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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Fäden des Schicksals, Cassy Fox
Cassy Fox

Fäden des Schicksals



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Prolog


„Dieses eine Mal hast du gewonnen. Und dabei wird es bleiben!“, krächzte mir die Stimme entgegen.


Sie wurden alt, sie alle. Nicht nur jene, die das Alter verkörperte auch die anderen näherten sich dieser Sturheit weiter an. Ihre Worte brachten mich zum Lächeln, wie sie es immer taten. Eine andere Reaktion wäre auch abstrus gewesen.


Ich verließ den Ort, ließ die silbernen Fäden hinter mir, ließ die drei dort in der Dunkelheit sitzen. Einst hatte man ihnen die wichtigste Aufgabe erteilt, die es gab. Doch was, wenn der Faden von der Spule sprang? Wenn er vorzeitig vom Spinnrad lief und … seine Bahn änderte? Wenn er sich einfach ihrer Macht entzog …


Wie dieser eine kleine Faden, der in rotem Licht leuchtete und nicht zerreißen wollte. Er war ihnen ein Dorn im Auge. Schon im ersten Moment, als er entstanden war, hatten sie ihn gehasst. Denn dieser Faden hatte geschafft, was bisher keiner vor ihm zustande gebracht hat.


Er hat die Göttinnen verletzt …


Er hat die Welt verändert …


Und er hatte die Dreistigkeit sich immer wieder mit anderen zu verheddern und sie zu infizieren …


1.


Caitlyn ließ sich mit einem Seufzen auf einen der Stühle beim Empfang fallen.


Es war vorbei. Der Arbeitstag hatte nicht enden wollen. Heute Morgen hatte alles schon unter einem schlechten Stern gestartet. Ihr Auto hatte den Geist aufgegeben, sie hatte den Abschleppdienst anrufen müssen und war letztlich mit der Bahn gefahren, die sie, durch etliche Verspätungen natürlich, sehr unpünktlich zur Arbeit hatte kommen lassen.


Ihre Patienten waren wenig darüber erfreut. Zum Glück hatte Maggie, ihre Sprechstundenhilfe, schnell reagiert und die meisten Termine verschoben. Die meisten, nicht alle. Caitlyn hatte darauf bestanden, dass alle Anwesenden ihre Behandlung bekamen. So war sie letztlich bis heute Abend dabei gewesen, die letzten zu untersuchen.


Ihre Freundin und Kollegin Laarni war schon lange gegangen. Ebenso ihre Angestellte, die sie nach Hause hatte schicken müssen. Keiner von den beiden sollte ihren Fehler ausbügeln müssen.


Ein Klingeln ertönte und ließ sie die Augen öffnen. Sie griff automatisch zum Hörer.


„Praxis Doctores Sylvas und White. White am Apparat, was kann ich für Sie tun?“, meldete sich Caitlyn mit der gewohnten Routine.


„Du kannst endlich Feierabend machen“, hallte die Stimme ihrer Freundin aus dem Hörer. „Hab ich dir nicht gesagt, dass du nicht ewig bleiben sollst? Was zum Teufel tust du noch in der Praxis?“


„Ich bin dabei zusammenzupacken.“


Caitlyn ließ sich auf den Stuhl fallen und stützte schwer ihren Kopf auf die Hand.


„Dein letzter Patient müsste lange weg sein. Warum packst du erst jetzt?“ Die Stimme klang lauernd. Caitlyn wusste genau wie Laarni sie nun ansah. Die braunen Augen verloren ihre Wärme, wurden schmal, der Blick senkte sich ein wenig, es würde aussehen als sähe sie einen von unten herauf an und das trotz ihrer Körpergröße. Die Brille wurde zurechtgerückt, die Falte zwischen den Augenbrauen vertiefte sich. Durch die streng hochgebundenen, weißen Haare, würde ihr Gesichtsausdruck verstärkt werden.


„Mein letzter Termin war Miss Miller, du weißt wie sie ist“, versuchte sich Caitlyn zu rechtfertigen. „Sie wollte noch reden, hat viel gefragt und plötzlich …“


„War es zwei Stunden später als geplant.“ Laarni seufzte. „Caitlyn, hin und wieder musst du auch an dich denken. Irgendwann übernachtest du in der Praxis. Und glaub mir, ich werde keine Dusche einbauen lassen.“


„Das brauchst du auch nicht, das Waschbecken reicht vollkommen für eine Katzenwäsche.“ Caitlyn fing an in einigen Unterlagen zu kramen, die am Empfang lagen. Ein abfälliges Schnalzen erklang als Antwort.


„Dein Witz prallt gegen eine Granitwand und klatscht weinend daran zu Boden, um kläglich zu verenden“, entgegnete eine harte Stimme.


