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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Die schwarzen Steine, Rike Moor
Rike Moor

Die schwarzen Steine



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Ein letztes Mal sah Nairi zum Gros der Gruppe zurück, ehe sie ihrer Freundin folgte. Ihr Weg verlief etwas weiter westwärts parallel zu den anderen, die sich in nördliche Richtung bewegten. Bereits nach kurzer Zeit konnten sie niemanden ihrer Leute mehr sehen, allenfalls noch vage hören. Anders verhielt es sich mit dem Dickicht. Davon sahen sie mehr als genug, sogar so viel, dass der Waldboden stellenweise nur mit Mühe zu erkennen war. Großflächig wuchsen Büsche, Farne, Moose und andere bodenbedeckende Pflanzen dicht an dicht. Dazwischen ragten überall Hyjalibäume weit hinauf in den Himmel. Im Geäst tummelte sich eine Vielzahl an Tieren. Gelegentlich erspähte Nairi bunte Vögel, baumbewohnende Schlangen und Echsen. Deren Laute hörte sie jedoch wesentlich eher und häufiger, als dass die Verursacher sich zeigten. Wesentlich häufiger standen sie dafür den auf Kopfhöhe hängenden Spinnennetzen gegenüber. Die hauchfeinen Gespinste versperrten ihnen oftmals den Weg, erstreckten sich genau zwischen zwei jungen Bäumen oder niedrig wachsenden Büschen. Nicht selten saßen mittig die großen, farbenprächtigen und mit sehr langen Beinen ausgestatteten Bewohner dieser filigranen Kunstwerke. Ihre Bisse brannten höllisch und hinterließen entzündliche Wunden. Zu ihrer eigenen Sicherheit umgingen sie diese Bereiche. Alles hier wirkte gleichermaßen vertraut wie fremd auf Nairi. Zwischen dem Territorium der Qui’Za und dem der Ai’Pal gab es bis auf wenige Ausnahmen wie die Mitak keine nennenswerten Unterschiede in der Tier- und Pflanzenwelt. Davon abgelenkt vergaß sie für eine Weile all ihre Probleme. Nairi fühlte sich beinahe wie zuhause. Nur eine Sache war noch immer in ihren Gedanken präsent.


»Was glaubst du, wie viel Zeit wir in Shadranaey verbringen werden, wenn wir dort angekommen sind?«, fragte sie beiläufig.


»Weiß ich nicht«, gestand Yalsa, die seitlich vorausging und weiterhin die Richtung bestimmte. »Ein paar Tage werden es wohl sein. Immerhin sollen sich unsere Verletzten erholen. Das ist mit Sicherheit genügend Zeit, damit ihr beide euch endlich näherkommt.«


»Da du das gerade ansprichst«, Nairi versuchte der Anspielung souverän zu begegnen, indem sie nüchtern und sachlich weitersprach, »ich habe noch etwas gut bei dir. Du könntest Dreelor und Lojaak die nächste Zeit beschäftigen. Vielleicht sogar ganz weit weg von mir und Yriiel?«


Yalsa musste bei ihren letzten Worten herzhaft lachen, aber willigte ohne Zögern ein. Nairi lächelte und nickte zufrieden mit sich selbst. Die beiden Jäger würden ab jetzt keine Möglichkeit mehr erhalten, sie in Situationen wie die von vorhin zu bringen. Zudem beschloss sie, Yalsas gestrigen Rat zu befolgen und Yriiel den ersten Schritt machen zu lassen. Immerhin hatte er vorhin bei der Rast einen vielversprechenden Ansatz gezeigt. Voller Zuversicht auf die nahe Zukunft konzentrierte Nairi sich wieder auf ihre Umgebung. Bis zum frühen Nachmittag wanderten sie in nordwestliche Richtung. Allmählich suchte der Hunger die beiden heim. Sie waren gezwungen, sich nach etwas Essbarem umzusehen, denn Nairi und Yalsa trugen nur einen Wasserschlauch und ihre leichte Ausrüstung bei sich. Leider gestaltete sich ihre Suche alles andere als leicht. In der Trockenzeit, die ihrem Namen im Regenwald nicht vollends gerecht wurde, trugen viele Bäume, Sträucher und Stauden über längere Zeit nicht selten unreife Früchte. Zum rohen Verzehr eigneten sie sich keinesfalls. Lediglich die Sattlassträucher und Tambasstauden waren genügsamer im Wasserbedarf. An ihnen fand man immer irgendwo eine reife Frucht. Nach einer Weile hatten die beiden Glück, allerdings zierten Blätter und Früchte der Pflanzen unübersehbare dunkle Flecken.


