Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Fantasy Bücher > Eislandkrieger Exodus
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Eislandkrieger Exodus, Sitchean
Sitchean

Eislandkrieger Exodus



Bewertung:
(267)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
3042
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
Novum Verlag-Neckenmarkt/Österreich
Drucken Empfehlen

Häuptlings Tochter


 


 


BaL lief übers weite Land. Dabei registrierte er nur am Rande, dass der Schnee dichter zu fallen begann. Seine Gedanken waren vollständig bei seinem letzten Treffen mit den Göttern. Sie hatten ihn Götterkrieger genannt. Er sei dazu bestimmt, die Welt von dem Bösen zu befreien. Zu Höherem bestimmt, sagten sie. Dämonen vernichten, sollte er.


Es war an sich klar gewesen, was sie gesagt hatten. Und doch musste er sich das alles irgendwie zusammen reimen. Vor allem war da die Frage, warum vernichteten sie diese Dämonen nicht selber? Es wäre doch für die mächtigen Götter ein Leichtes, den viel schwächeren Dämonen den Garaus zu machen. Doch wenn sie ihn als Gesandten dazu auserkoren hatten, diese Aufgabe zu übernehmen, würde er bestimmt nicht davor zurück schrecken. Verbissen versuchte der Krieger seine künftigen Gegner in seinen Gedanken zu sehen. Doch das gelang ihm nicht. Wo mag die Grenze sein? Fragte er sich. Wo werde ich in die Welten eintreten, wo man Dämonen sieht? In Meorrah Cruw? Dort gibt es Dämonen! Hier habe ich noch nie einen gesehen. Wie bekämpfe ich sie? Werden sie ... Folge deinem Schicksal...deiner Bestimmung... Hatte er das nicht getan, indem er Crucha Meth verfolgt gehabt hatte, sein ganzes Leben lang? Er hatte dabei nie auch nur eine Sekunde lang an sich selber gedacht. Wenn es hart auf hart gekommen war, war er immer mitten hinein gesprungen. Wann und wo würde er endlich seinen Frieden finden?


Unzählige Fragen beschäftigten ihn.


Die kalte Luft drang in seinen Körper ein und es fühlte sich an, als wäre sie viel weicher als zuvor, als Crucha Meth noch gelebt hatte. Sie atmete sich angenehmer. Ein Glücksgefühl breitete sich in BaLs Körper aus. Er fühlte sich so gesund und lebendig wie er sich zuletzt als Kind gefühlt hatte. Seine sämtlichen Sinne waren geschärft. Fast schwebend rannte er nun über den gefrorenen Schnee.


Aber was ist das?! Er sah etwas. Einen dunklen Punkt. Weit weg noch. In gerader Linie vor ihm. Gerade so weit entfernt, dass er nur knapp die Konturen erahnen konnte. Aber sein geschultes Auge erkannte, dass er sich auf ihn zu bewegte. Sieht menschlich aus, dachte er. Instinktiv sah er sich um. Links von ihm, einen Steinwurf entfernt, erhoben sich die Hikkar Berge und rechts, etwas weiter entfernt die kargen, laublosen Wälder, in denen die Frion Tohr Stämme gelebt hatten, bevor auch sie mit allen anderen von Crucha Meth ermordet worden waren.. 


BaL beschloss, sich in den Wäldern zu verschanzen. Natürlich ging er davon aus, dass der andere ihn auch gesehen hatte. Aber wer das auch immer sein mag, sagte er sich, kommt nicht aus dem Eisland. Oder doch? Morgen hätte das Hlemath statt gefunden. Es ist immerhin möglich, dass einer der Krieger aufgehalten worden ist. Ja! Warum nicht?!


 


Er strafte sich einen riesen Dummkopf, dass er daran noch nicht gedacht hatte. Es konnte sogar sein, dass mehr als nur einer überlebt hatte. Warum sollte sich denn auch ein fremder Krieger, von ausserhalb der Eislanden, hierher begeben? Das Hlemath war nur für die Eisland Krieger von Bedeutung gewesen und Fremde hatten dabei deshalb unangemeldet nichts verloren.


