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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Erlös mich, wenn du kannst, Angela Zimmermann
Angela Zimmermann

Erlös mich, wenn du kannst



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Kapitel 2


 


Ich liege regungslos in meinem Bett und starre an die weiße Decke. Die Sonne ist schon aufgegangen, aber wir müssen nicht aufstehen. Heute ist Ausschlafen angesagt und so lasse ich Manuel noch schlummern. Sein leiser und gleichmäßiger Atem ist für mich beruhigend. Ich denke derweil daran, was heute alles nötig ist gemacht zu werden. Es sind noch einige Kartons auszupacken und mein Arbeitszimmer ist auch noch nicht fertig eingeräumt. Gestern Abend sind wir nicht mehr dazu gekommen. Es war sehr spät geworden und wir waren einfach nur zu müde. Also sind wir ins Bett gegangen und sofort eingeschlafen. Leider habe ich nichts geträumt und bin etwas enttäuscht darüber. Immerhin soll das in Erfüllung gehen, wenn man die erste Nacht in einem neuen Heim schläft. Aber was würde es ändern? Ich bin überglücklich, dieses Haus endlich mein Eigen nennen zu dürfen.


„Hast du gut geschlafen?“, fragt Manuel, der seine Augen noch nicht richtig aufbekommt, dreht sich zu mir und legt seinen Arm auf meinen Bauch. Ein wunderschönes Gefühl von Vertrautheit macht sich in mir breit, die Wärme seiner Haut auf meiner zu spüren.


„Ja, wie ein Murmeltier“, lächele ich ihn an.


„Hast du was geträumt?“


„Nein, leider nicht“, sage ich mit einem traurigen Unterton.


„Vielleicht ist es auch besser so.“ Manuel zieht seinen Arm zurück, setzt sich etwas auf und sieht mich von der Seite an.


„Es könnte doch sein, dass das hier alles aufhört“, meine ich leise, obwohl ich sofort merke, wie falsch die Worte klingen.


„Du hast von diesem Haus ständig geträumt und nun ist es unser. Ich denke, es ist ein Puzzlestück in deinem Leben.“ Manuel sagt es sehr nachdenklich und ich kann ihn innerlich nur zustimmen.


„Was sollte das Haus zu meiner Veranlagung beitragen?“, frage ich immer noch so leise, dass man vermuten könnte, ich will nicht, dass es jemand hört, obwohl wir allein sind. Ich denke es zumindest.


„Das kann ich dir nicht sagen. Ich bin fast davon überzeugt, dass deine Visionen und Träume zusammenhängen.“ Manuel wird nun auch merklich leiser. Aber warum, vermag keiner von uns beiden zu sagen.


Er beugt sich zu mir herunter, haucht einen Kuss auf meine Stirn und steht auf. Er dreht sich noch einmal zu mir um, bevor er das Zimmer verlässt und sein Blick sagt mir, dass er genau weiß, dass es nicht vorbei ist.


Ich lasse meinen Kopf in das Kissen fallen und mit geschlossenen Augen haben die Gedanken, wie auf Abruf, freien Lauf.


 


Ich habe eine Gabe, wenn man das so nennen kann, mit der ich schon seit meinem zehnten Lebensjahr versuche zu leben. Es sind Visionen von bevorstehenden Unfällen und bis heute ist niemand in der Lage mir zu sagen, warum gerade ich diese Bestimmung habe.


Sie kommen am Tag sowie in der Nacht, aber ich bin dabei immer munter. Also Träume sind es wirklich nicht und sie sind so real, als wäre ich stets mitten drin und würde sie direkt mit erleben. Es begann wie gesagt, als ich zehn Jahre alt war. Sie kamen in der Schule und der Freizeit und ich hatte nie irgendeine Vorwarnung. Sie überfielen mich und ich war immer für mehrere Sekunden abwesend und nicht ansprechbar. Es beginnt mit einem Dröhnen im Kopf, dann kommen unbeschreibliche Kopfschmerzen dazu, danach erscheinen Lichtblitze vor meinen Augen und zum Schluss sah oder sehe ich Unfälle und Verletzte, auch tote Menschen waren schon dabei. Am Anfang verstand ich überhaupt nicht damit umzugehen. Ich war jedes Mal vollkommen durcheinander. Erst mit der Zeit begann ich zu begreifen und realisierte, was da mit mir passiert.