„Wie immer.“ Caitlyn konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen. „Hör zu, ich mach jetzt wirklich Feierabend. Sobald diese sture Kollegin mich nicht mehr am Telefon aufhält, bin ich hier raus. Versprochen.“


„Na gut“, eine kurze Pause. „Soll dich diese Kollegin abholen und nach Hause bringen?“


„Laarni, du bist am anderen Ende der Stadt.“ Caitlyn schüttelte den Kopf, auch wenn die Geste durch das Telefon nicht den gewünschten Effekt hatte.


„Nein, nicht ganz. Ich bin eher so fünfzehn Minuten von dir entfernt.“


„Was? Warum das?“ Caitlyn zog verwirrt die Augenbrauen hoch. Sie sollte sich diese Gesten abgewöhnen. Zumindest beim Telefonieren.


„Spielt keine Rolle. Also was ist?“ Ihre Freundin ließ nicht locker.


„Nein danke.“ Caitlyn stand auf und streckte sich. „Die U-Bahn fährt gleich, damit komm ich schnell nach Hause.“


„Bist du dir sicher?“, die Stimme klang zweifelnd. „Es wäre wirklich …“


„Danke, Laarni“, sie unterbrach sie. „Es ist okay. Ich bin alt genug, alleine mit der Bahn nach Hause zu kommen.“


„Na schön“, ein Seufzen.


„Dann bis morgen.“


„Pass gut auf. Ich will keine Verletzungen sehen“, meinte ihre Kollegin.


„Klar, sonst musst du mich krankschreiben“, feixte Caitlyn. „Wir sehen uns.“


Ein Klicken und sie legte auf.


Ruhe! Caitlyn gönnte sich einen Moment den Luxus die Augen zu schließen und alles sacken zu lassen. Der Tag war zu Ende. Sie hatte Feierabend.


Feierabend!, dröhnte es in ihren Gedanken nach. Mit einem Seufzen hob sie die Lider wieder. Ihr Blick fiel durch eines der Fenster. Ein sanftes Glimmen. Eine Sternschnuppe?


Zeit für einen Wunsch! Sie lächelte.


Eine eigene Praxis. Das ganze Studium hatte sie davon geträumt, hatte mit Laarni Pläne geschmiedet und der Traum war wirklich in Erfüllung gegangen. Das Lächeln wurde breiter. Die beiden hatten eine Gemeinschaftspraxis eröffnet. Laarni hatte sich auf den neurologischen Bereich spezialisiert, während Caitlyn Allgemeinärztin wurde. Heute praktizierte sie in Bereichen der Alternativmedizin. Sicher, die Kombination war vielleicht nicht die häufigste, doch die beiden hatten sich hervorragend arrangiert und betrieben inzwischen eine sehr beliebte Praxis.


Träume werden doch wahr, hallte es sanft in ihrem Kopf wieder. Caitlyn grinste.


„Es wird Zeit.“ Ruckartig stand sie auf und packte ihre Tasche. So sehr sie ihren Job auch liebte, für heute war es genug. Sie krallte sich den Schlüssel und warf ihre Jacke über den Arm. Die Stufen hinab, direkt auf die Straße.


Es war bereits dunkel und kühl. Schnell zog sie die Jacke doch über und ging mit schnellen Schritten weiter. Die U-Bahn-Haltestelle war ein wenig entfernt. Es war später als geplant und die nächste Bahn würde in wenigen Minuten abfahren.


Sie beschleunigte ihre Schritte und bog in eine Seitengasse ein. Sie musste sich beeilen und nahm die Abkürzung. Kurz darauf lief sie auf eine Straße zu. Nur noch dort hinüber, in die Unterführung und –


Ein Fehler; sie bemerkte es zu spät. Ein Wagen fuhr mit quietschenden Reifen um die Kurve, direkt auf sie zu. Alles, was sie empfand war der Schreck, der ihr durch den gesamten Körper fuhr. Mit einem schmerzhaften Aufprall landete sie unsanft auf dem Asphalt.


Der Wagen hielt nicht an. Caitlyn roch verbranntes Gummi und starrte auf die Lichter, die sich rasend schnell entfernten.


Was war passiert? Caitlyn sah sich verwirrt um. Sie war nicht auf der Straße, war nicht von dem Auto erfasst und durch die Luft geschleudert worden. Sie lag auf dem Gehweg, unverletzt, außer diesem härteren Aufprall, der einige blaue Flecken zurücklassen würde.


Eine Bewegung aus den Augenwinkeln ließ sie den Kopf wenden. Ein Mantel? Caitlyn starrte auf die Ecke neben sich. War jemand dort gewesen?


Ihr Blick ging weiter nach oben, streifte ein Plakat, an dem ihr Blick hängen blieb. Ein Zirkus war in der Stadt.


Sie stand auf, spürte wie ein Schmerz durch ihren Knöchel zuckte. Mist, verstaucht!, sie fluchte innerlich, vergaß den Schatten, das Plakat. Ihr Blick ging nach unten zu ihrem Fuß.


