feindinnen hatte werden lassen. Anna war einer der wenigen Menschen, in denen Angela nicht so ohne Weiteres lesen konnte. Da nützte auch die tiefste Konzentration nichts. Anna konnte sich recht gut verschließen, wenn auch nicht immer. Sie war noch nicht bereit, ihre Freundinnen darüber aufzuklären, was zwischen ihr und Irina vorgefallen war, warum zwischen ihnen keine Liebe mehr existierte. Anna zog sich in ihr Zimmer zurück.


„Wenn wir was essen wollen, müssen wir wohl oder übel selber Hand anlegen. Was machen wir?“, fragte Hetti und grinste etwas schief.


Angela zog ihre Brauen hoch. „Also, wir hätten da: Gulaschsuppe aus der Dose oder Spaghetti mit Sauce aus dem Glas. Ich fürchte, mehr kriegen wir zwei nicht auf die Reihe ...“


Weil es denn das Einfachere war, entschieden sie sich für die Gulaschsuppe. Angela öffnete eine Flasche Rotwein. Sie fand, dass der Wein dem Essen wenigstens den Schein eines edlen Dinners geben würde. Schweigend löffelten sie ihre Suppe. Irgendwie war die Stille bedrückend.


„Was sollen wir tun? Sie rufen oder in Ruhe lassen? Also, mich stört das irgendwie. Gott, Anna ist doch sonst nicht so ... Sie ist doch für uns immer eine Stütze ... und ...“, Hettis Stimme klang verzagt.


„Ich weiß auch nicht ... Wusste nicht mal, dass da eine Schwester existiert. Plötzlich ist Anna für uns ein Rätsel. Ich dachte, ich sei ... aber sie? Du sagst das richtig, sie war bisher immer eine Stütze für uns.“


„Tut mir leid, wenn ich euch vor den Kopf gestoßen habe ... War nicht meine Absicht! Ich hatte nur ... äh ... gehofft, sie nie mehr im Leben sehen zu müssen. Nie wieder von ihr zu hören. Ich dachte, ich sei weit genug weggegangen ...“, machte sich Anna plötzlich von der Türe her bemerkbar. Die Freundinnen hatte sie erst gar nicht bemerkt.


„Es hat noch Suppe ... Wenn du möchtest ...“, lud Hetti freundlich ein und lächelte.


Anna setzte sich an den Tisch, merkte nun auch, dass sie hungrig war. Sie schöpfte sich von der Suppe etwas in einen Teller und Angela reichte ihr den Brotkorb. Hetti stellte ein Weinglas neben Annas Teller und schenkte ein, füllte auch gleich Angelas und ihr Glas neu.


„Dosensuppe ... Oje, oje ... so tief sind wir gesunken!“, versuchte Anna zu scherzen, was ein erleichtertes Aufatmen ihrer Freundinnen zur Folge hatte. „Nun wenn man Hunger hat, ist auch eine Suppe aus der Dose delikat“, ergänzte Anna noch. Und ohne Aufforderung fing sie an zu erzählen.


„Irina hat mich schon in frühen Jahren bekämpft und gehasst. Sie ist zwei Jahre älter als ich. Immer versuchte sie, mich zu beherrschen, mir zu befehlen. Sie konnte es nicht ertragen, dass ich die besseren Schulnoten nach Hause brachte, während sie eine denkbar schlechte Schülerin war und auch schon mal nicht versetzt wurde.“ Anna nippte an ihrem Wein und sah zum Fenster. In der Scheibe spiegelte sich die Küchenlampe, sonst war nur die Schwärze der Nacht zu sehen.


Anna räusperte sich, fuhr fort zu berichten: „ Als die Entscheidung fiel, dass ich studieren sollte, wurde es besonders schlimm. Irina fand, dass sie als die Ältere mehr Rechte auf ein Studium habe als ich. Sie wollte Musik studieren. Aber unser Vater wollte kein Geld ausgeben für so etwas Unnützes, wie er meinte. Ich wollte Wirtschaft studieren, das fand seine Anerkennung. Irina hasste mich von da an noch viel mehr. Ich hatte einen Freund, einen Mann, den ich sehr liebte. Wir verlobten uns. Irina hat ihn verführt, ich begreife es heute noch nicht. Er war ihr verfallen, mit Haut und Haar verfallen! Doch bald wurde sie seiner überdrüssig. Sie ließ ihn fallen. ,Ich gebe ihn dir zurück‛, hatte sie gespottet! Er nahm sich daraufhin das Leben. Das war für mich der Zeitpunkt, um zu gehen. Ich habe mein Studium hier in Deutschland beenden können. Da hatte ich Glück!“ Anna trank ihr Glas in einem Zug leer.


