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> Fantasy Bücher > Larissa Blackwood Band -1
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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Larissa Blackwood Band -1 , Michael. Kruschina
Michael. Kruschina

Larissa Blackwood Band -1


Die Geisterfrau von Brighton

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Scott Dead schlich durch die Straßen der Stadt. Zumindest ging er davon aus. In Wirklichkeit torkelte und schwankte er von einer Seite zur anderen. Der 45-Jährige war betrunken, um nicht zu sagen voll wie eine Haubitze. Ein ums andere Mal geriet er ins Stolpern. Wüst beschimpfte der Mann daraufhin den Boden, der sich wie wild gebärdete und ihn durch sein Schwanken fast umwarf. Noch vier Straßen und Scott wäre endlich zu Hause angekommen. Dort schlief hoffentlich seine Holde tief und fest. Sie hatte überhaupt kein Verständnis dafür, wenn er sich mit den Kumpels im Pub traf, um sich die neuesten Geschichten zu erzählen. Dabei zischte jeder der Männer einige Ale, auch über den Durst hinaus. Mit geölter Zunge fiel das Reden sehr viel leichter, da waren sich alle Anwesenden einig. Bezeichnend, dass keine Frau der Runde angehörte. Doch das verstand seine Ehefrau, sehr zu seinem Leidwesen, nicht. »Frauen halt!«, dachte er bei sich. Aus einer der kleinen Gassen kam ihm eine Person entgegen. Eine ältere Dame, die mit ihrem weißen Pudel Gassi ging. Fast wäre Dead mit der armen Frau zusammengestoßen, die erschrocken aufschrie und sich dabei die Hand vor den Mund hielt. Der Hund kläffte wie verrückt und zog am Halsband. Auch er erschrak durch das plötzliche Auftauchen des Mannes, der wie ein Gespenst aus der Dunkelheit der Nacht erschien. Der Schein der nächsten Straßenlaterne reichte nicht bis zu dieser Stelle. Das vernebelte Gehirn Scotts brauchte eine gefühlte Ewigkeit, um sich auf die neue Situation einzustellen. Der Alkohol ließ vieles unscharf erscheinen, auch den Körper der älteren Dame. Den kleinen bellenden Hund nahm er zuerst gar nicht wahr und wäre fast auf diesen getreten. Mit einem mutigen Satz zur Seite brachte der sich in Sicherheit, trippelte schnell zu seinem Frauchen, um sich hinter ihrem Rücken zu verstecken. Mit dem Kopf schaute er an den Beinen vorbei, ob der ungehobelte Mensch noch immer da war. Aus sicherer Deckung wurde dieser angeknurrt. Doch in dem angetrunkenen Zustand bekam das der 45-jährige Mann überhaupt nicht mit. Die Dame, mit einer gelben Pudelmütze bekleidet, einen bunt gestrickten Schal um den Hals gewunden, dazu ein dunkler Regenmantel, der das Outfit komplettierte. Es regte leicht zum Schmunzeln an. Mit Worten versuchte sie, im leicht mütterlichen Ton, den immer noch bellenden Pudel zur Ruhe zu bringen: »Schon gut Schnuffi, ich hab mich doch auch erschrocken. Aber es ist ja schon vorbei Schnuffi. Ja, ist schon gut mein Kleiner!« Erst als der Hund leiser wurde und ganz verstummte, wandte sie sich dem Mann vor ihr zu. »Also wissen sie ...!«, verdutzt hielt sie inne, kaum mit ihrer Standpauke beginnend. »Sie sind es Mister Dead? Haben Sie uns erschreckt! Was machen Sie denn um diese Uhrzeit noch unterwegs?« Fragend blickte die nun neugierig gewordene Frau Scott an. »Gu … guten Abend Mrs. Peer, Tschuldigung, wollte die Herrschaften nicht er … erschrecken. Ich muss nach Hause zu meiner Fr … Frau.