Irgendwann kam ich einmal aus der Schule und da lag eine Zeitung bei uns zu Hause auf dem Tisch. Mir stockte der Atem, denn ich sah genau das, was ich am Tag vorher als Vision gesehen habe. Die Bilder schockierten mich fast noch mehr als das dazu Geschriebene. Ab diesem Moment stöberte ich jedes Mal nach einer Vision in Zeitungen, versuchte im Fernseher etwas zu erfahren und belauschte die Gespräche meiner Eltern. Wie sie ja mal so sind, halten sie solche schrecklichen Nachrichten möglichst von ihren Kindern fern.


Mit der Zeit machte es mir immer mehr Angst und ich sprach mit meiner Mutter darüber. Ich nahm allen Mut zusammen und habe mich ihr anvertraut, stieß aber nicht gerade auf Verständnis. Im Gegenteil, sie organisierte sofort eine Therapeutin. Diese unternahm alle möglichen Tests mit mir und am Ende hatte auch sie keine Erklärungen für die Vorfälle, wie sie die Visionen nannte. Es wurde sogar eine Computertomographie von meinem Kopf gemacht, um einen Tumor auszuschließen. Letztendlich wusste kein einziger von den Experten, was in meinem Kopf abgeht. Organisch war aber zum Glück alles in Ordnung, was mir jedoch nicht weiter half.


Von da an sprach ich mit niemandem mehr darüber, sondern verschloss mich und zog mich immer mehr in meine unnatürliche Welt zurück. Ich versuchte, für die Bilder einer Vision, nicht sofort nach Beweisen zu suchen, dass ich richtig lag, aber es gelang mir kaum bis nie. Meine Schuldgefühle stiegen fast ins Unermessliche, weil ich den Betroffenen nicht geholfen habe.


In der Schule war ich indessen schon längst ohne Freunde. Sie dachten, ich wäre verrückt. Ich habe kaum noch etwas mit meinen Schulkameradinnen unternommen, weil ich immer damit rechnen musste, dass ich durch eine Vision kurz wegtreten würde. Die anderen nannten es Anfälle und hatten am Ende mehr Angst davor als ich selbst. Sie verstanden es nicht, damit umzugehen und mir zu helfen, war ja ihrerseits kaum möglich.


Ich habe gelitten und an meinem Leben gezweifelt. Warum wurde mir so eine Last auferlegt? Ich wollte ein ganz normales Kind sein wie alle anderen, aber so wurde ich ungewollt zum Außenseiter. Zum Einzelgänger. Ein bemitleidenswertes Mädchen. Ein Kind was ständig neben sich stand und krank zu scheinen schien. Was natürlich nicht so war, aber das konnte keiner wissen und meine Eltern wollten auch nichts anderes glauben oder akzeptieren. Therapien, ja das war das Ziel. Nur ich allein wusste, dass sie nie helfen würden.


Meine Mutter drang darauf, dass ich ständig Medikamente einnehme, die die Therapeutin mir trotz keiner genauen Diagnose verschrieben hat. Aber als ich mitbekam, dass sie ebenfalls nicht halfen, denn den Unfällen war es egal, was ich schluckte, nahm ich sie nicht mehr. Ich ließ sie unbemerkt verschwinden und ab da ging es mir wesentlich besser. Ich war nicht ständig müde und der Appetit kehrte auch zurück. In der Schule sagte ich dann jedes Mal, es wäre Migräne. Somit konnte ich wenigstens etwas ruhiger leben und musste mich nicht immer wieder rechtfertigen. Ich kann auch nicht sagen, was sich die Lehrer dabei dachten, sie schickten mich einfach nach Hause, wahrscheinlich weil sie mit diesem Problem nichts zu tun haben wollten.


Mit 14 Jahren änderte sich die Lage. Ich hatte in der Nacht eine Vision von einem Busunglück, wobei viele Kinder in Gefahr waren. So ging ich an diesem Morgen nicht in die Schule, sondern zu meiner Therapeutin. Ich hatte zu viel Angst um die Kinder und wollte unbedingt, dass ihnen jemand hilft.


Sie nahm sich Zeit für mich, aber sie schenkte mir auch diesmal keinen Glauben. Sie gab mir etwas zur Beruhigung und forderte mich auf, sofort wieder nach Hause zu gehen. Dort kam ich gerade noch bis zu meinem Bett, fiel ohne mir die Sachen auszuziehen hinein und schlief im selben Moment tief ein. Es war ein richtig gutes Gefühl, alles einfach hinter mir zu lassen. Ich vergaß sogar die Kinder, die sich in großer Gefahr befanden.


