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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Eulenflucht, Emily Kay
Emily Kay

Eulenflucht


Durch die Nacht

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»Es ist 7 Uhr und hier ist Nordseewelle Rock Radio mit der Morning Show. Mein Name ist Danny Kluike und wir starten jetzt durch in eine neue Woche mit den neusten Hits. Hier kommen Linkiiiiin Paaaaark!«


Schweißnass schreckte ich hoch. Mein Herz schlug immer noch rasend schnell in meiner Brust, als hätte ich gerade einen 500-Meter-Sprint zurückgelegt. Was war los? Wo war ich? Ich rang nach Luft, richtete mich auf, blickte mich kurz um und sortierte meine wirren Gedanken.


»I dreamed I was missing, you were so scared. But no one would listen, `cause no one else cared. After my dreaming, I woke with this fear«, plärrte es aus dem Radio.


Unwillkürlich griff ich mir mit der rechten Hand an die Kehle und schloss die Augen. Es war wieder dieser Albtraum gewesen. Ihn träumte ich schon, seitdem ich denken konnte. Er war immer gleich und dennoch konnte ich mich beim Aufwachen niemals an Details erinnern. Das Einzige, was ich mit Sicherheit wusste, war, dass es um Leben und Tod ging. Außerdem hatte ich jedes Mal den Namen Elisabeth im Kopf. Ich kannte keine Elisabeth und hatte auch keine Ahnung wie sich dieser Name in meine Träume verirren konnte.


Mein Blick fiel auf meinen Radiowecker. 7:12 Uhr zeigte das Display. Der Sender spielte jetzt einen Song von einer Newcomerband, die ich nicht kannte. Ich griff nach der Wasserflasche, die neben meinem Bett stand und trank in großen Schlucken. Meine Sinne schärften sich und auch mein Atem ging wieder ruhig und gleichmäßig. Meine Füße tasteten den Boden nach den Plüschpantoffeln ab, die halb unter dem Bett lagen. Langsam ging ich zur Tür und drückte auf den Lichtschalter. Das grelle Licht brannte in meinen Augen und verstärkte das Gefühl, dass ich nicht wirklich einen erholsamen Schlaf gehabt hatte. Ich fühlte mich wie gerädert.


Wie jeden Morgen hörte ich das fordernde Kratzen von zehn Krallen an der Türe. Ich öffnete sie und schon flitzte Scotty, mein übergewichtiger Kater, an mir vorbei, sprang mit einem Satz in mein warmes Bett und ließ sich genüsslich nieder. Verzückt schnurrend schaute er zu mir und erwartete seine morgendlichen Streicheleinheiten.


»Nein Scotty. Heute geht’s nicht. Ich bin spät dran. Wenn ich mich nicht beeile, fährt Nik ohne mich zur Schule.«


Schnell zog ich ein Paar Socken, den grünen Pulli und eine Jeans aus dem Kleiderschrank und beeilte mich, ins Bad zu kommen.


Mit einem Blick in den Spiegel stellte ich fest, dass ich mich nicht nur miserabel fühlte, ich sah auch so aus. Mein Gesicht war übersät mit roten Hektikflecken, die mir ein wildes Aussehen verliehen.


Nach der Katzenwäsche entschied ich mich, etwas Make-up aufzutragen, was sonst nicht zu meinen morgendlichen Vorbereitungen für die Schule zählte. Ich war eher der natürliche Typ, aber diese roten Flecken waren entschieden zu viel Natur.


