Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Fantasy Bücher > Eine Legende erwacht
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Eine Legende erwacht, Michael J. Hallowfield
Michael J. Hallowfield

Eine Legende erwacht


Die Saga vom letzten Kriegsbarden Band 1

Bewertung:
(256)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
1588
Dieses Buch jetzt kaufen bei:
Drucken Empfehlen

Das zarte Gesicht konnte seine Herkunft nicht leugnen. Halblange, kastanienfarbene Haare umrahmten feine Gesichtszüge und bedeckten Ohren, deren verräterisch langgezogene Spitzen vorwitzig herauslugten. Die Kerze auf dem wackeligen Tisch zischte, als ein Fremdkörper im zweifellos minderwertigen Wachs von der Flamme in schwarzen Rauch verwandelt wurde. Die schlanken und langen Finger des schönen Mädchens schlugen mit einer fließenden, eleganten Bewegung eine Buchseite um. Beschriebenes Pergament raschelte verheißungsvoll und wurde Zeile um Zeile von den wissbegierigen, rehbraunen Augen verschlungen. An einer Stelle auf der Seite verharrte der mitlesende Zeigefinger und wispernde Lippen verstummten. Das Mädchen blickte vom Buch auf und zeichnete mit dem Finger unsichtbare Figuren in die Luft, brach ab, schüttelte verärgert den Kopf und begann von Neuem. Es dauerte eine Weile, bis sie zufrieden schien und ihre Aufmerksamkeit wieder dem alten Folianten auf dem Tisch widmete. Druana Milyalin wusste, dass ihr Meister nur dann zufrieden sein würde, wenn sie in der Lage war, Zauber gedankenschnell und ohne jeglichen Fehler zu wirken. Gewiss, Mener Gomrast war ein sanftmütiger, weiser Meister und sie sah sein Gesicht mit dem gepflegten, weißen Vollbart vor sich, wie er stolz lächelte. So lächelte er stets, wenn seinen Schülern etwas gelang und aus diesem Grunde strengte sie sich an, denn sie wollte ihrem Meister gefallen. Unglücklicherweise schien sie keine außergewöhnliche Gabe in der Kunst der Beschwörungsmagie zu besitzen, denn ihre Mitschüler machten größere Fortschritte und was Druana sich hart erarbeiten musste, schien den anderen zu ihrem Unmut in den Schoß zu fliegen. Sie schüttelte den Kopf. Dabei sollte sich ihr elbisches Erbteil doch als Vorteil erweisen, sagte man dem Volk ihres Vaters schließlich außergewöhnliche magische Fähigkeiten nach. Ihr Blick huschte an die Zimmerdecke und sie fragte sich insgeheim, ob ihr Vater von seinem Sitz bei den Göttern auf sie herabsah und möglicherweise ihre Bemühungen verfolgte. Mit neuer Hingabe senkte sie den Kopf und las in Sungo Millachs "Almanach der Beschwörungsrunen ersten Grades". Es erfolgten weitere Wechsel von in die Luft gezeichneten Figuren und konzentriertem Studieren des Buches, bis Druana schließlich entschlossen nickte, den Folianten mit einem dumpfen Laut schloss, und tief durchatmete. Sie blickte sich um, als bemerke sie ihre Umgebung erst jetzt und was sie sah, gefiel ihr nicht. Es lag nicht an den geringen Ausmaßen des Zimmers, die für alle Schüler der Akademie von Anfalas gleich waren. Es lag auch nicht an dem recht mitgenommenen, schlichten Holzbett, dem verkratzten Eichenholzschrank und der abgenutzten Tür, sondern an der Unordnung. Im Grunde war es keine Unordnung, sondern glich einem Zustand, als wäre ein spontaner Miniaturorkan im Zimmer erschienen und hätte auf seiner Inspektion alles umhergewirbelt, das nicht angenagelt