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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Faust und die Tragödie der Menschheit, Roman Möhlmann
Roman Möhlmann

Faust und die Tragödie der Menschheit



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[...]


Mephisto war lange nicht mehr im Himmel gewesen.

Verändert hatte sich hier im Reich des Herrn kaum etwas, stellte er fest. Der gleiche blaue,

angenehme Äther, die gleichen flockigen weißen Wolken, die gleichen marmorierten Wege

und Torbögen, die gleichen goldenen Geländer und Fahnen. Und der sanfte Wind trug immer

noch die gleichen zarten Harfenklänge einer wunderschönen endlosen Melodie durch die

Lüfte.

Der gleiche Humbug, entschied Mephisto.

Man geleitete ihn über malerische Wolkenwege zum Thron des Herrn.


[...]


Als Mephisto beim Handschlag in die grau-blauen Augen seines Gegenübers blickte, war ihm

klar, dass Faust immer noch ein wenig zweifelte. Doch ein wenig Misstrauen war kein

Hindernis für das, was bevorstand. Mephistos Pläne erforderten weder Fausts vollständiges

Vertrauen noch irgendeine Art der vertraglichen Abmachung wie einst. Abgesehen davon war

Mephisto sehr wohl bewusst, dass er Fausts Vorsicht und Intelligenz kaum beikommen

konnte. Aber auch das machte nichts...


Ein Engel namens Eledal stand am goldenen Himmelstor und starrte die lange weiße

Wolkentreppe hinab, die sich weiter unten in mehrere Wege verzweigte, welche sich

irgendwann im unendlichen Blau zwischen den Wolken verloren. Diese Wege führten überall

und nirgendwo hin, zur Erde, zur Zwischenwelt und hinab zur Hölle.

»Sie verlassen uns, Herr Faust? Davon weiß ich nichts.« fragte der Engel.

»Auf unbestimmte Zeit.« entgegnete Faust.

»Er geht mit mir.« sagte Mephisto schnell.

»Seit wann dürft Ihr hier Order geben, Höllenknecht?«

Mephistos Blick traf Eledal scharf. Dem Engel wurde es ganz anders. Faust schaute skeptisch

zu Mephisto hinüber. Er spürte, wie es plötzlich kälter wurde. Eledal bemerkte dies ebenfalls.

Der harmonisch klingende Wind war plötzlich einer zischelnden Brise gewichen. Es wirkte,

als wäre die Umgebung von einem Moment auf den anderen düster und dunkel geworden.

Mephisto schien von einer tiefschwarzen Aura umgeben. Seine Augen blitzten kurz feurig-rot

auf.

»Er - geht - mit - mir!« Die Stimme des Verführers klang düster und verzerrt.

Eledal öffnete das Himmelstor und wich zurück. Er war kreidebleich, zitterte und bewegte

sich wie in Trance.

Mephisto und Faust entschwanden.

Eledal schloss das Himmelstor, atmete tief durch und öffnete die Augen. Der Himmel war

herrlich blau. Ein warmer Wind trug eine harmonische Melodie durch die Lüfte. Die ewigen

sonnigen Strahlen des Himmels durchfluteten die Wolken. Der Engel besann sich blies in sein

goldenes Horn. Er musste Bericht erstatten.

»Ich dachte, der Teufel hätte im Himmel keine Macht?« fragte Faust.

»Unsere Macht schwindet in der Nähe des Herrn. Gänzlich ohne sie sind wir aber nie.«

entgegnete Mephisto.

Die beiden standen auf dem Wolkenplateau tief unter dem Himmel, von wo aus die

verschiedensten wolkigen Treppen zu den unterschiedlichsten Orten abzweigten.

Faust war von Erwartung und Skepsis innerlich zerstritten. Äußerlich behielt er die Fassung

und wartete darauf, was nun folgen mochte. Ein leises, aber vertrautes Geräusch erklang. Weit

über ihnen blies jemand in ein Horn.

Faust: »Der Herr wird erzürnt sein, von deinem Frevel zu hören. All deine Gunst hast du

soeben verspielt. Den Himmel wirst du nie wieder betreten dürfen.«

Mephisto: »Das wird nicht mehr nötig sein. Und nun befreie dich von deinen Bedenken und

folge mir.«


[...]


»Ist es nicht erbärmlich?« fragte Mephisto.

Ein kalter Wind blies ihnen ins Gesicht. Faust und Mephisto standen am Fuße einer steilen

steinigen Klippe. Das Wasser roch seltsam, weder frisch noch modrig. Es hatte eine tiefgrüne,

nur selten leicht bläulich schimmernde Farbe. Der Himmel war bedeckt, es sah nach Regen

aus. Hinter dem Meer und der felsigen Bucht erstreckte sich eine karge, schwarze

Berglandschaft. Am Horizont warf ein Vulkan Magma aus dem Innersten der Erde. Das

dumpfe Grollen des Ausbruchs war auch hier, Hunderte von Kilometern entfernt, noch

deutlich hörbar.

Die beiden Reisenden schauten auf den feuchten, schlammüberzogenen Kies zu ihren Füßen

hinunter. Sie hatten bereits einige Zeit an dieser Stelle verweilt, doch soeben war es

geschehen. Ein dunkles Etwas mit vier breiten Beinen, ein kleines schuppiges Lebewesen,

nicht größer als Fausts Schuh, mit rollenden, dunkelroten Augen war langsam aus dem

Wasser an den Strand gekrabbelt. Offenbar atmete es.

»Erbärmlich?« fragte Faust.

»Etwa nicht? Dieses namenlose, mickrige Ding ist die Grundlage eurer Existenz, des Lebens,

wie du und alle anderen Menschen es kennt.« entgegnete Mephisto.


