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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Hochzeit der Vampire, Hagen Ulrich
Hagen Ulrich

Hochzeit der Vampire



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Als die Nachricht im Palast des Paschas von Marrakesch eintraf, versammelte man sich im Diwan beim Gouverneur und beriet die Situation. Ein schlimmer Zwischenfall hatte sich ereignet und eine der ältesten Familien des Landes betroffen, eine ganz besondere Familie. Besorgt blickte der Gouverneur seine Beamten an.


„Wer sagt es ihr?“ Unbehaglich wanden sich seine Berater auf ihren Sesseln im Diwan und schwiegen. „Ich will mir nicht vorstellen, wie sie reagieren könnte.“ Auch dem Gouverneur war nicht sehr wohl zumute, niemand war gern der Überbringer solch schlechter Nachrichten. Und Nachrichten konnten kaum schlimmer sein als es diese war. Ein Flugzeug war versehentlich abgeschossen worden und es hatte Mitglieder des Al-Buchari-Clans nach Katar bringen sollen. Nun waren diese Familienmitglieder tot, verbrannt in den Trümmern der abgeschossenen Maschine, dem Irrtum eines US-Soldaten zum Opfer gefallen, der eine Rakete zur falschen Maschine geschickt hatte. Ein Kollateralschaden der Terrorbekämpfung.


„Ist Scherif Musa in seiner Residenz?“ Einer der Beamten nickte. „Dann bitten Sie ihn, die traurige Botschaft an Lalla Sara zu überbringen. Die Regierung sichert alle nötige Aufklärung zu, man hat schärfstens bei der US-Botschaft protestiert und den Botschafter einbestellt.“


„Was nichts bringen, wird wie wir alle wissen. Die Amis machen was sie wollen“, entgegnete einer der Berater zynisch. Zustimmendes Gemurmel ertönte und der Gouverneur nickte ebenfalls betroffen.


„Es ist ein riesiger Verlust für die Gegend und wir müssen schauen, wie Lalla Sara reagieren wird.“


 


Scherif Musa war ein Nachfahre Ben Arafas, den der alte Pascha von Marrakesch mithilfe der ihm ergebenen Berber-Stämme in den 50ern eine Zeit lang als Marionetten-Sultan hatte installieren können. Doch das war mittlerweile Geschichte und Mohamed VI., der Enkel des damals zeitweise abgesetzten Sultans, war nicht so nachtragend wie sein Vater, der Marokko die bleiernen Jahre der Unterdrückung beschert hatte. M6, wie der junge König kurz genannt wurde, war offener und bescherte dem Land eine Reihe von Reformen. Sein entfernter Cousin, der Scherif, war die Verbindung der Regierung zum Al-Buchari-Clan, denn der Al-Buchari-Clan war eine ganz besondere Familie rund um eine uralte Matriarchin, die schon alt war, als die letzten Kreuzzüge stattfanden. Die Al-Bucharis und ihre Stiftung hüteten einen Teil des kulturellen Erbes des Landes, in ihren Archiven schlummerten Schriften und Dokumente aus mehr als tausend Jahren. Und sie bemühten sich, der Jugend des Landes dieses Erbe zu vermitteln. Umso schwerer wog der Verlust eines Großteils der Familie.


Scherif Musa reagierte entsetzt, als er die Nachricht hörte. Im Gegensatz zu den jungen Technokraten rund um den Gouverneur kannte er auch das eigentliche Geheimnis des Al-Buchari-Clans, wußte um die Macht der alten Lalla Sara und worauf sie sich begründete. Der Scherif ließ einen Hubschrauber kommen und wurde in die Kasbah Al-Buchari geflogen, wo er im privaten Diwan der Lalla empfangen wurde. Als er sie sah, erkannte er, dass sie Bescheid wußte. Sie war in tiefer Trauer und ihre Stimme war heiser.