»Hast du sowas schon mal gesehen?«, wollte Nairi wissen, während sie sich umsah.


»Nein«, antwortete Yalsa, »und gesund sehen die Pflanzen auch nicht aus.«


Einer Eingebung folgend wechselte Nairi kurzzeitig in die andere Sicht. Aufmerksam nahm sie die Umgebung in einem Umkreis von einhundert Schritten etwas genauer in Augenschein. Es dauerte nicht lange und ihr entfuhr ein überraschter Laut.


»Die Sträucher hier sind kein Einzelfall«, meinte sie schließlich und wies Yalsa auf ihre Beobachtung hin. »Sieh dich mal um, die Auren wirken ... verblasst.«


Nairi gefiel das überhaupt nicht. Es erinnerte sie an etwas, dass sie lieber vergessen wollte. Doch zu ihrer Überraschung spürte sie kein verdorbenes Makra in der Nähe. Aber nur, weil ihr noch unausgereiftes Gespür nicht ausreichte, um niedrigste Konzentrationen an magischer Strömung wahrzunehmen, hieß das noch lange nicht, dass es keines in der Nähe gab. Leichte Unruhe stieg in Nairi auf.


»Ich sehe, was du meinst«, sprach Yalsa leise, nachdem sie sich selbst davon überzeugt hatte. Ein gewisser Unterton in der Stimme verriet ihre erwachende Sorge. »Wir sollten zur Gruppe zurückkehren.«


Mit dieser Entscheidung war Nairi mehr als einverstanden. Umgehend schlugen beide einen Weg ein, der sie möglichst schnell wieder zu ihren Leuten bringen sollte und zugleich durch eine immer leiser sowie kränklicher werdende Gegend führte. Die dunklen Flecken mehrten sich. Kleinere am Boden siedelnde Pflanzen erweckten den Anschein verdorrt zu sein, ein Umstand, der selbst in der Trockenzeit eigentlich undenkbar war. Schweigsam und nur mit vielsagenden Blicken marschierten sie weiter, bis plötzlich ein schrilles Keifen die unnatürliche Stille um sie herum zerriss. Ihr bisher gutes Vorankommen fand ein jähes Ende. Nairis Herz schlug ihr vor Schreck bis zum Hals.


»Was ... wo kam das her?«, entfuhr es Yalsa alarmiert. »Und was war das?«


»Ich weiß nicht«, brachte Nairi nervös hervor. »Vielleicht ...« Sie verstummte, als der Schrei erneut ertönte und sich beinahe in der Tonlage überschlug.


»Ein ... Maujak ...«, stellte Yalsa etwas zweifelnd fest.


»Ein Maujak?«, wiederholte Nairi wesentlich ungläubiger.


»Ja«, bestätigte ihre Freundin zögerlich, »aber die Art des Schreis ... ist ... wir sollten nachsehen, was da los ist. Ich will keine böse Überraschung erleben.«


