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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Gerwod II, Salvatore Treccarichi
Salvatore Treccarichi

Gerwod II


Alfons Erbe

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    Angriff aus der Zwischenwelt


    25. Weinmond 321

 


Die vier Männer schauten auf die Rüstung des Beschwörers herab. Der Totenkopf Egberts von Merzen blickte bewegungslos aus dem offenen Visier hervor. Noch immer wurde der einstige Ritter von einem Sonnenstrahl beleuchtet. Doch die unheimliche Stimme aus der Zwischenwelt war verstummt.


Als sich Feodor erhob und umdrehte, war ihm die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Er war von der Begegnung mit seinem Ahnen tief beeindruckt. Einerseits war er davon fasziniert, dass Egbert zu ihnen gesprochen hatte, obwohl dieser bereits seit 321 Jahren tot war. Andererseits war Feodor entsetzt über das traurige Schicksal seines Vorfahren. Vor allem war er sich nicht sicher, dass der Schöpfer Egbert für die Botschaft von Gerwod belohnte, indem er ihm endlich den ewigen Frieden zubilligte.


Sein Vetter Maarten saß auf dem Schimmel und blickte nun zu Olef und Gerold, die gemeinsam auf dem schweren Wallach dem unheimlichen Worten Egberts zugehört hatten. Da die Unterhaltung in der Sprache des Schöpfers stattfand, hatten sowohl der Waldkehr als auch der Nachtalp kein Wort verstanden. Also berichtete Maarten von den Neuigkeiten:


»Der Beschwörer hat uns verraten, dass uns nur Gerwod vor dem Bösen schützen kann!«


»Von daher sind wir auf dem richtigen Weg, um das Böse aufzuhalten, dass uns durch Teramon bedroht«, ergänzte Feodor, der nun von seinem Vetter den Zügel seiner Fuchsstute an sich nahm. Noch immer wirkte er von dem Erlebten wie benommen.


»Und hat der Beschwörer etwas gesagt, dass wir auf der Suche nach Gerwod nutzen können?«, erkundigte sich Olef mit seiner tiefen Brummstimme.


»Wir sollen zu einigen alten Völkern reisen«, sagte Maarten knapp.


»Welche Völker?«, verlangte der Nachtalp zu wissen.


»Der Beschwörer sprach von den Waldkehren, den Gelblingen, den Eislern und den Luftdingern«, antwortete Maarten.


»Die Waldkehre?«, zeigte sich Gerold verwundert. »Ich bin ein Waldkehr.«


Feodor entlockte es ein Lächeln, als er sagte:


»Das wissen wir, Gerold. Aber der Beschwörer meinte, wir sollten ausdrücklich zu den Waldkehrsiedlungen reisen. Er hat nicht gesagt, dass wir dich fragen sollen.«


»Unsere Dörfer befinden sich einige Tagesmärsche südlich von hier im Alten Wald«, berichtete Gerold. »Aber was sollen wir dort?«


»Wir sollen dort nach Gerwod fragen, vielleicht weiß dort jemand etwas, das uns auf unserer Reise weiterhelfen kann«, erklärte Feodor und streichelte seinem Pferd die Mähne.


»Was sollen wir Waldkehre über Gerwod wissen? Ich habe zum ersten Mal von diesem Gerippe dort, also eurem Ahnen, das Wort Gerwod gehört«, brauste Gerold auf, als sei er verärgert. Ja, tatsächlich, fühlte er sich verunsichert, dass angeblich die Waldkehre mehr über Gerwod wissen sollten. »Und ich glaube auch, dass kein anderer Waldkehr etwas über Gerwod weiß. Vielmehr bezweifle ich, dass irgendein anderer Waldkehr jemals das Wort Gerwod gehört hat. »


Feodor schnaufte aus. »Aber dies war der Ratschlag des Beschwörers. Und wenn wir nicht bei deinen Artgenossen weiterkommen, dann sollen wir es bei den Eislern, Luftdingern und Gelblingen versuchen.«


»Olef, kennst du diese Völker?«, erkundigte sich Maarten, der damit dem Hinweis Egberts folgte, sich an den Nachtalp zu wenden.


