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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Lichtbringer, Daniela Höhne & Torsten Low (Hrsg.)
Daniela Höhne & Torsten Low (Hrsg.)

Lichtbringer



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Duell bei Nacht


Im Jahre 584



Saïd löste den Verschluss des Schleiers, der seine untere Gesichtshälfte bedeckte, und ließ ihn im Wind flattern; eine Fahne aus gelbem Stoff in einem Chaos aus Schwarz und Weiß. Schneeflocken jagten an ihm vorbei, verfingen sich in seinen Augenlidern und bedeckten den Hals seines Pferdes wie Puderzucker. Saïd erinnerte sich an eine alte Legende: In solchen Nächten zürnten die Götter der Welt der Menschen und ließen die Asche der Verstorbenen als Mahnung an ihre Sterblichkeit auf sie herabregnen. Fast konnte Saïd das Wehklagen der in alle Winde zerstreuten Seelen hören. Oder war das nur der Wind, der auf den Baumwipfeln sein trauriges Lied spielte? Der krude Unterstand auf der Lichtung duckte sich im Wind wie ein Hund vor der Hand seines Herrn. Jäger mochten die Hütte in den wärmeren Monaten nutzen, doch in dieser Nacht bot sie Unterschlupf für einen Gejagten. Saïds Hand tastete nach dem Griff seines Yatagans. Sechs Wochen hatte die Jagd angedauert. Zwei Mal war die Beute ihm bereits entwischt. Doch in dieser Nacht, in einem Wald irgendwo an der Grenze zwischen Vendarien und Irghen M’ad, war es zu Ende, die Beute gestellt. Saïd zog seinen Säbel und dirigierte sein Pferd mit einem Schenkeldruck in Richtung der Hütte. Der Wallach lehnte sich in den Wind und setzte langsam einen Huf vor den anderen. Kein Laut verriet Saïds Kommen, denn der Schnee dämpfte die Hufschläge und der Wind stahl alle anderen Geräusche. Dennoch war sich Saïd sicher, dass seine Anwesenheit nicht unbemerkt geblieben war. Nur noch wenige Meter trennten Saïd von der Hütte, als plötzlich ein Pferd wieherte. Saïd zuckte zusammen und sagte sich im selben Moment, was für ein Narr er war. Natürlich, da stand er, fast unsichtbar im Zwielicht unter den Bäumen: der Rappe, mit dem Saïds Beute immer einen Schritt vor seinem Verfolger geblieben war. Er wieherte noch einmal, fast spöttisch, und starrte herüber. Seine Augen waren unsichtbar zwischen dem schwarzen Fell und der noch finsteren Nacht. Der Mond versteckte sich hinter den Wolken wie ein Kind, das man ausgeschimpft hatte. Saïd glitt aus dem Sattel und führte sein Pferd zu dem Rappen. Die Zügel schlang er um den Ast einer Fichte. Er hielt den Yatagan fest umklammert, während er die Hütte umrundete. Durch Spalten drang das Licht eines Feuers. Zwischen dem Geruch des Schnees und der stechenden Kälte stieg Saïd der Duft gebratenen Fleischs in die Nase. Er wischte sich mit dem Handrücken über den Mund und schluckte. Seine Gedanken weilten einen Moment beim Inhalt seiner Satteltaschen: Trockenobst und Brot, kein Käse, keine Streifen Hammelfleisch. Saïd war ausgehungert, sein Gesicht eingefallen, was ihn zusammen mit den buschigen Augenbrauen und dem stechenden Blick ein finsteres Aussehen verlieh. Die Tür der Hütte war aus morschem Holz und hatte keine Angeln. Saïd lauschte einen Moment angestrengt, dann versetzte er der Tür einen Stoß und sah zu, wie sie in Zeitlupe aus ihrem Rahmen und mit einem dumpfen Laut zu Boden fiel. Saïd hielt den Yatagan ausgestreckt vor sich und betrat den Unterstand. Das Feuer in der Mitte des Raumes ließ Zungen aus Licht über die Wände lecken. Ein Luftzug fegte herein und ließ die Flammen wie ekstatische Priesterinnen aus Saïds Heimat tanzen; zuckende Körper aus Feuer, deren Bewegungen abgehackt wirkten. Schnee wehte herein und schmolz in der leidenschaftlichen Umarmung der Flammen. Saïds Beute saß regungslos vor dem Feuer und beobachtete, wie es um einen Stock herumtanzte, auf dem die blutigen Überreste eines Kaninchens aufgespießt waren. „Mach die Tür zu.“ Die Stimme war die eines alten Mannes, müde und erschöpft.


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