Yalsa deutete in die Richtung, aus der der Schrei eben noch gekommen war, ehe sie darauf zueilte. Nairi folgte ihr durch das lichter werdende Dickicht. Sie wollte noch immer nicht so recht daran glauben, ein Maujak gehört zu haben. Dass diese mittelgroßen, stämmig gebauten Raubtiere laut knurren und keifen konnten, war nichts Neues für sie. Schließlich hatte Nairi mit diesen Tieren bereits ihre Erfahrungen gemacht. Solche schrillen Laute allerdings waren ihr bisher noch nicht untergekommen. Dennoch vertraute sie Yalsas Einschätzung. Immerhin besaß ihre Freundin, nicht zuletzt wegen ihres Altersunterschiedes von über vier Jahrzehnten, ein viel größeres Wissen und bei Weitem mehr Erfahrung. Immer wieder erklang das Geschrei und wies ihnen so den Weg. Sie kamen näher. Nairi konnte sich genauso wenig wie Yalsa vorstellen, was ihnen bevorstand. Sie dachte an alles Mögliche, nur nicht an eine harmlose Situation. Als Erstes fiel ihr ein Kampf auf Leben und Tod mit einem anderen Raubtier derselben oder einer anderen Art ein, verwarf den Gedanken jedoch wieder. Es fehlten weitere Tiergeräusche. Lediglich die Schreie dieses einen Maujaks waren in dieser unnatürlich greifbaren Stille zu hören. Ein gutes Zeichen sah eindeutig anders aus. Ihren zweiten Verdacht, eine Jägerfalle, empfand Nairi als ebenso wenig zutreffend. Sämtliche Fallen der Manori waren darauf ausgerichtet, die Beute sofort zu töten. Selbst wenn das Tier im unwahrscheinlichsten Fall noch eine Weile überlebte, würde es wohl nicht derart schreien. Trotz dieser undurchsichtigen Situation verzichteten Nairi und Yalsa auf den Einsatz ihres dritten Auges. Eine gezielte Suche damit brachte derzeit wenig Nutzen. Die andere Sicht offenbarte nur Informationen über die belebte Umwelt. Alles darüber hinaus blieb dem normalen Auge vorbehalten. Außerdem dauerte der Wechsel von einer Sicht in die andere zu lange, um sich notfalls noch in Sicherheit zu bringen, sollte sich die Lage plötzlich zu ihrem Nachteil entwickeln. Ein ausgewachsenes Maujak erreichte immerhin eine durchschnittliche Schulterhöhe von gut einer Armlänge und besaß einen massiven Körperbau. Mit den scharfen Krallen der Pfoten und den mit spitzen Zähnen besetzten Kiefern wussten diese Räuber sich gut zu verteidigen und anzugreifen.


»Wir sind gleich da«, raunte Yalsa ihr langsamer werdend zu. Die Vegetation in Bodennähe verdichtete sich immer mehr. »Die Laute werden deutlicher.«


Und jämmerlicher. Die Schreie überschlugen sich und trieben Nairi einen kalten Schauer über den Rücken. Von der Nähe des Maujaks zeugten aber nicht nur die Schreie, sondern auch die in einiger Entfernung zunehmend in Bewegung geratenen, dicht beieinanderstehenden Sträucher. Das verräterische Knacken im Unterholz tat sein Übriges. Was auch immer da vor ihnen geschah, es kam nun genau auf sie zu. Yalsa blieb stehen. Nairi folgte ihrem Beispiel und tastete nach ihrem Wurfholz am Gürtel.


»Das gefällt mir nicht«, flüsterte sie. Unmittelbar auf ihre Worte schoss ein ausgewachsenes Maujak aus dem Dickicht hervor, direkt auf die Späherinnen zu. »Vorsicht, Yalsa!«


Geistesgegenwärtig fasste Nairi nach ihrer Freundin und zog sie zu sich. Das Tier raste an ihnen vorbei und stoppte nach wenigen Schritten. Es sah sich gehetzt in ihre Richtung um. Seine Schnauze zierten tiefe Kratzspuren. Das angrenzende braune Fell war großflächig mit Blut besudelt. Mehr erkannte Nairi in diesem nur kurz währenden Moment nicht. Zähnefletschend wirbelte das Maujak herum und wollte wegrennen. Leider war es zu langsam. Ein Skapla sprang überraschend aus demselben Gebüsch auf das marderartige Raubtier zu. Das Insekt klammerte sich an seinem auserkorenen Opfer fest, mit allen Beinpaaren seines mehr als zwei Ellen langen Körpers. Ein panisches Keifen gellte durch den Dschungel, viel lauter als die Male zuvor. Ein unübersichtliches Kampfgeschehen entbrannte. Weder ließ sich erkennen, an welchem Ende das Vorderteil des Skaplas begann, noch wo das Hinterteil aufhörte. Mit beiden Enden schien sich der mit einem Chitinpanzer geschützte vielbeinige Wurm, der keinen Laut von sich gab, im Fell des Maujaks verbissen zu haben. Er ließ sich nicht abschütteln, egal wie wild sein Opfer umhersprang.


