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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Erkar Bodin, Jan Viebahn
Jan Viebahn

Erkar Bodin


Ein Yrangir-Fantasy-Krimi

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2008
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Kalte Augen und eine lange Narbe am Hals stachen bei dem Mann ins Auge, der im Vorzimmer zum Büro von Stadtwachekommandant Herzog Grimlok wartete. Er spielte, offenbar gelangweilt, geschickt mit einem langen Klappmesser, um sich die Zeit zu vertreiben. Der Sekretär Grimloks betrachtete ihn argwöhnisch. Was wollte dieser Kerl von seinem Herren? Der Kleidung, seiner wettergegerbten Haut und den verfilzten schwarzen Haaren nach zu urteilen war er ein Strauchdieb aus der Vorstadt. Ungepflegt und verkommen – das war nicht die Klientel, mit der sich der Herzog sonst umgab. Gerade waren zwei hohe Ratsmitglieder im Amtszimmer, um sich mit seinem Herren zu beraten. Herzog Grimlok verfügte über hohes Ansehen in Terrosilia. Schließlich war er von kaiserlichem Blut und als Onkel des Kindkaisers bekleidete er Rang eins in der Thronfolge. Sollte dem Kindkaiser etwas zustoßen, so wäre es an ihm, das Reich zu führen. Seit dem tragischen Krankheitstod des Kaiservaters im vergangenen Jahr arbeitete der Herr des Sekretärs stets daran, gute Kontakte mit der Oberschicht der Hauptstadt und des Kaiserreichs zu unterhalten. Es war wichtig, dass die hohe Gesellschaft Terrosilias nun näher zusammenrückte, um die Lücke zu füllen, die der Verlust ihres geliebten Kaisers hinterlassen hatte. Der Besucher ließ das Messer hochfliegen und es landete mit der Spitze im Eichenboden. »Dies ist nicht der Ort für Messerspielchen!«, fauchte der Sekretär mit tonloser Stimme nun streng. Die Antwort war ein langer Blick aus den kalten Augen, aber immerhin bequemte sich die Gestalt dazu, das Messer widerstrebend aus dem Boden zu ziehen und einzustecken. Mit angewidertem Gesichtsausdruck wandte sich der Sekretär ab. Noch ein abschätziger Blick aus dem Augenwinkel und dann hing er weiter seinen Gedanken nach. Er verstand nicht, wieso sein Herr nicht ohnehin schon Kaiser war. Was sollte ein Kind auf dem Thron? Es brauchte eine starke Hand, um das Kaiserreich zu führen. Und es brauchte auch nicht diese neuartige fixe Idee vom Rat des Pöbels. Die gehobene Schicht der Innenstadt, zu der er sich natürlich zählte, musste das Sagen haben. Leute wie er, die wichtige Arbeit für das Kaiserreich leisteten, sollten nicht ihrer Stimme beraubt werden. Stolz blickte er auf das Symbol des kaiserlichen Hauses, zwei sitzenden Löwen, das auf einem Schild gemalt an der Tür zu Herzog Grimloks Arbeitszimmer hing. Er merkte, wie der Besucher ihn beobachtete. Man munkelte, der Kaiser sei keines natürlichen Todes gestorben, sondern die seltsame Krankheit, die ihn befallen hatte, sei die Folge eines seltenen Giftes gewesen. Doch niemand hatte Beweise für diese Theorie. Er persönlich vermutete, dass einige Ratsmitglieder dahintersteckten. Der Wirt seiner Stammkneipe hatte sich dazu kürzlich geäußert. Er habe gehört, der Rat wolle die Macht an sich reißen. Das hatte er nun ja auch geschafft! Kurz vor seinem Tod hatte der Kaiser noch zusammen mit den angesehensten neun Magistern den »Hohen Rat« gegründet. Angeblich, um mehr Gerechtigkeit im Reich zu schaffen. Der Sohn des Kaisers war zwar zum Oberhaupt des Kaiserreichs erklärt worden, aber er war erst zwölf Jahre alt. So lag nun die faktische Macht bei