gewesen war. In der Ecke beim Schrank stapelte sich das schmutzige Geschirr der gestrigen Zwischenmahlzeiten. Die Gewänder, die sie nach einem kleinen Unglück hatte wechseln müssen, lagen wie ein schlafendes Baumwollwesen auf dem Boden, ebenso verteilten sich dort zahlreiche Blätter, Stifte und Zierrat, und die Fenster waren so schmutzig, dass sie wortwörtlich blind waren für das eindrucksvolle Panorama des Anfalas-Klamms außerhalb der Butzenscheiben. Druana wölbte nachdenklich die Unterlippe vor. So sollte das Zimmer einer Schülerin der Akademie wirklich nicht aussehen. Glücklicherweise waren die Regeln an der Anfalas-Akademie recht locker, doch ihr Zimmer hatte mittlerweile einen Zustand erreicht, in dem ihr schlechtes Gewissen von ganz allein lauthals um Aufmerksamkeit rief. Dummerweise war sie viel zu beschäftigt, die Zauberrune auswendig zu lernen, anstatt sich mit solch banalen Herausforderungen wie der Unordnung ihres Zimmers zu beschäftigen. Es sprach für ihren Weitblick, dass sie sich jedoch genau die richtige Rune ausgesucht hatte, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Die Rune "Oloth Nagai" konnte man ungefähr übersetzen als "Teufel der Küche" und rief einen kleinen, niederen Dämon herbei, der in der Lage war, Hilfsarbeiten zu erledigen. Das war wie geschaffen, um diese Anfängerrune zu lernen und anschließend den Küchenteufel anzuweisen, im Zimmer aufzuräumen. Oh, gewiss war es nicht einfach, eine Rune zu lernen. Früher hatte sie stets gedacht, man schreibe einfach eine Rune in die Luft, so wie man auf Papier die Buchstaben pinselt. Eine Zauberrune jedoch war ein weitaus komplexeres Gebilde. Es handelte sich nicht um flache Zeichen, sondern um verschlungene, in sich verdrehte Linien, die von jeder Seite anders aussahen. Nur wenn die Linien fließend, ohne ins Stocken zu geraten, in der Luft gezeichnet wurden und gleichzeitig der Betreffende über magische Kraft verfügte, dann setzte die Wirkung ein. Ein Fehler bei der Wiedergabe der Rune und der Zauber verpuffte, oder - was äußerst selten geschah, aber schon vorgekommen war - es setzte eine unvorhergesehene Wirkung ein, da eine Rune wirksam wurde, die ähnlich aussah und durch die fehlerhafte Wiedergabe irrtümlich gewirkt wurde. Die Tatsache, dass über jedes dieser illustren Ereignisse mehrere Bücher existierten, deren Inhalt einem die Haare zu Berge stehen ließ, machte deutlich, wie gefährlich Fehler bei den Beschwörungskünsten sein konnten. Selbstverständlich durfte sie die Rune ohne Aufsicht durch einen Meister nicht ausprobieren, doch sie war gewillt, sich heute dieses Verbotes zu entledigen. Weniger, um ihren Ehrgeiz zu befriedigen, als vielmehr dem lästigen Aufräumen aus dem Weg zu gehen. Druana Milyalin schloss die von dunklen, fein geschwungenen Augenbrauen gesäumten Augen und konzentrierte sich. Tief in ihrem Inneren spürte sie die Magie wie ein warmes Fieber, das durch ihre Venen glitt. Sie konzentrierte die Wärme und lenkte sie in die linke Hand. Kaum wahrnehmbare, kleine Funken stoben von der Handfläche, genau wie bei der nach wie vor unruhig brennenden Kerze neben dem schweren Buch. Sie streckte einen Finger aus und zeichnete langsam, aber fließend und mit höchster Konzentration die Rune. Auf und ab schwang der Zeigefinger, glitt an unsichtbaren Bögen, Kurven und Wendungen entlang und zog einen