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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Gut und Boese, Vivian M. Woodford
Vivian M. Woodford

Gut und Boese


Im Bann der Erinnerung

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Chione wachte auf, bevor ihr Wecker klingelte. Sie hatte nicht viel geschlafen, obwohl sie den ganzen gestrigen Tag sehr müde gewesen war. Aber leider war nichts dagegen zu unternehmen, von Schlaftabletten hielt sie nicht viel. Sie schaltete ihren Wecker aus, damit er nicht anfing zu klingeln. Benommen stand Chione auf und torkelte in das Badezimmer. Dort sah sie in den Spiegel. Ihr verschlafenes Selbst blickte zurück. Aus ihrem Kleiderschrank suchte sie sich die Klamotten raus, die sie anziehen wollte, und legte auch wieder ihren Gürtel mit dem Dolch darin an. So bewaffnet ging sie wie jeden Morgen hinunter zum Frühstücken. Jetzt fühlte sie sich auch schon wieder ein wenig wacher. Auf die Schule freute sie sich nicht besonders. Abgesehen davon, dass es Montag war, standen heute auch keine sonderlich spannenden Fächer auf dem Stundenplan. Insgesamt langweilte sie die Schule momentan ein we-nig. Das einzig Gute war, dass sie ihre Freunde wieder sah, obwohl sie diese auch außerhalb der Schule tref-fen konnte. Ihre Eltern waren schon zur Arbeit gefahren. Chione war also ganz alleine zu Hause. Das störte sie nicht wei-ter, denn so musste sie wenigstens nicht reden. Als sie sich komplett fertig gemacht hatte, nahm sie ihre Schultasche und machte sich auf den Weg. Chione ging zu Fuß zur Schule. Es war nicht weit und es tat ihr gut, ein wenig an der frischen Luft spazieren zu gehen. Das entspannte sie immer. Ungefähr eine Viertelstun-de dauerte der Fußmarsch. Während sie so dahinspa-zierte, gingen ihr viele Dinge durch den Kopf. In den letzten Tagen war so viel passiert. Sie begann sich wie eine Fremde zu fühlen und das machte ihr Angst. Chio-ne versuchte, das Gefühl für sich näher zu beschreiben, doch es gelang ihr nicht. Etwas Derartiges hatte sie noch nie zuvor empfunden. Als sie an den Toren ihrer Schule ankam, blieb sie zu-nächst verdutzt stehen und blickte in Richtung des Ein-gangstores, wo ein gutaussehender, schwarzhaariger Junge stand. Sie ging auf ihn zu. „Was machst du denn hier?“, fragte sie Hondo, der gelangweilt an dem Tor lehnte. „Ich habe auf dich gewartet.“ „Das sehe ich. Aber was machst du hier an meiner Schule? Warum bist du hier?“ „Ich wollte mit dir reden“, erklärte er ihr und sah sie an. „Chione, ich bin dein Bruder und ich denke, dass dir schwere Zeiten bevorstehen. Dein Leben, wie du es zu kennen glaubtest, wird nie wieder so sein, wie es ein-mal war. Du beginnst dich zu erinnern und damit auch zu verändern. Deine Fähigkeiten werden zurückkehren und ich weiß nicht, ob dies langsam oder schnell ge-schieht. Ebenso wenig kann ich einschätzen, ob du sie unter Kontrolle haben wirst. Deswegen möchte ich dir gerne helfen. Um deinetwillen und für deine Freunde, deine Familie und allen anderen Lebewesen, die dir über den Weg laufen!“ Sein Gesichtsausdruck war sehr ernst und Chione zweifelte nicht an dem, was er ihr sagte. „Was? Denkst du, ich wäre eine Gefahr?“ „Ja, Chione. Deine Macht ist unglaublich. Ich sage es sehr ungern, aber du hast mehr Macht als ich. Und so lange du dich nicht vollständig erinnern kannst, weiß ich nicht, wie sehr du sie unter Kontrolle hast. Du musst es erst wieder lernen. Zumindest, soweit es nötig ist.