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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Flora-Das Erbe einer Königin, Diana Stanislawski
Diana Stanislawski

Flora-Das Erbe einer Königin



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Das fremde Volk


 


Als Flora erwachte, war es bereits hell. Die Sonne blendete sie und in ihrem Kopf hämmerte es. Die Fee setzte sich auf und sah sich um. Verwirrt stellte sie fest, dass sie in ein Loch gefallen war. Es war ziemlich tief und ein starker Geruch nach Erde stieg ihr in die Nase. Erleichtert bemerkte Flora, dass sie unverletzt war.


Wo kommt dieses Loch nur her?“, fragte Flora sich. Sie rappelte sich auf und sah nach oben, die Wände waren glatt und gelegentlich rieselte Erde hinab. Sie grinste, ohne Flügel wäre sie nur schwer hinaus gekommen.


Ich sollte mich nicht aufhalten lassen, ich muss Puk finden“, dachte sie sich.


Gerade wollte sie nach oben fliegen, als ihr ein Durchgang in der Wand auffiel. Von ihrer Neugier getrieben beschloss Flora diesen Weg zu erkunden. Sie bückte sich und krabbelte langsam durch den schlammigen Gang. Wegen der Dunkelheit sah sie nicht wohin der Weg sie führte. Ihre Finger schlossen sich um Wurzeln und Erde. Ihre Knie waren bereits zerkratzt von den vielen Steinen, die in der Erde lagen. Sie wollte schon aufgeben, da wurde der Gang etwas größer und die Fee konnte sich endlich aufrichten. Da sie nichts sehen konnte, hielt sie sich an den Wänden fest. Ekel überkam sie - überall hingen Würmer, Käfer und anderes Getier. Flora schüttelte sich und beschloss endlich ein Licht zu machen. Die Fee hatte ihre Kräfte im letzten Jahr gut trainiert und so war es für sie nun kein Problem ein Feuer zu entzünden. Sie wirbelte mit der Hand herum und sprach einige uralte Worte. Flora grinste, als sich eine kleine Flamme über ihrer Hand bildete. „Diese seltsame Gabe hatte also doch einen Nutzen.“ Das Feuer leuchtete hell auf und blendete sie für einen Moment, doch es dauerte nicht lange bis ihre Augen sich an das Licht gewöhnten. Sie blickte sich um und erschrak fürchterlich. Sie starrte direkt in zwei helle, blaue Augen. Außer den Augen konnte Flora nichts weiter erkennen, bis eine helle Stimme die Stille durchbrach und den Blick auf ein paar kleine, weiße Zähne freigab.


„Wer bist du und was willst du hier?“, fragte der Fremde.


Flora wurde panisch und riss die Augen auf, doch sie schaffte es dem anderen eine Antwort zu geben.


„Ich bin Flora und habe mich verlaufen“, sagte sie mit zittriger Stimme.


Nun trat der Fremde ins Licht und Flora starrte ihr Gegenüber fassungslos an. Dort stand ein kleiner Mann, etwas größer als sie selbst und sein Körper war schwarz vor Dreck. Seine Kleidung war von minderer Qualität und ebenfalls schwarz. Er deutete mit seinem Speer auf sie und Flora erstarrte.


Ihr war gar nicht aufgefallen, dass er eine Waffe trug.


„Du bist ins Gebiet von König Merrick eingedrungen und ich darf dich nicht einfach ziehen lassen.“


„Was hast du nun vor?“, frage Flora.


Der Fremde sah sie an und sagte: „Das wird der König entscheiden. Wir werden zu ihm gehen.“ Mit diesen Worten richtete er die Spitze seines Speers auf die Fee und bat sie ihm zu folgen.


Ich könnte ihn töten und fliehen“, dachte Flora, doch sie wollte nicht unnötig Blut vergießen. Also ließ sie ihre Flamme erlöschen und ging vor dem Fremden weiter. Sie fühlte sich hilflos und verlor jegliche Orientierung. Es war dunkel und sie fragte sich wie ihr Begleiter etwas sehen konnte. Es dauerte nicht lange bis kleine Lampen den Weg erhellten und Flora erkannte, dass es nun überall Abzweigungen gab.


Als die Stille zu erdrückend wurde, wagte die Fee es ein Gespräch zu beginnen.


„Lebt ihr etwa hier unten?“, wollte sie wissen.


Der andere schnaubte: „Natürlich tun wir das und du bist in unser Gebiet eingedrungen.“


Flora senkte den Kopf „Das tut mir Leid. Ich wusste nicht, dass hier unten jemand lebt.“


„Das ist typisch für euch oberen Bewohner, ihr denkt immer nur an euch. Was mit anderen ist, ist euch doch vollkommen egal“, spie er.