Natürlich hatten die Händler innerhalb des Stammes Bekannte in anderen Ländern. Aber die regen Verhandlungen waren schon lange abgeschlossen. Wenn ein Fest wie das Hlemath anstand, überliess man nichts dem Zufall. Die unzähligen Krieger wollten versorgt sein. Die vielen Menschen, die zu dem hohen Fest kamen, brauchten Decken, genügend Zuessen und Zutrinken. Ausserdem reisten Händler sowieso nicht alleine. Die kamen mit Wagen und massenhaft Begleitung, um sich gegen Räuber und andere Feinde zur Wehr setzen zu können.


Wer da auch immer auf den Krieger zukam, BaL musste sich vorerst vor ihm verbergen. Ob es Feind oder Freund war, würde sich erst bei einer Gegenüberstellung zeigen.


Der Krieger rannte hinüber zu den Bäumen. Der Wald schien völlig verlassen, nichts bewegte sich darin.


BaL fand Platz hinter einem riesigen Khorrbaum. Der Stamm war etwa zehn Mal dicker, als der Leib des Kriegers. Diese Pflanze war eine Seltenheit in den Eislanden.


Da sie geringe Wärme brauchte, um ihre zahlreichen Blätter entwickeln zu können. Doch BaL hatte nicht die Muse, sich jetzt Gedanken darüber zu machen, warum der Baum hier stand. Hauptsache, er tat es. Mit seinen scharfen Augen behielt er jede Bewegung des sich schnell nähernden Fremden im Auge. Er kam immernoch strikte auf ihn zu.


Er muss mich ebenfalls gesehen haben! Aber warum kommt er dann so offen auf mich zu? Fragte er sich ernst. Das ist unüblich. Ein erfahrener Krieger nähert sich niemals offen einem unbekannten, möglichen Gegner. Und er kann mich nicht erkannt haben. Es sei denn, er hat die scharfen Augen eines Krechths. Aber ein Mensch kann keine so guten Augen haben. Rätselte BaL und wartete geduldig ab. Er hatte Zeit. Die Götter meldeten sich schon, falls sich daran etwas ändern sollte.


Der Krieger versuchte jede Möglichkeit abzuwägen, die sonst noch in Betracht kam. Bis er schliesslich einsah, dass es keinen Sinn machte. Er würde erleben, wer es war. Als dieser Mensch nah genug war, erkannte BaL, dass der Andere auf jeden Fall kleiner als er selber war. Mindestens um einen ganzen Kopf. Und er trug eine Kopfbedeckung. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass er nicht aus den Eislanden stammte. Hier hatte es niemanden gegeben, der einen Helm oder ähnliches getragen hatte.


Bald war dieser Mensch so nah in BaLs Blickfeld, dass er erkennen konnte, dass es eindeutig ein Weib sein musste. Bei den Göttern, sie muss krank sein! Dachte BaL. Sie ist dünn! Was ist mit ihr geschehn? Kommt sie deshalb zu mir, weil sie krank ist? Sucht sie Hilfe?


Als sie endlich so nahe war, dass der Krieger sie klar sehen konnte, kam er jedoch zu einem anderen Schluss. Ihre Ausrüstung spricht eine deutliche Sprache. Sagte er sich anerkennend. Das lange und edle Schwert, das sie trug, der Dolch mit dem reich verzierten Griff, der an ihrer Hüfte glänzte. Die halb lederne und halb metallene Rüstung. All das sprach von einer erfahrenen und starken Kriegerin. Auch ihr Gesicht machte durchaus keinen kränklichen Eindruck, auch wenn es ebenfalls sehr mager schien. Ihre Augen strahlten Kraft und einen festen Charakter aus. Aber die Frauen in BaLs Sippe waren praktisch alle sehr beleibt, oder zumindest von kräftiger Statur gewesen. Nicht weil sie etwa ständig zuviel assen, sondern weil das einfach der Konstitution der Eisland Frauen entsprach. Deshalb war er einigermassen überrascht von der ausgeprägten Schlankheit dieser Frau.


Was will sie hier? Was will sie von mir? Fragte er sich weiter. Dann reichte es ihm endgültig. BaL wollte jetzt endlich Klarheit. Er wollte wissen, wer es war und trat langsam hinter dem Baum hervor, als sie nur noch einige Schritte von ihm entfernt war. Nicht sehr überrascht, da sie ihn bereits hinter dem Baum verschwinden gesehen hatte, hielt die Kriegerin einige Schritte von BaL entfernt an.