***

Ich zwängte mich durch die Zuschauermenge und eilte den Gang hinunter, an den Umkleiden vorbei, geradeswegs auf die Waschräume und die Mädchentoiletten zu. Meine Turnschuhe quietschten auf dem Bodenbelag. Ich klappte den Toilettendeckel hoch und seufzte innerlich auf. Das wurde auch höchste Zeit. Von Weitem drang der Lärm aus der Halle in den Toilettenraum. Es war ein gutes Spiel gewesen und ich freute mich für Nik und Pascal, dass sie in der Siegermannschaft waren. Ich zog mir gerade die Jeanshose hoch, als sich Mädchenstimmen näherten und die Tür zu den Toiletten geräuschvoll aufschwang. Vier aufgedrehte Stimmen erfüllten den Vorraum, in dem zwei Waschbecken mit darüber befestigten Spiegeln angebracht waren. Ich zögerte. Sollte ich die Spülung betätigen und mich durch die aufgekratzte Meute drängen, oder einfach abwarten, bis sie gingen? Ich entschied mich abzuwarten. Ich versuchte den Stimmen passende Gesichter zu zuordnen, doch es gelang mir nicht. Sie schnatterten wild durcheinander und gibbelten überdreht. Angestrengt versuchte ich mehr als nur vereinzelte Wortfetzen zu erhaschen, als es ruhiger wurde und ich eine helle Mädchenstimme klar und deutlich verstehen konnte.


»Zugezwinkert hat er mir. Und zwar immer, wenn er bei mir in der Nähe war«, brüstete sich eine der Vier. »Habt ihr gesehen, dass er einmal sogar den Ball verloren hat, weil er mich angeguckt hat?«


»Ja!«, gackerten die anderen im Chor.


»Und jetzt kommt das Beste.« Es raschelte und für einen Augenblick schwiegen sie. »Tataaa … ich habe sogar seine Handynummer.« Ich vernahm leise Tastentöne. Die Umschwärmte schien den anderen nun die Beweisnummer in ihrem Handy zu zeigen. Von wem wohl die Rede war? Wahrscheinlich ging es eh um einen Spieler aus dem gegnerischen Team, den ich nicht kannte.


»Wow. Das ist ja cool.«


»Weißt du eigentlich, ob er solo ist?«, warf nun das Mädchen mit der rauchigen Stimme ein. »Ich meine, bei Handballern weiß man ja nie.«


»Nö, keine Ahnung. Aber wenn er mich nicht toll finden würde, dann hätte er mir wohl kaum seine Handynummer gegeben. Und wenn er tatsächlich eine Freundin haben sollte, dann tut sie mir jetzt schon leid.« Spöttisches Gelächter hallte von den gekachelten Wänden wider.


Blöde Gänse, dachte ich mir. Was bildeten die sich ein? Dachten sie, sie wären allesamt Top Models und über allem erhaben? Ich sog zischend Luft durch meine Zähne ein, während die Umschwärmte mit ihrer Siegesrede fortfuhr.


»Aber damit eins klar ist, auch wenn er eine Freundin haben sollte, das wird kein Hindernis für mich sein. Ich bin jetzt schon so weit gekommen und da lasse ich mich doch von keiner »Noch-Freundin« abhalten, den Supertypen zu kriegen.«


»Genau!« Das Volk applaudierte seiner Königin.


»Wie geht es denn jetzt weiter? Datest du ihn?«


Ich verlagerte mein Gewicht auf das rechte Bein. Mein linker Fuß war eingeschlafen, sogar er fand das Ganze äußerst langweilig. Ich grinste in mich hinein. Hoffentlich beendeten sie bald ihren Tratsch, damit ich wieder zu den anderen zurückgehen konnte.


»Na ja, ich denke schon. Wird wohl nur noch eine Frage der Zeit sein«, sagte die Königin bedeutungsvoll. »Und eins sag ich euch, wenn ich ihn erst einmal an der Angel habe, dann schwimmt mir dieser Koi ganz bestimmt nicht mehr weg.«


Der Hofstaat brach in wieherndes Gelächter aus.


Moment mal. Wie war das? Sie sprach doch wohl nicht die ganze Zeit von meinem Freund? Das konnte nicht sein. In meinem Bauch sprang ein Elefant Gummitwist. Ich musste das jetzt wissen. Ich betätigte die Spülung und die Toilettentür flog mit einem Knarren auf. Die Umschwärmte und ihr Tross zuckten überrascht zusammen. Ich musterte die dralle, gesträhnte Blondine, deren tiefer Ausschnitt mehr entblößte, als er verbarg. Sie hielt immer noch ihr Handy in der Hand, starrte mich kuhäugig an und verharrte mit ihrem Gefolge in einer Art Schockstarre.


»Darf ich mal?«, fragte ich und ohne eine Antwort abzuwarten griff ich nach dem Handy von Königin Blondie.


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