Caitlyn biss die Zähne zusammen, versuchte den Schmerz zu ignorieren. Als sie um die Ecke lief und sich umsah, war alles leer, keine Menschenseele.


Hatte sie sich den Schatten eingebildet? Aber jemand musste hier gewesen sein. Jemand hatte sie von der Straße gestoßen. Sie hatte das Auto gesehen, hatte gesehen, wie nah es war und hätte nicht die Möglichkeit gehabt ihm auszuweichen. Außerdem –


Sie berührte ihren Oberarm. Sie hatte etwas gespürt. Jemand hatte sie gepackt und mit gezerrt bevor sie auf dem Boden aufgekommen war.


Ein Seufzen schob sich ihre Kehle hoch. Sie lehnte sich an die Häuserwand und atmete durch. Ihre Lider schlossen sich. Allmählich ließ der Schmerz in ihrem Knöchel nach. Immerhin eine Verbesserung. Als sie die Augen öffnete durchfuhr sie der nächste Schreck.


Die Bahn! Der Unfall hatte sie Zeit gekostet. Zu viel Zeit! Sie lief los, spürte den Schmerz erneut und stolperte die Treppen nach unten.


Zu spät! Sie sah wieder nur die Rücklichter, dieses Mal von der Bahn.


„Nein“, wimmerte sie leise. Das durfte alles nicht wahr sein. Nachts, als Frau, alleine in einer U-Bahn-Haltestelle. Konnte es noch schlimmer kommen?


Hinter ihr begannen einige Männer zu grölen. Anscheinend waren schon die ersten Betrunkenen unterwegs.


Eine Möglichkeit hatte sie noch. Sie überlegte nicht lange, fuhr auf der Stelle herum und ging die Treppen nach oben. Es gab eine andere Haltestelle. Vielleicht konnte sie dort eine Bahn erwischen und so zu einer halbwegs annehmbaren Zeit nach Hause kommen.


Caitlyn rannte. Es würde knapp werden, sehr knapp. Aber nach diesem Tag musste sie wenigstens einmal Glück haben.


Erneut benutzte sie eine der Seitenstraßen um schneller an ihr Ziel zu kommen. Sicher würde sie nicht zwei Mal hintereinander überfahren werden. Doch auch so würde es knapp werden. Ihr Knöchel erinnerte sie mit jedem Schritt daran, dass etwas nicht in Ordnung war.


Reiß dich zusammen!, Caitlyn fluchte innerlich, versuchte den Schmerz auszublenden. Sie zog ihr Handy hervor und warf einen Blick auf das Display. Währenddessen rannte sie weiter, bog um die nächste Ecke und stoppte abrupt.


Irgendwo vor ihr waren seltsame Geräusche zu hören.


Caitlyn ließ den Arm sinken. Was war das? Sie hört eine Ächzen und Stöhnen. Vielleicht jemand, der sich verletzt hatte?


Sie sollte weiter, sollte zu ihrer Bahn kommen und nach Hause fahren. Doch sie tat es nicht. Sie musste ohnehin diese Straße entlang. Wenn jemand ihre Hilfe brauchte, konnte sie ja –


Caitlyn erreichte die Ecke und blieb stehen. Ihre Augen weiteten sich. Sie hatte das Gefühl als drängten ihr die Augäpfel nach außen. Ihr Hals war plötzlich trocken, sie konnte nur vor sich starren. Dorthin wo eine gewaltige, rote Blutlache den Boden bedeckte. Ein Mann stand dort mit nacktem Oberkörper. Nur um Hals und Kopf war etwas geschlungen, was vielleicht ein breiter Schal sein konnte. Der komplette Rücken war mit Flügeln tätowiert, die weit über seinen Körper reichen mussten. Sie wirkten so detailliert, dass sie den Eindruck hatte, sie müssten sich im nächsten Moment von der Haut lösen und real werden.


Das eigentliche Grauen hielt er jedoch in Händen; ein schlaffer Körper mit aufgeschlitzter Kehle. Die Kleidung zerfetzt. Der Blick leer.


Caitlyn schlug die Hände vor den Mund. Ganz langsam drehte sich der Mörder um. Vielleicht war er nur helfender Passant, hatte sie einen kurzen Gedanken. In seinen Händen war keine Waffe, nichts lag herum, das dazu hätte dienen können diesen Körper derart zu verstümmeln.


Der Blick sagte etwas anderes. Der Schal ließ nur die Augen des Fremden frei. Sie hafteten an ihr. Augen, die vollkommen unmenschlich wirkten. Sie schienen das wenige Licht aufzufangen und in einem gelben Schimmer wiederzugeben. Der Körper fiel zu Boden. Caitlyn wich zurück, stieß gegen eine der Mülltonnen und verlor vor Schreck den Halt. Sie stürzte schwer. Irgendwo neben ihr fiel etwas klappernd zu Boden.


Er kam näher!


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