»Wie ... wie ist das eigentlich ... möglich?«, entfuhr es Nairi ungläubig.


Staunend verfolgte sie den ungleichen Kampf. Das Geschehen hier war eigentlich undenkbar. Maujaks besaßen feine Nasen und würden niemals zufällig oder gar freiwillig in das Versteck eines Skaplas stolpern. Diese nachtaktiven, giftigen Insekten ruhten für gewöhnlich am Tag. Ihre Behausung, die sie bevorzugt im Boden anlegten oder unter einem Haufen verrottenden Laubes und maroden Gehölzes, verließen Skaplas zur Tageszeit nur im äußersten Notfall.


»Frag mich was Leichteres«, erwiderte Yalsa heiser und trat bereits eilig den Rückzug an, ohne das Kampfgeschehen aus den Augen zu lassen. »Verschwinden wir von hier. Schnell.«


Dem hatte Nairi nichts hinzuzufügen und tat es ihrer Freundin gleich. Sie hegte ebenso wenig das Verlangen, von einem ausgewachsenen, aggressiven Skapla angegriffen zu werden, sobald es sich doch abschütteln ließ. Irgendwie musste es dem Maujak zuvor schon gelungen sein, so wie es aussah. Nach nur wenigen Schritten verstummten allerdings die Schreie. Das stark mitgenommene Raubtier torkelte, schnaufte ein letztes Mal und fiel seitlich zu Boden. Nairis Herz setzte für einen Wimpernschlag aus. Es wurde ruhig. Das Maujak lag regungslos da.


»Halt, bleib stehen«, entschied Yalsa hastig.


Sofort erstarrten beide mitten in ihrer Bewegung. Um nichts in der Welt wollten sie das riesige Insekt auf sich aufmerksam machen. Statt Augen besaß es antennenartige Fühler am Kopf, die jede noch so kleine Bewegung in einem Umkreis von mehreren Schritten wahrnahmen. Das machte sie so gefährlich. Ein Skapla ließ sich aufgrund dieser Eigentümlichkeit kaum überraschen. In Verbindung mit ihrer Schnelligkeit stellten sie einen ernstzunehmenden Gegner dar, der am sichersten aus der Entfernung zu bekämpfen war. Leider standen Nairi und Yalsa noch viel zu dicht an dem Skapla dran, als dass sie ihre Wurfhölzer oder Giftpfeile erfolgreich hätten einsetzen können. Doch zu ihrem Glück hatte das Insekt sie noch nicht bemerkt. Es kroch langsam und entspannt von dem Maujak herunter, nur um in dessen unmittelbarer Nähe stehen zu bleiben und sich aufzurichten. Das hintere Drittel des länglichen Körpers lag dabei flach am Boden, während sich die Vorderseite mit den unzähligen in Bewegung befindlichen Beinpaaren in all ihrer Pracht präsentierte. Der Kopf bewegte sich mitsamt Fühlern ruhig umher. Es suchte sein Umfeld nach einer weiteren Bedrohung ab. Das Verhalten mutete genauso merkwürdig an wie die Tatsache, dass ihnen mitten am Tag ein Skapla gegenüberstand, der zudem ein Maujak verfolgt und erlegt hatte. Dabei gehörte das marderartige Raubtier nicht einmal zu seinem Beutespektrum. Was hatte das totbringende Insekt dazu gebracht, mitten am Tag sein Versteck zu verlassen? Das Maujak bestimmt nicht, oder doch? Unbeirrt verharrte der Skapla an Ort und Stelle. Sein Geruchssinn verriet dem vielbeinigen Insekt, dass sich noch jemand in der Nähe befand, allerdings nicht wo. Dadurch wurde ein unentdeckter Rückzug unmöglich. Fieberhaft suchte Nairi in Gedanken nach einer Möglichkeit, das Tier abzulenken. An Einfällen mangelte es ihr nicht, eher an der Durchführbarkeit. Entweder hätten sie und Yalsa sich dafür bewegen oder sie hätte sich der Magie bedienen müssen. Die Folgen ihres letzten magischen Eingriffs in einer ähnlichen Situation waren ihr noch gut in Erinnerung geblieben. Außerdem hatte sie Kantaro zugestanden, sich von der Magie fernzuhalten. In Ermangelung einer anderen Wahl hieß es vorerst, abwarten und hoffen. Wortlos fluchte Nairi in sich hinein. Es sah alles danach aus, als würde aus ihrer prekären Lage ein Ausdauerkampf mit bereits feststehendem Ende werden. Plötzlich vernahm Nairi ein Zischen. Aus heiterem Himmel schlug ein Pfeil neben dem Skapla im Boden ein. Sofort stürzte sich das Tier darauf, umschlang mit seinem Körper den Schaft und biss sich fest. Dem ersten Pfeil folgten zwei weitere. Es waren keine tödlichen Treffer. Das vielbeinige Insekt fiel jedoch zuckend zu Boden. Vollkommen überrascht über diese Wendung stand Nairi der Mund offen. Yalsa erging es ähnlich. Noch ehe eine von ihnen etwas sagen konnte, knackte und raschelte es im sie umgebenen Dickicht. Ein Späher erschien in Begleitung zweier kampfbereiter Jäger. Kaum erblickten sie den verletzten Skapla, flog ein weiterer Pfeil, der ihn schließlich erlöste. Erleichtert atmeten Nairi und Yalsa auf.


