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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Mary und die Spiegelwelt , Michael Müller
Michael Müller

Mary und die Spiegelwelt


Reise nach Pertoriah

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Kapitel 1


Eine neue Familie


 


Es war der letzte Schultag der 6. Klasse. Mary wusste nicht recht, ob sie sich freuen sollte, dass Schulferien waren oder sich davor fürchten sollte, wie die neue Schule nach eben diesen Ferien sein würde. Klar war auf jeden Fall, dass sie ein gutes Zeugnis bekam und das bedeutete für sie sehr viel. Für alle Kinder im Waisenhaus bedeutete ein gutes Zeugnis, dass ein aufregender Sommer auf sie wartete. Es war für Kinder ab 6 Jahren nämlich so üblich, in das, so nennen die Kinder es immer, „beste, spaßigste und wunderschönste“ Feriencamp der USA zu fahren.


 Jedoch galt das nur, wenn das Zeugnis einen Mindestdurchschnitt erreicht hatte. Mary erreichte diesen immer. Sie war eine gute Schülerin und musste sich nicht einmal so sehr anstrengen, um diesen Durschnitt zu erreichen.


 


Der Klassenraum der 6. Klasse war voll besetzt mit dreißig Schülern, von denen kein einziger mehr ruhig auf dem Platz saß.  Unterricht fand an diesem letzten Tag sowieso nicht statt. Es wurden lediglich Zeugnisse ausgeteilt und mit der Lehrerin darüber gesprochen, was denn in den Ferien alles geplant sei.


 


Dann klingelte es zum Ende des Unterrichts und zum Beginn des Sommers der Kinder. Das Tor der Schule sprang auf und dutzende schreiende Kinder stürmten Richtung Schulbus und der Autos ihrer Eltern.


Mary ging zum Bus, stieg ein, ging am Busfahrer vorbei zu ihrem Sitzplatz und setzte sich. Normalerweise würden Kinder sich im Bus unterhalten, spielen, rumalbern. Doch Mary saß wie jedes Mal allein auf ihrem Platz und wartete, bis der Bus vor dem Waisenhaus hielt.


 


Kaum aus dem Bus, fiel ihr sofort auf, dass irgendwas nicht stimmte. Die Heimleiterin Rose blickte durch das Fenster genau in Marys Richtung. Sie schien auf sie zu warten, aber warum? Sie wusste doch, wann Mary Schulschluss hat.


Rose war eine kleine, zierliche Frau. Auf den ersten Blick wirkte sie zickig und bösartig. Doch das war nur die „Maske“, die sie sich zugelegt hatte. Immerhin musste sie knapp fünfzig Kinder betreuen. Wenn man in so einem Beruf immer die „Liebe Mutti“ ist, dann trampeln die Kinder einem schnell auf den Nerven herum. Sie war eine sehr angenehme Person und hatte ihre Blicke immer überall, verlor nie den Überblick und sie war unbeschreiblich fair und gerecht. Wieder eine Eigenschaft, die man besitzen sollte, wenn man so viele Kinder zu betreuen hat. Mit Ihren 62 Jahren hatte sie immer noch dunkelrote Haare, wie zu ihrer Jugend und war allgemein noch sehr fit.


Sie lebte allein, beziehungsweise hatte keine Familie, außer „ihren“ Kindern. Ihr Mann starb bei einem Autounfall und eigene Kinder konnte sie nicht bekommen. Aus diesem Grund wohnte sie im Waisenhaus, um den ganzen Tag und die ganze Nacht für die Kinder da sein zu können.


 


Mary war seltsam zumute. Der Gedanke fiel sofort auf das Feriencamp.


„Vielleicht findet es dieses Jahr nicht statt…?“ dachte sie zuerst. Immerhin war Geld ein großes Problem im Waisenhaus.


Sie versuchte die Gedanken zu verdrängen und stapfte zögerlich die Stufen zur Eingangstür hinauf. Als sie gerade die Klinke in der Hand hatte, öffnete Rose die Tür von innen.


„Komm herein, Mary. Wir warten schon auf dich“


Ein leichtes, zögerliches Lächeln lag auf ihren Lippen.


„Wir? Wen meint sie denn noch…?“,


fragte  sich Mary innerlich.


Sie betrat die Eingangshalle, die auch oft als Besucher-Warteraum genutzt wurde. In der Mitte stand ein Tisch, rund, aus Holz, und Platz für sechs Stühle. Von den drei Erwachsenen, die dort saßen, erkannte Sie nur einen. Auf diesem Stuhl saß Rose. Auf den beiden Anderen saßen zwei ihr unbekannte Gesichter. Eine Frau und ein Mann, die anscheinend zusammen gehörten. Beide vielleicht knapp 30 Jahre alt und sehr vornehm angezogen. Der Mann trug einen Anzug und neben ihm stand ein Lederkoffer auf dem Boden. Es schien fast, als wäre er direkt von der Arbeit im Büro her gekommen. Die Frau neben ihm wirkte mit ihren blonden, langen Haaren wie eine Puppe. Vor allem ihr leichtes Lächeln trug dazu bei.


