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Frühling, Sommer, Herbst und Wut


Anthologie über Werwölfe und Kinder d. Mondes

von B. A. Moon

fantasy
ISBN13-Nummer:
9783945725313
Ausstattung:
Paperback, Format 14,8 x 21,0 cm,
Preis:
8.90 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Edition Paashaas Verlag
Kontakt zum Autor oder Verlag:
rudziok@artelier-rudziok.de
Klappentext

Geschichten mit bissigem Witz und Gedichte voller düster romantischer Lyrik.

Erfahren Sie mehr über die Spielarten der Lykanthropie. 
Begleiten Sie ein junges Mädchen auf ihrer gefährlichen Reise zu ihrer Großmutter.
Finden Sie heraus, was sich noch wie Tequila und Mezcal verhält.
Lernen Sie die ungeheuerlichen Folgen von Herzenswünschen kennen.
Erschauern Sie im Angesicht der wahren Bestie.
Entdecken Sie Gründe und Konsequenzen eines blutigen Schwurs.

Rezension

B. A. Moon ist bekannt für seine ebenso fantasievollen wie blutigen Gruselgeschichten. In seinem neuesten Erzählband geht es auch wieder heftig zur Sache! Dass sich Werwölfe und Vampire nicht mögen, weiß man spätestens seit Underworld, und so suchen die beiden dunklen Völker nicht nur die Menschheit heim, sondern auch einander.
Klassischer Horrorstoff, der den Genre-Topoi aber durchaus neue Seiten abzugewinnen vermag. Fetzig geschrieben und zugleich kunstvoll formuliert, durchsetzt mit peppigen Gedichten und fantastischen Illustrationen. Ein schaurig-schöner Kurzgeschichtenband!

Leseprobe

Grau I

Er starrte die hellgraue Decke an. Mittlerweile zählte er zum x-ten Mal die Konturlinien der einstigen Verschalung. Sämtlichen, halb im Beton eingeschlossenen Kieselsteinen hatte er bereits Namen gegeben und jedem Riss im Blickfeld ein Fabelwesen zugeteilt. Er starrte seit einer gefühlten Ewigkeit auf diese Fläche von Grautönen. Wo sollte er auch sonst hinsehen?

Sein Schädel war mit Metallspangen arretiert. Daumendicke Schrauben hielten die Spangen fest verbunden mit dem Stahltisch, auf dem er lag. Arme und Beine, ja selbst die Brust teilten das Schicksal des Kopfes. Keine Chance, sich zu rühren. Doch nicht diese Fesseln verweigerten ihm das Blinzeln und ließen die trüben Augäpfel ebenso wie die spröden Lippen über den gebleckten Fangzähnen austrocknen. Etwas anderes verweigerte dem untoten Körper unter Wahrnehmung aller Sinne jedwede Bewegung. Die Nerven befanden sich in einer Endlosschleife aus Schmerz, während der zur Reglosigkeit verdammte Leib erste Anzeichen des Verfalls aufwies. Ein angespitztes Stück Holz, vier Zentimeter dick und vierzig Zentimeter lang, ragte aus seinem Brustkorb. Feuergehärtete Schwarzesche durchbohrte das tote Herz und nagelte den Vampyr wie einen Schmetterling auf die kalte Liegefläche. Er vermochte nicht einmal zu schreien, um sich eine vermeintliche Linderung zu verschaffen. Die Gnade der Ohnmacht in Gegenwart unsäglicher Pein blieb seiner Art versagt. Der Verstand raste ungebremst in die Sphären des Irrsinns, als sich Schritte näherten. Ledersohlen knirschten auf dem körnigen Kellerboden. Etwas packte den Holzpflock und drehte ihn prüfend in der Wunde. Die schwarze Seele des Unholds schrie auf vor Pein. Doch kein Ton kam über die Stimmbänder. Augen wie glühender Bernstein schoben sich ins Sichtfeld. Eine widerlich süffisante Stimme mit französischem Akzent tropfte wie Säure in seine Ohren.