[...]


Es war ein ungewöhnlicher Ort für einen Engel. Aber Gabriel störte dies nicht. Er war auf der

Suche nach Antworten. Und wenn er sie hier bekommen konnte, war er hier richtig.

Graue Nebelschwaden zogen durch die alten, hohen Gemäuer der Zwischenwelt. Ein

undurchdringlicher, farbloser Dunst lag überall über diesem Ort, wo man sonst etwas wie

einen Himmel vermuten würde. Die Zwischenwelt war ein seltsamer Ort, er existierte

irgendwo zwischen den bekannten Gefilden des Himmels, der Erde und der Hölle, und

beherbergte die verlorenen Seelen in einer trostlosen Scheinwelt. Gabriel mochte diesen Ort

nicht sehr, und nur selten besuchte er ihn. Diesmal hielt er es für notwendig.

Die trostlosen Häuserreihen zu beiden Seiten der engen, endlosen Gassen wirkten erdrückend

und fremd. Ab und zu hallte eine Stimme, ein entferntes Lachen oder ein Schrei durch die

Straßen. Gabriel stand im Schatten eines hohen, mit verwitterten Fresken verzierten Vorbaus

und wartete. Er war in einen langen grauen Umhang gehüllt, der den stets leuchtenden

Schimmer seines himmlischen Wesens verbarg. Mit zusammengekniffenen Augen starrte er

in die Finsternis.

Eine Tür knarrte. Schnelle Schritte hallten durch die Gasse und kündigten Gesellschaft an.

Eine dunkle Gestalt huschte um die nächste Ecke, hielt einen Moment inne und schob sich

dann mit leisen Schritten langsam die steinerne Wand entlang. Einige Meter vor Gabriel blieb

sie stehen. Eine Hand wanderte in einem dunklen Mantel hinab zu einer kurzen, aber scharfen

Klinge. Kleine Augen unter einer tief hängenden Kapuze beäugten die große, in einen grauen

Umhang gehüllte Person im Schatten des Häuserecks,

»Den Engel sieht man kaum bei Nacht...« flüsterte eine Stimme.

»Doch stets hat er auch hier gewacht...« war die Antwort des Erzengels.

»Gabriel!« sagte der kleine Mann erleichtert und ließ von seiner Klinge ab. »Deine Nachricht

beunruhigte mich sehr. Es ist für mich nicht einfach, dich so kurzfristig zu treffen.«

»Stribor, du alter Gauner.« gab Gabriel zurück und wandte sich nun ganz seinem Gegenüber

zu. »Solltest du nicht stets Zeit haben für deinen alten Gönner?«

»Ich bin doch hier, oder nicht?«


[...]


Stribor wog den Beutel kurz in seiner Hand, um ihn dann mit einem kurzen zufriedenen

Grinsen in seiner Hose verschwinden zu lassen. Dann sagte er: »Gabriel, dass plötzlich und

ohne offensichtlichen Grund hier in der Zwischenwelt Menschen verschwinden und nie

wieder gesehen werden, kommt nicht selten vor. Aber in letzter Zeit häufen sich solche Fälle,

so dass es selbst für diese Gefilde merkwürdig wirkt. Wanderer, die von den fernen

Walpurgishöhen kamen, erzählten von seltsamen Erscheinungen, die sie in den Bergen sahen.

Aber nur, um Stunden nach ihrem Bericht nie wieder aufzutauchen. Ich selbst bin Teil manch

merkwürdiger Vorgänge geworden, habe Anweisungen von Gestalten angenommen, deren

Hintermänner ich niemals kennen lernen möchte, und für sie die seltsamsten Aufträge

ausgeführt. Außerdem... außerdem erzählt man sich, dass ein Teufel hier gesichtet worden

sei.«

Gabriel wurde hellhörig.

»Ein Teufel?« fragte er. »Welcher? Ein Fürst? Mephistopheles vielleicht, oder Belial? Oder

ein einfacher Dämon?«

»Ich weiß es nicht.« antwortete Stribor. Unsicher blickte er in die dunstigen Schwaden, die

die Gassen durchzogen. Er glaubte, dass der Nebel etwas dichter geworden wäre. Die Fresken

an den Dachfürsten der hohen Gemäuer warfen seltsame Schatten auf die Wege. »Ich selbst

habe nichts dergleichen gesehen. Es heißt, manche hätten seine Aura bemerkt, als sie ihm

direkt in die feurigen Augen sahen. Mehr weiß ich darüber nicht. Bedenke, es sind vielleicht

auch nur Gerüchte. Frag???? hier nach, wenn du mit jemanden sprechen willst, der sicher ist,

einen Teufel gesehen zu haben.«

Der kleine Mann steckte dem Erzengel ein zerknittertes Papier zu. Gabriel beäugte es kurz

und steckte es in eine Tasche seines Umhangs. Was Stribor ihm hier zu sagen hatte, war

eigentlich zu wenig, wusste Gabriel. Es war zwar zuviel, um gänzlich ignoriert zu werden,

aber gleichzeitig zu dürftig, um große Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen. Die Leute

hier sahen und redeten viel, sie hatten ja schließlich kaum etwas anderes zu tun, verloren und

gestrandet wie sie waren, zwischen all den anderen Sphären. Dennoch beunruhigten Gabriel

Stribors Ausführungen. Einen Reim darauf machen konnte er sich aber noch nicht. Jedenfalls

gab es noch ein anderes, vorerst wichtigeres Thema zu besprechen.

»Was weißt du über Faust?«


[...]

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© 2006 Roman Möhlmann


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