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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Die letzte Stunde der Menschheit, Lars Albrecht
Lars Albrecht

Die letzte Stunde der Menschheit



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Edition Paashaas Verlag, www.verlag-epv.de
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Am Flughafen Münster/Osnabrück liefen die Leute von heller Panik erfüllt durcheinander. Einige kreischten sogar. Nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Hätten sich mehr Leute hier aufgehalten, wäre mit Sicherheit längst jemand zu Tode getrampelt worden. Diese Panik war leider Gottes durchaus nachvollziehbar, denn eben war vor aller Augen jemand erschossen worden. Woher sollten die Flüchtenden wissen, ob der Schütze nicht möglicherweise Amok lief und wahllos Umstehende erschoss?


Clemens Meyer, einer der Sicherheitsleute kämpfte sich als einziger in Gegenrichtung durch die Menschenmassen, denn während alle vom Tatort und somit auch vor dem Täter fliehen wollten, musste Clemens genau dorthin. Nur wusste er überhaupt noch nicht, was er tun würde, sollte der Schütze das Feuer auf ihn eröffnen. Clemens hatte zwar eine Pistole und einen Waffenschein, doch noch nie auf einen Menschen geschossen. Er hatte sogar gehofft, dass er das niemals tun müsste. Im Kopf war er allerdings schon hunderte Male ein solches Szenario durchgegangen. Jedes Mal war es so ausgegangen, dass er den bewaffneten Schurken überwältigte, ohne ihn erschießen zu müssen, dass er hunderte von Menschen rettete, und von den Medien als Held gefeiert wurde. Doch nun war er tatsächlich in dieser brenzlichen Lage, und er fürchtete sich davor, wie sie in Wirklichkeit ausgehen könnte.


Der Strom von Flüchtenden lichtete sich und Clemens konnte in einiger Entfernung den Schützen sehen. Einen Mann von etwa ein Meter achtzig, weder sportlich noch übergewichtig, der lustlos die Schultern hängen ließ. Clemens schätzte ihn auf Mitte zwanzig, doch aufgrund seiner Aufmachung war schwer zu sagen, wie alt er wirklich war. Er hatte lange, schwarze, vermutlich gefärbte Haare, die zu einem Pferdeschwanz gebunden waren, schwarz lackierte Fingernägel, bleiche Haut, so als würde er sich nur selten der Sonne aussetzen, und eine Tätowierung in Form eines Pentagramms unter dem linken Auge. Clemens würde ihn mit nur einem Wort beschreiben: Satanist. Die schwarze Hose, das schwarze T-Shirt mit einem roten, auf dem Kopf stehenden Christuskreuz darauf und der knöchellange Ledermantel, unter dem es zu dieser Jahreszeit trotz des kühlen Regens viel zu heiß sein musste, machten jeden Zweifel an diesem Eindruck zunichte.


„Hände hoch!“, rief Clemens und zielte auf den Mörder, der über dem Erschossenen stand, immer noch mit seiner Waffe auf ihn zielte und belustigt sein Werk betrachtete.


Wenn Clemens fünf Mal auf eine Zielscheibe schoss, erzielte er meistens siebenundvierzig oder achtundvierzig von fünfzig möglichen Punkten, aber die Zielscheibe schoss erstens nicht zurück und machte zweitens auch keine ruckartigen Bewegungen. Drittens hatte Clemens bei dieser Übung immer alle Zeit der Welt, die hätte er bei einer Schießerei nicht. Außerdem hatte Clemens nur einen einzigen Schuss gehört, er konnte also davon ausgehen, dass der Satanist ebenfalls ein guter Schütze war. Der Täter wandte sich von dem Toten ab und sah Clemens ins Gesicht, ließ seine Waffe zum Glück aber unten. Jedoch sah er nicht so aus, als wäre er schockiert wegen dem, was er eben getan hatte, oder als wäre er irre, sodass er gar nicht verstand, was er angerichtet hatte. Er wusste genau, was eben passiert war, er war voll und ganz gefasst und wirkte sogar selbstzufrieden. Er hatte eben einen Menschen erschossen und das, wie es aussah, wohlüberlegt und gezielt.


