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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Luzifer von Beelzebub, Jens Olbrich
Jens Olbrich

Luzifer von Beelzebub


Die verlorenen Teufel

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Erschrocken fuhr ich aus dem Schlaf. Was mich geweckt hatte, wusste ich nicht, aber tief in mir verspürte ich das dumpfe Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmte. Oder … hatte ich vielleicht doch nur schlecht geträumt? Es musste noch mitten in der Nacht sein. Vielleicht war auch schon früher Morgen. Dann aber sehr weit vor Sonnenaufgang, denn es war noch stockfinster. Neben mir hörte ich die leisen und gleichmäßigen Atemzüge von Beltaine. Draußen heulte der erste Novembersturm, der unerwartet in der Nacht aufgezogen war und, neben eiskalten Temperaturen, Unmengen von Regen mit sich gebracht hatte. Der Sturm war so stark, dass er sogar hier auf der Windschattenseite des Hauses noch am offen stehenden Fenster rüttelte, welches ich nur mit einem Sturmhaken gesichert hatte. Diese Geräusche waren es jedoch nicht, die mich aufgeweckt hatten. Im Gegenteil, in ihrer Natürlichkeit würden sie mich eher beruhigen. Selbst das leichte Quietschen und Klappern des Sturmhakens in der Öse, von Beltaines Atemzügen ganz zu schweigen. Ohne mich zu rühren versuchte ich zu ergründen, was mich aus dem Schlaf gerissen hatte. Die Schatten im dunklen Zimmer bewegten sich nicht. Außer dem Schatten, den die im hereinstreichenden Luftzug hin und her wehende Gardine verursachte. Jedenfalls soweit ich es liegend, ohne mich zu rühren und nur aus den Augenwinkeln heraus, verfolgen konnte. Nein, hier im Zimmer war niemand. Aber im Haus! Da war ich mir sicher! Und ebenso sicher war ich mir auch, dass es kein Mensch war, denn ich spürte die Aura unseres ungebetenen Besuchers. In ihr mischten sich vertraute magische Schwingungen mit fremden, die mir letztendlich auch wieder höllisch vertraut vorkamen. Zu dumm war nur, dass mir gerade nicht einfiel, woher … Sehr rätselhaft! Verflucht auch, wer war das? Gewiss war nur, dass ich offensichtlich nicht allein deshalb aufgewacht war, weil ich schlecht geträumt hatte! Ich überlegte. Zuerst ging mir die Frage durch den Sinn, wie zur Hölle unser ungebetener Gast an Kleopatra und Lazarus vorbei ins Haus gekommen war und wie zuvor über den Hof, den Lieschen und Ruprecht bewachten? Die einzig logische Erklärung war, es musste ein Bekannter sein. Jemand, dem sowohl die Gänse, als auch die Hunde vertrauten. Beltaines Atemzüge wurden kürzer. Unruhiger. Spürte sie vielleicht auch etwas? Anscheinend nicht, denn sie drehte sich auf die andere Seite, atmete einmal tief und beruhigt auf und nach wenigen Augenblicken schon wieder gleichmäßig weiter wie zuvor. Vorsichtig schob ich die Bettdecke beiseite und stand leise auf. Das sonst knarzende Bett hatte ich vorsichtshalber mit einem kleinen Zauber, dessen schwach schwefelgelbes Glühen schnell wieder erlosch, zum Verstummen gebracht. Auch davon hatte Beltaine nichts mitbekommen. Sie schlummerte friedlich weiter. Mit einem so verzückten Lächeln im Gesicht, dass mir allein schon bei dessen Anblick warm ums Herz wurde. Plötzlich erschrak ich, denn mich überkam unterschwellig das beängstigende Gefühl, dass dieser Blick mein letzter war, gewissermaßen ein Abschiedsblick für lange Zeit. Oder gar für immer!? Ich schüttelte den Kopf. Das war doch Quatsch … oder? Gut, zugegeben, seitdem Beltaine die ungeahnte Gabe der Empathie aus den dunklen Tiefen meiner teuflischen Seele ausgegraben hatte, überkamen mich zuweilen derartige Bauchgefühle. Und dummerweise hatten sie mich nie getrogen! Aber … nein! Schluss jetzt! Heute musste sich mein Bauch einfach irren! So ein Theater aber auch! Vorsichtig den drei quarrenden