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> Fantasy Bücher > Eins mit Licht und Schatten (I)
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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Eins mit Licht und Schatten (I), Hannah Bilger
Hannah Bilger

Eins mit Licht und Schatten (I)


Auferstehung

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»Möchtest du nicht höflich zu sein und ebenfalls guten Tag sagen, wie es eine gute Erziehung vorgibt?« Ich wich zurück und starrte mein Gegenüber an.


Jetzt hatte ich wirklich ein Problem. Ich war nämlich alleine! Und Selene war es nicht, denn in der Dunkelheit sah ich mehrere rote Augenpaare aufblitzen.


Selene. Zum ersten Mal sah ich sie vor mir und hatte die Gewissheit, dass sie es war. Die Dämonengöttin hatte elegant hochgedrehtes, blondes Haar, aus dem ihr einige Strähnen in die eiskalten blauen Augen fielen, die mich festhielten. Selene trug ein hautenges, schwarzes Kleid mit einem U-förmigen Ausschnitt. Dieses enge Ding konnte sie sich aber wirklich erlauben. Sie hatte eine Wahnsinns-Figur, denn sie war sehr schlank und mindestens einen halben Kopf größer als ich. Sie stand in einer solch anmutigen Haltung vor mir, angestrahlt vom Vollmondlicht, dass ich beinahe neidisch wurde.


Als würde mich der Himmel darauf aufmerksam machen, dass ich Selene genug begafft hatte, rumpelte ein Donnergrollen über dem Internat, gefolgt vom Regengeräusch.


Okay Jennifer. Keine Panik. Du bist ein Yindarin ... und sie ist eine tausend Jahre alte Dämonengöttin.


»W-Was willst du?«, fragte ich und versteckte das Stück Papier hinter meinem Rücken.


Selenes Mundwinkel verzogen sich zu einem Grinsen. »Das ist nun wirklich keine angebrachte Begrüßung, Yindarin.«


Ein Blitz zuckte über den Himmel und warf für einen Moment sein Licht in die Halle, sodass Selenes Silhouette einmal aufleuchtete.


»Ich habe keine Begrüßungsworte für dich! Du hast meine Mutter töten lassen und dafür werde ich dich töten!«


Selene legte den Kopf in den Nacken und lachte. Es war ein hohes, kaltes Lachen, das mich frösteln ließ. Zu meinem Schrecken klang es mehrstimmig, was gruselig war. Dann hörte sie wieder auf und musterte mich mit unverhohlener Verachtung.


»Das klingt so süß, wenn es aus deinem Mund kommt«, raunte sie und kam auf mich zu. Ich wich zurück. Von Selene ging eine ungeheure Macht aus.


»Ich will jetzt wissen, was du von mir willst!«, stieß ich hervor und umklammerte das Papier hinter meinem Rücken ganz fest. Selene blieb stehen und hob das Kinn an.


»Ich will etwas von dir haben, Yindarin. Du hast mir nämlich jegliche Arbeit abgenommen und die Formel gefunden. Ich habe keine Verwendung für sie, da ich bereits das Gegenstück besitze und wie meinen Augapfel hüte. Dennoch gehe ich das Risiko nicht ein, die Formel für Ignaquaterrubis in deinen Händen zu wissen. Und ob du sie mir gibst oder nicht, ist mir gleich, ich hole sie mir so oder so. Ich gebe dir aber die Chance, sie mir freiwillig zu überreichen.«


Selene machte einen Schritt auch mich zu und ich wich einen zurück.


»Und was würde ich für eine Gegenleistung erhalten?«, wollte ich wissen. Selene lächelte. »Und verhandlungsfreudig obendrein, wie angenehm! Dein Leben, Yindarin.«


Ich fasste mir ein Herz und dachte dabei an alles, was mir Kraft verlieh.


»Wenn ich könnte, würde ich hier und jetzt Schluss mit dir machen. Außerdem wäre das einzige, was ich DIR jemals geben würde, ein Tritt in deinen -«


»Du wirst unhöflich. Ich kann unhöfliche Wesen nicht sonderlich leiden!«, zischte Selene und hinter ihr hob sich das Sofa in die Luft. Ihre Augen glitzerten und sie kam immer näher. Oh mein Gott, wie schaffte sie es, bei jeder Bewegung, die sie machte, toll auszusehen?


»Du weißt, dass es mich nur einen Gedanken kostet, dieses Möbelstück dazu zu bringen, dich zu einer konturlosen Pampe zu zerquetschen, oder?«


»Ja, aber ich weiß auch, dass du dann gehörigen Stress mit Nighton kriegst.«


Selene verdrehte die Augen und seufzte auf. »Stimmt, das könnte mich tatsächlich davon abhalten«, erwiderte sie trocken und ließ das Sofa wieder sinken. »Außerdem stehe ich nicht auf dieses Zerquetschen und Zermalmen. Ich will meinem Opfer in die Augen sehen, wenn es stirbt. Hör mir nun gut zu. Ich schlage dir einen einmaligen Tausch vor. Du gibst mir die Formel und ich lasse dich am Leben und gewähre dir deinen Frieden. Das ist doch ein fairer Tausch? So von Frau zu Frau?«, schlug Selene vor und ihre Stimme triefte nur so von falscher Freundlichkeit.


