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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Hillbilly James Monsterjäger, Sascha Schlüter
Sascha Schlüter

Hillbilly James Monsterjäger



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Schweißgebadet schreckte James gegen zwei Uhr morgens aus seinem Schlaf. Schon seit einigen Monaten litt der Farmer unter besonders schweren Albträumen. Instinktiv tastete er mit seiner flachen Hand zur anderen Bettseite. Doch schon seit vier Jahren war die Seite kalt und leer geblieben.
Der Witwer lebte seither alleine auf seiner Farm. James war ein relativ schlichter Mensch, so wie sein ganzes Leben. Sein Feld, die Tiere und vor dem Schlafengehen die ein oder andere Flasche Scotch. Die Grenze zum Alkoholiker hatte er schon kurz nach dem tragischen Tod seiner Frau weit überschritten. Das wusste er. Alle Farmer sind Alkoholiker. Aber selbst für ihn war das eine lausige Entschuldigung.
Heute schien es ganz besonders schlimm zu sein. James verspürte plötzlich eine schwere Anspannung. Unruhig setzte er sich in seinem Bett auf. Er hatte das eigenartige Gefühl, dass sich noch irgendjemand in seinem Zimmer befand. Was eigentlich völlig ausgeschlossen war, da in einem Umkreis von mehreren Kilometern kein einziges Haus stand. Die nächste Stadt war dutzende Meilen entfernt und zum nächsten Nachbarn musste James selbst mit dem Auto eine geschlagene halbe Stunde fahren.
Ein seltsames Summen breitete sich im Schlafzimmer aus und wuchs zu einem lauten Dröhnen heran. Wie eine Art Schemen kroch etwas an der Wand entlang. In diesem Moment hätte James am liebsten seine alte Schrotflinte in der Hand gehabt. Das Gefühl riss einfach nicht ab, dass da etwas in seinem Zimmer war, das ihn die ganze Zeit beobachtete.
Schnell knipste er die Lampe auf dem Nachttisch an. Es war keiner da, außer ihm. Natürlich war keiner da. Wer sollte auch mitten in der Nacht in der tiefsten Einöde in das Schlafzimmer eines verwitweten Farmers schleichen?
Noch immer war da aber dieses Dröhnen, dieses eigenartige laute Brummen zu hören. Hatte er es diesmal doch übertrieben? Hatte ihn der Alkohol schon so im Griff, dass er begann Stimmen zu hören? Es konnte ja nur der Scotch sein, den er gestern massenhaft hinuntergestürzt hatte. Vielleicht sollte ich damit aufhören, beschloss er mehr oder minder ernst.
Der Vollmond schien durch das Fensterkreuz. Vielleicht war es auch nur das gewesen, was er als Schatten wahrnahm. Eine Zigarette. Das ist jetzt genau das richtige, dachte er sich und zog die Decke weg, um aus dem Bett zu kommen. Ein kleiner Schluck gegen die miese Stimmung könnte auch nichts schaden. Für alle Fälle hatte er immer eine Flasche unter seinem Bett deponiert. Rasch bückte er sich und holte sie hervor, zog seine Zigarettenschachtel und sein Feuerzeug aus der Latzhose, die er über den Stuhl gelegt hatte und ging im Pyjama nach unten auf die Veranda.
Dort angekommen, holte er einmal tief Luft, doch dadurch fühlte er sich noch mehr wie ausgekotzt. Mit zittrigen Fingern zündete er mühsam seine Zigarette an. Seine Stimmung verschlechterte sich nur noch mit jedem Lungenzug. Es schien, als würden ihn ständig Schuldgefühle und Verzweiflung umgeben. Das tiefe Empfinden von Resignation und Scheitern, das er nur zu gut kannte.
James horchte auf. Es war auf einmal seltsam still geworden Der blasse Schein des Mondes, der auf die Veranda leuchtete und diese plötzliche Stille bauten eine Atmosphäre auf, gleich der eines Leichenschauhauses. James schenkte sich einen großen Schluck Scotch in ein Glas ein. Er hatte den Aschenbecher vergessen. Zwar stand James draußen, aber Sauberkeit in und um seinem Haus war seiner Frau immer sehr wichtig gewesen.
Er ging wieder ins Haus. Im Wohnzimmer tickte die Uhr. Irgendwie schien der Farmer etwas wahrzunehmen, das wie ein Metronom neben der Uhr mitschwang. Hatte er nicht eben etwas gehört? Draußen polterte es plötzlich, gefolgt von einem unterdrückten Fluchen.
Jetzt gab es keinen Zweifel mehr. James steckte seine Zigarette in den Mundwinkel, griff zur Schrotflinte, die neben der Eingangstür hing und ging nach draußen. Was waren das für schlechte Schwingungen, die er in dem Moment spürte? War es nur der Scotch, der seine Sinne vernebelte? Draußen sah er sich um, doch er konnte weit und breit niemanden sehen. Er ging um das Haus herum. Aber auch in der Scheune war nichts. Ebenso in seinem alten Wohntrailer, den er hinter der Scheune geparkt hatte.