Dieser runzelte die Stirn und erwiderte:


»Ich selbst kenne keinen Angehörigen dieser Alten Völker. Seit langer Zeit lebe ich unter Menschen, und darüber hinaus hatte ich lediglich Kontakt zu Zähhäutern und Waldkehren. Doch mein Großvater war ein weit gereister Nachtalp. Schwach erinnere ich mich an seine Geschichten über fremde Völker.«


»Und?«, drängte Feodor.


»Die Eisler leben in der eisigen Wüste des Nordens. Die Gelblinge bewohnen die Sümpfe des Ostens und die Luftdinger schließlich sollen in den Baumwipfeln eines großen Urwaldes hausen, der weit weg von hier im Süden liegt. Ja, noch südlicher als das Süd- und das Sandland«, sagte Olef.


»So etwas hat auch der Beschwörer berichtete«, sprach Maarten.


Plötzlich aber wurde seine Aufmerksamkeit durch etwas abgelenkt.


Zunächst war sich keiner der vier Gefährten sicher, dass sich tatsächlich etwas geändert hatte. Dann aber bemerkten sie einer nach dem anderen, dass der Sonnenstrahl, der bis dahin Egberts Rüstung beleuchtete, plötzlich verschwunden war. Unter dem lichten Kronendach herrschte wie zuvor ein trübes Licht. Zunächst versuchten es die Männer, mit einer normalen Himmelserscheinung abzutun. Als aber mit einem Male aus der Höhe ein zunächst feiner, dann aber starker Windstoß durch das Geäst wehte, wuchs in ihnen die Unruhe. Wie zuvor aus heiterem Himmel ein Sonnenstrahl die Rüstung traf, wirbelte nun genau von dort aus eine stürmische Windhose auf.


Ein Heulen entwich dem Gerippe, so dass den Menschen und dem Nachtalp eine Gänsehaut über den Rücken lief. Aber auch Gerold mit seinem Fell spürte, wie ihm bei dem unheimlichen Geräusch das Blut zu gefrieren schien. Man sah Feodor, wie er das Schwert aus der Scheide zog, und auch Maarten griff nach seiner Waffe.


Dann endeten das Heulen und die Windhose. Vereinzelte Blätter zirkelten um die Rüstung des Beschwörers herum, ehe dann endgültig Ruhe einkehrte.


»Was zum Schöpfer«, zeigte sich Maarten entsetzt, aber er wurde unterbrochen, als aus der alten Ritterrüstung Egberts Stimme hauchte:


»Armen! Harwa Helikon alwaden ma Walldon


Feodor reagierte auf diese Worte indem er mit aufgerissenen Augen und hastig um sich schaute. Verzweifelt schien er etwas zu suchen, oder vielmehr hielt er Ausschau nach etwas. Irgendetwas sorgte für eine Bedrohung. Der Beschwörer hatte seinen Nachfahren gewarnt.


Maarten hielt seinen Schild so, als erwartete er einen Angriff. Aber auch der Waldkehr wurden von Angst erfüllt, obwohl er Egberts Worte nicht verstanden hatte. Selbst Olef, der sonst besonnen und behäbig wirkte, zog nun seine Keule hervor und blickte um sich, bevor er fragte:


»Vor was hat er euch gewarnt?«


»Er sagte, wir sollen fliehen!«, gab Feodor zu und atmete dabei aufgeregt. Er drehte sich um die eigene Achse und versuchte, einen möglichst weiten Bereich des Waldes zu überwachen.


»Vor was?«, grollte der Nachtalp mit tiefer Stimme.