“ „Warum willst du mir helfen? Ich meine, mich zu erin-nern, dass du nicht gerade der Typ bist, der anderen seine Hilfe anbietet.″ „Da hast du Recht“, seine Augen blitzen rot auf. „Aber du bist meine Zwillingsschwester und die einzige Per-son, mit der ich mich ein wenig verbunden fühle. Viel-leicht erinnerst du dich auch daran.“ „Ja“, flüsterte Chione. Bei seinen Worten war ihr plötzlich bewusst geworden, dass sie ihrem Bruder als einziges Wesen in diesem Universum wichtig war und er sein Leben für sie geben würde. Okay, vielleicht nicht sein Leben, aber sie bedeutete ihm etwas. Sie spürte auch, dass sie Zwillinge waren. Das wusste sie wie selbstverständlich, als Hondo es aussprach. „Ich bin älter“, sagte sie dann. „Ich weiß“, knurrte er, „Aber das hat nichts zu sagen.“ „Ach nein?“, neckte sie ihn. „Okay, Hondo. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass du mir helfen möchtest und ich bin dir auch sehr dankbar. Aber wie willst du das anstellen? Willst du jetzt vierundzwanzig Stunden am Tag und sieben Tage die Woche an meiner Seite sein und mich beobachten?“ „Nein, nicht ganz.“ „Was dann?“ „Zuerst gebe ich dir meine Handynummer.“ „Was?“ „Meine Handynummer. Du weißt schon. Eine tolle Er-findung des 20. Jahrhunderts. Ein Telefon ohne Schnur, das du überall mit hinnehmen kannst. Du kannst sogar Textnachrichten damit verschicken und seit neuestem haben sie auch Internetzugang.“ „Ich weiß was ein Handy ist!“, fuhr Chione ihn genervt an, „Ich war nur überrascht, dass ich dich bloß anrufen soll, wenn ich jemanden versehentlich in Stücke geris-sen habe.“ „Nein, wenn es geht, ruf mich vorher an!“ Letzteres betonte er überzogen. „Man, Chione! Wenn du merkst, dass etwas komisch ist, sollst du mir Bescheid sagen, falls ich gerade nicht in der Nähe bin. Kapiert?“ „Ja, ja schon gut. Dann gib mal her, deine Nummer. Bitte“, fügte sie hinzu, als sie Hondos Blick sah. Sie tauschten ihre Nummern aus und Chione warf einen Blick auf die Uhrzeit. „Oh, verdammt. Ich muss zum Unterricht. Sehen wir uns dann später?“, fragte sie. „Ich denke mal, wir sehen uns früher, als du denkst.“ „Okay“, meinte Chione während sie sich von Hondo abwand und in Richtung Eingang des Schulgebäudes ging. Sie erwartete keine weiteren Erklärungen von ihrem Bruder und hatte auch ehrlich gesagt keine Zeit dafür. Wenn er wollte, konnte er ihr ja per SMS seinen Standort senden. Er schien ja so begeistert von Handys zu sein. Chione kam fast zu spät. Gerade, als sie sich auf ihren Platz setzte, kam Frau Nedendahl in das Klassenzimmer geschwebt, um ihre Deutschstunde zu verrichten. Chione beeilte sich, ihre Sachen herauszuholen. „Fuck!“, stieß sie hervor. Sie hatte gerade alle ihre Deutschsachen aus ihrer Tasche geholt, da war ein Auf-gabenzettel halb aus ihrem Block gefallen. „Was ist denn?“, fragte Mia, aufgeschreckt von dem derben Fluch, der nicht unbedingt Chiones Stil war. „Ich habe vergessen, den Aufsatz zu schreiben“, sag-te sie genervt und klatschte ihren Block auf den Tisch. Ihre Miene war ziemlich düster und Mia schien abge-schreckt irgendetwas wie „Ohh . . .