Langsam ging James wieder zu seinem Glas auf der Veranda zurück und trank die drei Finger breit Scotch mit einem Zug aus. Langsam betrunken setzte sich James in seinen Schaukelstuhl. Er dachte nach. Vielleicht war da ja doch was. Vielleicht drehte er auch nur langsam durch. In solchen Momenten fühlte sich James noch einsamer. Niemand, der nach ihm sah. Keiner, der seinen Arm um ihn legte und ihn beruhigte. Hilflos wie ein kleines Kind, so fühlte er sich.
Wo war Rachel jetzt? Gerade wenn es ihm so schlecht ging wie jetzt, vermisste er sie umso mehr. Doch bevor er sich selbst in einer betrunkenen Lethargie verlieren konnte, sah er wieder diesen Schatten, der sich nun vor ihm aufstellte und allmählich eine feste Kontur bekam. James schreckte auf und legte seine Schrotflinte an.
Die Hand des Schattens hob sich und ehe James einen Schuss abfeuern konnte, schob die dunkle Gestalt den Lauf der Waffe sanft zur Seite. Eine beruhigende Stimme erklang:
 »Sie vermisst dich auch. Ich soll dir sagen, dass sie auf dich wartet. Du darfst dich nicht entmutigen lassen. Sie liebt dich und wartet auf dich.«
Eine Pause folgte, dann ein Lächeln von dem Schatten, der immer mehr das Antlitz eines Menschen annahm. »Sie ist eine wunderschöne Frau. Du hattest Glück mit ihr, James.«
James fühlte ein Kratzen in seinem Hals. »Wer sind Sie?«
»Das kann ich dir leider nicht sagen. Mein Name ist ein Wort, das ein Mensch nicht erfassen kann. Ich denke der einfachste Begriff für dich ist Engel.«
Dem Farmer fiel vor Erstaunen die Zigarette aus dem Mundwinkel. James musste den Kopf schütteln, um wieder klar denken zu können. »Du bist was?«
 »Ein Engel. Das ist alles, was du wissen solltest, James«, antwortete der Engel bedächtig mit einer sehr ruhigen und sanftmütigen Stimme.
Na toll, am besten gießt du dir noch zwei oder drei hinter die Binde, dann hast du es gleich hinter dir, dachte sich James und strich sich mit den Fingern durch seinen buschigen Vollbart. »Ich weiß, du glaubst mir jetzt nicht, aber das ist auch unwichtig. Ich bin nicht hier, um dir etwas zu beweisen. Darf ich?« Der Engel zog die Schachtel Zigaretten aus der Brusttasche des Pyjamas.
Er steckte sie sich in den Mund und drückte nur leicht mit seinem Finger an die Vorderseite. Sogleich gab der Tabak ein rotes Glühen und einen kleinen Rauchnebel von sich. »Na, beeindruckt?«, fragte der Engel mit einem Lächeln.
Im Mondschein konnte James langsam weitere Details seines Besuchers erkennen. Der Engel trug Turnschuhe, enge Jeans und ein T-Shirt. Sein Gesicht war attraktiv und glich dem eines Großstadtmenschen. »Du bist also ein Engel«, sagte James.
 Dieser nickte und schlürfte wie selbstverständlich an dessen Scotch.
»Rauchen alle Engel Zigaretten und trinken aus den Gläsern anderer Leute?«, fragte er scherzhaft ironisch.
 Der Engel lachte und erwiderte: »Wir haben da oben keine Zigaretten, geschweige denn Alkohol.« Ein weiterer Schluck, dann stellte er das Glas wieder ab. 
James war beeindruckt. Immerhin erlebte er es nicht alle Tage, dass eines der höchsten Wesen überhaupt mit ihm auf der Veranda stand, ihm seine Zigaretten schnorrte und seinen Scotch trank. Einmal zog der Engel noch an der Zigarette, dann wurde er ernst...
»Du musst mir gut zuhören, James. Ich weiß genau, was du gleich denken und fühlen wirst aber bitte versuche mir ganz genau zu folgen.«
James stand regungslos da.
»In deiner Welt kündigt sich etwas sehr Übles an. So sehr, dass ich vom obersten Chef herunter gesandt wurde, um dich um Hilfe zu bitten.«
James wusste gar nicht wie ihm geschah. Wieder strich er sich durch seinen Bart. »Mich? Wieso mich? Ich bin doch nur ein einfacher Farmer.«
»Das dachten wir auch am Anfang alle, aber jemand im Himmel sagte etwas anderes.«
»Wer, Gott?« »Nicht ganz, deine Frau. Ja, Rachel hat den Laden da oben ganz schön umgekrempelt.« Wieder lachte der Engel und zog an der Zigarette. »Sie hat uns etwas in dir gezeigt, das selbst den Allmächtigen überzeugt hat. Du wirst es nicht wissen, James, aber in dir steckt etwas wie eine Gabe, die wir in diesem Fall dringender denn je brauchen. Wir brauchen dich, um das Böse von der Erde zu vertreiben.«
James konnte nach diesem Satz nicht anders, als sich den restlichen Inhalt der Flasche in den Hals zu gießen. Das hier war eindeutig zu viel für ihn.  »Aber könnt ihr das nicht selbst viel besser als ich? Ich meine von welchem Bösen reden wir hier überhaupt?«
 »DAS BÖSE. Du kannst dir denken, wen ich meine. Er hält es alle paar Jahrhunderte für nötig, hier unten für Ärger zu sorgen. Vielleicht aus Langeweile, ich weiß es nicht genau. Leider sind wir alle hier unten ziemlich machtlos. Unsere Aufgabe beschränkt sich auf da oben. Hier sind wir nur so etwas wie Botschafter.«
Umgeben von eintausend Fragen starrte James in die Augen des Engels. Noch immer wusste er nicht, warum gerade er plötzlich soviel Macht besitzen sollte, um auf eine göttliche Mission zu gehen.