Betroffenes Schweigen folgte! Weder Angela noch Hetti fanden Worte. „Wladimir ... Er hieß Wladimir. Hier ist sein Foto.“


Anna nahm ihr Medaillon ab und reichte es Angela. Hetti war zum Herd getreten, um Tee aufzubrühen. Das Bild in dem Medaillon zeigte einem gut aussehenden Mann mit schwarzen Haaren. Er hatte ein sehr sympathisches Lächeln.


„Ich konnte nie aufhören, ihn zu lieben. Darum habe ich mich bis heute mit keinem anderen Mann eingelassen. Ich kann einfach nicht. Ich weiß, dass gemunkelt wird, ich sei lesbisch. Aber das bin ich nicht ... Nur verletzt ...“ Anna blickte ihre Freundinnen traurig an.


„Wir haben nie angenommen, dass du ... also, du hast auch nie Anzeichen von ... äh ... Andersrum gezeigt“, äußerte Hetti verlegen.


„Für uns warst du ... bist du okay“, nickte Angela und gab Anna das Medaillon zurück. Hetti stellte Tassen und die Kanne mit würzigem Kräutertee auf den Tisch.


„Irina wird wiederkommen und sie wird alles daran setzen, euch für sich einzunehmen, euch für sich zu gewinnen. Sie wird mir wieder alles wegnehmen“, seufzte Anna.


„Ach, Unsinn. Du musst dir nur nichts nehmen lassen ... Und wir verhalten uns neutral, darauf kannst du bauen“, versprach Hetti mit Nachdruck.


Angela nickte. „Mich kann niemand beeinflussen!“


Anna lächelte schwach. Sie kannte Angelas Härte. Aber bei der sanften Hetti kamen bei ihr Zweifel auf. Sie sagte jedoch nichts, doch die böse Vorahnung ließ sie nicht mehr los.


Irina kam zwei Wochen später mit einer Kiste voller Kunstgegenstände.


„Ich würde das gerne bei euch ausstellen und verkaufen. Natürlich mit Provision für euch“, versuchte sie Hetti zu überreden.


„Nein, das kommt überhaupt nicht in Frage. Wir machen nur saubere Geschäfte! Packe deinen Kram gleich wieder ein und verschwinde von hier!“ Drohend stand Anna auf der Eisentreppe, ihre Stimme klang wie splitterndes Glas. Hetti blickte erschrocken nach oben, so hatte sie Anna noch nie erlebt. Irina versuchte zu kontern, worüber Anna noch wütender wurde und plötzlich auf Russisch zu fluchen begann. Von dem wilden, lauten Wortgefecht angelockt, erschien Angela.


„Jetzt ist aber Schluss! Ihr seid doch erwachsene Leute, also benehmt euch auch wie solche!“, rief sie dazwischen und brachte so die Schwestern zum Verstummen. „Um was geht es denn hier?“, fragte sie nun mit ruhiger Stimme.


„Ich habe auf meinen Reisen ein paar Kunstgegenstände gesammelt. Ehrlich erworben. Ich würde einiges davon gerne ausstellen und verkaufen, meine Wohnung läuft schon über. Ihr würdet natürlich eine Provision erhalten, versteht sich von selber!“ Irina lächelte gewinnend.


Anna war inzwischen die Treppe heruntergekommen und besah sich die Sachen flüchtig, fasste aber nichts an. „Ich will das nicht! Irina, verschwinde und lass mich in Ruhe!“, sagte sie eindringlich. Es klang aber nicht wie eine Bitte.


„Also, nach so vielen Jahren könntet ihr wenigstens Waffenstillstand halten! Warum gibst du Irina nicht eine Chance? Sagt ja keiner, dass du sie lieben musst! Aber wenigstens Frieden ... das wäre doch netter!“, meinte Hetti.


Annas Blick wanderte zwischen den Freundinnen hin und her. Irina sah sie nicht an, so entging ihr das triumphierende Aufblitzen ihrer kalten blauen Augen. Aber Angela war das nicht verborgen geblieben! Irina gab sich siegesgewiss.


„Na schön, dann pack deinen Krempel halt in die Ausstellung. Aber ich will dich hier nicht dauernd antreffen. Halte dich fern von uns, mach dich rar!“, gab Anna schließlich nach und ging wieder nach oben.


Werde mich hüten, dir allzu oft zu begegnen, dachte Irina. Ihr Blick folgte der Schwester, die Treppe hinauf. Dann wandte sie sich wieder Angela und Hetti zu.


„Ich danke euch. Ich werde euch nicht enttäuschen. Ich halte mich zurück. Nicht, dass ihr denkt, ich würde mich zwischen euch und Anna drängen wollen.“


Irina lächelte. Doch dieses Lächeln konnte Angela nicht täuschen.