Diese Antwort hatte Flora nicht erwartet, doch so schnell wollte sie nicht aufgeben. Also entgegnete sie: „Wenn ihr hier unten haust, woher sollen wir dort oben von euch wissen?“


Plötzlich wirkte der Fremde traurig. „Es war nicht immer so, früher lebten die Kobolde an der Oberfläche. Bis unser König sich verraten fühlte und das gesamte Volk in die Dunkelheit führte.“


Es dauerte eine Weile bis Flora das Gesagte verstand. Sie befand sich im Reich der Kobolde, dabei dachte sie, dass es diese schon lange nicht mehr gab.


Während sie darüber nachdachte, wurde es um sie herum langsam belebter. Der Weg wurde breiter und es begegneten ihnen immer mehr andere Kobolde. Doch Flora konnte keines der Gesichter erkennen, denn sie alle waren mit schwarzer Erde beschmiert und ihre dunkle Kleidung verlieh ihnen ein unheimliches Aussehen. Diese Kobolde erinnerten Flora an den Krieg gegen die Trolle, sie sahen genauso unheimlich aus. Erstaunt starrten die Kobolde sie an und einige fingen wild an zu tuscheln. Doch Floras Führer setzte seinen Weg fort. Neugierig sah sie sich weiter um. Nun kamen auch einige Häuser in Sicht. Sie waren aus Lehm und direkt an die Wände des Tunnels gebaut worden. In dieser Welt fehlte jegliche Farbe und Freude, alles wirkte traurig und trostlos. Kleine Kinder schauten ängstlich durch die Fenster. Aus ihren Augen war der Glanz verschwunden und eine grenzenlose Leere schien ihr Leben erfasst zu haben. Trotz der Traurigkeit faszinierte Flora diese Stadt. Die Kobolde hatten sich unter der Erde ihre eigene Welt erschaffen; es gab Geschäfte und Wohnhäuser, Handwerker und Viehzüchter. In der Ferne sah sie ein Gebäude, das viel größer als die anderen war und es bestand aus einem dunklen Gestein, das die Fee noch nie zuvor gesehen hatte. Der Kobold steuerte direkt auf dieses Gebäude zu, dabei sagte er: „Das ist der Palast. König Merrick wird uns dort erwarten.“


„Wie ist der König so?“, wollte Flora wissen.


„Er ist den Bewohnern oberhalb der Erde gegenüber sehr misstrauisch, aber er ist fair und gerecht. Sein Vorfahre, der uns vor mehr als hundert Jahren hinab in die Erde führte, war viel ängstlicher und gemeiner. So langsam wird alles hier unten besser.“


Es wird besser hier unten? Wie mag es wohl vor hundert Jahren gewesen sein“, dachte Flora. Doch sie behielt ihre Gedanken für sich, denn die Kobolde misstrauten ihr schon genug.


Sie schritten jetzt an einigen Wachen vorbei, auch sie waren ganz in schwarz gehüllt und mit einem kleinen Speer aus Holz bewaffnet. Zwei der Wachen schlossen sich der Fee an und hielten ihr von hinten die Speere in den Nacken. Flora fühlte sich unwohl; ihre Neugier hatte sie in ziemliche Schwierigkeiten gebracht. Sie atmete tief ein und ging mit den anderen in das gewaltige Gebäude. Flora konnte nur wenig erkennen, es gab kaum Lichter und die Wände waren aus demselben dunklen Gestein wie auch die Grundmauern.


„Am besten bist du freundlich zum König und versuchst ihn nicht zu provozieren. Vielleicht hast du dann eine Chance, dass er dich gehen lässt“, erklärte der Kobold.


Flora drehte sich der Magen um. Was sie vom Kobold erfuhr, hörte sich nicht erfreulich an. Schweigend legten sie die letzten Meter zurück, bevor die Gruppe vor einer Tür zum Stehen kam. Es war eine einfache Holztür ohne jegliche Verzierung. Der Kobold flüsterte den Wachen vor der Tür etwas zu, diese verschwanden daraufhin durch die Tür. Wenige Minuten später drang ein tiefes „Herein“ zu Flora und ihrem Begleiter durch und sie betraten den Raum hinter der Tür.


Erstaunt betrachtete Flora ihre Umgebung. Für einen Palast war das Gebäude schon ziemlich hässlich, aber dieser Thronsaal war erbärmlich. An der linken Seite stand ein kleiner Tisch mit Holzschnitzereien. Sie waren kunstvoll angefertigt und hübsch an zu sehen, wirkten an diesem Ort aber fehl am Platz. Auf der rechten Seite hing ein Bild, welches wohl den König selbst zeigte. In der Mitte des kleinen Raumes saß König Merrick auf einem Holzthron und starrte die Fee skeptisch an. Er war der erste Kobold, den Flora sah und dessen Gesicht nicht mit Dreck verschmiert war. Seine Haut war ziemlich blass, fast weiß, und seine Haare hatten ein mattes Braun. Am Körper trug er einen vergilbten, grünen Mantel, welcher so lang und dick war, dass sie nichts darunter erkennen konnte.


