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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Farvell Band 1, Karsten Wappler
Karsten Wappler

Farvell Band 1


Die Neuen Götter

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2. Kapitel


 


Die grausame Königin



 


Die Welt zwischen den hohen Bergen ist nicht die einzige. Vieles ist nur ein Schein. Wer kennt die Wahrheit, und wer spricht sie aus. Das Volk, aufgewachsen mit Lügen, glaubt ihren Göttern. Nur unter den Dienern der Götter selbst regt sich ein hilfloser Widerstand, der sich an ein Amulett aus einer längst vergessenen Epoche klammert.


 


"Es ist ruhig", der oberste Priester dreht sich vom Altar zu Farvell um, "seit Monden gab es keine Übergriffe der Teufel mehr. Es scheint, als habe sich der Feind zurückgezogen." - "Ja, Ehrwürdiger, es ist Frieden in unserer Welt, und der Schutz unserer Götter ist allgegenwärtig." Farvell kniet vor dem obersten Priester. Das Licht einiger Fackeln erhellt den großen Saal. "Und doch warnen mich die Götter. Eine Gefahr böser und mächtiger als die Teufel der Gegenwart, zieht auf. Ich selbst spüre diese Macht. Sie ist nah, zu nah". Der Priester streicht mit der Handfläche über den Stein des Altars. "Du weißt, was das für ein Altar ist?" - "Ich weiß nur, daß wir hier unsere Götter sehen." - "Noch in deiner Kindheit wurden auf diesem Schrein Menschenopfer erbracht, alles für die alten Götter." Farvell schaut zu dem Priester hoch, und dieser spricht weiter: "Die alten Götter sind verdrängt, aber sie scheinen etwas Älteres erweckt zu haben. Etwas, was sich schwer fassen läßt und doch...", er schaut wie suchend in den Raum." Wir müssen ihm Einhalt gebieten." - "Was soll ich tun?" Farvell kann dem Priester nicht direkt in die Augen schauen und blickt kniend auf den Boden. Er fragt sich, ob nicht nur er selbst das Amulett an seiner Brust spürt. "Du bist kein Priester, und doch ist deine Seele standfest und den Göttern treu. Dir ist von Sufatac aufgetragen, Kontakt zu diesen Dämonen aufzunehmen, ihr Vertrauen zu gewinnen, um sie zu hintergehen." - "Ich, ich weiß nicht, ob ich es vermag. Wenn unsere Götter es nicht können, wie kann ich es?" - "Schweig!" Der Priester dreht sich zu dem knienden Farvell. "Dämonen und Götter reden nicht miteinander. Du wirst dabei nicht alleine sein. Du wirst den Schutz, die Kraft und den Segen der Götter haben. Du wirst die Hand Sufatacs in dieser Welt sein."


 



Die Zeremonie im großen Saal im Tempel dauerte fast den ganzen Tag. Die Priester standen um mich herum und weihten mich, beschwörten und beteten. Ich habe es über mich ergehen lassen. Lakradat sagte mir zuvor, daß ich von nun an keine falschen Gedanken haben darf, um die Unternehmung nicht zu gefährden. Die Götter sind bei mir und überwachen mich. Ich weiß, was er meint, und ich werde unseren Göttern dienen, so gut ich das vermag.


 



Die Sonnenstrahlen durchdringen die sandige Luft. Es ist heiß. Der oberste Priester steht auf dem Hof des Lazaretts und sagt zu Lakradat, der neben ihm steht und auf das große Loch schaut, in dem viele Diener mit Schaufeln buddeln: "Es kann noch Tage dauern, bis wir zu den alten Tempelgewölben vordringen. Hole Arbeiter aus der Stadt heran, wir werden sonst nie fertig!" Lakradat nickt.


 



Ein Priester schickt mich zum Lazarett. Dort soll ich mit Obara, dem obersten Priester, reden. Ich rüste mich. Ich bin mir fast sicher, daß der heutige Tag der wirkliche Grund meiner Ausbildung ist. In meiner Kammer liegen die beiden langen Klingen in ihren Schäften nebeneinander auf dem Tisch. Nacheinander binde ich sie sorgsam an ihren Lederriemen auf den Rücken. Den Käscher mit den Pfeilen und den langen Bogen hänge ich über die Schulter. Ich ziehe mein ledernes Gewand straff und binde mir den Gürtel um. Die kleine Lampe hänge ich an ihn. Ich verlasse die Kammer, schreite über den Hof des Tempels. Ich gehe durch die kleine Vorhalle, dann über die Steinstufen hinunter zum Platz des Schreins. Wie immer sind hier viele Menschen mit Opfergaben. Ich laufe am Rand des Platzes entlang, an der Schule vorbei, bis zu dem flachen Karree, dem Lazarett. Hier haben tagelang die Diener des Tempels und Arbeiter aus der Stadt gegraben.