„Das würde dir auch kaum gelingen. Nichts kann sich zwischen uns drängen, wenn wir das nicht wollen! Wir erlauben dir lediglich, deine Sachen hier auszustellen. Zur Eröffnung bekommst du natürlich eine Einladung.“ Angelas Stimme klang ruhig und sehr bestimmt. Ihre bernsteinfarbenen Augen fixierten Irina, bannten ihren Blick. Irina wurde bewusst, dass sie nie nahe genug an Angela herankommen würde. Es sei denn, es gäbe auch bei dieser Frau einen schwachen Punkt. Den sie, Irina, herausfinden könnte.


Spät in der Nacht, Angela saß in Tante Irmgards Schaukelstuhl und las in einem Buch, klopfte es an ihre Zimmertür.


„Ja bitte.“


Anna trat ein, sehr blass, mit sorgenvoller Miene.


„Angela, sorry. Ich sah bei dir noch Licht. Ich bin in großer Sorge wegen Hetti.“


Angela deutete auf einen Sessel und Anna setzte sich, hielt ihre zitternden Hände im Schoß verkrampft.


„Was bereitet dir denn Sorgen bei Hetti? Sie ist doch okay.“ Angela legte ihr Buch zur Seite und sah die Freundin an.


„Ich befürchte, dass Hetti sich von Irinas Charme umgarnen lässt. Bitte, Angela, glaub mir ... meine Schwester ist gefährlich, sie bringt Unheil ... Ich bin ganz sicher, sie plant etwas, um mich zu vernichten. Sie hasst mich abgrundtief!!“


Annas Stimme klang sehr besorgt und mehr als das ... Anna hatte Angst! Angela schwieg, lehnte sich zurück und schloss kurz die Augen. Vorahnungen waren ihr nichts Neues und sie konnte die Angst der Freundin verstehen. „Ich glaube dir ... verstehe dich auch. Mein Vertrauen genießt Irina auch nicht. Aber wir können nicht viel tun. Einfach wachsam sein und versuchen, Hetti davon abzuhalten, allzu vertrauensselig mit Irina umzugehen. Falls sie sich denn davon abhalten lässt. Vorschriften können wir Hetti keine machen ...“, meinte sie dann ruhig. „Angela, ich habe Angst! Irgendwas wird geschehen ... etwas ganz Schlimmes! Ich kann das fühlen, ganz deutlich. Es liegt eine große Bedrohung in der Luft! Um dich muss ich mich nicht fürchten. Du bist stark, du gerätst bestimmt nicht in Irinas Bann! Aber Hetti, sie ist so arglos, so naiv ... Für sie gibt es doch nur nette Menschen! Irina hat das längst durchschaut. Bei dir kennt sie ihre Grenzen, aber sieh dich trotzdem vor! Sie wird nach deinen Schwächen forschen! Oh Gott, wenn ich doch nur wüsste, was zu tun ist!“ Anna stöhnte und schlug die Hände vors Gesicht.


Angela schaukelte schwach, der Boden knarrte leise.


Meine Schwächen ... Wo liegen die überhaupt? Was ist meine Schwäche oder könnte meine Schwäche sein? Das weiß ich selber nicht, ich muss es herausfinden, um mich zu schützen!, überlegte sie.


Leise sagte sie: „Eine meiner Schwächen ist sicher, dass ich außer Dosensuppe und Spaghetti mit Sauce aus dem Glas nicht kochen kann. Ja, und vielleicht ... nein, sicher ist es eine Schwäche ... weil ich bei der Arbeit völlig wegtrete und kaum etwas wahrnehme ... zumindest manchmal. Aber das ist wohl nur gefährlich, sollte mich jemand ermorden wollen!“


Anna hob den Kopf, sah die Freundin an, Angst und Trauer im Blick.


„Ich glaube nicht, dass Irina dich umbringen will. Aber dich beherrschen, kontrollieren, das wird sie wollen. Und sonst ...? Wenn ich das nur wüsste ...!“ Anna seufzte abgrundtief.


„Anna, wir können nur abwarten. Abstand halten und abwarten. Wir müssen Hetti eben ein wenig überwachen! Nicht sehr fein ... aber möglicherweise notwendig!“


Stumm saßen sie dann noch eine Weile zusammen. Schließlich erhob sich Anna seufzend und wünschte eine gute Nacht. Angela schaukelte weiter und nickte, hob kurz die Hand, schaukelte weiter.


„Tante Irmchen ... sind wir echt in Gefahr durch Annas Schwester? Kann der Hass zwischen zwei Schwestern so groß werden? Wird er uns alle mitreißen? Ich werde mich wohl oder übel auf meine alten Kräfte berufen müssen! Dabei hatte ich genau das nicht mehr gewollt!“


Die Nacht hatte keine Antwort und die Träume von Tante Irmchen blieben aus.



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