Sie betrachteten sich äusserlich ruhig. Beide signalisierten durch ihre zurückhaltende Gestik, dass ein Kampf nur im Notfall in Frage kam. Gelassen fixierten ihre Augen BaLs Schwert. Sie scheint zu wissen oder mindestens zu ahnen, dass es eine spezielle Waffe ist. So dachte BaL, als er es bemerkte. Ruhig, ohne sich dabei hektisch zu bewegen, trat sie weiter zurück und baute sich in stolzer Haltung auf.


Die Kopfbedeckung der Barbarin bestand aus einem Fell, aus dem zwei relativ grosse, gerade Hörner ragten. Das waren die Hörner eines Büffels, oder dergleichen Tieres gewesen, mutmasste BaL. Ihre fein und stabil gearbeitete Rüstung bedeckte den ganzen Körper. Schultern, Brust, Unterarme, Körpermitte und Schienbeine waren mit einem metallenen, matt glänzenden Panzer bedeckt, der BaL sofort an das Material der Bbrawen denken liess. Ist sie in Meorrah Cruw gewesen? Hat sie die Prüfung bestanden? Soweit BaL wusste, war diese barbarische Prüfung den Angehörigen der Eisland Stämme vorbehalten. Er nahm sich vor, sie unbedingt darüber zu befragen.


Zudem sie hatte Gepäck dabei. Um Rücken und Schultern waren zusammengerollte Felle und sonstiges Gebrauchsmaterial drappiert, das man nur mit sich schleppte, wenn man eine weite Reise vor sich hatte.


Ihre Erscheinung liess ihn nicht zur Ruhe kommen. Vorsichtig aber bestimmt und mit schneidenderer Stimme, als er es vorgehabt hatte, stellt er die erste Frage: "Wer bist du, Barbarin und... suchst du mich?"


Sie verzog ihr Gesicht zu einem undefinierbaren Lächeln. Dabei spannte sich Ihre Haltung etwas an. Für ein ungeschultes Auge nicht erkennbar, doch BaL sah es sofort. Um nicht zu sagen, er spürte es. Es kam bei ihm an, wie eine Aufforderung zum Kampf. Er legte ganz langsam seine Hand auf den Knauf seines Schwertes. Sie beobachtete es, blieb aber gelassen und reagierte nicht darauf.


„Sprich, woher kommst du und was willst du? Ich habe keine Zeit für Spiele. Rede oder geh dahin zurück, woher du gekommen bist." Sprach der Krieger nun etwas barscher und ungehaltener.


Lässig, so als würde sie sich mit einem Freund unterhalten und mit wohlklingender, fester Stimme antwortete sie: „Du hast mich nicht erwartet, doch hier bin ich. Wenn die Geschichten wahr sind, die ich gehört habe, dann bist du BaL Hhrakk, der grosse und ruhmreiche Eislandkrieger. Man sagt, du verfolgst den alten Eisatem, Crucha Meth. Ich hatte vor, dir dabei zu helfen. Doch du scheinst dich auf dem Weg nach Norden zu befinden...weg von deinem Land..."


BaL wurde sofort misstrauisch. Er hatte schon von Einzelkämpfern gehört, die sich aus freien Stücken jemandem anzuschliessen versuchten. In einzelnen Fällen, für andere Krieger, mochte das gut sein. Doch er hatte das nie gewollt. Ausserdem war der Drache bereits tot und er wollte nichts mehr davon hören. Kalt glotzte er sie an. Seinen Blick tief in ihre dunklen Augen bohrend, sprach er abweisend: „Der Kampf gegen den Drachen ist beendet, Weib! Du kommst zu spät. Crucha Meth gibt es nichtmehr!"


Die Barbarin liess bei diesen Worten ein kurzes, leichtes Flackern in den Augen erkennen. Beherrschte sich aber sogleich wieder. BaL sah es und fuhr grimmig fort in seiner Rede: „Ich habe nicht nach dir gerufen und es wäre besser, wenn du  wieder gehst." Mit einiger Genugtuung erkannte er, wie das Lächeln während seiner Rede aus ihrem Gesicht verschwand.