Schweif knisternder Magiepartikel nach sich. Schließlich war die Rune vollendet und Druana hielt den Atem an. Ihr stechender Blick sah, wie sich die beendete Fahrt ihres Fingers in der Luft plötzlich mit rotem Licht anfüllte und die Rune als magisches Feuer in der Luft abbildete. Ihr Mund öffnete sich und ihr Herz pochte. Es war ihr gelungen! Sie hatte es tatsächlich geschafft! Mit Druanas aufgehendem, stolzen Lächeln begann die Rune aus Licht schwarze Risse zu bilden, brach auseinander und die bröckeligen Lichtreste fielen zu Boden. Sie erloschen, bevor sie den Boden erreichten und Druanas Lächeln gefror zu einer Maske der Enttäuschung. Was hatte sie denn jetzt wieder falsch gemacht? Mit einem ärgerlichen Laut schlug sie wütend den Folianten auf und studierte Seite um Seite, wo die Rune aus Dutzenden Perspektiven abgebildet war und erfahrene Meister beschrieben hatten, wie man sie korrekt wiedergibt. Schließlich glaubte sie, den Fehler entdeckt zu haben. Doch Druana zögerte. Einen Fehler hatte sie bereits gemacht und Lilifer sei Dank, war nichts Schlimmes passiert. Sollte sie das Risiko noch einmal eingehen oder doch lieber warten, bis ein Meister ihren Versuch überwachte? Sie sah sich vor dem Meister stehen, und wie diese furchtbare Adelszicke namens Anchesa Valedora höhnisch lächelte, als wüsste sie, dass Druana scheitern würde. Oh, sie würde nicht lauthals lachen, wenn die Rune erneut bröckelte. Nein, sie würde leise lächeln und anschließend die Rune fehlerfrei vor dem Meister durchführen, um anschließend in ihre Richtung erneut zu lächeln. Druanas volle Lippen verwandelten sich in einen Strich. Energisch stand sie auf und beinahe wütend stach sie die Rune mit einem Finger in die Luft. Erneut glühte sie kurz darauf vor ihr auf, doch dieses Mal fiel sie nicht zusammen, sondern verstärkte kontinuierlich ihren roten Schein, schwebte zu Boden und löste sich dann mit einem roten Schimmer auf, der kreisförmig auf dem Boden verblieb. Mit großen Augen starrte Druana auf die schimmernde Wolke auf dem Boden, aus deren Licht sich nun eine Form zusammensetzte und Gestalt annahm, sodass plötzlich eine leibhaftige Kreatur vor ihr auf dem Boden hockte. Der Küchenteufel! Druana starrte ihn an. Er reichte ihr nicht einmal bis zum Knie, besaß ein verkniffenes Gesicht mit langgezogenen, gelben Reptilienaugen, zwei lächerlich lange Ohren, krumme Beine und ebensolche Arme. Die mit schwarzen Leberflecken übersäte rote Haut vervollständigte das Bild, das die Schülerin bereits als Zeichnung in dem Folianten gesehen hatte. Sie hatte es geschafft! Anchesa würde wie eine Kuh dreinblicken, wenn sie davon erfuhr! Sie kicherte. Der kleine Dämon blinzelte und schaute recht griesgrämig drein. Druana konnte nicht aufhören, ihn anzustarren. Sie hatte die Rune vervollständigt und ein Wesen aus dem Nichts erschaffen - nun, genauer gesagt, hatte sie diesen kleinen Teufel herbeigerufen, wo auch immer kleine Dämonen existierten. Dem Miniaturteufel schien die ausführliche Musterung seiner Gestalt zu lange zu dauern, denn er verschränkte die Arme und tippte ungeduldig mit dem Huf am Fuß auf den Boden. Druana kicherte wieder bei dem Anblick, besann sich dann jedoch auf ihre Würde als Magierlehrling.


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2020 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 3 secs