Dielen ausweichend – die dafür nötigen Schritte kannte ich bereits im Schlaf – schlich ich leise aus dem Zimmer und zog, ebenso leise, die Tür hinter mir zu. Meine Anspannung wuchs. Der Flur lag düster und verlassen vor mir und wurde nur etwas erleuchtet durch den flackernden Widerschein des Kaminfeuers, der gespenstisch über die Wand gegenüber der offenstehenden Wohnzimmertür geisterte. Kleopatra und Lazarus lagen ruhig vor dem Kamin. Nur die Köpfe hoben sie leicht, denn natürlich hatten sie mich gehört. Unbemerkt an ihnen vorbeizukommen war unmöglich. Höllenhunde ließen sich nicht einfach mal eben so überraschen. So leise war niemand! Jedenfalls nicht ohne massive Magie anzuwenden! Was mich wiederum zu unserem Besucher brachte! Die Hunde mussten ihn kennen. Das Einfachste wäre jetzt natürlich gewesen, sie zu fragen. Andererseits … wenn wirklich eine Gefahr bestünde, würden sie mich auch ungefragt warnen. Da sie das jedoch nicht getan hatten und mich nur verwundert und fragend zugleich mit großen Augen ansahen … machte ich mich nachher nur lächerlich! Ich schüttelte daher nur gelassen den Kopf und deutete den beiden mit einer beruhigenden Geste, dass sie getrost liegen bleiben könnten. Dann schlich ich, aufmerksam und angespannt zugleich, weiter. Die Präsenz des ungebetenen Besuchers verdichtete sich, je näher ich der Küche kam. Obendrein wurde sie auch, auf ganz natürliche Art und Weise, durch den spärlichen Lichtschein bestätigt, der unter der Küchentür hindurch in den dunklen Flur hinaus drang. Wer auch immer das war, er versteckte sich nicht. Er saß vermutlich in aller Seelenruhe da drinnen und erwartete mich. Trotz der beruhigenden Anzeichen sah ich mich, eingedenk meines Bauchgefühls, nochmals sorgfältig um. Der Fußboden vor der Küchentür war trocken. Also entweder war der Besucher schon so lange da drinnen, dass die nassen Fußstapfen, die er unweigerlich bei dem Regenwetter hätte hinterlassen müssen, schon getrocknet waren oder er war auf magischen Wegen direkt in der Küche gelandet. Ich vermutete Letzteres. Ich erwog noch einen Abwehrzauber zu weben, entschied mich dann jedoch dagegen und drückte leise die Türklinke nach unten. „Ah, kommst du auch schon? Immerhin! Auf jeden Fall bist du etwas Aufmerksamer geworden nach der Geschichte mit Katelyn! Das ist ja schon fast preisverdächtig!“, empfing mich sofort – noch bevor ich die Tür weit genug aufgeschoben hatte und ihren Besitzer hätte sehen können – eine spöttische wie zugleich auch wohlbekannte Stimme. Geysirius! Er hatte sich beim Reden nicht einmal zu mir umgewandt. Mit dem Rücken zur Tür saß er am Tisch und starrte unverwandt in Richtung Fenster, vermutlich auf Ruprechts quietschgrüne Lieblingsgardine mit schneeweißen Gänseblümchen. „Du? Hier? Alle Welt sucht dich! Bereits seit Wochen! Und nach all der Zeit fällt dir nichts Besseres ein, als unbedingt mitten in der Nacht bei mir einzusteigen?!“, bemerkte ich sofort erbittert um Fassung ringend. In mir brodelte die Empörung. Wie er, ließ auch ich die Begrüßung weg. „Sorry!“ Geysirius Schultern hoben und senkten sich. Offenbar erregt, holte er tief Luft. „Ja, natürlich musste ich mitten in der Nacht kommen – oder denkst du etwa, ich wüsste nicht, dass ich gesucht werde?!“ Er löste, wie es schien empört dabei den Kopf schüttelnd, seinen Blick von der zugegeben geschmacklosen Gänseblümchen-Gardine und drehte sich langsam zu mir herum. Ohne die Vorhänge weiter zu kommentieren, sah er mich, nochmals tief Luft holend, mit einem so verzweifelten Gesichtsausdruck an, dass er damit meiner Entrüstung sofort den Wind aus den Segeln nahm. Er steckte in Schwierigkeiten, das war nicht zu übersehen! Ich unterdrückte daher weitere Vorwürfe ob seines Verschwindens sowie des nächtlichen Überfalls und beschränkte mich darauf, einfach frustriert mit den Augen zu rollen. Um Zeit zu gewinnen und auch um mich zu beruhigen, zog ich mir umständlich den Stuhl ihm gegenüber zurecht, setzte mich langsam und fragte dann ohne Umschweife: „Also, sag‘ schon, was brennt dir auf der Seele?