 



"Unter uns erstreckt sich ein Labyrinth des Grauens, eine Tempelanlage älter als unsere Welt, voller Tod und Verderbnis. Vor Generationen wurde sie zugeschüttet, in der Hoffnung, die Mächte in ihr auszuhungern und für alle Zeiten erlöschen zu lassen. Doch es regt sich wieder etwas. Steige hinab und berichte uns oder vernichte es. Das ist deine Mission, Wächter des Tempels." Farvell schaut zu dem Loch. Es ist nicht sehr tief, aber ein Stollen führt weiter ins Erdreich. Der oberste Priester und Lakradat stehen am Rand des Loches und schauen zu, wie Farvell hinein klettert und in dem Stollen verschwindet.


 


Der Stollen ist tief in die Erde getrieben, Fackeln erhellen ihn, und Bretter an Decke und Wänden stützen ihn ab. Am Ende ist eine durchbrochene Wand aus Mauerwerk, Farvell klettert hindurch. Er hält die Fackel in der einen und seine Klinge in der anderen Hand. Ein großes gemauertes Gewölbe tut sich vor ihm auf. "Warte!", hallt es von hinten zu ihm. Er schaut zurück und sieht wie Lakradat durch den Wanddurchbruch steigt. "Sage kein Wort! Wir wollen doch keine Götter erwecken", sagt Lakradat, als er Farvell erreicht hat. "Das ist sicher jetzt geschehen", erwidert Farvell leise und schmunzelt. Schweigsam gehen beide durch das dunkle Gewölbe über dicke Staubschichten bis zur anderen Seite. Vor einem eckigen, steinernen Tor bleiben beide stehen. Viele kleine Verzierungen sind in das Tor eingemeißelt. Lakradat schaut sich die Verzierungen an. "Das ist keine Schrift, das ist nur Schmuck." - "Sicher?" Farvell schaut Lakradat an, dieser nickt. Farvell will vor das Tor treten und es aufdrücken. Lakradat hält ihn an der Schulter zurück. "Du weißt warum wir hier eindringen?", fragt er leise. "Dämonen erschlagen?" - "Nein, dein Amulett. Obara spürt seine Kraft, und die Götter denken, daß die Quelle der Kraft hier unten zu finden ist. Sie fürchten sich vor dem, was hier verborgen ist. Und sie irren. Was immer wir hier finden, es ruht." - "Lassen wir es ruhen?" - "Es kommt darauf an, was wir hier finden." Lakradat läßt Farvells Schulter los. Farvell tritt vor das Tor und stemmt sich dagegen. Stück für Stück geht es auf. Beide treten hindurch und stehen in einem großen Saal. Tageslicht dringt durch einige Schächte in der Decke, die durch zwei mächtige Bögen gehalten wird. Der Saal ist leer, nur ein brusthoher und gelblich schimmernder Quader steht in der Mitte des Raumes.


 


"Ihr seid hier nicht willkommen, Diener eurer Götter". Die Stimme ist ganz leise und zart und scheint aus allen Richtungen des Saals zu kommen. Lakradat schaut sich um. "Wer bist du?", fragt er. "Ich bin Kalandra. Einst war ich die Gemahlin Inlas, die Königin der Welt. Heute bin ich gefangen und verflucht. Neidon hat mich in den Quader eingießen lassen. Mein Amulett läßt mich jedoch nicht sterben." Farvell und Lakradat gehen vorsichtig zu dem Quader. Sie gehen dichter heran. Farvell hält die Fackel hoch. Wie in Bernstein sehen sie darin eine hockende junge Frau. Farvell erkennt das Amulett an den fast nackten Körper, er faßt sich erschrocken an die Brust, das selbe trägt auch er.


 



Das Amulett! Ich trage auch dieses Amulett. Dieses Weib in diesem Block, sie lebt. Ich spüre es, als ob jeder Teil meines Körpers versucht mich in Richtung dieser Frau zu zerren. Ich muß dem widerstehen.


 



Farvell macht einen Schritt zurück. "Ich habe Inlas gesehen und gesprochen", ruft er und versucht sich dabei zu beherrschen, "das Amulett soll mir den Weg zu den Göttern zeigen." - "Was willst du bei den Göttern? Du sollst ihnen doch hier auf der Welt dienen?" Lakradat fällt ins Wort: "Sage uns was du weißt." - "Warum sollte ich das tun? Befreit mich, dann sage ich euch was ich weiß." Farvell schaut Lakradat ratlos an, "ja, wie denn?" Die zarte Stimme aus dem Raum antwortet: "Löst den Stein um mich, aber verletzt mich nicht."