»Verdammte Seelen haben die Zwischenwelt verlassen!«, äußerte Maarten und musste beunruhigt schlucken. An dem Zügel zwang er sein Pferd, immer wieder die Position zu ändern, so dass er wie Feodor möglichst einen großen Bereich um sich herum überwachen konnte.


»Und warum fliehen wir dann nicht?«, zeigte sich Gerold beunruhigt. Sein Schwanz wedelte hinter ihm hin und her. Ohnmächtig beobachtete er, wie seine Gefährten sich offensichtlich auf einen Kampf vorbereiteten. Auch Olef machte den Eindruck, als sei er dazu bereit, einen Feind zu begegnen.


»Flucht ist nicht immer eine Lösung«, sprach Feodor langsam, da er sich scheinbar darauf konzentrierte die Umgebung zu überwachen.


»Beim Weltgeist, euer Ahne, der Beschwörer hat es euch aber geraten«, zeigte sich Gerold verärgert.


»Armen set wol!«, hauchte Egbert.


Dann ergänzte er:


»Ma Xanon xewanen ian Cebach et gemen ma Gabol ma Walldon. Harwoni alwaderen, ma benderen tro kul


»Was hat er gesagt?«, verlangte Gerold zu wissen. Der Waldkehr drehte sich hinter Olef sitzend erschrocken um, als er glaubte, ein verdächtiges Geräusch vernommen zu haben.


»Wir sollen von hier fliehen«, flüsterte Feodor, der sich weiterhin auf die Umgebung konzentrierte.


Er machte einen Gesichtsausdruck, als hielt er angespannt die Luft an. Dennoch übersetzte er weiter:


»Das Böse hat Egberts Gabe missbraucht und öffnete ein Tor aus der Zwischenwelt. Verdammte wurden befreit, die sich an uns rächen wollen.«


»Verdammte?«, äußerte sich nun auch Olef ungläubig. »Warum wollen sie sich an uns rächen?«


»Tegia benden tro on?«, wiederholte Maarten die Frage an den Beschwörer gerichtet.


Zunächst herrschte Stille, und es machte den Eindruck, als folgte keine Antwort des Beschwörers. Auf einmal aber hauchte er:


»Ku helen


Als die Adlerritter dabei zögerten Egberts Worte zu übersetzen, hakte Olef zornig nach:


»Und weshalb?«


»Er sagte, ihr lebt«, antwortete Feodor.


»Weil wir leben?«, empörte sich Olef ungläubig.


Feodor nickte bedächtig. Er reagierte jedoch, indem er ruckartig den Kopf zu Gerold richtete, denn er bemerkte, dass die Rehohren des Waldkehrs zuckten.


Gerolds Gehör war viel stärker ausgeprägt als das der Menschen, und tatsächlich hörte er nun Geräusche. Irgendetwas bewegte sich durch den Wald. Und zwar schnell und hastig. Zweige wurden umgeknickt, Blättermassen am Boden aufgewühlt. Gerold hatte längstens wahrgenommen, dass etwas auf sie zu gelaufen kam. Nicht heimlich und vorsichtig. Nein, rasch und ungeduldig.


»Es kommt jemand.«


»Aus welcher Richtung?«, rief Feodor.


Gerold zeigte hinter sich. Also zwang Olef den Wallach dazu, sich umzudrehen. Auch Maarten wandte seinen Schimmel in die gezeigte Richtung. Feodor nahm den Schild vom Rücken seines Pferdes, brüstete sich damit am linken Arm und postierte sich dann mit gezücktem Schwert vor seinen Vetter.


Genau jetzt war zu hören, dass tatsächlich etwas durch den Wald rannte und sich dabei immer wieder durch dicht wuchernde Bodengewächse zwängte. Das Etwas schien keine Rücksicht darauf zu nehmen, dass es sich an Dornen und Zweigen verletzte. Es hörte sich an, als raste ein großes Tier wütend durch den Wald.