« »Ja Mister Dead, eine gute Idee, zu dieser Zeit sollte ein Mann nicht alleine in der Stadt spazieren gehen. Sie wissen doch, der Geist von Bethany Nightford geht wieder um. Schon viele sind ihrem Rachedurst erlegen, meiden Sie besonders die verfluchte Alley-Gasse. In dieser haust sie - die Schlitzende Alley!« Der Name ging in ein Flüstern über, als sollte niemand ihn auch nur hören dürfen. Aus Angst, er lockte eben diese unheimliche Gestalt an. »Äh ja, die Ally Schlitzende, nee gibt’s doch gar nicht! Alllees Ammenmärchen Mrs. Peer, sag ich, Ammenmärchen!« »Die Schlitzende Ally«, Mister Dead, so heißt die todbringende Gestalt aus grauer Vergangenheit.« Korrigierend griff die Dame ein. »Äh was? Sagte ich doch! Ally schlitzen, ganz meine Rede. Soo, jetzt muss der alte Dead aber ab in die Heia, es ist schoon spät geworden. Gute Nacht!« »Gute Nacht, Mister Dead, und passen Sie gut auf sich auf!« Scott hob noch einmal grüßend den linken Arm und winkte der Frau zu. Schwankend setzte er den Heimweg fort. Scott war zwar stockbesoffen, doch die Worte der nächtlichen Spaziergängerin drangen doch durch den diffusen Wattebausch in seinem Kopf. Auch er kannte natürlich die Geschichte der Bethany Nightford. Jeder Einheimische tat das. Von dem letzten Vorfall mit dem Touristen sprach noch immer die ganze Stadt. Welch unfassbares Glück er doch hatte, dem Messer der Geisterfrau entkommen zu sein. Durch die Gedanken abgelenkt und eh schon gehandicapt, bog Scott doch in die falsche Straße ein. Auf dem Straßenschild war der Name Ally-Gasse in blassen Lettern zu lesen … Die Gasse schluckte den Mann förmlich. Nach ein paar Schritten veränderte sich sie Atmosphäre in der engen Seitenstraße mit dem berüchtigten Namen. Scott Dead fror, mit einem Mal kroch die Kälte in seine Knochen. Instinktiv zog er den Mantel enger, um sich davor zu schützen. Doch diese Kälte war nicht den Temperaturen geschuldet. Es war die Eiseskälte des Jenseits, das den Mann umschlang und in ihren Klauen hielt. Immer kälter wurde es, dichter Dampf entwich dem Mund Scott Deads. Verwundert schaute er ihm nach. Wie in Zeitlupe breitete sich dieser schwebend aus. Wie dichter Nebel hing der kondensierte Atem vor ihm in der Luft. Mit weitaufgerissenen Augen beobachtete Sott das unheimliche Geschehen um ihn herum. Immer deutlicher drang in sein Bewusstsein, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Immer tiefer tröpfelte die Wahrheit ein, wie durch einen porösen Stein. Es schien, als würde er mit jedem seiner Schritte nüchterner werden. Als ob jemand wollte, dass er alles bei klarem Bewusstsein mitbekam. Scott schüttelte sich und rieb die Hände aneinander, doch das brachte nicht den erwarteten Erfolg. Es vertrieb die Eiseskälte nicht. Das Vorankommen gestaltete sich immer schwieriger, als würde er durch zähe Watte schreiten, die an ihm klebte, so fühlte sich die kalte Luft an. Langsam kroch Angst in ihm empor, stieg höher und überflutete sein Denken. Er war falsch abgebogen und in der Alley-Gasse gelandet. Zwar hatte er nie an die Schauergeschichten geglaubt, die im Umlauf waren. Doch mied er instinktiv immer diese Straße. Und zu dieser späten Stunde erfuhr er, dass ihn sein Instinkt nicht in Stich gelassen hatte, bis heute … Scott wollte umdrehen! Nur raus aus dieser Mausefalle, in die er sich manövriert hatte! Doch es half nichts, immer schwerer fiel ihm das Gehen. Sein Herzschlag beschleunigte sich, trotz der Kälte schwitzte er – Angstschweiß rann an ihm hinab. Mit einem Male vernahmen seine Ohren ein Kichern. Es war überall um ihn herum, ließ sich nicht orten. Eine Frauenstimme, die mit ihm Schabernack trieb und seine Furcht weiter anfachte wie eine Flamme, die neue Nahrung bekam. Ganz nah an sein linkes Ohr drang ein Hauch, die Stimme zischte ihm etwas zu: »Auch du wirst bezahlen, bis ich es wieder habe! Sag mir, wo es ist, dann lasse ich dich am Leben!