 


„Setz dich doch, Mary!“ forderte sie Rose auf.


Mary zögerte kurz, setzte sich aber schließlich. Da saß sie nun zwischen Rose und dem Paar. Im ersten Moment schien es, als würden sie sich alle nur anschweigen, doch dann plötzlich nahm Rose Marys Hand und hielt sie.


„Wie du sicher schon mitbekommen hast, haben wir Besuch. Nun, ich stelle dir die beiden einfach einmal vor, bevor ich weitererzähle. Das sind die Browns, und die beiden sind hier, weil sie dich gerne adoptieren würden.“


 


Die Worte, die Rose sprach, erschienen so unreal und hämmerten doch so hart auf ihre Brust. Es durchströmte sie ein seltsames Gefühl bei dem Wort „adoptieren“. Kinder im Waisenhaus spielen oft mit diesem Gedanken. Den Gedanken, eines Tages doch noch adoptiert zu werden und ein neues, schöneres Leben zu beginnen. Dann wird immer rumgesponnen, wie toll alles doch wäre und was für super Eltern man hätte. Tief im Inneren hofft zwar jedes der Kinder, adoptiert zu werden und sogar in eine perfekte Familie zu kommen, doch sie wussten alle auch, dass die Chancen, in eine heile Familie entlassen zu werden, nicht so real waren. 


 


Nun war es soweit. Mary sollte adoptiert werden.


Ihr wurde gleichzeitig warm und kalt. Sie fing an zu schwitzen und ihr wurde mehr und mehr schwindelig. Aus irgendeinem Grund fiel ihr Gedanke sofort auf das Feriencamp. Sollte es ihr in dieser Situation doch eigentlich egal sein, so beschäftigte sie sich innerlich doch plötzlich sehr stark damit. Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als Rose sie erneut ansprach:


 


„Ich weiß, dass es sehr plötzlich kommt und auch dass das Feriencamp ansteht. Ich habe aus diesem Grund mit der Familie Brown gesprochen und wir sind einverstanden, wenn du doch erst einmal noch ins Camp fahren willst.“


Familie. Sie sagte Familie Brown. Jetzt noch war sie einfach nur Mary, doch schon bald sollte sie Mary Brown heißen. Mary Brown, nicht mehr nur ein Name, sondern eine neue Identität. Eine eigene Familie. Ohne irgendeinen großen Einfluss darauf zu haben, platzte es aus ihr heraus:


„Nein, das Feriencamp ist mir nicht so wichtig…Es ist nur…ich…es kommt so plötzlich und ich…“


 


Frau Brown unterbrach Mary: „Es ist dir zu plötzlich, das können wir verstehen. Wir dachten nur, dass die Ferienzeit eine gute Möglichkeit ist, dich in deinem neuen Zuhause einzufinden und die neue Umgebung kennen zu lernen.“


 


Rose übernahm das Wort: „Sicher wird das einige Zeit brauchen. Und wenn du dir sicher bist, nicht mit in das Camp zu fahren, dann würde ich dir vorschlagen, das Ganze erst einmal zu verdauen. Übermorgen holen dich die Browns dann ab. Bis dahin hast du genug Zeit, dich von allen zu verabschieden.“


„Verabschieden…als ob es irgendjemanden auffallen würde, wenn ich weg bin“, dachte Mary.


Ein fester Händedruck von Mr. Brown beendete das kurze Treffen und Rose begleitete Mary auf ihr Zimmer.


Dort angekommen, setzten sich Mary und Rose gegenüber an ihren kleinen Tisch.


 


„Ich kann mir vorstellen, wie schwer das alles für dich sein muss. Ich weiß aber auch, dass du die Umstellung sicher gut meistern wirst. Familie Brown macht einen guten Eindruck und ich bin mir sicher, dass du dich schnell als ein Familienmitglied fühlen wirst.


Ich will mich auch nicht verabschieden, aber Fakt ist, dass du nun ein neues Leben beginnst und ich nicht mehr für dich da sein kann. Sicher kannst du mich aber besuchen kommen, wenn du die Zeit findest. Verdaue das Ganze erst einmal und wir sehen uns nachher beim Abendessen.“


 


Rose verließ das Zimmer und im nächsten Augenblick war es totenstill im Einzelzimmer von Mary Brown.


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