Stunden später schüttelte mich meine Mutter unsanft wach. Total verschlafen wusste ich erst gar nicht, wo ich bin. Sie zerrte mich, egal ob ich über meine eigenen Füße stolpere, hinunter in das Wohnzimmer. Dort saß die Therapeutin und ich war augenblicklich putzmunter. Mit Tränen in den Augen erzählte sie mir, dass vor drei Stunden ein Bus, voll besetzt mit Kindern zwischen acht und zehn Jahren, einen Unfall hatte. Zwei Kinder sind dabei gestorben. Sie verlangte von mir, dass ich genau erzähle, was ich in der Vision gesehen habe. Mit etwas Unmut tat ich was sie von mir verlangte und es stellte sich heraus, dass das, was ich in den Bildern wahrgenommen habe, wirklich so passiert ist. Bei einzelnen Details zuckte sie zusammen, weil sie kaum zu ertragen waren. Ich habe es aber so gesehen. Und ich hoffte, dass sie es endlich einsahen und mich verstanden, was ich jedes Mal durchlebte.


Die Therapeutin sprach offen mit mir und sagte, dass sie mit dieser Situation nicht umgehen könnte. Sie unterbreitete mir einen Vorschlag, mit dem ich mich zunächst anfreunden musste. Sie kannte eine Frau, die über solche Dinge anders denkt und mir wahrscheinlich helfen konnte. Alles sträubte sich in mir und ich war zuerst dagegen, noch jemanden einzuweihen, aber es war der richtige Weg. Es war ab da mein Weg, den ich auch notfalls allein gehen wollte. Meine Mutter war wie von mir erwartet skeptisch, weil sie nicht hören wollte, was die Leute am Ende über uns tuscheln. Mir war das egal, ich hatte keine andere Wahl. Ich hatte entschieden, mit dieser Frau zu reden und ich ließ mich nicht davon abhalten. Hier ging es schließlich allein um mich, um mein Leben und nicht das meiner Eltern. Ich wollte nicht mehr für irre oder gestört gehalten werden.


Amara war eine Frau Mitte vierzig. Rotes, leuchtendes Haar fiel ihr leicht über die Schultern und ein paar Sommersprossen zierten ihre feinen Gesichtszüge. Schon bei der ersten Begegnung mit ihr, spürte ich, wie sich alle Anspannungen in mir lösten und sich ein sanftes Band zwischen uns spannte, was mir die Sicherheit gab, ihr vollkommen vertrauen zu können. So eine Erfahrung hatte ich noch nie gemacht, nicht einmal bei meinen Eltern.


Als ich das erste Mal bei ihr war, begriff ich sofort, dass sie anders war, ja ganz anders, als all die Menschen, Ärzte und Therapeuten, die ich kennengelernt habe und die mit meiner Situation betraut waren. Ihr Haus sah von außen wie jedes normale aus, aber sowie ich über die Schwelle trat, kam ich in eine komplett andere Welt.


Es war von Wärme und seichtem Kerzenlicht erfüllt und in ihrem Arbeitszimmer gab es so viele Dinge, die auf eine oder gar mehrere Gaben hinwiesen. Ich sah mich um und entdeckte die verschiedensten Sachen. Tarotkarten, verschiedene Pendel, eine Glaskugel, Astrologiekarten und Bilder aller Mondphasen. Viele Leute haben mir gegenüber mit vorgehaltener Hand erwähnt, dass sie eine Hexe wäre, aber ich wusste es sofort besser. Das hat nichts mit Hexerei zu tun, sondern eher mit einem freien Geist, der für alles offen ist. Dass sie sehr spirituell ist, kann ich nicht leugnen, aber ich habe sie als Beraterin in meinem durcheinander gekommenen Leben gelassen.


Sie hörte mir zu und verstand alle meine Probleme. Wir erarbeiteten zusammen einen Plan, wie ich mit den Visionen, was sie mir als meine ganz persönliche Gabe erklärte, umgehen muss. Dass ich mit dieser Gabe selbst spirituell bin, brachte mich schließlich zum Lächeln.


So sollte ich sie immer informieren, wenn ich eine Vision hatte, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Gemeinsam versuchten wir dann, die Unfälle zu verhindern, zumindest deren Ablauf zu beeinflussen war unser Ziel. Letztendlich lernte ich so viel, dass mein Leben dadurch immer besser wurde. Der Nachteil war jedoch, je mehr Menschen wir geholfen haben, umso intensiver schlugen die Visionen ein und die Anzahl der Leute, die davon wussten, stieg unaufhörlich an.