„Ich bin Doro Truass D`Arruor aus dem Roten Tal!" Erklärte sie ernst. „Bisher habe ich dir noch keinen Grund gegeben, mich anzugreifen, weder durch kühne, beleidigende Worte, noch mit deinem magischen Schwert. Also hör mir erst zu, Krieger. Ich bin nicht hier, um gegen dich zu kämpfen, sondern mit dir." Mit stolzem Blick und fester Stimme hatte sie gesprochen. Keinen Deut zurückweichend, geschweige denn irgendeine Schwäche zeigend. Ihre Augen funkelten dabei wie dunkle Edelsteine. BaL erwiederte ihren Blick. Einen langen Moment starrten sie sich an, redeten aber nichtmehr. Sie standen bloss da und es folgte abermals ein konzentriertes, gegenseitiges sich Beobachten. Keiner von beiden wollte weiter provozieren. BaL war ausserdem, trotz allem Misstrauen, neugierig geworden.


 


Als Doro erkannte, dass BaL tatsächlich darauf wartete, dass sie weiter erzählte, entspannte sie sich etwas und sagte ernst: „Ich habe den Entschluss gefasst, dir zu helfen, weil Crucha Meth auch in unserem Tal, wenn auch nur kurz, aber dennoch heftig gewütet hat." Nach dieser Ansage machte sie bewusst eine Pause, um den Gesichtsausdruck des Kriegers zu studieren. Genau wie sie erwartet hatte, wurden seine Augen etwas grösser und sein Gesicht spannte sich an. Er fragte verwundert: „Warum sagst du das nicht von Anfang an? Du kommst aus dem Roten Tal! Natürlich!" Crucha Meth hatte es ihm erzählt und er hatte es tatsächlich vergessen. Er fluchte lautlos in sich hinein und fuhr interessiert weiter: „Wann war er da? Hat er Menschen getötet? Deine Familie?" Dann schwieg er betroffen. Ruhig nahm er seine Hand vom Schwertgriff und sah sie in Erwartung der weiteren Erzählung auffordernd an. Nachdenklich fuhr er sich dabei mit einer Hand über die Stirn. Unvermittelt, als eine heftige Vision, sah er das Blut und hörte die Schreie seiner Leute wieder. Ungehalten wischte er die Bilder sofort aus seinem Gedächtnis. Lasst mich in Ruhe, Dämonen! Dachte er verwirrt.


 


Sie beschloss nun, ihm alles zu sagen, was sie wusste. Er nahm offensichtlich Anteil daran, was der Drache ihren Leuten zugefügt hatte. Das weckte Vertrauen in ihr. Sie steckte ihre beiden Daumen entspannt in den Gürtel, den sie um ihre schmale Hüfte trug und begann zu erzählen: „Es war, als ich gerade die Prüfungen in Meorrah Cruw ablegte. Ich war also..."Prüfungen in Meorrah Cruw?" Unterbrach der Krieger schnell.


„Warte, ich erzähle dir alles, BaL Hhrakk." Gab sie geduldig lächelnd zurück und winkte mit einer beschwichtigenden Handbewegung ab. Dann fuhr sie ruhig fort: „ Ich war nicht dabei, als Crucha Meth unser Tal überfiel. Als ich nach einer halben Mondspanne zurückkehrte, war das Tal verwüstet und einige meiner Leute so grausam zugerichtet, dass ich sie nicht einmal mehr wieder erkennen konnte. Einer der Weisen unseres Dorfes, Pran, den wir den Seher nennen, gehörte zu denen, die den Anschlag überlebt hatten. Er berichtete mir, dass es der alte Eisatem gewesen war.


Er wusste auch, dass du, BaL Hhrakk, Zeit deines Lebens diesen Drachen jagst. Pran meinte, wenn ich dich finden würde, wäre der Weg zu dem Drachen und damit zu dessen Tod geebnet. Ich habe mich sofort auf den Weg hierher gemacht und als ich dich vorher von weitem sah, wusste ich, dass es nur du sein kannst. Denn Pran hat mir Visionen über dich vermittelt. Er ist einer der wenigen, die das bei uns noch können... . Aber sage mir, BaL Hhrakk.