„Lalla, das Land trauert mit euch. Wir wissen, was es für ein Verlust für ihre Familie ist.“


„Wissen Sie das wirklich? Können Sie das auch nur erahnen? Neun Mitglieder meiner Familie, mein Erbe, drei Generationen meiner Kinder sind tot, unrettbar verbrannt in den Trümmern der Maschine. Ich habe ihre Schreie gespürt, als es passierte.“


In diesem Augenblick betraten vier junge Leute den Empfangsraum der Lalla und begrüßten den Scherifen höflich. Dieser blickte zu der alten Matriarchin, die den Kopf schüttelte. „Sie wissen es noch nicht. Sagen Sie es ihnen.“


„Was wissen wir noch nicht? Grandmère, ist etwas passiert?“ Einer der jungen Leute wandte sich mit düsterer Miene an den Scherifen.


„Ich bringe traurige Nachrichten. Es hat ein furchtbares Unglück gegeben. Das Flugzeug mit eurer Familie, das gestern nach Katar startete, ist verunglückt. Niemand hat überlebt.“


Entsetzte Rufe und Schreie gingen durcheinander. Die Zwillinge Mounia und Elias umarmten sich weinend und die beiden älteren Brüder Kerim und Ali, Cousins der Zwillinge, standen wie erstarrt da und schluckten entsetzt, ohne einen Ton herauszubekommen. Mitarbeiter der Stiftung hörten die Nachricht und verbreiteten sie in Windeseile weiter, sodass auch bald in den Dörfern der Umgebung das Unglück bekannt war. Die Schreie der Trauer setzten sich fort.


Der Scherif wandte sich noch einmal an Lalla Sara. „Die Regierung wird alles tun, um den Vorfall aufzuklären und Entschädigung verlangen. Man hat den US-Botschafter einbestellt und wird schärfstens protestieren.“


„Das macht meine Familie nicht wieder lebendig. Hat denn wirklich niemand überlebt? Auch Samy…? Elias schluckte traurig und dachte an seinen Cousin.


Scherif Musa schüttelte mitfühlend den Kopf. „Nein, es hat niemand überlebt. Eine Drohne der Amerikaner traf das Flugzeug, es war gerade nach einem Zwischenstopp voll aufgetankt und ist in der Luft explodiert. Das konnte niemand überleben, selbst für einen Al-Buchari gab es keine Möglichkeit.“


            „Moment mal. Eine Drohne der Amerikaner? Soll das heißen, die Amis haben das Flugzeug absichtlich abgeschossen?“ Kerim Al-Buchari, selber Pilot bei der Armee, konnte es nicht fassen. „Warum das denn? Wer schießt denn ein Privatflugzeug absichtlich ab? Unsere Eltern wollten zu einer Versteigerung, das ist doch kein Grund für einen Angriff auf eine Zivilmaschine?“


„Es war gleichzeitig eine Maschine unterwegs, die aus dem Jemen kam und gesuchte Terroristen an Bord hatte. Sie kreuzten sich und der US-Soldat, der die Drohne steuerte, hat die Flugnummern verwechselt. Es war ein tragisches Versehen.“


„Ein Versehen? Ein Versehen hat unsere Familie getötet? Ein Versehen hat meinen Freund, meine Eltern, meine Onkel und Tanten getötet? Na dann ist ja alles gut, wenn es nur ein Versehen war.“ Elias war eiskalt und knurrte die Worte wütend zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Er stand auf und verließ den Raum, ohne auf die Rufe seiner Schwester zu reagieren. Draußen lief er zu den Stallungen, pfiff, und als ein Gepard angesprungen kam, schnappte er sich einen Jeep. Er ließ seinen Geparden auf die Ladefläche springen und fuhr los. Er wollte allein sein und keine Familie um sich sehen. Nach einer Weile kam er dort an, wo er hingewollt hatte. An diesem Ort hatte er sich immer mit seinem Cousin Samy nach der Jagd aufgehalten. Es war ein überdachtes Plateau am Berg, abends hielt dort noch lange die Wärme vor und die beiden Jungs hatten sich dort gern aufgehalten. Sie waren zusammen aufgewachsen und hatten keine Geheimnisse voreinander gehabt. Manchmal hatte Elias seine Oud dabei gehabt und leise die Saiten gezupft, sein Kopf hatte dabei an der Schulter seines Cousins gelehnt. Gelegentlich hatten sie dort auch übernachtet und abends am Feuer über die Zukunft nachgedacht. Bei dem zwei Jahre älteren Samy hatte die Veränderung natürlich eher begonnen und Elias war schon fast ein wenig neidisch gewesen, bis auch bei ihm über Nacht plötzlich die Zähne spitzer wurden, er einen Appetit auf Blut verspürte und sein Babyspeck verschwand. Über den hatte er sich immer etwas geärgert, er konnte trainieren und laufen, wie er wollte, noch mit 15 sah er aus wie ein 13jähriger. Mit 19 aber war das lange vorbei, als die Umwandlung einsetzte. Denn das war das eigentliche Geheimnis des Al-Buchari-Clans. Die Al-Bucharis waren Vampire.