“ „Wenn ich das wüsste!“ Geysirius seufzte schwer und schob wie beiläufig eine Tasse Tee zu mir herüber. Verblüfft starrte ich erst die Tasse und dann ihn an. „Oh …“, bemerkte ich dann, nicht wirklich begeistert, „… sehr aufmerksam von dir! Danke!“ „Wenn ich dich schon mitten in der Nacht aufwecke …“, Geysirius zog eine zerknirschte Miene und zuckte, ein schlechtes Gewissen andeutend, mit den Schultern. Ich beachtete sein Schauspiel nicht weiter und kostete. Der Tee war gut. Wie es sich gehörte, gewürzt mit einem ordentlichen Schuss Schwefel. Aber da war noch irgendetwas anderes … eine besondere Note. Ich schmeckte sie deutlich heraus. Und ich roch sie auch. Sie kam mir seltsam bekannt vor. Doch sosehr ich in meinem Gedächtnis kramte, ich kam nicht darauf, was es sein könnte und wo ich sie bereits gekostet hatte. Irgendwie genauso, wie es mir Augenblicke zuvor mit der Aura ergangen war! Verflucht, ließ etwa mein Erinnerungsvermögen nach? Andererseits war das im Moment auch eher egal – immerhin saß mir vis-à-vis Geysirius und nicht irgendwer! Die Kräuter waren auf jeden Fall nicht aus meinem Vorrat. Er musste sie mitgebracht haben … warum auch immer! Zumindest – mit einem unauffälligen Blick vergewisserte ich mich – hatte er den Sud angemessen gebrüht. Wie ich es bevorzugte. Mit heißem Wasser aus meinem kleinen, von allen belächelten, Wasserkocher. Die Lache bewies es, denn man konnte den Topf beim Gießen halten wie man wollte, etwas tropfte immer daneben. Doch auch das war jetzt nicht von Belang. Einen weiteren kleinen Schluck aus der Tasse nippend fragte ich: „Dann erzähle doch erst einmal das, was du weißt!“ „Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen – ich weiß wirklich nicht, was los ist! Seitdem du mich in Eniloracs idyllischem Höllen-Kerker eingesperrt hattest …“, Geysirius sah mich für einen Moment Entschuldigung heischend an, „… verzeih, das sollte jetzt kein Vorwurf sein, du musstest es tun! Also, wie auch immer, seitdem geistern mir furchtbar düstere Gedanken durch den Kopf. Düstere Sachen, die ich einfach nicht loswerde!“ „Okay … und was sind das für furchtbar düstere Sachen, die dir so durch den Kopf geistern?“, hakte ich nach, während ich über den Tassenrand hinweg seine Miene studierte. Er wirkte sehr angespannt. Die grünlichen Warzen, sonst sehr hell, hatten sich kräftig dunkelgrün verfärbt und die Haut war von tiefen Falten zerfurcht. Nur der lange weiße Bart schien unverändert. Er war wie immer sorgfältig gebürstet und kunstvoll mit frischem, leicht nach Fisch duftendem Binsenkraut durchflochten. „Ein böser Fluch möglicherweise. Befürchte ich jedenfalls.“, antwortete Geysirius derweil irgendwie brummig. Oder genervt? „Es ist, als ob … ach was weiß ich! Deshalb war ich ja dann auch so still und heimlich von eurer quietschfidelen Halloweenparty geflüchtet und hielt mich seitdem versteckt.“ „Ein böser Fluch? Verdammt!“ Bestürzt starrte ich ihn an. „Und wie äußert er sich?“ „Ich habe den unwiderstehlichen, beinahe teuflischen Drang, furchtbare Dinge zu tun. Ich kann mich kaum noch bremsen!“ Ich schluckte schwer. Den teuflischen Drang. Eigentlich mehr als normal für unseren Clan – man musste nur damit umgehen können! Etwas, was Geysirius eigentlich sehr gut konnte. Holte meinen guten Wassergeist-Onkel etwa seine teuflische Vergangenheit ein? Nein, das war unmöglich, Vater hatten wir eingesperrt. Der saß sicher verwahrt im Eispalast. Und wenn vielleicht ein anderer böser Geist…


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