»Ihr habt verdammt viel Glück. Wir waren gerade in der Nähe«, erhob der Späher seine Stimme und musterte beide mit einem durchdringenden Blick. »Eure Gesichter sind mir unbekannt. Wer seid ihr und was macht ihr hier?«


Verunsichert über die Art ihres Gegenübers zog Nairi es vor, Yalsa reden zu lassen. Sie nahm derweil lieber die drei Manori in Augenschein. Die Verzierungen an der Kleidung des Spähers deuteten auf den Rang eines Kastenmeisters hin. Die Jäger dagegen waren nur einfache Mitglieder der Kaste des Schutzes. Lediglich die stammestypischen Zeichen, die ihre Retter als Gin’Hi auszeichneten, erkannte sie nicht so schnell, wie Yalsa bereits antwortete.


»Zuerst einmal ... Danke für die Hilfe.«


Ein respektvolles Nicken folgte, während sie ihre beiden Namen nannte und auch die drei Manori sich ihnen vorstellten. Der Kastenmeister hieß Nemmba, die Jäger Kaales und Ajoom. Die derweil erlangte Erkenntnis über deren Stammeszugehörigkeit stimmte Nairi nachdenklich. Die Heimatstadt der Gin’Hi lag von Shadranaey aus gesehen mehrere Tagesreisen in westlicher Richtung. Yalsa wirkte ähnlich überrascht, wie der kurze Blickaustausch zwischen ihnen verriet. Da sie aber einem Kastenmeister gegenüberstanden und ihm noch ein paar Antworten schuldeten, wäre es höchst unhöflich gewesen, dessen Frage durch ihre eigenen zu übergehen.


»Wir sind vom Stamm der Ai’Pal«, erklärte Yalsa weiterführend, »und befinden uns auf dem Rückweg von der Jagd auf die Jaotare.«


»Ai’Pal? Jaotare?«, fragte Nemmba erstaunt. »Dann habt ihr sie besiegt?«


»Nicht ganz, aber sie stellen keine Bedrohung mehr dar«, erwiderte sie.


»Keine Bedrohung mehr?«, wiederholte der Kastenmeister ungläubig. »Wo ist der Rest eurer Gruppe jetzt?«


»Wir sind durch die Bresche des Mitakgebietes marschiert. Unsere Leute befinden sich nun auf direkten Weg nach Shadranaey.«


»Bei allen Geistern ... sie dürfen die Stadt nicht erreichen«, entfuhr es Nemmba hoch besorgt. Er wandte sich sofort seinen Begleitern zu. »Bringt sie zum Außenposten im Westen und klärt sie über die Lage auf. Ich fange die Jagdgruppe ab. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät.«


Ohne Nairi und Yalsa weiter zu beachten, eilte der obere Späher in nördliche Richtung davon. Die beiden sahen ihm irritiert hinterher, ehe sie den zurückgebliebenen Jägern einen intensiv fragenden Blick zuwarfen.


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