Hinter den vier Gefährten hauchte die gequälte Stimme des Beschwörers traurig:


»Feodor, io zelen agendel tro kel. Io aken ma Gabol ma Walldon. Io alwaden Hebakon tro Helenos et ma Cebach, ion zelen tro kel. Wen io aken ma Harwoni armen. Lemen de ion. Hal kun Belandel nenen ma Heliad, ion alwaden set ma Walldon


Feodor schnaufte kurz aus, denn die Worte des Beschwörers bewegten ihn so sehr, dass er trotz seiner Anspannung antwortete:


»Egbert set Merzen, ian Belandel tro kel nun bol. Io halen tro Heliad, kel alwaden set ma Walldon.«


Maarten hatte bedrückt den letzten Worten des Beschwörers und Feodors Antwort zugehört. Aber auch der Waldkehr und Nachtalp, die den Inhalt nicht verstanden hatten, kamen nicht dazu, etwas zu sagen.


Denn ihre Aufmerksamkeit wurde allein durch das Rumoren vor ihnen abgelenkt. Knisternd wurden Zweige umgeknickt, ja sogar Äste schienen zu brechen. Mit schweren Schritten stapfte etwas durch den Wald. Geradewegs auf sie zu.


Und als Gerold nun auch sein Kurzschwert zückte und die Schlitzaugen schärfte, erblickte er erste Umrisse eines Wesens, das durch den Wald lief.


Es musste eine aufrechte Kreatur sein, und es lief auf zwei Beinen und hatte auch sonst die Kontur eines Menschen. Allerdings war es viel stattlicher als ein Mensch, vielleicht einen Kopf größer als ein hoch gewachsener Mann, und es war auch äußerlich anders. Es war überdeckt von einer Kruste, die so aussah, als habe sich das Geschöpf mit Erde überschüttet. Nur das die dunkle Erde an ihm klebte. Nur gelegentlich vielen einige Erdbrocken von der Gestalt. Die Kreatur hatte schlaksig wirkende Arme und Beine und war zudem vollkommen unbekleidet.


Eine tiefe Stimme grollte durch den Wald, voller Wut und Hass. Und es dauerte nicht lange, da hielt die Kreatur schließlich in Sichtweite zwischen den Bäumen.


Erst da erkannten die Gefährten, um was es sich handelte. Es war ein menschenähnliches Geschöpf, dem Erde, Blätter und Pflanzenreste überall an dem Körper klebten. Doch wurde nun erkennbar, dass die Kreatur gar keine Haut besaß, und dass die Erde direkt an ihrem entblößten Fleisch klebte. Dieses aber war wiederum halb verwest, und es machte den Eindruck, als hätte sich das Wesen aus einem Erdgrab befreit. Zudem haftete ihm ein säuerlich, penetranter Verwesungsgestank an.


Die Kreatur blickte die vier Gefährten mit weißen Augäpfeln an, die im extremen Kontrast zu dem dunklen Waldboden standen, mit der sein hautloses Gesicht überdeckt war. Es verkrampfte die Hände und hielt sie drohend empor. Aus seinem Mund kam wieder ein tiefes Grollen, so dass die Männer von einem Schaudern erfasste wurden. Dann brüllte das Geschöpf mit einer Brummstimme:


»Vater, warum hast du mich verraten?«


Erst da verstand Olef, dass da vor ihm sein Sohn Morten stand. Er war aus dem Grab entsprungen und die Erde, mit der man ihn bedeckt hatte, klebte an seinem halb verwesten Körper. Im Bruchteil von Sekunden erinnerte sich der Nachtalp, dass er seinen Sohn getötet hatte. Mit einem verfluchten Hammer hatte er ihm das Leben genommen und seiner geschundenen und betrogenen Seele keine Ruhe gegönnt. Verzweifelt und hasserfüllt hatte Mortens Seele in der Zwischenwelt verharrt. Das Böse, dass Mortens Tod verursachte, befreite nun seine Seele und hetzte sie in den wiederbelebten Leichnam los, damit sie sich an Olef rächte.


...


 


 


 


 


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