Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Fantasy Bücher > Jorge, Pinguin im Kopf
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Jorge, Pinguin im Kopf, Jaana Redflower
Jaana Redflower

Jorge, Pinguin im Kopf


Humorvoller Roman

Bewertung:
(233)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
1257
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
Edition Paashaas Verlag, www.verlag-epv.de
Drucken Empfehlen



Der Zwischenfall im Einkaufscenter


 


Es war achtzig Grad, Sommerabend. Zumindest fühlte es sich so an. Die Luft im Einkaufscenter stand vom Ausgang bis hin zu dem Schalter, der in weiter Ferne lag und den ich vor Ladenschluss noch zu erreichen hoffte. Vermutlich stand die Luft auch noch darüber hinaus, doch das konnte ich nicht mehr erkennen. Ab einer gewissen Entfernung trübt der Dunst die Sicht doch erheblich – zumal in einer derart schwülen Sommernacht.


Gerade beobachtete ich eine ältere Dame dabei, wie sie ihren rosa Regenschirm aus den Klauen eines wild gewordenen Rentieres befreien wollte, als ER mich von der Seite unten rechts ansprach: „Na, du Dummkopf?“


Ich blickte mich einmal um, um sicherzugehen, dass er wirklich mich meinte.


„Hä?“


„Ja, genau dich Döspaddel mein ich!“


Ich schaute genauer hin – nach der Seite, rechts, unten. Ich blinzelte.


„Was machst DU denn hier?“, fragte ich verwundert.


„Na, vermutlich das Gleiche wie du: rumstehen und warten“, gab ER zurück.


„Ja, ja, aber ich meine ...“, stammelte ich. Dann fiel mir noch etwas viel Wesentlicheres ein: „Wieso redest du denn überhaupt?“


„Na, wieso denn nicht?“, erwiderte ER.


„Weil, weil ...“, stotterte ich verwirrt – und etwas nervös – weiter, zumal das Rentier mittlerweile die Oma in den Knöchel BISS. Doch es war nicht zu leugnen! „Weil du ein Pinguin bist!“


Einen Moment herrschte Stille. Dann zuckte ER die Schultern, klapperte kurz mit dem Schnabel und meinte, so abschätzig er konnte (und das war SEHR abschätzig): „Na und? Ich stehe doch genau wie du hier in diesem abgefuckten Einkaufscenter, stehe sogar auf zwei Beinen“, hier warf er mir einen vielsagenden Blick zu, „und hätte gern eine Whiskey-Cola. Oder“, er klapperte wieder mit dem Schnabel. „lieber eine Whiskey-Soda auf Eis.“


Mir klappte die Kinnlade runter. In meinem Kopf arbeitete es. Links von mir klaute das Rentier der Oma die Perücke.


„Ja, aber, du ...“, hob ich gerade wieder an, als ER mich rigoros unterbrach.


„Ja, aber, ja, aber ...“ Er machte eine verächtliche Bewegung mit der Flosse. „Das zeigt doch schon deine negative Einstellung!“


„Ein...stellung?“


„Sei gechillt, Alter!“ Er wippte mit dem Kopf. „Überhaupt solltest du mal ein bisschen toleranter werden!“


„Aber ich BIN tolerant!“, protestierte ich. „Ich toleriere sogar ...“


Wieder unterbrach er mich: „Die Leier kenn ich zur Genüge! Und das ‚aber‘“, er warf mir einen Tod bringenden Blick aus seinen kleinen, kalten Pinguinaugen zu. „hab ich ebenfalls gehört.“


Mir brach der kalte Schweiß aus. Ich blickte Hilfe suchend nach links zur kahlköpfigen Oma. Doch von der war keine Hilfe mehr zu erwarten. Der Kampf mit dem Rentier schien sie ihre letzten Kräfte gekostet zu haben, denn sie griff sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an die linke Brust. Das Rentier lief mit einem breiten Grinsen im Gesicht, der Perücke auf dem Kopf und dem keck übers Geweih gehängten rosa Schirm davon. Ich schluckte. Mein Puls raste. Was hatte dieser kalte, zwielichtige Geselle mit mir vor?


Nun grinste auch ER. Es war kein schönes Grinsen. Überhaupt war sein Schnabel spitz. Viel zu spitz. Ich wollte irgendwas tun, sprechen, handeln – aber ...


