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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Karon, Leonore Pothast
Leonore Pothast

Karon


Kein Kampf ist gerecht

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Er saß auf der Mauer, den vom Halten bereits angegriffenen Zettel vor sich liegend, und starrte auf die wirren Buchstabenreihen – als eine der Türen sich öffnete. Karon sprang von der Mauer (er fühlte sich immer ertappt, wenn ein Schwarzer oder Brauner ihn sitzend vorfand) und steckte die Papiere unter seinem Hemd in den Gürtel. Die Hereingekommen waren Lata und seine engsten Freunde – kein gutes Zeichen. Schweigend wartete Karon, bis die Schwarzen ihn umringt hatten.


„Hast du einen Brief bekommen, Roter? Von deinen Eltern?”, fragte Lata höhnisch.


Der Schwarze schien keine Antwort zu verlangen. „Gib mir den Brief!“


Einen Moment überlegte Karon, ob es sich lohnte, zwei von ihnen aus dem Weg zu stoßen und fortzulaufen – es wäre ihm gelungen, aber die Folgen wären unabsehbar gewesen. Gewalt gegen einen Höherstehenden war ein schweres Verbrechen. Er griff unter sein Hemd und reichte Lata widerstrebend den Zettel mit der Geheimbotschaft.


Der Schwarze klappte das Papier auf und überflog die Zeilen; dann lachte er. „Ich hatte vergessen, dass deine Eltern Analphabeten sind. Was schreiben sie dir denn? Dass sie dich lieben und an dich denken? Dass sie stolz auf dich sind? Schade, dass sie kein Geschenk beilegen durften! Hätte mich interessiert, was Rote ihren Kindern schenken.


Haha, kein Wunder, dass du aus dem Geschreibsel nicht schlau wirst!“


Karon schwieg und wartete, bis alle Jungen den Brief gelesen und sich gebührlich amüsiert hatten. Dann reichte Lata ihm das Blatt, auf dem die Originalbotschaft stand: „Iss ihn auf!“


Karon nahm den Zettel in die Hand und ging alle Fluchtmöglichkeiten durch – doch es half nichts. Er musste Lata gehorchen. Lata war ein Schwarzer, er war ein Roter, und was ein Schwarzer sagte, hatte ein Roter zu tun; die Gesellschaft hatte für sie nichts anderes vorgesehen. Er riss einen Streifen des Blattes ab, steckte ihn in den Mund und kaute. Das Papier weichte auf, klumpte, nahm einen seltsam faden und klebrigen Geschmack an und wurde hart und faserig. 


Sobald Karon geschluckt hatte, befahl Lata: „Weiter!“


 


Der Rote riss einen zweiten Streifen ab (diesmal verschwanden von jeder Zeile die letzten vier Zeichen) und aß ihn, langsam und bedächtig, während Lata befriedigt jede seiner Bewegungen verfolgte.


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