 »Was genau soll ich tun?«
»Es ist so. Der Leibhaftige hat sich dieses Mal etwas ganz besonders einfallen lassen. Etwas, das weit über ein bisschen Besessenheit und Tür poltern hinausgeht. Er hat seine Tiere freigelassen und wir reden hier nicht von süßen Kätzchen oder Hündchen. Wir reden von Monstern. Scheußliche und abartige Kreaturen sind das.«
Der Farmer war erstaunt, welchen Ernst der Engel plötzlich an den Tag legte, als er von den Kreaturen berichtete. Der Engel redete weiter.
»Ich weiß, das alles ist erst einmal schwer zu begreifen und klingt ziemlich unglaubwürdig. Die Menschen sind in den letzten Jahren sehr skeptisch geworden, was dieses Thema angeht. Aber es gibt diese Monster und du musst sie aufhalten. Er hat seine Wesen überall auf der Welt verstreut. Die einen kann man sehr schnell erkennen, die anderen sind etwas intelligenter. Sie tarnen sich. Es sind Kreaturen, die in der Lage sind, jede beliebige Gestalt anzunehmen. Sei es ein überirdisches Fabelwesen, ein Tier oder ein Mensch. Man kann sie nur sehr schwer erkennen, wenn sie sich einmal verwandelt haben. Aber es gibt eine Methode, wie du sie entlarven kannst.«
 »Etwa ein Kreuz?«, fragte James ironisch.
 »Nein, das wirkt nur bei Menschen. Das kommt auch nicht von uns«, gab der Engel zurück.
Der Engel zog einen Dolch aus seiner Tasche. »Das hier ist ein Skalezz. Es ist das Einzige, was diese Kreaturen wieder zurück in die Unterwelt verbannen kann. Monster verspüren schon bei der kleinsten Berührung damit einen ungeheuren Schmerz. Auf diese Weise kannst du auch die untergetauchten Kreaturen finden und in den Orkus zurückbefördern. Es muss schnell gehen, James. Denn wenn diese Kreaturen einmal losgelassen wurden, dann zählt jede einzelne Sekunde. Anderenfalls ist es mit eurer Erde sehr bald zu Ende.«
Das verschlug James nun endgültig die Sprache. Er sollte also die Welt vor der Apokalypse bewahren. Das war für ihn fast zu viel für einen Abend. Aber egal, dachte er sich. Zwar war er immer noch stark verunsichert, ob das, was er gerade erlebte, wirklich geschah oder vielleicht doch nur das Ergebnis seiner Trinkexzesse war. Doch ging es hier weniger um ihn. Auch das Überleben der gesamten Menschheit stand auf dem Spiel.
Außerdem war da Rachel. Sie war also noch da, wenngleich auch nicht auf Erden. Sie liebte ihn noch immer und auch sie war darauf angewiesen, dass sich James nun auf die Jagd nach teuflischer Monster begab. Niemals würde er wieder zulassen, dass ihr etwas zustoßen könnte, oder dass er sie enttäuschte. Wenn seine geliebte Rachel etwas von ihm verlangte, was es auch immer sein möge, James würde es tun. Er nahm das Skalezz in seine Hand und packte es in seine rechte Gesäßtasche.
»Wir können also auf dich zählen?«, fragte der Engel.
»Wie erfahre ich, wo sich diese Monster gerade aufhalten?«  
»Das wirst du schon sehr bald herausfinden.«
»Wo sind eigentlich deine Flügel? Engel haben doch Flügel?«, schweifte James plötzlich ab. »Oh je!«, lachte der Engel. »Glaube lieber nicht alles, was irgendwelche Leute und Bücher dir erzählen. Ich muss jetzt wieder los. Wir sind alle sehr stolz auf dich, James.«
Der Engel ging langsam rückwärts in die Dunkelheit. Seine Gestalt wurde wieder nebulöser, bis sie am Ende ganz in Rauch verschwand. James drückte seine Zigarette aus, trank den restlichen Scotch leer und ging nach oben ins Bett.
Da hast du dir ja einen tollen Job besorgt, dachte er sich, während er das Skalezz auf den Nachtisch legte und versuchte für diese Nacht noch ein wenig Schlaf zu bekommen.


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