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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Geheimnis des Teufelsberg, Peter Burger
Peter Burger

Geheimnis des Teufelsberg



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Der wilde Gesell war gut zu Fuss, obwohl er nur Lumpen um die Füsse gebunden hatte und eilte immer höher den Berg hinauf, bis er den schmalen Quellbach erreichte und nun im Wasser bergauf hüpfte, um seine Spur zu verwischen. So konnte er Zeit gewinnen und die Hunde verwirren. Schon waren die vielen Höhlen in der Felsenregion des Berges zu sehen und er wusste, dass er bald in Sicherheit war. Der kleine Bach entsprang einer Quelle im Fels und sammelte sich in einem eigenartigen Wasserbecken, was vor langer Zeit einmal von Menschenhand angelegt worden war. Dort angekommen, drückte der wilde Gesell, der einem Teufel sicher ähnlich sah, gegen den Seitenrand dieses Wasserbeckens und ein Schlitz öffnete sich, durch den er schlüpfte und von innen schnell wieder verschloss. Durch dunkle Höhlengänge tastete er sich nach oben in ihm wohlbekannte Räume, die kleine Öffnungen, so gross wie Schiessscharten hatten und er damit freien Blick auf das Quellbecken genoss. Noch schnaufte er schwer in ein Tuch, da er auch nicht mehr der Allerjüngste war, um sich damit nicht zu verraten. Dann band er sich das Tuch um den Kopf, um seine Ohren zu schützen. An dem linken Ohr verschob er es ein wenig, um deutlicher zu hören, was draussen vor sich ging. Lange Zeit verstrich und er hörte nur das Plätschern und Gurgeln des Wassers der Quelle ins Wasserbecken. Sein Blick reichte etwa zwanzig Meter darüber hinaus und dorthin lugte er angestrengt in grosser Anspannung, alle seine Gewehre geladen neben sich liegend und eine neuzeitliche Pistole mit federgespanntem Hahn. Als erstes sah er die Hunde, die die Spur wieder gefunden hatten zum Quelltopf streben und ihren Durst löschen; dann die drei Jäger, die vorsichtig absichernd sich dem Wasser näherten. "Wo ist der hin?" "Er muss die Felsen hochgeklettert sein, in eine Höhle hinein" "Aber welche? Die Hunde finden keine Spur mehr" "Du kannst doch gut klettern", sagte der eine Jäger zum Anderen und sie überlegten, was zu tun sei. "Nun kann er uns nicht entkommen, aber wir brauchen mehr Männer hier. Wer reitet hinab, um die Anderen zu holen?" "Zu spät für heute, wir müssen ihn ausräuchern." "Sucht trockenes Gras und Holz mit viel Harz, das treibt ihn schon raus. Der Fels ist voller Löcher. So haben wir früher die Adler aus dem Horst getrieben." Die ganze Diskussion dauerte nur wenige Minuten und ein Jäger blieb mit den Hunden am Wasserbecken, während die Anderen etwas bergab Holz und trockenes Gras sammelten. 