 


Vorsichtig stichelt Farvell mit der Klinge an dem Stein herum, der sich recht leicht auflöst. Lakradat schaut nachdenklich zu, wie sich Brocken für Brocken löst. Die letzten Stücke fallen von alleine von ihrem Körper ab, als sie sich langsam erhebt. Kalandra ist frei. Eine wunderschöne Amazone steht vor ihnen. Ihre blasse Haut, übersät mit kleinen Krümeln des Harzes, glitzert in dem wenigen Licht des Saals. Helles, verklebtes Haar hängt ihr bis über die Schultern. Lakradat gibt ihr seinen Umhang. Farvell steht sprachlos vor ihr.


 


"Ich bin frei", die Stimme kommt aus ihrem Mund, nicht aus dem Raum, "ich bin frei. Ich weiß nicht, wie lange ich hier gefangen war. Es muß Generationen her sein." Kalandra holt tief Luft und macht einen ersten Schritt. Sie winkelt ihre Arme an und streckt sie kurz aus. Sie schaut auf ihre Hände und bewegt ihre Finger. "Was ist in der Welt geschehen, nicht viel drang bis zu mir vor?" - "Es ist auch nicht viel geschehen", sagt Farvell, der seinen Blick nicht von ihr lassen kann, "die Götter sind verdrängt, dafür gibt es neue Götter." Kalandra blickt zur Decke des Saals. "Ja Götter. Es waren keine Götter, und es sind jetzt bestimmt auch keine." Sie geht langsam Schritt für Schritt an dem zerbrochenen Quader vorbei, in den hinteren Teil des Saals. Man merkt, daß ihr das Laufen nicht leicht fällt. Die beiden Männer folgen ihr. "Das hier waren die Gewölbe des Palastes. Im Krieg haben wir die Wohnräume unter die Erde verlegt." - "Was war das für ein Krieg?", fällt Lakradat ein. "Der letzte. Unser Reich gegen das südliche Reich unter der Führung von Karazak. Neidon war sein Kriegsherr. Und...", sie bleibt stehen und schaut auf den mit Staub bedeckten Boden, "... sie waren stärker als wir. Ihrer Magie hatten wir kaum etwas entgegenzusetzen. Mein Gemahl entnahm die gesamte Kraft seines Amulettes und ließ, als der Gegner kurz vor unserer Hauptstadt stand, den Berg neben ihnen einfallen. Er hat große Teile des Heeres begraben. Das hat uns aber auch nichts mehr genutzt. Sie überrannten uns. Mich gossen sie ein, was danach geschah, weiß ich nicht."


 


In einer verwüsteten Kammer bleiben sie stehen. "Das sind meine Gemächer, davon ist nicht viel übrig". Farvell hält die Fackel so, daß er Kalandras Gesicht gut sehen kann und fragt: "Was hat es mit den Amuletten auf sich?" Kalandra schaut Farvell an, als ob sie jede Pore in seinem Gesicht zählt. "Die Welt war selten einig. Meistens tobten Kriege. Es gab aber in meinen jungen Jahren eine Zeit ohne Krieg. Die Priester dieser Zeit erkannten das und führten es auf das Wohlwollen der damaligen Herrscher zurück. In einer mächtigen Beschwörung, der sich alle Priester anschlossen, wurden acht Amulette geschaffen, zwei für jedes Reich. Die Könige sollten für ewig herrschen und den Frieden bewahren. Die Amulette vergeben Lebenskraft und verhindern das Altern. Es sei denn man entzieht Kraft diesen Amuletten, so wie es mein Gemahl machte. Dann holt sich das Amulett seine Kraft aus dem Körper und der Träger kann dabei sterben."


 



Dieses Weib, Kalandra, ich fühle mich ihr verbunden. Ich weiß nicht wieso, aber meine Sinne können nichts anderes mehr wahrnehmen.


 



"Ihr sagt, Karazak sei besiegt," Kalandra bückt sich und schiebt mit der Hand die Reste eines kleinen Tisches beiseite. Sie öffnet eine alte Schatulle, die sie zwischen den Resten im Staub findet, "Karazak trägt ein Amulett und er ist der Fürst des Südreiches. Keiner auf der Welt vermag ihn zu verdrängen. Wer immer eure Götter sind, sie sind nicht von dieser Welt." Sie nimmt zwei Ringe aus der Schatulle und steht wieder auf, dann dreht sie sich zu den beiden hin und streift die Ringe über ihre beiden Zeigefinger. "Ahh, meine Kraft kehrt nun langsam zurück", flüstert sie. Ein greller Lichtbogen zündet sich zwischen ihren beiden ausgestreckten Handflächen und wie Feuer strahlt es aus ihren Augen. Lakradat zuckt instinktiv ein Schritt zurück und hält eine kleine rot leuchtende Kugel in der Hand. Eine Stimme in Farvells Kopf sagt: "Ich weiß, was du suchst. Kehrt zurück und berichtet euren Göttern von mir!" Sie sagt laut: "Einer der wahren Götter eures Volkes existiert noch, Kalandra! Und ich werde mir holen was mein ist, geht!"


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