»Du meinst von Schlampe zu Frau? Nein, danke. Wir können es ja andersherum machen. DU gibst mir das Gegenstück von Ignaquaterrubis und kannst dafür DEIN Leben behalten.« Mir war klar, dass das Eis unter mir gefährlich dünn wurde. Nighton hatte mal gesagt, ich solle Selene besser niemals unterschätzen ... und genau das schien ich gerade zu tun.


Die Dämonengöttin stieß ein langgezogenes Knurren aus, riesige Eckzähne schoben sich über ihre Unterlippe und die Schatten schienen um sie herum zu wachsen. Mir sträubten sich die Nackenhaare.


»Du meine Güte, wir können also noch scherzen. Lass mich raten. So, wie du mich anschaust, hältst du dich wohl für abgrundtief schlau und gerissen, habe ich Recht? Aber vergiss bei deinen Kalkulationen, die dein Leben betreffen, nicht, dass ich eine Göttin bin.«


Ich hob beide Augenbauen und wappnete mich innerlich für einen Kampf.


»Göttin von was? Göttin der viel zu engen Kleider?«, zischte ich schneidend, obwohl ich wusste, dass das purer Unsinn war.


»Du vergeudest meine Zeit!«, fauchte Selene und kam ein paar weitere Schritte auf mich zu. Ich wich soweit ich konnte zurück zu dem bodenlosen Loch.


»Ach, und du meine nicht?«, erwiderte ich. Ein paar Sekunden hielten wir den Blickkontakt aufrecht, dann fing Selene an, um ihre eigene Achse zu wirbeln und fegte schneller als ich gucken konnte durch die Halle, sodass der gesamte Staub aufgewirbelt wurde und mir in Mund, Nase und Augen drang. Ich hustete und beugte mich dabei vornüber. Dann kam sie zum Stillstand, aber nur für eine Sekunde, denn schon schoss sie auf mich zu und prallte gegen mich. Ich hatte diese Attacke nicht erwartete und wurde gegen die Wand geschleudert. Dort presste Selene mir ihre Hand gegen die Kehle. »Ein bisschen eingerostet, wie mir scheint, hm?«


Ich war zu überrascht und meine Überraschung reichte soweit, dass ich vergessen hatte, mich zu verwandeln. Mit aller Macht drückte Selene mir ihre Hand gegen die Kehle und legte den Kopf in den Nacken. Sie war unheimlich stark. »Gib mir die Formel!«


»Nein!«, röchelte ich.


»GIB SIE MIR!«


»NEIN!«


Ein Wutschrei, der jegliches Glas in der Halle zu Staub verarbeitete, entfloh Selene. In derselben Sekunde fing sie an sich zu verwandeln. Aber bei ihr floss keine schwarze Farbe und ihre Augen fingen nicht an zu glühen.


Ihre Haut wurde erst weiß und dann dunkelblau, als wäre sie erfroren. Schwärze füllte ihre Augen aus und ihr Kiefer wuchs und als sie den Mund aufriss und mich anbrüllte, stachen mir dutzende schief gewachsene, nadelspitze Reißzähne entgegen, die sich aufrichteten und im Vollmondlicht gelblich glänzten. Ihr blondes Haar wurde mit einem Schlag tiefschwarz, genau wie ihre Fingernägel, die sich lang und spitz aus ihren Fingerkuppen bohrten. Um den ganzen noch das Sahnehäubchen aufzusetzen, schoss Selene in die Höhe, sodass sie bald an die zweieinhalb Meter groß sein musste. Und die Himbeere auf dem Sahnehäubchen bestand insgesamt darin, dass sie etwas vollbracht hatte, was als nicht zu schaffen galt: Sie hatte ihr inneres Wesen nach außen gekehrt.


Ich konnte nur noch starren. Nicht mal weglaufen ging, geschweige denn verwandeln. Ein gehauchtes »Oh mein Gott« entwich mir.


»Deinen Gott gibt es hier nicht, Yindarin, der einzige Gott bin ich!«, raunte Selene mit einer hohen und mehrstimmigen Stimme. Sie verpasste mir einen Schlag, der mich von den Füßen holte. Ich flog meterweit durch den Raum, fiel auf den Rücken, schlitterte weiter und wälzte mich auf die Seite. Ein Windstoß fuhr durch den Saal und ich ließ ungewollt das Papier los. Ich startete den Versuch es zu fangen, doch schon streckte Selene ihre Hand aus und fing das Papier auf. »Verbindlichsten Dank.« Damit fingen sich ihre Konturen an in Rauch aufzulösen und Selene stieg als formlose Nebelwolke in die Luft, von wo aus sie durch das Portal nach draußen schoss. Ich richtete mich auf und starrte ihr hinterher.


Hoffnungslosigkeit überschwappte mich und ich fühlte mich schrecklich. Was sollte ich nun tun? Was machte ich ohne die Formel? Nun hatte ich ja gar nichts mehr!


Verdammt, wieso war Nighton gegangen?


Jetzt saß ich im Internat fest und hatte keine Ahnung, wie ich zurück nach Oberstadt kommen sollte. Prima Jennifer, gut gemacht!




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