« Scott Dead zittere am gesamten Leib. Die Schlitzende Ally war da! Es war um ihn geschehen, nur wenige Männer konnten ihr bisher entfliehen. Stotternd suchte er nach den passenden Worten, aber mehr als ein Stammeln brachte er nicht zustande:« Ic … Ich weiß … weiß nicht, was Sie von mir wollen. Bit … Bitte lass … Sie mich gehen!« »Gehen lassen soll ich dich?«, fragte die geisterhaft klingende Stimme. Die Frage tropfte nur so von Häme. Das Schicksal des armen Manns war damit besiegelt. »Ja, bitte!«, jammerte er noch einmal. Schluchzend ließ er seinen Blick kreisen, doch noch immer erkannte Scott keine Gestalt in der Gasse. Doch sie war da! Unverändert langsam bewegte sich Scott, darum bemerkte er die geisterhafte Gestalt nicht, die sich gerade hinter seinem Rücken bildete. Ektoplasma formte sich zu einer durchscheinenden Frau, deren Gesichtsausdruck puren Hass widerspiegelte. Das erkannte man, obwohl ihr Körper immer noch durchscheinend war. Es war möglich, teilweise durch sie hindurchzusehen. Die Erscheinung war ganz in Weiß gehalten, nur ihre Augen nicht, diese glühten in einem infernalischen Rot. Ein Gruß aus dem Reich der Toten. Bethany Nightford materialisierte sich aus dem Zwischenreich und holte sich ihr nächstes Opfer – Scott Dead. Noch immer ahnte er nicht, was sich hinter ihm abspielte, bis sich ihm eine eiskalte Hand in den Nacken legte. Er gefror vor Schrecken buchstäblich auf der Stelle. Doch es war zwecklos, die Geisterfrau von Brighton kannte keine Gnade. Und zeigte dies auch wieder, gnadenlos reagierte sie auf die Worte des Mannes. Mit der einen Hand berührte sie ihn am Nacken, mit der anderen hatte sie etwas anderes vor, etwas Tödliches. Widerstandslos tauchte sie durch die Jacke, den Rücken, bis sie ihr Ziel in ihren eiskalten Klauen hielt, das pochende Herz Scott Deads. Schmerzhaft wurde dem Mann bewusst, dass ihm die letzte Stunde schlug. Aus diesem Griff gab es kein Entkommen mehr. Diesmal tötete der rachsüchtige Geist von Bethany Nightford sein Opfer, indem sie ihm das Herz zusammendrückte. Mit der Kraft ihrer bösen Gedanken und der ihr dadurch gegebenen Macht war sie imstande, Gegenstände zu berühren oder zu zerdrücken, so wie in diesem Fall. Ein qualvolles Stöhnen entrang sich seinen Lippen. Noch immer drückte die Geisterfrau erbarmungslos zu. Bis zu dem Punkt, an dem das Herz aufhörte zu schlagen. Scott sank langsam in die Knie. Bevor er den nassen Asphalt berührte, war alles Leben aus ihm gewichen. Mit angstgeweiteten und gebrochen Augen, in denen sich der Schrecken und die Qual der letzten Minuten widerspiegelten. Neben dem toten Körper stand die Schlitzende Ally und schaute mit einem triumphierenden Lachen auf diesen hinab. Das Gelächter schallte weit durch die Nacht. Viele Menschen hörten es, verkrochen sich anschließend noch tiefer in ihren Bettdecken. Oder schlugen Kreuzzeichen und sprachen leise ein Gebet. All das kümmerte Bethany Nightford nicht, so geheimnisvoll und unsichtbar wir er begonnen hatte, endete auch der Spuk. Zurück blieb ein weiteres Opfer des rachedürstenden Geistes …


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