„Willkommen in New Orleans, willkommen in meinem Heim. Mein Name ist Arsène Garou. Ich bin dein Gastgeber und der Regisseur deines persönlichen Albtraums. Ich werde dir nun einige Fragen stellen, n′est pas? Wenn mich deine Antworten zufriedenstellen, stecke ich den Pflock vielleicht nicht wieder zurück in dein totes Fleisch“, säuselte der Fremde und zog ruckartig die Schwarzesche aus dem Herz seines Gastes.

Grau II

Kaum war der Holzpflock aus ihm heraus, bäumte sich der Blutsauger spastisch zuckend auf. Von dem explosionsartig aufkeimenden Blutdurst überwältigt, drang ein tiefes Stöhnen aus seiner Kehle. Der Kiefer im ruckelnden Kopf schnappte wild nach Beute.

Ein bebendes Fellknäuel verstopfte das aufgerissene Maul. Instinktiv schlugen die Fangzähne zu, bis sie Blutbahnen trafen. Gierig saugte er das Opfer leer, bis das klagende Fiepen erstarb.

„Hättest du nicht gedacht, dass dir Rattenblut wie eine Delikatesse erscheinen könnte, n′est pas?“, spottete sein Gastgeber.

Der Blutsauger spuckte angewidert die tote Ratte aus und versuchte unter Aufbietung aller Kräfte, die Fesseln zu sprengen. Arsène Garou ließ ihn kopfschüttelnd gewähren, bis er sich beruhigt hatte.

„Wenn du deine progressive Muskelentspannung beendet hast, wäre ich für deine volle Aufmerksamkeit dankbar. Du gehörtest einst zu den Leibwächtern eines Vampyrs, der in euren Reihen ‚Der Schatten‘ genannt wird. Vor einigen Jahren kam es in der Fabrikhalle einer Industriebrache in der Nähe von Maine im Rahmen einer Übergabeverhandlung zu einem Feuergefecht. Das zu übergebende Objekt, ein Buch, wie auch der Schatten sind seither verschwunden, und du auf der Flucht. Dummerweise hat dich dein Weg nach New Orleans geführt, wo zwar niemand deiner Art dich bedroht, aber ebenso wenig vor mir beschützt. Kommen wir zu meinen Fragen. Was ist bei der Übergabe geschehen? Wo ist der Schatten? Und wo ist das Buch?“

Der Gepeinigte spukte seinem Gastgeber Blut ins Gesicht.

„Du mieser Froschschenkelfresser. Du wirst bereuen, mich hier ...“

Unversehens rammte Arsène mit voller Wucht seinem Gast den Pflock in die Brust. Abrupt folgten Starre und Schmerz.

„Ich will keine Worthülsen hören, sondern Antworten. Ich bin ein Loup-garou, ein Wolfling, ein Kind des Mondes. Ich fresse keine Froschschenkel, sondern Aas. Also so was wie dich. Entweder ich kriege meine Antworten oder du wirst erfahren, dass nicht nur alle Theorie grau ist. Und irgendwann später fresse ich dich“, lächelte der Wolfling.

Arsène Garou erhielt seine Antworten, und sie veranlassten den beunruhigten Wolfsmenschen, ein Ting einzuberufen.

Auszug aus Tequila und Mezqal:

... „Erstens: Sie nehmen sofort die Finger da weg. Zweitens: Ihre Feststellung hat soeben Ihre Pläne für den heutigen Abend definitiv null und nichtig gemacht. Haben Sie mich verstanden?“

Sie wirbelte herum. Tatsächlich ließ er umgehend von ihr ab. Was folgte, stellte so manchen Albtraum in den Schatten.

„Oh nein, meine Kleine. Du irrst dich. Mein Plan für diese Nacht ist dabei, schreckliche Wirklichkeit für dich zu werden. Eigentlich wollte ich französisch essen gehen. Aber jetzt werde ich mit Vergnügen ägyptisch speisen. Du wirst mir ein Festmahl sein!“