„Waffe weg!“, rief Clemens. Der Mörder ließ seine Pistole fallen. „Gut!“, meinte Clemens und stellte sich die Frage, wie er weiter vorzugehen hatte. Diese Frage erübrigte sich aber. „Halt! Stehen bleiben!“, rief Clemens, als der Mörder in Richtung Herrentoilette rannte. „STEHEN BLEIBEN, ODER ICH SCHIEßE!“, brüllte Clemens mit einer Mischung aus Wut und Verzweiflung in der Stimme, als der Täter unbeirrt weiterlief und in aller Ruhe die Tür öffnete. Clemens richtete die Waffe auf die Decke und gab einen Warnschuss ab. Wenn der den Satanisten nicht zur Vernunft brachte, gab es nichts, was das konnte.


Als hätte er den Warnschuss nicht einmal gehört, betrat der Satanist die Toilette und schloss die Tür hinter sich. Dieser Kerl musste Nerven wie Drahtseile haben. Der Warnschuss hatte ihn nicht annähernd so sehr eingeschüchtert, wie sein Verhalten Clemens verunsicherte. Der Sicherheitsangestellte folgte ihm, um zu verhindern, dass der Mörder die Chance bekam, eine Geisel zu nehmen oder noch jemanden umzubringen. Mit der Pistole von sich gestreckt, stieß er die Tür auf. Beinahe hätte er sie einem Kind ins Gesicht gestoßen. Verflucht, dachte Clemens, wo sind die Eltern? Einen Moment befand er sich im Zwiespalt, ob er den kleinen Fratz zu seinen Eltern bringen sollte oder sich um den Täter kümmern sollte. Er entschied sich für den Täter.


Die Toilette hatte keine Fenster, Luft strömte durch einen dünnen Blechschacht herein, durch den höchstens ein Dackel passen würde. Der Schütze war geradewegs in eine Sackgasse gelaufen, allerdings nirgends zu sehen ... Er musste in einer der Kabinen auf einer Toilette stehen und hoffen, dass Clemens ihn unachtsam zur Tür ließ. Doch den Gefallen würde er ihm nicht tun. Systematisch stieß Clemens eine Kabine nach der anderen auf. Der Mörder saß in der Falle, früher oder später musste Clemens ihn finden ...


Fasziniert beobachtete Bruno, der Taxifahrer, den seine Zentrale zum Flughafen Münster/Osnabrück geschickt hatte, wo er nun auf seinen Fahrgast wartete, wie die Polizei anrückte und sich durch eine Meute panischer Männer und Frauen zu drängen versuchte, die vom Airport floh. Er konnte nicht erkennen, wovor sie wegliefen, aber es musste etwas ziemlich Furchtbares sein, denn es hatte so ziemlich den ganzen Flughafen in Angst und Schrecken versetzt. Allerdings reichte es, wenn ein paar in Panik gerieten, die anderen wurden davon angesteckt – wie von einer Krankheit. Bruno hatte im Autoradio von genügend solchen Fällen gehört. Ob der Fahrgast, den Bruno aufnehmen sollte, es bis in sein Taxi schaffte, bezweifelte Bruno zwar, aber wer würde sich in so einer Situation schon über ein fehlendes Taxi beschweren? Früher oder später dürfte von den verängstigten Leuten irgendjemand in sein Taxi springen und einfach nur hier weg wollen. Das hieß für Bruno, dass ihm das Trinkgeld seines Lebens bevor stand ...


Damit hatte Bruno sich allerdings leider geirrt. Die Anwesenheit der Polizei hatte eine beruhigende Wirkung auf die Leute. Mehr sogar, die meisten, die eben erst wie von der Tarantel gestochen aus dem Flughafen gestürmt sind, machten kehrt, zückten ihre Kamerahandys und folgten den Polizisten. So schnell konnten aus panischen Flüchtenden schaulustige Gaffer werden. Weniger als eine Minute später kam ein Kind auf Brunos Taxi zu, öffnete die linke Hintertür und setzte sich auf den Rücksitz direkt hinter Bruno. Aber so klein, wie dieses Kind war, konnte es unmöglich alleine unterwegs sein.


„Wartest du auf deine Eltern?“, fragte Bruno und warf einen Blick in den Rückspiegel ... in dem ein Satanist seinen Blick erwiderte ... Was zur Hölle hatte Bruno denn da eben gesehen?


„Nein“, antwortete der Satanist kurz angebunden und hielt Bruno zwei Fünfziger hin. „Nach Gladbeck. Schloss Wittringen.“


Das war genau die Adresse, zu der auch der Fahrgast, den Bruno abholen sollte, hinwollte. Dann sollte er den hier aufnehmen? Bruno zuckte mit den Schultern, nahm die hundert Euro an und fuhr los. Egal wie verrückt der Fahrgast aussah, sein Geld war genauso gut wie das von jedem anderen.



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