Elias hatte darüber hinaus noch ein Geheimnis, das er Samy anvertraut hatte. Der Ältere hatte es sich schon gedacht, denn ein paar Mal war es zwischen ihnen intimer geworden, wenn sie an ihrem Lieblingsplatz übernachtet hatten. Anfangs hatte Samy das mitgemacht, doch irgendwann hatte er gemerkt, dass er seinen Cousin Elias zwar liebte, aber doch etwas anders, als der sich das wünschte. Eher wie ein Bruder. Mehr war nicht drin, denn Samy stand auf Frauen. Elias nicht und das war eine Zeit lang ein Problem gewesen, bis beide lernten, damit umzugehen. Elias hatte Glück gehabt mit seinem Cousin, der ihn so akzeptierte, wie er war.


Und jetzt war Samy tot, nie wieder würde er hier bei ihm sitzen und seinem Spiel auf der Oud lauschen. Samy hatte er es zu verdanken, dass aus seinem Interesse an der Oud mehr geworden war. Der Ältere hatte sein Talent erahnt und gedrängt, mehr daraus zu machen. Und jetzt war er tot und würde nie mehr den Geparden kraulen oder mit ihm um die Wette durch die Wüste laufen. Wegen eines Versehens! Weil jemand Flugnummern verwechselt hatte und das falsche Ziel getroffen hatte.


Wut kochte in Elias hoch, eine gnadenlose und eiskalte Wut auf den unbekannten Menschen, der ihm mit einem Knopfdruck das Wertvollste genommen hatte, das er besaß. Seinen besten Freund, den er geliebt hatte und der jetzt tot war. Wegen eines dummen Versehens!


Haß machte sich in Elias breit und er wollte sich am liebsten rächen. Sollte der Soldat doch selber erleben, wie es wäre, einen Bruder zu verlieren. Oder die Eltern. Der junge Vampir überlegte, wie er herausfinden könnte, wer für das sinnlose Massaker die Verantwortung trug.


Stundenlang trauerte und brütete Elias vor sich hin, unterbrochen von Erinnerungen an die zärtlichen Gesten seines Cousins, wenn der ihn im Arm gehalten hatte oder sie sich lachend nach einem Wettlauf am Ziel getroffen hatten. Abwechselnd weinte und tobte er, brüllte seine Wut und seine Trauer aus sich heraus, sein Gepard saß hinter ihm und knurrte gelegentlich.


Spät am Abend weinte Elias sich in den Schlaf und wachte auf, als ihm jemand sanft über die Wange streichelte. Müde setzte er sich auf und blinzelte, als er Lalla Sara erkannte.


„Grandmère! Was machst du denn hier?“


„Ich habe mir Sorgen um dich gemacht und Ali meinte, du seiest hier zu finden.“


„Wir waren immer hier, das war unser Platz, wenn wir allein sein wollten“, Elias schluckte, als ihn wieder die Erinnerungen überkamen. Die alte Dame zog ihn in ihre Arme und tröstete ihn.


„Ich habe gespürt, was dir durch den Kopf geht, Elias. So sehr ich es verstehen kann, dass du Vergeltung willst.


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