Er beugte sich vor und sprach: „Was willst du in meinem Reich, Fremde? Wie lautet dein Name und wie hast du uns gefunden?“


Flora erzählte ihm von ihrem Sturz im Wald, dass sie einen Durchgang in dem Loch entdeckt und dass ihre Neugier sie schließlich hier her gebracht hatte. Der König nickte verständnisvoll.


„Erzähl mir vom Leben oberhalb der Erde“, forderte er sie nun auf.


Flora wusste zuerst nicht was sie darauf entgegnen sollte, doch schließlich besann sie sich und begann zu erzählen: „Das Leben im Wald der Herzen ist sehr schön. Die Sonne besucht uns jeden Tag, die Bäche und Seen erfrischen uns mit köstlichem Wasser. Es gibt genug Beeren, Kräuter und Früchte für alle.“


„Das hört sich alles toll an, kleine Fee, doch wie sieht es mit den anderen Waldbewohnern aus?“, unterbrach sie der König.


Irritiert sah Flora ihn an: „Die anderen Waldbewohner? Nun, es gibt da die Elfen, die Trolle, die Elementare, die Tiere und natürlich uns, die Feen. Wir leben in Frieden und....


„Was und? Ihr seid immer freundlich zu einander und keiner fügt dem anderen ein Leid zu?“, schrie er sie an.


Der plötzliche Stimmungswandel des Königs verunsicherte Flora, trotzdem erwiderte sie: „Es gibt schon Auseinandersetzungen. Vor knapp einem Jahr endete der Krieg gegen die Trolle und ihren Meister. Viele Feen verloren dabei ihr Leben.“


König Merrick lehnte sich in seinem Thron zurück. „Also doch! Das habe ich mir schon gedacht. Es ist also doch gefährlich dort oben.“


„Nein, nein“, versuchte Flora zu erklären. „Die Trolle konnten nichts dafür, sie wurden verzaubert. Doch inzwischen ist der Krieg vorbei und dank der Göttin Sylene ist unser Wald wieder friedlich.“


Als Flora die Göttin erwähnte, zog der König eine Augenbraue hoch und sagte: „Ihr vertraut der Göttin sehr?“


Fassungslos schaute sie ihn an. „Natürlich, sie hat uns erschaffen und sie wacht über uns.“


„Hmmmm“, machte der König nur.


Dann schwiegen alle eine ganze Weile bis Merrick aufstand. „Du möchtest sicher wieder an die Oberfläche zurück?“


Sie nickte. „Ich suche den Gnom Puk, ich brauche seine Hilfe.“


Als sie den Namen aussprach, begann im Raum ein lautes Gebrabbel.


„Ruhe“, schrie der König. „Puk ist nicht leicht zu finden und Fremden gegenüber ist er sehr misstrauisch.“


„Ihr kennt ihn?“, fragte Flora erneut.


Überrascht sah der König sie an. „Wir kennen ihn seit vielen Jahren. Er war immer ein Freund der Kobolde.“


Flora verstand und sie antwortete: „Auch ich kenne ihn. Er ist ein guter Freund geworden nachdem wir vor einem Jahr zusammen nach der Göttin gesucht hatten.“


„Ich werde dich gehen lassen, kleine Fee, wenn du versprichst nie jemandem von uns und unserer Heimat zu erzählen.“


Flora wollte den Kobolden gerne helfen und sie entgegnete: „Wollt ihr nicht wieder nach oben kommen und die Sonne auf der Haut spüren?“


König Merrick setzte sich wieder hin und sagte: „Ich kann das nicht verantworten. Es ist viel zu gefährlich und mein Volk hat es verlernt an der Oberfläche zu leben.“


Nun mischte sich der Kobold, der Flora entdeckt und sie zum Palast gebrachte hatte, ein.


„Ich könnte mit ihr gehen und schauen wie es dort oben aussieht.“


Mit großen Augen sah der König ihn an: „Ist das dein Ernst, Jasper? Es könnte gefährlich sein und du weißt nicht, was dich dort erwartet.“


Flora sah den Kobold an. Sein dunkles Gesicht und die hellen Augen hatten nun endlich einen Namen: Jasper. Dieser nickte nur und sah den König entschlossen an.


Merrick machte eine abweisende Handbewegung. „Meinetwegen, aber verratet uns niemals, sonst ist mein Volk verloren. Ihr könnt euch bis morgen ausruhen, dann werdet ihr losgehen. Jasper kennt die Hütte von Puk, er wird dir den Weg zeigen.“


Flora schaute Jasper freudig an und sah das Glitzern in seinen Augen. Sie hatte den König überzeugt und einen neuen Freund gewonnen. Nun konnte sie ihre Reise fortsetzen.


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