Zum Beispiel habe ich in einem Kindergarten die Kleinen beschützt, die sonst von einem Klettergerüst gefallen wären, wie auch einen Familienvater, der übermüdet ins Auto steigen wollte.


Am Anfang war es schwierig, die Feuerwehr und Polizei einzuweihen und zum Einsatz zu bewegen. Aber die Feuerwehrleute wunderten sich mit der Zeit immer weniger darüber, dass ich anrief und sie irgendwohin schickte, obwohl sie gar keinen Alarm bekommen hatten. Ich war stolz auf mich selbst und den Menschen zu helfen, erfüllte endlich den Sinn meines Lebens. Ich wurde immer bekannter und viele schauten mich nicht mehr skeptisch und als Sonderling an, sondern waren sehr oft nur noch dankbar. Dass ich mit Amara zusammenarbeitete, störte plötzlich niemanden mehr. Auch ihr Ansehen ist seitdem gestiegen, was sie natürlich ebenso genoss.


Meine Eltern bewunderten mich ebenfalls, konnten mir aber nicht sagen, warum ich diese Gabe habe und woher sie gekommen ist. In ihrer Familie ist so etwas jedenfalls noch nie passiert.


Ich forschte auch nicht weiter nach und war froh darüber, dass meine Eltern ab jetzt immer hinter mir standen. Sie werden wahrscheinlich nie richtig begreifen, was ich da tu, aber ihre Liebe zu mir ist ungebrochen und der Stolz auf das, was ich bewirken konnte, überwog.


Also lebte ich mit diesen Visionen, beendete die Schule und aus der Liebe zu Gold und Schmuck wurde mein Beruf. So wurde ich Schmuckdesignerin. Vor fünf Jahren lernte ich dann Manuel kennen und lieben. Kurz nach unserer Hochzeit und der Zeit, in der wir angefangen haben die Zukunft zu planen, kam dieser Traum in mein Leben. Die Visionen wurden immer weniger und die letzten Jahre hatte ich gar keine mehr, der Traum von diesem Haus jedoch wurde umso intensiver. Er war so lebendig und ich streifte in ihm durch den Garten und dem Gebäude, als würde ich es schon ewig kennen und darin wohnen. Ich machte es praktisch zu meinen, ohne zu wissen, ob es das Haus überhaupt gibt.


 


Nun habe ich die erste Nacht hier verbracht und hoffe, dass die Visionen nicht wieder zunehmen. Sollte es so kommen, habe ich eine noch schwerere Aufgabe, nämlich den Leuten hier beizubringen, was mit mir los ist. Ich bin die fremde und neu Zugezogene und die Aufklärung über meine Gabe stelle ich mir als sehr schwierig vor. Ich kann aber nur abwarten, was auf mich zukommt, denn verhindern werde ich es nicht können.


Nur ein Gedanke kommt mir noch. Was würde Amara dazu sagen, dass wir jetzt hier wohnen? Ich habe über drei Jahre nur wenig mit ihr gesprochen und wenn, dann auch nur telefonisch. Also sollte ich sie anrufen, denn sie ist eine sehr gute Freundin für mich geworden. Warum der Kontakt fast abgebrochen ist, weiß ich nicht so recht. Anscheinend lag es daran, dass ich mein Leben mit Manuel gefunden habe sowie keine Visionen mehr hatte. Aber wie ich erfahren sollte, hat sie stets über mich Bescheid gewusst und meine Wege unsichtbar verfolgt. Ich brauchte mir also deswegen keine Vorwürfe zu machen.


 


Jetzt schiebe ich all diese Gedanken erst einmal beiseite, schwenke meine Beine endlich aus dem Bett und stehe auf. Nur mit dem Morgenmantel bekleidet gehe ich in die Küche hinunter und bleibe erstaunt in der Tür stehen. Der Tisch ist schon gedeckt und es liegt der Duft von frischem Kaffee in der Luft. Aber wo ist Manuel? Ich schaue ins Wohnzimmer und da kommt er gerade zur Terrassentür herein. Mit einem bunten Strauß von Wiesenblumen schwebt er an mir vorbei. Lächelnd sehe ich ihm nach und weiß, dass nur diese Blumen unseren Garten hinterm Haus schmücken, etwas anderes hat momentan noch keine Chance zu blühen. Aber so schlecht sind sie gar nicht, ganz im Gegenteil, so ein wilder Garten hat auch was für sich. Kurz darauf stellt er sie, in einer passenden Vase, auf den Frühstückstisch und es ist wirklich ein schöner Anblick. Ich setze mich aber noch nicht, sondern suche nach meinem Handy. Ich finde es auf dem Couchtisch und wähle sofort die Nummer von Amara.