Wenn Crucha Meth tot ist, was machst du dann hier? Du scheinst im Begriff zu sein, das Eisland zu verlassen. Und warum gehst du nach Norden? Bist du auf dem Weg ins Rote Tal? Willst du es mir sagen?"


„Nein das will ich nicht, Doro Truass D`Arruor." Entgegnete BaL sofort. „Das ist meine Angelegenheit. Doch sage mir jetzt endlich, warum bist du nach Meorrah Cruw gegangen? Seit wann legen Krieger ausserhalb der Eislanden diese Prüfung ab? Vor allem ihr Rottäler solltet doch über genug eigenes, brauchbares Metal verfügen. Oder stimmen die Geschichten über das edle Metal aus den Roten Gebieten nicht?"


Die Barbarin blickte ihn listig an. „Die Prüfung habe ich deshalb abgelegt, weil ich schon lange vor


Crucha Meths Überfall den Entschluss gefasst habe, die Eislanden aufzusuchen. Pures Schicksal, dass der Drache zu diesem Zeitpunkt gekommen ist.


Es ist immer ratsam, sich so gut wie möglich auf seine Feinde vorzubereiten. Ich ging bestimmt nicht wegen des Metals der Brawen nach Meorrah Cruw. Denn du hast recht, unser Metal ist für uns gut genug. Und im Nachhinein kann ich sagen, dass ich nicht verstanden habe und es noch immer nicht begreife, warum ihr in diesem Land diese mörderische, barbarische Prüfung durchlauft. Bestimmt gäbe es andere Wege, zu den Bbrawen zu gelangen, um sich das Metal zu holen." Klärte sie den Krieger stolz auf.


Der meinte aber nur in seiner typischen, trockenen Art, solche Dinge zu sehen: „Alte Bräuche. Es war schon immer so. Das wird sich bald ändern." Damit war das Thema vom Tisch.


Doro nickte kurz und als BaL nichts weiter sagte, beschloss sie, ihre Geschichte weiter zu erzählen: „Wir wissen beide, dass zwischen unseren Gebieten nicht die allerbesten Beziehungen bestehen. Seit Mhondrr, einer euerer ehemaligen Karawanenführer, damals unsere westlichen Täler verwüstet hat, ist es nichtmehr so wie früher. Er hätte die Karawane damals auch aussen herum führen können. Nachdem eure Horden unsere Vorräte...; ach lassen wir das!" Sie machte eine rasche, wegwischende Geste mit der Hand. „Es sind vergangene Geschehnisse. Ich bin nicht hier, um schnöde Handelsbeziehungen zu klären. Was ich mit dem Besuch in Meorrah Crew bezwecken wollte, war bloss, dass ich euch Eislandkrieger ebenbürtig sein wollte... " Nach den richtigen Worten suchend, wandte sie sich langsam von BaL ab und kratzte sich nachdenklich am linken Ohrläppchen. Dann fuhr sie aufgebracht fort: „Ich finde schon lange keine Befriedigung mehr bei dem Leben in den Roten Tälern. Die Menschen dort werden immer unzufriedener und haben damit begonnen, sich innerhalb der eigenen Verbände zu bekriegen. Rhuat der Anführer des Dherian Stammes ist zum Verräter mutiert und unser Häuptling weiss auch nichts besseres, als seine eigenen Leute zu harter Arbeit in den Minen zu zwingen, damit sie mehr Waffen schmieden. Auch er will den Krieg. Ach, ich hatte es so satt, mich jeden Tag mit ihm darüber zu streiten, welcher Stamm in den Tälern der mächtigere ist! Warum ich dir das alles erzähle Krieger? Nun, ich bin gegangen, weil ich in meiner Heimat kein Zuhause mehr habe. Die einzige Aufgabe, die ich noch zu haben glaubte, war dir dabei zu helfen, diesen grausamen Drachen zu töten. Nun stehst du vor mir und sagst mir, er sei bereits tot. Du hast ihn allein getötet. Ich bezeuge dir meinen Respekt. Jedoch muss ich nun sagen, meine Reise scheint umsonst gewesen zu sein. Zurück kann ich nicht. Denn ich habe Dhergga, unserem Anführer und meinem Vater gesagt, dass er sich für das Falsche entschieden hat. Dass er sehr dumm ist, wenn er denkt, dass er einen Krieg gewinnen kann. Darauf hat er hat mich verstossen. Ich bin aus dem Roten Tal verbannt. Wenn es dir also recht ist, schliesse ich mich dir an. Was meinst du? Unsere vereinten Kampferfahrungen und unsere beiden Schwerter werden manchen Feind in die Flucht schlagen. Willigst du ein? Wo immer deine Reise auch hinführen mag..." Erwartungsvoll sah sie ihn an. Weg war der kecke Gesichtsausdruck. Doro wusste, wenn er nein sagen würde, musste sie bei den Morrow Huttarr versuchen unter zukommen. Den Krieg, den die Stämme in ihren Tälern anzettelten, würde auch nach aussen Wellen schlagen. BaL hatte Recht, das Metal aus ihrer Heimat war qualitativ sehr gut. So gut, dass die meisten Anführer der umliegenden Länder scharf darauf waren. Und wenn der Handel damit ins stocken kam, würde das Unstimmigkeiten hervor rufen. Kurz gesagt, sollte Doro künftig allein in der Welt unterwegs sein, würde sie gefährlich leben. Man würde sie früher oder später als verräterische Abtrünnige ausrufen und das endete mit Sicherheit tödlich für sie. Am wahrscheinlichsten war dabei ein Tod durch Folterung, sobald sie von einem feindlichen Stamm gefangen genommen werden würde.