den hohen Magistern. Der Hohe Rat herrschte mithilfe eines erweiterten Gremiums, in dem alle Gildenoberhäupter der Stadt saßen. Doch dem Sekretär gefiel diese Art der Regierung nicht. Zu viele hatten ein Mitspracherecht, so wurden sinnlose Entscheidungen getroffen und die nicht selten in endlosen Verfahren. Der Rat machte aus den simpelsten Dingen ein Problem. Auf diese Weise war ja wohl auch dieses höchst ärgerliche Gesetzesvorhaben entstanden, die das niedere Volk der Vorstadt den hohen Bürgern Terrosilias gleichsetzen sollte. Man wollte dem einfachen Gesindel tatsächlich Einfluss einräumen, indem die Gründung einer Gilde der Vorstadt gestattet werden sollte. Eine Gilde der Vorstadt, hatte man so etwas schon mal gehört? Das Oberhaupt dieser Gilde würde im erweiterten Rat sitzen und die neun Magister bei ihren Entscheidungen womöglich beeinflussen. Das durfte nicht sein. Die Gilden waren der Kern der hohen Gesellschaft in der Hauptstadt, allesamt ehrbare Menschen, die sich ihr Brot sauer und ehrlich verdienten. Seit jeher war es so, dass Terrosilias Bürger in Gilden organisiert waren, die klare hierarchische Strukturen hatten: Geführt von einem Oberhaupt und unterstützt durch die Ratschläge vieler Bürger, die nicht wie diese Halunken in den Armenvierteln waren, die seiner Ansicht nach den ganzen Tag nichts taten, als herumzusitzen und zu betteln. Sein Herr tat richtig daran, die Ratsmitglieder zu überzeugen, dass eine Gilde der Vorstadt Unsinn war. Die Stände mussten gewahrt bleiben, das niedere Volk hatte im Rat nichts zu suchen und der Rat gehörte nicht an die Spitze des Kaiserreichs. Das Reich brauchte wieder einen starken Kaiser, anders war der Bedrohung durch die Hitarii und ihrer Orks, die das Kaiserreich nach wie vor im Süden in Unruhe hielten, nicht zu begegnen. Die schwere Tür zum Amtszimmer des Herzogs öffnete sich und der Sekretär schreckte aus seinen Gedanken auf. Die beiden Ratsherren, Meister Osklot, Vorsitzender der Gilde der Weber und Meister Turingen, Gildenoberhaupt der Eisen- und Waffenschmiede, verließen den Raum. Beim Anblick des wartenden Gesellen rümpften beide die Nase und musterten ihn voller Verachtung. Der Sekretär verstand sie nur zu gut. Als sie sich im Hinausgehen freundlich von Herzog Grimlok verabschiedeten, beeilte der Sekretär sich, ihnen mit einer tiefen Verbeugung die Mäntel umzulegen. Nachdem die beiden fort waren, wandte er sich herablassend an den wartenden Besucher. »Bursche, gleich darfst du eintreten!« Der Mann blitzte ihn mit seinen tiefliegenden Augen so durchdringend an, dass ihn fröstelte. Solche Augen hatte nur jemand, der nichts Gutes im Schilde führte, dachte er bei sich. Was konnte so einer von seinem Herrn wollen? Er schreckte erneut aus seinen Gedanken auf, als der Herzog in der Tür seines Amtszimmers erschien. Er war hochgewachsen und schlank, hatte einen kurzen blonden Vollbart und halblanges, ebenso blondes Haar. Auf seiner Brust prangte das Wappen des kaiserlichen Hauses, die zwei sitzenden Löwen. Sein markantes Kinn unterstrich seine herrische Stimme, die es gewohnt war, Befehle zu geben. Er kommandierte: »Jeburn, geh in das Stadtarchiv und besorge mir die Unterlagen zu Erlass Nummer 747 Absatz C!« »Jawohl, Herr!« Der Sekretär verbeugte sich beflissen, nahm seinen Mantel und machte sich auf den Weg. Beim Hinausgehen sah er widerwillig zu, wie sein Herr den Kerl mit einem Wink in sein Amtszimmer verwies. ***


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