“ zu sagen. Finster starrte Chione nach vorne. Sie war ziemlich ange-spannt. Überhaupt war sie seit ihrem Geburtstag un-entspannter als sonst. Sie befürchtete, wenn das nicht bald nachließ, würde sie demnächst ein Antiaggressi-onstraining belegen müssen. Doch bei dem Gedanken wurde sie nur noch aggressiver. Wie meinte Hondo das mit ‚gefährlich‘? Sie musste versuchen, ihre Energie unter Kontrolle zu bekommen. „Guten Morgen“, flötete Frau Nedendahl und Chione versuchte, ihr ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken. „Ich habe euch etwas mitzuteilen. Wir bekommen ei-nen neuen Schüler. Er wird innerhalb dieser Stunde zu uns stoßen. Nur, damit ihr euch nicht wundert.“ „Wie heißt er denn?“, rief Jonas von hinten. „Das werdet ihr dann sehen. Nun werden wir erst einmal Unterricht machen. Ich hatte euch aufgegeben, einen Aufsatz zu schreiben. Ihr hattet dafür nun zwei Wochen Zeit.“ Chiones Angespanntheit war nun Gleichgültigkeit gewichen. Wen kümmerte schon so ein blöder Aufsatz? Sie hatte seit Donnerstag weitaus grö-ßere Probleme. „Ich würde eure Aufsätze nun gerne einsammeln, damit ich sie zu Hause in Ruhe korrigieren kann.“ Frau Nedendahl fing an, durch den Klassenraum zu gehen und die Aufsätze einzusammeln. „Chione, wo ist dein Aufsatz?“, fragte sie, als sie an ihrem und Mias Tisch angekommen war. „Es tut mir leid, Frau Nedendahl. Ich habe ihn verges-sen“, erklärte Chione und blickte ihrer Lehrerin direkt in die Augen. „Wie, du hast ihn vergessen? Du hattest zwei Wo-chen Zeit, Chione. Du weißt, dass ich das als ungenü-gend benoten muss? Dieser Aufsatz wiegt so schwer wie eine Klausur, da er eine ersetzt.“ „Ja, Frau Nedendahl. Es tut mir leid. Kann ich ihn mor-gen nachreichen?“, sie blickte ihr direkt in die Augen. Sie spürte, wie sie vor Energie strotzte und übertrug ein wenig davon in Frau Nedendahls Geist. „Ja. Wenn du ihn mir morgen in das Lehrerzimmer bringst. Aber keinen Tag später!“ Damit ging sie weiter. „Wow“, flüsterte Mia und beugte sich zu ihrer Freun-din hinüber. „Da hast du ja aber mal Glück gehabt, was?“ „Ja, mehr oder weniger. Wie man es nennen mag“, murmelte Chione. Sie hatte, genau wie bei dem Angriff durch den mysteriösen Mann, aus reinem Instinkt ge-handelt. Plötzlich wusste sie genau, was sie zu tun hat-te. „Stimmt. Jetzt musst du zusehen, dass du einen kompletten Aufsatz bis morgen gut hinbekommst“, sagte Mia, die Chiones Kommentar auf die vergessene Hausaufgabe bezog. „Das schaffe ich schon. Glaube mir, das ist momentan mein geringstes Problem.“ Es klopfte an der Klassenzimmertür und kurz darauf ging sie auch schon auf. Der Junge, der hineinkam, war kein anderer als Chiones Zwillingsbruder Hondo. Chione erstarrte. Was machte der denn hier? Frau Nedendahl drehte sich zur Tür um. „Oh, da ist er ja“, sagte sie. „Das ist Hondo Kandzia. Er wird ab heute unser neuer Mitschüler sein.“ Hondo stand vor der Klasse und blickte sich im Raum um. „Hallo“ sagte er. „Hondo, du kannst dich neben Luca dort setzen“, Frau Nedendahl wies auf den freien Platz. Chiones Blick folg-te ihrem Bruder, während er durch die Klasse ging. Er sah sie an, ohne eine Miene zu verziehen. Chione dreh-te sich wieder nach vorn und schüttelte den Kopf. Ei-nen Babysitter brauchte sie nun wirklich nicht. Mia starrte Hondo die ganze Zeit wie gebannt an, bis Chione ihr in die Rippen stieß und sie sich wieder nach vorne drehte. „Was will der denn hier?“ „Auf mich aufpassen“, antwortete Chione düster.


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