Die Morrow Hutarr waren der einzige Stamm, der ausserhalb des Roten Tales lebte und keinen starken Pakt mit den roten Stämmen hatte.


Sie waren zu hundert Prozent neutral und schlossen sich niemandem an. Doro wusste allerdings, dass ein Leben bei diesen halb verwilderten Menschen keinesfalls erstrebenswert sein konnte. Deshalb sah sie BaL zwar bittend und dennoch mit unerschütterlichem Blick an. Sie war eine stolze Kriegerin. Überdies waren Krieger und vor allem Kriegerinnen aus den Tälern bekannt für ihre Sturheit. Sie würde nicht locker lassen, bis er sich für sie entschied, das hatte sie sich soeben nochmals fest vorgenommen.


 


BaL blickte in die Ferne. Nachdenklich ging er langsam ein paar Schritte im Kreis. Er konnte sich nicht gleich zu einer Antwort durchringen. Ja, sie hat Recht. Ihre Art sich zu geben, ihre unbändige Wildheit, sie wäre bestimmt eine gute Gefährtin im Kampf. Allerdings kenne ich sie nicht. Wie sollte ich jemandem vertrauen, den ich nie zuvor gesehen habe? Noch dazu bei einer Mission, deren Ausgang unbestimmt ist.


Ich weiss ja selber noch nicht, wohin ich zu gehen habe. Welche Gegner auf mich warten. Die eigentliche Frage ist, werde ich sie brauchen können? Bestimmt hat sie, wie ich, noch nie gegen Dämonen und dergleichen gekämpft. Andererseits  war sie in Meorrah Cruw! Sie hat diesen Wald und seine Dämonen scheinbar unbeschadet überlebt. Und sie sieht sehr aussergewöhnlich aus. Ich werde sie testen...„Wir werden uns einen Platz suchen und ein Feuer machen." Sagte er ruhig. „Wir müssen reden. Ich verstehe deine schwierige Situation. Und Crucha Meth hat meine ganze Sippe ausgelöscht.


Deshalb sind wir beide allein. Du verstossen von deinem Vater, ich der einzige Mensch, den es in diesem Land noch gibt. Komm mit." BaL wusste, wohin er mit ihr gehen würde. In die Schluchten. Die waren als Rastplatz sehr gut geeignet, da sie Schutz vor Wind und Wetter boten. Bald würde die Nacht anbrechen. Der Krieger würde in der Schlucht einen Platz suchen, wo sie sowohl in Ruhe reden - und sich danach ausruhen konnten.


 


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2021 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 4 secs