Mit diesen Worten zog er sich lässig das Hemd aus und kickte die Schuhe von den Füßen. Layla rannte los. Sie sprintete den Hügel hoch zwischen eine Baumgruppe. Das Kleid behinderte sie durch die eingeschränkte Schrittweite. Der Rückweg wurde von dem kranken Typen abgeschnitten und sie kannte sich hier nicht aus. Die nächste Zivilisation mochte sonst wo sein. Viel Zeit blieb ihr nicht zum Überlegen. Sei es drum. Sie löste die Schleife am Wickelkleid und das Gewand fiel von ihr ab wie ein welkes Blütenblatt. Die ersten Schritte weg von diesem Ort begleitete ein unheilvolles Geheul. Die Verwandlung setzte ein. Gregorys nackter Körper deformierte mit jeder Bewegung in abstruser Weise. Haarteppiche schossen aus allen Poren und bedeckten die bleiche, schwitzige Haut in Sekunden mit einem dichten, grauen Fell. Die Füße verlängerten sich. Sie zwangen ihn in einen schnelleren, gebückten Gang. Aus gequollenen Zehen und Fingern sprossen monströse Krallen. Brustkorb und Rücken gewannen an Volumen. Der nach vorn gewölbte Schädel bildete eine wuchtige Schnauze aus. Im Mondlicht blitzten bösartige Zahnreihen zwischen gigantischen Kiefern. Mit geifernden Lefzen nahm die Kreatur Witterung auf und stürzte in irrwitziger Geschwindigkeit über den Hügel. Die gierigen bernsteinfarbenen Augen registrierten unter einer Birke die Tasche und die Schuhe des Opfers. Das Tier richtete sich zu voller Größe auf und entließ seinen Ruf in die Nacht. Das Gejaul dröhnte durch die Baumwipfel. Der Tribut an den Mond. Knurrend schnupperte das Geschöpf an den Stilettos. Die buschigen Ohren drehten sich suchend in sämtliche Richtungen. Da war es! Das Futter versteckte sich unten am Wasser. Es rannte in die Falle. Von dort gab es kein Entkommen. Die Strömung war zu stark zum Schwimmen und die nackten Füße der Frau würden auf den glitschigen Steinen keinen Halt finden. Die Bestie sprang auf alle viere und raste den Hang hinunter zum Ufer. Ja, zwischen den Felsen wartete das zitternde Lebendfutter darauf, von ihm zerfetzt zu werden. In einer Felsspalte erblickte er endlich das Ziel. Das Mondlicht spiegelte sich in den hellgrünen Augen.

Am nächsten Abend in der Haupthalle des New Yorker Museums für internationale Geschichte. Dr. Wilbur Thornbarrington trippelte nervös auf dem polierten Marmorboden hin und her. In fünf Minuten sollte für Prominente die erste Führung der angesagten ägyptischen Wanderausstellung beginnen und von Dr. Nagib, die anlässlich der Ausstellungseröffnung diese Führung übernehmen sollte, fehlte jede Spur. Der schlaksige, alte Mann stand kurz vor einem Herzinfarkt. Was für eine Katastrophe, wenn die Ausstellung ohne sie eröffnen müsste. Was für eine Schande! Was sollte er nur dem Bürgermeister und dem Senator sagen? Nicht auszudenken, was ...

Wo Werwölfe wandeln

Wo Werwölfe wandeln

Wechseln wankelmütige Wanderer winkelige Wege,

wuchern Waldeswipfel, wanken Wurzelhaine.

Wo Werwölfe wandeln.

Weht wirbelnder Wind, wispert winselnder Waldesrand,

wütet weibische Wollust, wirkt wirrer Wahnverstand

Wo Werwölfe wandeln.

Wollen Wilderer wider weisen Wissens Wolfsjagd wagen,

werden Waidmännerwitwen weinend wehklagen

Wo Werwölfe wandeln.

Weben Weidengesäumte Weiher wabernde Wassernebel,

wogen weite Wiesengründe, winken warnend Wandervögel

Wo Werwölfe wandeln.

Wittert weidendes Wild widerlichen Wutgestank,

wimmern wachend Weise wortgewandt.

Wo Werwölfe wandeln.

Wetzen widerwärtige Wolfsfänge weinrote Wunden.

Widerfahren wissbegierigen Weilerbewohnern widrige

Weissagungen

Wo Werwölfe wandeln.

Wird Wahrheit, was wir Wolfsgarn wähnen