„Hallo, Stella, alles in Ordnung?“, fragt sie so schnell, dass einen schwindelig werden kann.


„Hallo, Amara. Es ist alles Okay. Ich wollte dir nur sagen, dass wir jetzt in unserem neuen Haus wohnen“, sage ich und lächele Manuel verlegen an, der neben mir steht und aufmunternd nickt.


„Das weiß ich doch schon längst, meine Süße. Ich wünsche euch alles Gute im neuen Heim“, höre ich Amara am anderen Ende kichern.


„Ja, wie soll es anders sein“, kommt nur kurz von mir. Den Anruf hätte ich mir echt sparen können.


„Hast du etwas geträumt in der ersten Nacht?“, fragt Amara überraschend und mein Lächeln verschwindet für einen Moment.


„Nein“, piepse ich, denn ich weiß, dass das in ihren Augen garantiert etwas zu sagen hat.


„Gut so. Es beginnt ein vollkommen neuer Abschnitt für dich oder besser gesagt für euch. Dein Unterbewusstsein wird selbst noch nicht wissen, wie es weiter geht“, erklärt sie mir einfühlsam.


„Und das ist gut?“, frage ich zögerlich.


„Frage, ob ich mit dem Puzzlestück recht habe“, flüstert Manuel mir ins Ohr.


„Ja, er hat recht“, antwortet sie, bevor ich sie stellen kann. „Das Puzzle ist fast fertig. Es gibt nur noch wenige Teile und die wirst du bald finden. Oder sie finden dich“, lacht Amara.


„Was passiert, wenn es fertig ist?“, will ich wissen und Unbehagen macht sich in meiner Magengegend breit.


„Dann weißt du, warum du die Visionen hattest und wo sie eigentlich hergekommen sind. Alles hat einen Grund, so auch alles, was du schon durchlebt hast. Lass es auf dich zukommen, du wirst es sowieso nicht ändern können. Du kannst jetzt eigentlich nur noch Antworten bekommen und die wünsche ich dir von ganzem Herzen“, sagt Amara und löst in mir eher ein Durcheinander aus, als das sie mich beruhigt und noch weniger meinen nervösen Magen.


„Ich werde die Augen offen halten“, murmele ich in den Hörer.


„Ach Mädchen, mach dich nicht verrückt. Du wirst nichts finden, es findet dich. Lebe einfach und genieße den schönen Sommer in eurem neuen Haus“, erwidert Amara und ich sehe sie vor mir, wie sie den Kopf darüber schüttelt, dass ich mir schon wieder Sorgen mache. Also sollte ich es auch sein lassen und einfach leben, wie sie es sagt.


„Vielen Dank, dass du Zeit für mich hattest. Ich werde deinen Rat befolgen“, lache ich nun auch, denn es hat wirklich keinen Sinn, sich den Kopf zu zermürben.


„Immer gerne. Du hast meine Nummer und ich bin stets für dich da. Ich wünsche euch einen schönen Sonntag. Tschau meine Lieben.“


Die letzten Worte von Amara treffen mich wie ein Schlag. Es ist Sonntag früh morgens und sie hat ohne zu zögern abgenommen. Man sollte an diesem Tag niemanden stören. Aber bei Amara ist es anders und das hat sie mir wieder einmal bewiesen. Menschen, die sie tief in ihr Herz geschlossen hat, für die ist sie immer da, egal wann.


Ich lege das Handy weg, atme tief durch und spüre, dass sich mein Magen wieder beruhigt und ich sogar Hunger habe. So folge ich Manuel in die Küche und nehme an den so hübsch geschmückten Tisch platz. Wie schön wäre es, jetzt auf der Terrasse in der Sonne zu sitzen, aber auch das wird eines Tages möglich sein. Jetzt genießen wir erst einmal in aller Ruhe das Frühstück und dann werde ich mich um mein Arbeitszimmer kümmern, ob es nun Sonntag ist oder nicht.


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