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So geschah es, dass völlig überraschend die Häscher in einer Nacht das Dorf umstellten, dem Dorfschulte mit Absetzung und Haft drohten und ihn zur Herausgabe der Witwe zwangen. Sie wurde zunächst zum Gutshof gebracht, dort als Hexe verurteilt und sollte nach der österlichen Fastenzeit öffentlich auf einem Scheiterhaufen verbrannt werden. Dies wurde im ganzen Land verbreitet, damit möglichst viele Zuschauer zur Hinrichtung kommen würden, was der Abschreckung und Autorität des königlichen Gutsverwalters dienlich sein sollte. Auch in Mundenbach wurde dies von einem Boten lauthals proklamiert und es wollte der Zufall, dass an diesem Tag der unheimliche Geselle wieder in der Nähe des Dorfes weilte und die geschwätzigen Mägde auf dem Feld am Waldrand belauschte. So erfuhr er von der Hinrichtung der Witwe als Hexe und wusste sofort, was zu tun war. Denn er hatte immer ein Herz für ausgestossene Wesen, auch wenn er noch so wild aussah und somit der Schrecken für alle war, die ihm begegneten und den Teufel in ihm sahen. Da er niemanden an seinen Berg herankommen lassen wollte, nutzte er die Angst der Dörfler und steckte sich die Geweihreste eines Rehbockes in sein dichtes, in sich verklebtes Haar und tat alles, damit diese glaubten, er sei der leibhaftige Teufel. So hatte er sein Reich von mehreren Quadratkilometern für sich allein und nur selten verirrten sich Wanderer oder Holzsucher im Wald unter seinem Berg. Nur die Berittenen aus Königsruh, die alle paar Monate die Gegend auf der Jagd durchstreiften, konnten ihm gefährlich werden, aber dafür hatte er einige Sicherungen eingerichtet. Denn die letzte Begegnung mit dem Gutsverwalter und seinen Jägern hatte ihn überrascht und er mahnte sich zu noch grösserer Vorsicht. So hütete er das Geheimnis über seine wahre Identität zu seinem Schutz und dieses freie Leben genoss er über alles. Aber manchmal wollte er wenigstens die Stimmen der Menschen wieder hören und daher lag er oft am Waldrand und hörte den Bäuerinnen bei ihrem Tratsch zu oder schlich nachts heimlich um die Bauernhäuser. Mit den Hunden von Mundenbach hatte er einen geheimen Pakt geschlossen. Diese bekamen von ihm regelmässig gutes frisches Fleisch und dafür schwiegen sie und verrieten ihn nicht. Einige Hunde mochten ihn sehr und manchmal sass er unter einem offenen Küchenfenster, aus dem ein wunderbarer Bratenduft strömte und er hörte den Geschichten der Familie zu, während ein Hund sich an ihn kauerte und sich streicheln liess, so wie er dies nur selten von seinen Besitzern erlebte. Der wilde Mann sprach mit den Tieren und diese mochten ihn, denn er war immer gut zu ihnen und verstand genau deren Sprache. Wenn man lange im Wald lebt, dann hört das geübte Ohr alles, die feinsten Geräusche, den Wind und die Sprache der Tiere und Bäume. In diesem Einklang mit der Natur lebte der Wilde und trotzdem zog es ihn immer wieder in die Nähe der Menschen, obwohl diese für ihn auch sehr gefährlich werden konnten. Ein Zwiespalt war in seinem Herzen, den er mit seinen Lauschaktionen kompensierte und er liebte die einfache Sprache der Bauern, voll derbem Wortwitz und Einfachheit. Und nun war diese Witwe, die er schon öfters im Wald Kräuter suchen sah, im Gut in Haft und sollte als Hexe verbrannt werden. Das musste verhindert werden, allein schon um dem Gutsverwalter eins auszuwischen. Denn mit diesem stand noch eine sehr alte Rechnung offen und sein Hass auf diesen harten Mann war tief in seiner Seele eingegraben. 

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Sarah hatte ihre Freiheit wieder und war dem Feuertod entgangen, ein neues Leben hatte für sie begonnen und der wilde Gesell war nur äusserlich wie ein Teufel, dahinter ein kluger, besonnener Mann, wie sie bisher nur wenige erlebt hatte. Irgendwie erinnerte er sie an den Waldmönch, von dem sie so viel gelernt hatte und doch war Kim ganz anders, schneidiger, mit wachem Adlerblick, dem nichts entging. Seine Augen konnten wunderschön sein und dann wieder schneidend scharf, fast unheimlich; durchbohrend, wenn er genauer etwas ansah. Sein wilder, ungepflegter Bart verdeckte den ganzen unteren Bereich bis zur Nase und seine Haare waren wild verfilzt und doch ohne Läuse. Sie rochen nach einem Kraut, das Läuse mieden. Trotz dieses wilden Aussehens strahlte er etwas freundliches aus, das Sarah schon im Kerker auffiel und sie spürte sofort, dass sie diesem Mann vertrauen konnte und nicht fürchten musste. Es war der Instinkt einer erfahrenen Frau, die schon viel durchlitten und daran sehr gereift war. Und jetzt, wo sie ihn betrachtete und er ihr Anweisungen gab, konnte sie diese widerstandslos annehmen und akzeptieren. Denn da hatte alles Hand und Fuss, nichts war überflüssig und schon gar nicht fordernd. Er sagte einfach, was zu ihrer gemeinsamen Sicherheit nötig war und sie tat es ohne zu murren. Zwei Tage später zogen zwei Knechte des Gutshofes nach Mundenbach und berichteten von der Befreiung der Hexe und dass der Teufel erschienen war. Sie suchten die Hexe, um dem Ungemach ihres Herrn entgehen zu können und drohten den Bauern mit Strafe, falls einer die Hexe bei sich verstecken würde. Alle Bauern von Mundenbach waren total überrascht und der Dorfschulte erschrak sehr, denn er ahnte die grosse Gefahr für das Dorf, wenn der Gutsverwalter wütend war. Vor einigen Jahren hatte er zwei unschuldige Buben von gerade mal sechzehn Lenzen für Monate einsperren lassen, hatte eine prallgefüllte Scheune anzünden lassen und die Steuern verdoppelt, weil er überzeugt war, die Bauern würden einen Mann decken, der im Gutshof in seine Privatgemächer eingebrochen war und dann mit reicher Beute geflohen war. Dessen Spur führte zwar am Dorf vorbei weiter zur Heerstrasse über die Berge, aber der Gutsverwalter behauptete, dieser müsse Verbündete im Mundental haben. Da die Hexe eine Witwe aus Mundenbach war, überkam alle eine grosse Angst und man beriet, wie man das Unheil abwenden könnte. Viele Ideen kamen, wurden wieder verworfen und letztlich waren alle ratlos.


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