Das hab ich ebenfalls gehört!!, dröhnte es in meinem Schädel. Unwillkürlich fasste ich mir mit den Händen an die Schläfe. Massierte. Flehte. War er denn – konnte es denn sein – in meinem Kopf?


Natürlich kann ich das!!, dröhnte es wieder. Weißt du denn überhaupt GAR NICHTS über Pinguine?!


„Sch... schon ...“ Ich überlegte. Verzweifelt. „Pinguine sind, ähm, klein ...?“


Sein Blick wurde stechender. NOCH stechender. Warum nur hatte ich ausgerechnet das erwähnt? Ich wusste doch mehr ... Ich hatte doch mal mehr gewusst über ... Pinguine ...


„Und, ähm, sie leben am ... am Südpol und, äh, manche auch am Äquator ...“


Das gab mir Aufschub. Damit hatte der kleine gemeine Kerl wohl nicht gerechnet, dass ich wusste, dass ...


Kleiner gemeiner Kerl?!


Argh. Er war immer noch in meinem Kopf! Seltsamerweise bewirkte sein neuerlicher Anschlag das Gegenteil von dem, was er damit hatte erreichen wollen. Ich sah ROTE Schleier ... Ich hatte keine Angst mehr... Meine, wie ich fand, ganz herausragenden geografischen Kenntnisse hatten mir neue Kraft gegeben ...


Und dann sah ich es: Unschuldig an den leblosen Körper der Oma gelehnt – mein Freund, mein MG! Blitzschnell schnappte ich es mir und nahm DEN PINGUIN ins Visier. Jetzt hatte ich ihn! Sein Grinsen verzog sich zu einer Grimasse. Seine kalten Äuglein wurden noch kälter. Angst schien er keine zu haben. Ich spannte den Abzug. Der Pinguin trippelte ungeduldig mit dem Fuß. Der dachte wohl, ich schieße nicht! Aber da hatte er sich wohl geschnitten, der elende Kerl! Ich spannte weiter ... Der Pinguin starrte arrogant auf mich herab. Das schaffte er, obwohl er über hundert Zentimeter kleiner war als ich.


Mach schon!


Die Stimme in meinem Kopf konnte auch verführerisch flüstern ...


Und ich MACHTE. Und es GESCHAH. Und es war GEWALTIG!


Die erste Salve traf mitten in die Schaufensterscheibe des Spielzeugladens. Die zweite knallte, streifte mein Ohr (wie kam sie nur dahin?). Aus dem Augenwinkel heraus sah ich, wie das Rentier samt Perücke zu Boden ging. Beim dritten Mal hatte ich IHN. Ha! Der Pinguin flog meterweit nach hinten, knallte durch die zersplitterte Scheibe, landete auf dem Tender der Lok einer Spielzeug-Bahn ...


Plötzlich packte mich jemand hart an der Schulter. Für einen Moment schien alles zu verschwimmen. Dann wurde es wieder klar. Und ... irgendwie realer. Ich blinzelte. Rechts von mir lag umgekippt das Rentier auf dem Boden, der Pinguin dahinter in der Auslage des Schaufensters. Nur die Oma mit dem Herzinfarkt blieb, wie sie war: kahlköpfig, die Perücke fort (durchtränkt in einer riesigen Pfütze) – und ein bisschen zu leblos, selbst für eine sehr alte Oma. Als ich mich umdrehte, um zu gucken, wer mich so hart an der Schulter gepackt hielt, starrte mir ein übellauniger Ordnungshüter entgegen und bellte: „Würden Sie bitte unterlassen, mit der Wasserspritzpistole die Deko nass zu spritzen?!“


Betreten senkte ich den Lauf meiner Plastik-MG. Dann leistete ich der Aufforderung des Polizisten, doch bitte mitzukommen, widerstandslos Folge.


Und ich schwöre, einige Tage später, in der Psychiatrie, war der kalte Kerl auf einmal wieder da. Er saß gegenüber auf dem Bett und zischte mir zu: „Hey Kumpel, lass uns den Zwischenfall im Einkaufscenter lieber vergessen.“ Diesmal nuschelte er etwas, weil er eine Zigarre im Schnabel hatte. „ABER ... ich wette, du traust dich nicht, die Portokasse zu klauen ...“


 


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2020 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 4 secs